{"id":51268,"date":"2017-04-30T00:48:03","date_gmt":"2017-04-29T22:48:03","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=51268"},"modified":"2017-04-30T00:48:03","modified_gmt":"2017-04-29T22:48:03","slug":"realitaetsgewitter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=51268","title":{"rendered":"Realit\u00e4tsgewitter"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein Buch, von dem ich vor ein paar Monaten in &#8220;Ex Libris&#8221; geh\u00f6rt habe, das ich ja gar nicht so oft konsumiere.<\/p>\n<p>Das Buch, der mir unbekannten Autorin<a href=\"http:\/\/www.aufbau-verlag.de\/index.php\/realitatsgewitter.html\"> Julia Zange namens &#8220;Realit\u00e4tsgewitter<\/a>&#8220;, das im vorigen November erschienen ist und von dem der Moderator sagte, die Eltern h\u00e4tten die Autorin daraufhin geklagt oder eine einstweilige Verf\u00fcgung verlangt.<\/p>\n<p>Das ist interessant und macht neugierig, also habe ich mir das Buch gestellt, das nur hundertf\u00fcnfzig Seiten stark ist und am Cover ein sehr eindringliches Bild einer schwarzen Katze mit gelben Augen tr\u00e4gt. Das macht auch neugierig.<\/p>\n<p>Am Buchr\u00fccken, hat dann <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/10\/16\/literarische-fernsehformate\/\">Maxim Biller, der gestrenge Kritiker, der inzwischen aus dem literarischen Quartett <\/a>ausgestiegen ist um wieder mehr zu schreiben geschrieben: &#8220;Das kann nur Julia Zange:Alle zehn Jahre ein Buch schreiben, das man nicht mehr vergisst!&#8221;<\/p>\n<p>Das macht noch mehr neugierig also goolge ich nach und erfahre bei &#8220;Wikipedia&#8221;, da\u00df die Autorin, eine trotzig dreinschauende blonde junge Frau, entweder 1983 oder 1987 geboren ist, 2006 den renommieren &#8220;Open Mike&#8221; gewonnen hat. 2008 den Roman &#8220;Die Anstalt der besseren M\u00e4dchen&#8221; bei &#8220;Suhrkamp&#8221; herausgegeben hat und als Schauspielerin in Berlin lebt.<\/p>\n<p>In der Biografie, die im Buch enthalten ist, steht keine Altersangabe und zus\u00e4tzlich zu dem schon Erw\u00e4hnten, steht noch, da\u00df sie\u00a0 als Redakteurin t\u00e4tig ist.<\/p>\n<p>Interessant, interessant. Der Klappentext verr\u00e4t, &#8220;da\u00df &#8216;Marla alles super hingekriegt h\u00e4tte, die Vorlesewettbewerbe, das Abi und vor allem das richtige L\u00e4cheln an den richtigen Stellen. Dann ist sie in die Gro\u00dfstadt gezogen und f\u00fchlt sich verloren, bis sie, um ihrer Einsamkeit zu entkommen, sich in ihre Heimat zur\u00fcck und ans Meer begibt, wo sie sich dann selber findet.&#8221;<\/p>\n<p>Das von dem &#8220;Erwachsenenwerden und dem sich Selberfinden&#8221;, steht auch noch einmal am Buchr\u00fccken und irgendwo habe ich noch etwas von sehr vielen Facebookfreunden gelesen.<\/p>\n<p>In den f\u00fcnfzehn Kapiteln des Buches wird dann gar nicht soviel Vorgeschichte erz\u00e4\u00f6hlt, sondern man wird gleich hineingeworfen in das Leben, der jungen Frau, die zu Weihnachten allein in ihrer WG ist. Die finnische Mitbewohnerin ist nach Hause gefahren. MarlasEltern sind in Indien,\u00a0 SMSen, da\u00df es keinen Weihnachtsbaum und keine Weihnachtsgans dort gibt und k\u00fcndigen ihr sp\u00e4ter noch den Scheck, weil sie jetzt alt genug ist, f\u00fcr sich selbst zu sorgen.<\/p>\n<p>Sie hat aber ihr Philosophiestudium abgebrochen und kein Geld, aber viele Freunden, einen Ben, einen\u00a0 Dylan, einen Lorenz, die sie zum Teil schon von ihrer Schulzeit kennt, zum Teil\u00a0 kennenlernt, w\u00e4hrend sie durch das Berliner Leben taumelt.<\/p>\n<p>Da sie Geld braucht, sucht sie eine Stellung, so geht sie in ein Gesch\u00e4ft hinein, das eine Aushilfe sucht. Aber daf\u00fcr ist sie nicht passend genug angezogen und man braucht, als Aushilfe in einer Boutique offenbar auch ein abgeschlossenes Studium und andere Sprachkenntnisse, als Englisch und ein bi\u00dfchen Franz\u00f6sisch. Also wird nichts aus dem Job.<\/p>\n<p>Englisch wird in dem Buch aber ohnehin sehr viel geredet, ist Marla doch total global vernetzt und die Freunde die sie in den Bars und Lokalen trifft, kommen oft auf dem Ausland.<\/p>\n<p>Ein Holger verschafft ihr dann, sie hat inzwischen eine Zara-Klamottent\u00fcte zur\u00fcckgetragen und mit den f\u00fcnfundzwanzig Euro, die sie daf\u00fcr bekommen hat, Lebensmittel eingekauft, einen Job als Redakteurin in einem Modemagazin. So reist sie herum und geht zu Pressekonferzenen, interviewt Star und seltsame Typen, die ein &#8220;Forever life&#8221; Konzept entwerfen und mi\u00dfbilligend auf sie schauen, wenn sie sich zwei St\u00fcck Zucker in ihren Cappucino kippt und sich ein Tomaten Mozarella Ciabatta bestellt.<\/p>\n<p>Dann wird die Oma neunzig und sie f\u00e4hrt nach Haus. Die Eltern hatten mal eine Fabrik, die der Gro\u00dfvater, der schon vierundneunzig ist, gegr\u00fcndet hat. Jetzt\u00a0 arbeitet der Vater in einem Center f\u00fcr Medical Research und die Mutter hat in dem Haus, wo sie wohnen eine Praxis als Lebensberaterin.<\/p>\n<p>Als Marla dorthin kommt, empf\u00e4ngt sie nur die ihr unbekannte Haushaltshilfe. Sp\u00e4ter kommt die Mutter, sagt zuerst &#8220;Marla mein Schatz, ich hab dich vermi\u00dft. Du siehst gut aus,-viel erwachsener!&#8221;<\/p>\n<p>Dann &#8220;Ich kann inhaltlich nicht mit dir reden, Marla. Wenn du etwas Tiefergehendes mit mir besprechen m\u00f6chtest, k\u00f6nnen wir das gerne mit einem Psychologen oder Mediator machen&#8221;<\/p>\n<p>Dann wieder &#8220;Nat\u00fcrlich, ich liebe dich mehr als mein Leben, Marla&#8221; und schlie\u00dflich:<\/p>\n<p>&#8220;Ich schlage vor, du \u00fcbernachtest bei deinen Gro\u00dfeltern oder f\u00e4hrst wieder zur\u00fcck in dein Drecksloch. Ansonsten werde ich n\u00e4mlich dieses Haus verlassen!&#8221;<\/p>\n<p>Marla geht in ihr ehemaliges Zimmer, die Mutter in ein Hotel, was ihr der Vater, der vor dem Fernseher sitzt, mitteilt, als sie in der Nacht von Schreien, die sie im Garten h\u00f6rt, aufwacht.<\/p>\n<p>Jetzt verl\u00e4\u00dft sie mit der geklauten Kreditkarte des Vaters das Haus und f\u00e4hrt nach Sylt. Am Bahnhof kauft sie sich noch die ersten Zigaretten ihres Lebens und ein Feuerzeug mit einer Katze. In der Villa der Eltern hing auch ein Katzenbild, das die Kinder einmal den Eltern schenkten, die Mutter aber daran etwas auszusetzen hatte.<\/p>\n<p>In Sylt bekommt sie in einem Hotel, das in einem Hochhaus liegt, ein Zimmer f\u00fcr vier Tage, trifft einen Ole, den sie \u00fcber eine Kontaktb\u00f6rse kennenlernte, f\u00e4hrt mit einem Elektrorad den Strand entlang und dann wieder nach Berlin zur\u00fcck, wo die Mitbewohnerin sie empf\u00e4ngt und sie schlie\u00dflich zum Essen ruft.<\/p>\n<p>Wie das mit der Selbstfindung und dem Erwachsenwerden ist, habe ich nicht ganz mitbekommen, wie mir \u00fcberhaupt der Klappentext etwas konstruiert erschien und ich das Buch auch nicht als Roman, sondern, zugegeben als, scharf und pointiert geschriebene Episoden interpretieren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Einen Roman m\u00fc\u00dfte man erst darauf komponieren, w\u00fcrde die Kritikerin in mir sagen und dazu f\u00e4llt mir auch noch auf, da\u00df das Buch, das zu Weihnachten beginnt und bis zum Sommer 2016 handelt, der Brexit und der Anschlag von Nizza wird erw\u00e4hnt und immer wieder taucht das Portrait von Andela Merkel auf, wenn es schon im November erschienen ist, sehr schnell geschrieben worden ist.<\/p>\n<p>Der Titel &#8220;Realtit\u00e4tsgewitter&#8221; deutet wohl auf die \u00dcberforderung der jungen Frau hin und da habe ich ja <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/08\/08\/axolotl-roadkill\/\">schon<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/07\/27\/lucy-fliegt\/\">einige <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/04\/traurige-freiheit\/\">diesbez\u00fcgliche<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/12\/18\/der-russe-ist-einer-der-birken-liebt\/\"> Romane<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/03\/17\/wir-kommen\/\">gelesen<\/a>, die die \u00dcberforderung der jungen Leute von heute zeigen, aber damals vor<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?s=krankheit+der+jugend\"> hundert oder achtzig Jahren, ist es wahrscheinlich auch nicht viel besser gewesen.<\/a><\/p>\n<p>Wenn die Eltern von Frau Zange klagten, m\u00fc\u00dften sie sich wohl betroffen und angesprochen gef\u00fchlt haben, in diesem Fall w\u00e4re wohl wirklich ein Gespr\u00e4ch mit oder auch ohne Psychologen und Mediator zu empfehlen.<\/p>\n<p>Ansonsten kann ich nur sagen, da\u00df mir die Autorin bisher unbekannt war, da\u00df ich die Episoden scharf und pointiert geschrieben empfunden habe und sie wohl auch sehr viel von der \u00dcberfordertheit ausdr\u00fccken, denen die jungen Leute heute wohl ausgesetzt sind und was man vielleicht auch lesen will.<\/p>\n<p>Ansonsten ist es dieser Marla, trotz ihrer harten oder neurotischen Eltern, eigentlich nicht so schlecht gegangen. Der Job war ja da und die Freunde, wenn vielleicht auch oberfl\u00e4chlich auch und ob sie sich nach vier Tagen Sylt wohl wirklich gefunden und erwachsen ins Leben zur\u00fcckgekeht ist, erscheint mir fraglich.<\/p>\n<p>W\u00e4r sch\u00f6n wenn das so einfach w\u00e4re und wer hat das einmal zu mir gesagt, ein Roman ist etwas ganz anders und braucht wohl auch mehr, als vier Monate, um zu entstehen.Er mu\u00df auch ber\u00fchren und etwas Neues, noch nie dagewesenes beinhalten?<\/p>\n<p>Nun ber\u00fchrt haben mich die pointiert beschriebenen Szenen schon. Neu ist der Inhalt wahrscheinlich nicht und in Berlin, Wien und woanders, werden wahrscheinlich noch viel mehr entwurzelte junge Leute herumlaufen, die per Facebook kommunizieren, moderne Klamotten haben und sich mit ihren Eltern nicht verstehen.<\/p>\n<p>Interessant ist vielleicht auch noch die &#8220;Amazon-Bewertung&#8221;, die ich ja sehr gerne zu Rate ziehe. Von ein bis f\u00fcnf Stern ist da alles zu finden und zu den pointierten Bildern, mit denen auch das moderne Szene Berlin beschrieben wird, durch das Marla torkelt, f\u00e4llt mir noch das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?s=mimikry\">&#8220;Mimikry-Spiel des Lebens-Buc<\/a>h&#8221; ein, das ja auch bei &#8220;Aufbau oder zu der Verlagsgruppe geh\u00f6rendenen Verlag&#8221; erschienen ist und das in einem Sommer in diversen K\u00fcnstlerwohnungen entstanden ist, die vielleicht denen gleichen, durch die Marla zieht und literarische Anspielungen kommen in dem Buch auch einige vor, scheint Marla oder ihrer Autorin ja sehr belesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein Buch, von dem ich vor ein paar Monaten in &#8220;Ex Libris&#8221; geh\u00f6rt habe, das ich ja gar nicht so oft konsumiere. Das Buch, der mir unbekannten Autorin Julia Zange namens &#8220;Realit\u00e4tsgewitter&#8220;, das im vorigen November erschienen ist &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=51268\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[26,429,766,1764,3007],"class_list":["post-51268","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-neuerscheinung","tag-aufbau","tag-berlin","tag-episoden","tag-julia-zange"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/51268","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=51268"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/51268\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=51268"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=51268"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=51268"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}