{"id":51450,"date":"2017-05-09T21:14:28","date_gmt":"2017-05-09T19:14:28","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=51450"},"modified":"2017-05-09T21:14:28","modified_gmt":"2017-05-09T19:14:28","slug":"das-geheimnis-der-eulerschen-formel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=51450","title":{"rendered":"Das Geheimnis der Eulerschen Formel"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein Buch, das ich unter anderen Sch\u00e4tzchen im &#8220;Wortschatz&#8221; gefunden habe und eines das mir, was ja, wie meine Leser vielleicht bemerkten, gar nicht so oft vorkommt, erstaunlich gut gefallen hat.<\/p>\n<p>Ein japanischer Roman, von der 1962, geborenenen Yoko Ogawa, von der ich noch nichts gelesen habe, die in den Blogs aber \u00f6fter vorkommt und die auch eines meiner Lieblingsthemen, n\u00e4mlich <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_vergessen.html\">der Umgang mit dem Ged\u00e4chtnisverlust,<\/a> dem <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_paulanebel.html\">\u00c4lterwerden<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_vater.html\">dem Sterben<\/a>, behandelt.<\/p>\n<p>Sie tut es auf eine sehr poetische Art und Weise: &#8220;Ein Buch \u00fcber Freundschaft und Verlust &#8211; und \u00fcber die Sch\u00f6nheit der Mathematik&#8221;, wie auf dem Buchr\u00fccken steht und die japanische Literatur, in der ich mich nicht so besonders auskenne, hat auch ihren eigenen, geheimnisvollen Reiz.<\/p>\n<p>Ein Buch von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/01\/31\/gefahrliche-geliebte\/\">Haruki Murakami,<\/a> dem Gro\u00dfmeister habe ich gelesen, eines <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/09\/07\/das-casting\/\">von seinem Namensvetter,<\/a> eines von\u00a0 <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/12\/19\/das-jagfdgewehr\/\">Yasushi Inoue <\/a>, sowie von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/07\/08\/was-vom-tage-ubrigblieb\/\">Kazuo Ishiguro<\/a> das sind schon fast meine gesamten Kenntnisse der japanischen Literatur und richtig bei der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/20\/echos-aus-japan\/\">&#8220;Literatur im Herbst&#8221;<\/a>, war es auch einmal das Thema.<\/p>\n<p>Die Funde aus den B\u00fccherschr\u00e4nken sind also ein gro\u00dfer Gewinn,sie f\u00fcllen meine literarischen L\u00fccken und die Geschichte ist schnell oder auch sehr langsam erz\u00e4hlt, den sie lebt, glaube ich, von den Ausparungen und den Andeutungen.<\/p>\n<p>Eine namenlose Haush\u00e4lterin ist die Ich-Erz\u00e4hlerin, sie wird von ihrer Agentur zu einem Mathematikprofessor geschickt, der vor einigen Jahren einen Autorunfall hatte und sich die Ereignisse jetzt nur mehr achtzig Minuten merken kann.<\/p>\n<p>Er wohnt in einem Gartenpavillon im Hause seiner Schw\u00e4gerin, die die Haush\u00e4lterin, eine junge Frau mit einem zehnj\u00e4hrigen Sohn auch engagiert.<\/p>\n<p>Dann verschwindet sie in ihrem Haus, das die Haush\u00e4lterin nie betreten soll und der Professor ist ein schmaler Mann in einem sch\u00e4bigen Anzug auf dem unz\u00e4hlige Zettelchen kleben, damit er sich in seinem Leben zurechtfindet.<\/p>\n<p>Er l\u00f6st mathematische R\u00e4tsel und schickt sie an Zeitschriften, womit er viele Preise gewinnt und er nimmt mit seiner Haush\u00e4lterin den Kontakt auch \u00fcber Zahlen auf, so fragt er sie nach ihrer Schuhgr\u00f6\u00dfe und erkl\u00e4rt ihr diesbez\u00fcgliche Zusammenh\u00e4nge und sie beginnt sich, die wohl keine gr\u00fcndliche Schulbildung hat, f\u00fcr die Mathematik zu interessieren.<\/p>\n<p>Der Professor ist auch sehr kinderliebend, so fordert er sie auf, was in ihrer Agentur eigentlich streng verboten ist, nach der Schule, den Sohn herzuholen und mit ihm geheimsam Abend zu essen, weil das f\u00fcr ein Kind ja wichtig ist und nennt ihn &#8220;Root&#8221;, Wurzel, nach seiner Kopfform.<\/p>\n<p>Eine wichtige Verbindung ist auch das Baseballspielen. Der Zehnj\u00e4hrige interessiert sich daf\u00fcr und der Professor tut es auch, aber weil der ja schon Jahre kein Ged\u00e4chtnis mehr hat, sind seine Lieblingsspieler nicht mehr aktuell und das stellt die beiden vor ein Problem, weil sie nicht wissen, wie sie das dem Professor beibringen sollen, weil sie ihn nicht verletzen wollen.<\/p>\n<p>Es kommt eines Tages auch zu einem kleinen Unfall. Root schneidet sich beim Apfel sch\u00e4len in den Finger, w\u00e4hrend die Mutter einkaufen war und, als sie zur\u00fcckkommt, findet sie die beiden blut\u00fcberstr\u00f6mt und au\u00dfer Fassung vor.<\/p>\n<p>Der Professor tr\u00e4gt das Kind dann ins Krankenhaus und zu einem Baseballspiel wollen die beiden, den Professor auch mitnehmen. Das ist f\u00fcr den alten Herrn, der mit seinen Zettlchen auff\u00e4llt, nat\u00fcrlich anstrengend und so verf\u00e4lllt er nachher in ein hohes Fieber, so da\u00df die junge Frau, obwohl auch das streng verboten ist, sich weigert, um neunzehn Uhr nach Hause zu gehen, sondern mit dem Kind die Nacht \u00fcber bei ihm bleibt. Das f\u00fchrt zu einer Beschwerde, sie wird in ihre Agentur gerufen und mu\u00df die Stelle wechseln.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Professor eigentlich kein Problem, hat er sie ja nach achtzig Minuten vergessen, f\u00fcr die unge Frau, die jetzt bei einem Stuerberaterehepaar arbeitet aber schon. Root wird wieder ein Schl\u00fc\u00dfelkind und sie wird eines Tages von der Agentur angerufen, sie soll sofort in das Haus des Professors kommen, weil ihr Sohn etwas Schreckliches angestellt hat.<\/p>\n<p>Der hat den alten Mann nur besucht, die Schw\u00e4gerin ist aber mi\u00dftrauisch, fragt die ehemalige Haush\u00e4lerin, ob sie das nur des Geldes wegen getan hat und was sie damit bezweckt? Die antwortet &#8220;Aus Freundschaft!&#8221; und der Professor legt pl\u00f6tzlich ein Zettelchen mit der &#8220;Eulerischen Formel&#8221; auf den Tisch, als wolle er Streit vermeiden.<\/p>\n<p>Damit wird scheinbar alles wieder gut, die Haush\u00e4lterin wird wieder eingestellt, der Professor gewinnt den ersten Preis beim Preisausschreiben und Root wird, seltsamerweise, die Geschichte spielt in den Neunzigerjahren, am 11. 9. elf Jahre alt. So beretiten sie f\u00fcr ihn und den Professor ein gro\u00dfes Fest, suchen daf\u00fcr lang eine Sammelkarte seines Lieblingsspielers, es gibt auch ein Problem mit den Kerzen und der Torte und am n\u00e4chsten Tag ruft die Schw\u00e4gerin an. Die Haush\u00e4lterin braucht nicht mehr kommen, denn der Schwager, dessen Ged\u00e4chtnisspanne noch k\u00fcrzer gworden ist und jetzt nicht mehr \u00fcber das Unfallsjahr 1975 hinausgeht, kommt in ein Altersheim.<\/p>\n<p>Ja, richtig ein Geheimnis gab es auch noch, das die Haush\u00e4lterin entdeckte, n\u00e4mlich in einer Kassettte mit den Baseballspielerkarten, lag ein Manuskript und darauf stand &#8220;F\u00fcr N. in ewiger Liebe. Du sollst mich nie vergesssen&#8221; und N. ist, wie die Haush\u00e4lterin wei\u00df, die Schw\u00e4gerin und, die sagt ihr dann noch, auf die Frage, ob sie ihn nicht auch im Altersheim betreuen soll: &#8220;Das ist nicht n\u00f6tig. Ich werde bei ihm sein. An Sie wird sich mein Schwager nie mehr erinnern, mich hingegen wird er nie vergessen.&#8221;<\/p>\n<p>Sie und Root besuchen ihn aber doch bis zu seinem Tod, das letzte Mal elf jahre sp\u00e4ter, als Root schon zweiundzwanzig ist und sein Lehramtsexamen bestanden hat, also in Zukunft auch Mathematiklehrer sein wird.<\/p>\n<p>Ein sehr ber\u00fchrende, geheimnisvolle Geschichte, nicht so realistisch, wie meine Texte \u00fcber den Tod, das \u00c4lterwerden und das Sterben, aber trotz aller Aussparungen und der vielen Kleindetail,\u00a0 verst\u00e4ndlich und nachvollziehbar, die mich sehr beeindruckt hat und ich nun auch gern die anderen B\u00fccher der Autorin lesen m\u00f6chte. Aber die m\u00fc\u00dfte ich erst finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein Buch, das ich unter anderen Sch\u00e4tzchen im &#8220;Wortschatz&#8221; gefunden habe und eines das mir, was ja, wie meine Leser vielleicht bemerkten, gar nicht so oft vorkommt, erstaunlich gut gefallen hat. 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