{"id":51813,"date":"2017-06-02T00:36:01","date_gmt":"2017-06-01T22:36:01","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=51813"},"modified":"2017-06-02T00:36:01","modified_gmt":"2017-06-01T22:36:01","slug":"wald","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=51813","title":{"rendered":"Wald"},"content":{"rendered":"<p>In der &#8220;Falter-Redaktion&#8221;, der &#8220;Stadtzeitung f\u00fcr Wien&#8221; scheinen lauter Bobos zu sitzen, beziehungsweise gibt es dort einige Redakteure, deren B\u00fccher dar\u00fcber h\u00f6chstwahrscheinlich zu Bestsellern wurden.<\/p>\n<p>Anna Maria Dusl ist eine davon, sowie Doris Knecht und der Alfred, der ein Faible daf\u00fcr zu haben scheint, schenkt mir ihre B\u00fccher auch bevorzugt zu Weihnachten oder zum Geburtstag.<\/p>\n<p>Doris Knecht &#8220;Wald&#8221;, 2015 erschienen und wie ich glaube auch der Wunsch einiger Blogger f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/07\/09\/deutscher-buchpreis\/\">Buchpreis-LL<\/a>, habe ich aber im Schrank gefunden und es hat mir auch besser als <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/12\/22\/besser\/\">&#8220;Besser&#8221;<\/a> gefallen und besser, als die Bobo-Visionen der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/12\/28\/ins-hotel-konnte-ich-ihn-nicht-mitnehmen\/\">Anna Maria Dusl.<\/a><\/p>\n<p>Aber interessant sich vorzustellen in welchen Weltbild die &#8220;Falter-Redakteure&#8221; leben und f\u00fcr selches Zielpublikum sie schreiben.<\/p>\n<p>Marianne Malin, die sich l\u00e4ngst trendiger Marian nennt, das ist zwar glaube ich ein slowakischer M\u00e4nnername, aber immerhin, geh\u00f6rte wahrscheinlich zu den &#8220;Falter-Abonennten&#8221;. Fr\u00fcher, vor 2008, als es ihr noch gut ging und die Wirtschaftskrise, beziehungsweise die Leman-Brothers nicht einen Strich pber die aufsteigende Karriere der Jungdesignerin machte.<\/p>\n<p>Und die hat, erfolgsgewohnt nicht so schnell geschnallt, da\u00df es jetzt vorbei sein k\u00f6nnte mit dem wirtschaftlichen Aufschwung und sich die Leute, die anderen Bobos, fortan ihre Kleider wieder von der Stange, als in ihrem schicken Atelier kaufen w\u00fcrden. So hat sie investiert, noch einmal einen Kredit aufgenommen, ein neues Studio er\u00f6ffnet, ein paar Stores und alles verloren. So sitzt sie zu Beginn des Buches im Wald, das hei\u00dft im ererbten H\u00e4uschen ihrer Tante, das nicht mehr ihr sondern ihrer Tochter Kim geh\u00f6rt, so da\u00df man es ihr auch nicht wegnehmen und auch nichts mehr pf\u00e4nden kann.<\/p>\n<p>Marian hat sich, als sie schon ganz unten war dorthin zur\u00fcckgezogen, hat sich wie Doris Knecht das so trendig schreibt &#8220;aus dem System ausgeklinkt&#8221;, beziehungsweise von dort geflohen und \u00fcberlebt den ersten Winter in der K\u00e4lte. Klaut sich von den bauern der Umgebung, die Kartoffeln, das Gem\u00fcse, die Hendln. L\u00e4\u00dft sich von der Schwester, die Stromrechnung zahlen und Handy-Wertkarten schenken und versucht m\u00fchsam zu \u00fcberleben.<\/p>\n<p>Das geht nicht ohne einige Verletzungen oder Drohungen ab, so droht ihr der Bauer, dem die Kartoffeln oder auch die Hendln geh\u00f6rten, mit dem Abfackeln ihres Hauses, denn das geht, da soll sie aufpassen, sehr schnell!<\/p>\n<p>Und dann trifft sie den Franz. Das ist ein schon \u00e4lterer Grundbesitzer der Umgebung. Einer von denen, der sicher nie die &#8220;Seitenblicke&#8221; sah, in denen Marians schicke Mode pr\u00e4sentiert wurde. Er erwischt sie beim Wildern. Der Onkel hat ihr auch ein Gewehr hinterlassen und schie\u00dfen hat sie fr\u00fcher einmal in ihrer Bobo-Zeit gelernt. Man sieht die \u00c4hnlichkeiten zur <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/05\/27\/yseut\/\">Streeruwitz<\/a>, obwohl die\u00a0 1966 in Vorarlberg geborene, das Buch h\u00e4tte ich mir also auch auf den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/05\/15\/um-den-bodensee-mit-ruth-und-alfred\/\">Bodensee<\/a> mitnehmen k\u00f6nnen, ganz anders schreibt.<\/p>\n<p>Franz knallt ihr eine hinunter, zeigt ihr aber dann, wie man das Reh ausnimmt und schickt ihr sp\u00e4ter die einzelnen Portionen sch\u00f6n verpackt nach Hause. Daf\u00fcr kommt er sie am Nachmittag besuchen, legt ihr die Hand aufs Knie und zieht ihr den\u00a0 Pullover aus. Auch das kann man bei der Streeruwitz finden und auch hier \u00fcber die Unterdr\u00fcckung der Frau nachdenken.<\/p>\n<p>Bei Knecht tut das Marian selbst, den die resumiert an dem Tag in dem das Buch spielt, \u00fcber ihr bisheriges Leben nach und auch dar\u00fcber, was Prostitution ist?<\/p>\n<p>Wo hat sie sich mehr prostiuiert, wenn sie mit Franz daf\u00fcr, da\u00df er ihr Holz liefern l\u00e4\u00dft, eine Angel schnenkt und auch das Fischrecht \u00fcber seinen Besitz gibt, ins Bett steigtoder als sie einer Opernball-Pomeranze, als es ihr schon sehr schlecht ging, ein Kleid nach ihren W\u00fcnschen n\u00e4hte und daf\u00fcr ihre Grunds\u00e4tze \u00fcber Bord warf?<\/p>\n<p>Sie hat aber nicht nur Feinde in dem Dorf. Es gibt auch eine alte Nachbarin, auf deren behinderten Sohn sie manchmal aufpasst, die ihr eine alte N\u00e4hmaschine schenkt und ihr auch sagt, da\u00df sie beim\u00a0 Hendl-stehlen aufpassen soll, denn die Bauerin, der es entlaufen ist, hat sie dabei gesehen und hat an der Kasse des Genossenschaftmarktes gesagt, da\u00df sie sie anzeigen wird und irgendjemand hat &#8220;HUR&#8221; auf Marians T\u00fcr geschrieben, als sie in der Fr\u00fch fischen war.<\/p>\n<p>Marian \u00fcberdenkt das alles. Das sch\u00f6ne, schicke Bobo-Leben, wo man das Geld nur so hinaufswar.\u00a0 Sojamilch statt der normalen kaufte, weil man ja leider allergisch ist. Jetzt, wo sie von der Hand in den Mund lebt, ist sie das seltsamerweise nicht mehr, also nur eine Modekrankheit der sch\u00f6nen reichen Bobos?<\/p>\n<p>Und sie stellt sich auf vor, auf wieviel sch\u00f6nes gutes Essen sie wegen Di\u00e4ten, die ihr auch die Schickeria und die Modezeitschriften verordnenten, damals verzichtete.<\/p>\n<p>Sie reift, es ist also wieder ein Entwicklungsroman, der zeigt, wo das sch\u00f6ne wahre Leben ist, in der Natur. Und ein bi\u00dfchen hat Doris Knecht vielleicht auch \u00fcbertrieben, wenn sie vom M\u00e4usefangen schreibt und Marian zusehr zu den Wurzeln zur\u00fcckkehren l\u00e4\u00dft, denn nach einem normalen Abstieg geht man wahrscheinlich zum AMS und in einen Sozialmarkt einkaufen.<\/p>\n<p>Es kommt aber und das finde ich gut, zu einem Happy-End. Sie spricht sich mit Franz aus, darf sich von ihm, der sie jetzt endlich so und nicht mehr altmodisch Marianne nennt, etwas zum Geburtstag w\u00fcnschen. Sie w\u00fcnscht sie ein Hendl oder zwei, so da\u00df sie nicht mehr stehlen mu\u00df und in dem alten Gasthaus, das Franz Sohn wieder\u00f6ffnen will, soll sie auch mithelfen und dem Sohn unter die Arme greifen.<\/p>\n<p>So trinkt sie zuversichtlich von Franz guten Wein, wischt dann das &#8220;HUR&#8221;, Franz wird daf\u00fcr sorgen, da\u00df das nie mehr passiert, von der T\u00fcre weg und geht ins Haus im endlich ihre Tochter anzurufen, was sie solange vermieden hat.<\/p>\n<p>Ein wirklich spannendes Bhuch, das ich sehr interessiert gelesen habe und dabei, glaube ich, meine Knecht-Vorurteile, da\u00df das ja keine Literatur ist, reviderte.<\/p>\n<p>Vorbilder gibt es nat\u00fcrlich auch. Da w\u00e4re vor allem die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/07\/05\/die-wand\/\">&#8220;Wand&#8221;<\/a> und die hat Doris Knecht sicherlich gelesen. Bei <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/07\/02\/gottin-in-gummistiefeln\/\">Sophie Kinsella<\/a>, die ja etwas Ahnliches auf ChickLit Art beschrieben hat, w\u00e4re ich mir da nicht ganz sicher und ein <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/24\/lied-ueber-die-ggeignete-stelle-fuer-eine-notunterkunft\/\">Debut, das sich mit dem \u00dcberleben besch\u00e4ftigt, hat es im Herbst ja auch gegeben<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der &#8220;Falter-Redaktion&#8221;, der &#8220;Stadtzeitung f\u00fcr Wien&#8221; scheinen lauter Bobos zu sitzen, beziehungsweise gibt es dort einige Redakteure, deren B\u00fccher dar\u00fcber h\u00f6chstwahrscheinlich zu Bestsellern wurden. 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