{"id":51979,"date":"2017-06-17T00:59:16","date_gmt":"2017-06-16T22:59:16","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=51979"},"modified":"2017-06-17T00:59:16","modified_gmt":"2017-06-16T22:59:16","slug":"kontinent-doderer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=51979","title":{"rendered":"Kontinent Doderer"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt, k\u00f6nnte man respektlos schreiben, der<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/06\/02\/wald\/\"> dritte <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/12\/28\/ins-hotel-konnte-ich-ihn-nicht-mitnehmen\/\">Bobo <\/a>aus der &#8220;Falter-Redaktion&#8221;n\u00e4mlich der ehemalige &#8220;Bachmann-Juror&#8221; und &#8220;<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/11\/08\/staatspreis-fur-literaturkritik-und-jury-andruchowytsch\/\">Staatspreistr\u00e4ger f\u00fcr Literaturkritik&#8221; Klaus N\u00fcchtern<\/a>, der zum f\u00fcnfzigsten Todestag von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/05\/12\/das-doderer-buch\/\">Heimito von Doderer eine Biografie<\/a> \u00fcber ihn schreiben sollte.<\/p>\n<p>Der wollte oder konnte das nicht, so ist ein&#8221;Kontinent Doderer&#8221; daraus geworden oder, wie N\u00fcchtern ganz am Anfang schreibt, ein essayistischer Gang durch Leben und Werk des gro\u00dfen oder kleinen, vergessenen oder bekannten \u00f6sterreichischen Dichters.<\/p>\n<p>Mir ist er bekannt, befand ich mich doch nach meiner <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/05\/24\/vierzig-jahre-matura-vierzig-jahre-schreiben\/\">Kn\u00f6dl-Matura <\/a>stark in der philosophischen Krise und bin mit dem nicht so kleinen literarischen Wissen, vermittelt durch die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/08\/19\/rechtschreibregeln\/\">Frau Prof Friedl,<\/a> im Sommer 1973 und noch sp\u00e4ter, die Buchhandlungen Wiens abgeklappert und habe mich eingekauft und eingelesen.<\/p>\n<p>Ja, damals hat die sparsame Studentin noch zum Normalpreis gekauft und sich nicht vorstellen k\u00f6nnen, da\u00df die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/08\/21\/bucherschrank-geschichten\/\">B\u00fccher vierzig Jahre sp\u00e4ter einfach so auf der Stra\u00dfe herumliegen<\/a> oder, da\u00df man sie von den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/08\/21\/das-literaturpreis-archiv\/\">Verlagen problemlos zugeschickt bekommt <\/a>und gelesen hat sie viel, wenn auch wahrscheinlich noch nicht sehr viel verstanden.<\/p>\n<p>1974 im Sommer im H\u00e4uschen am Almweg <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/02\/25\/musils-moerder\/\">&#8220;Den Mann ohne Eigenschaften&#8221;<\/a> und drei Jahre sp\u00e4ter glaube ich, frisch verliebt in den Willi und sehr gehemmt, vorwiegend im Stadtpark &#8220;Die D\u00e4monen&#8221;, was f\u00fcr mich ein pr\u00e4gendes Buch werden sollte und ich jetzt endlich nach der N\u00fcchtern-Lekt\u00fcre wei\u00df, was ich antworten soll, wenn mich jemand fragt, welche B\u00fccher mich gepr\u00e4gt h\u00e4tten?<\/p>\n<p>Also unter anderen &#8220;Die D\u00e4monen&#8221;, vorher schon &#8220;Onkel Toms H\u00fctte&#8221;, auf der Operb\u00fchne hat es der &#8220;Don Carlos&#8221; geschafft, Unbehangen hat der &#8220;Zerbrochene Krug&#8221; in mir ausgel\u00f6st&#8221; weil ich mich mit dem armen Adam identifizierte.<\/p>\n<p>Man sieht, ich hatte schon damals keinen Humor, \u00fcber die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/02\/12\/12-februar\/\">&#8220;Alten Meister&#8221;<\/a> habe ich aber einmal in der Station H\u00fctteldorf, als ich auf den Zug nach st. P\u00f6lten wartete, sehr gelacht, mich inzwischen aber trotzdem vom Meister entfertn, w\u00e4hrend ich zu Meister Doderer wieder zur\u00fcckgekommen zu sein scheine und das ist ja insofern interessant, da Meister I angeblich nach dem Tod von Meister II im Dezember 1966 aufgejauchzt haben und gesagt haben soll &#8220;Jetzt ist der Weg f\u00fcr mich frei!&#8221;<\/p>\n<p>In meinen Studentenjahren war ich, glaube ich, von Doder sehr beeinflu\u00dft und habe mir sowohl die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/05\/16\/die-merowinger-oder-die-totale-familie\/\">&#8220;Merowinger&#8221;, <\/a>als auch die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/05\/25\/die-wasserfaelle-von-slunj\/\">&#8220;Wasserf\u00e4lle&#8221;<\/a> in der Taschenbuchausgabe gekauft und erst oder wiedergelesen, als ich im vorigen Jahr nicht so recht wu\u00dfte, wor\u00fcber ich schreiben soll und dann die <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_beruehrungen.html\">Anne Frank zu Stefan Zweig und Heimito von Dodererim Himmel zusammen fr\u00fchst\u00fccken lie\u00df.<\/a><\/p>\n<p>Damals hatte, es war im Fr\u00fchling, ich den Eindruck Doderer sei inzwischen v\u00f6llig unbekannt und habe im Netzt nur ein paar alte Interviews von ihm gefunden. Das sollte sich im Herbst, als das Jubli\u00e4um nahte, \u00e4ndern und als die Trude K. die mich ja jetzt immer fragt, von mir wissen wollte, welches Buch ich zum <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/11\/geburtstagssalon\/\">Geburtstag <\/a>haben will, habe ich dieses genannt und es ist auch das letzte der Geburtstagsb\u00fccher, das ich jetzt lese.<\/p>\n<p>Dazwischen hat es in der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/10\/13\/keime-fundamentaler-irrtuemer\/\">&#8220;Gesellschaft&#8221; ein &#8220;Doderer-Symposium&#8221;<\/a> gegeben und Klaus N\u00fcchtern wurde zu seiner <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/02\/01\/biografien\/\">Biografie<\/a> befragt, er hat sie auch auf der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/13\/die-neunte-buch-wien\/\">&#8220;Buch-Wien&#8221;<\/a> vorgestellt und er greift in seiner &#8220;Durchquerung&#8221; im Kapitel &#8220;Eine Gebrauchsanweisung&#8221; auch gleich die Frage auf, wie bekannt oder unbekannt Doderer inzwischen ist und ob man ihn, beziehungsweise, die Fu\u00dfnoten im Buch lesen soll?<\/p>\n<p>Die Antwort ist nat\u00fcrlich, man mu\u00df nicht, k\u00f6nnte dann aber etwas vers\u00e4umen und nat\u00fcrlich z\u00e4hlt Doderer zum Minderheitenprogramm, aber das tun die anderen D Dante, Dickens, Dostojewsky h\u00f6chstwahrscheinlich auch.<\/p>\n<p>Bei Dickens w\u00e4re ich mir da nicht so sicher, f\u00fcge aber hinzu, da\u00df ich ihn kaum gelesen habe und wenn ich mir so anh\u00f6re, was die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/30\/enquette-zur-literaturvermittlung\/\">Literaturwissenschaftler am heutigen Deutschunterricht beklagen,<\/a> kommen wahrscheinlich die meisten Maturanten durch diese ohne den Namen Doderer je geh\u00f6rt zu haben und ich mu\u00df ehrlicherweise anmerken, da\u00df ihn auch, die Frau Profossor Friedl wahrscheinlich nicht sehr erw\u00e4hnte, weil die ja ein Faust-Fan war und uns wirklich und wahrhaftig ein ganzes Jahr lang damit besch\u00e4ftigte, was mir noch heute unvorstellbar vorkommt.<\/p>\n<p>Doderer war also ein alter Nazi, ist er doch, kein Witz, am 1. 4. 1933 in die NSDAP eingetreten, was ihm sp\u00e4ter h\u00f6chstwahrscheinlich den Nobelpreis kostete. Das deutet N\u00fcchtern nur diskret an, besch\u00e4ftigt sich in seinem zweiten Essay aber sehr wohl mit den vier S, der Schuld und S\u00fchne, Schicksal und Sibirien&#8221;, denn Doderer hat ja in derKriegsgefangenschaft in Russland im World war I zu schreiben angefangen und in seinem ersten Roman, den er sp\u00e4ter nie mehr auflegen lie\u00df, dar\u00fcber eschrieben und auch im letzten, den &#8220;Grenzwald&#8221;, den ich erst lesen mu\u00df.<\/p>\n<p>Bekanntgeworden ist er in den F\u00fcnfzigerjahren schlagartig durch die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/06\/06\/brunch-im-hotel-strudlhof\/\">&#8220;Strudhofstiege&#8221;<\/a>, die ich auch erst finden mu\u00df und hat es dadurch, ich glaube, nach der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/02\/mythos-bachmann\/\">Bachmann <\/a>auf das Cover des &#8220;Spiegels&#8221; gebracht und da Klaus N\u00fcchtern, glaube ich, ein Filmfan oder Kenner ist, vergleicht er im n\u00e4chsten Kapitel auch gleich Doderer mit Hitschcock und da mu\u00df ich passen, denn ich habe die ber\u00fchmten Filme kaum gesehen, bin ich ja eine passionierte Nichtferseherin und war das schon immer.<\/p>\n<p>Aber es gibt da einen mir gleichfalls unbekannten Roman, wo zwei Herren mit dem Feldstecher, die Damen des gegen\u00fcberliegenden Hauses beim Ausziehen ihrer Unterw\u00e4sche beobachten und ihre Freunde daran hatte, was waren das f\u00fcr Zeiten in der ersten H\u00e4lfte des vorigen Jahrhunderts?<\/p>\n<p>&#8220;Den Mord den jeder begeht&#8221;, habe ich auch nicht gelesen. Vielleicht finde ich ihn noch, da fahren jedenfalls ein paar Studenten mit dem Zug und stecken zu ihrem Gaudium einen Totenkopf aus dem Fenster, um das M\u00e4dchen im vorigen Coupe zu erschrecken. Die f\u00e4llt dann aus dem Fenster und stirbt und um die &#8220;Suspense&#8221; hat sich N\u00fcchtern auch bem\u00fcht und weist nach, wie das mit dieser im Bezug auf Mary Ks. ersten Stra\u00dfenbahnunfall der Literaturgeschichte ist, der sie um ihre sch\u00f6ne Beinen brachte. Das wird in der &#8220;Strudlhofstiege&#8221; am Anfang angedeutet und erst achthundert Seiten sp\u00e4ter wirklich ausgef\u00fchrt. Respektdem Meister Nummer II oder nat\u00fcrlich I.<\/p>\n<p>Es gibt ein Kapitel \u00fcber Doderers Wien. Das wird zum Beispiel\u00a0 dieStrudlhofstiege genau beschrieben und eines das erl\u00e4utert wie Doderers literarischer Aufstieg in den f\u00fcnziger Jahren m\u00f6glich war. Er war ja, meint N\u00fcchtern, ein Sp\u00e4tz\u00fcnder, hatte bis zur &#8220;Strudlhofstiege&#8221; nicht so viel ver\u00f6ffentlicht oder war nicht so bekannt.<\/p>\n<p>Ein anonymer Brief hat seinen &#8220;Nobelpreis&#8221; verhindert. <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/05\/22\/hilde-spiels-ruckkehr-nach-wien\/\">Hilde Spiel <\/a>hat sich aber sehr f\u00fcr ihn eingesetzt und N\u00fcchtern meint auch im n\u00e4chsten Kapitel, wo es haupts\u00e4chlich um die &#8220;D\u00e4monen&#8221; geht, dazwischen kommt ein eher kleiner Bildteil, da\u00df sich Doderer mit diesem Buch, wo er ja den Justizpalastbrandt, ie Ereignisse von Schattendorf und den Aufstieg eines Arbeiters zum Bibliothekar, in dem er sich selbst Latein beigebracht hat, beschrieben hat, sich damitentnazifizieren wollte und ich war ja in den Siebzigerahren, obwohl ich von den gschichtlichen Ereignissen\u00a0 nicht viel verstanden habe, von Leonard Kakabsas sozialen Aufstieg sehr begeistert.<\/p>\n<p>Der war und ist meine Lieblingsfigur und deshalb ist es wahrscheinlich, wie schon beschrieben, eines mich pr\u00e4genden B\u00fccher.<\/p>\n<p>Ich habe aber es im Vorjahr wegen seiner Dicke nicht mehr nochmals gelesen und von den anderen Personen, es ja ein Monsterbuch, eines zu dem Doderer wahrscheinlich auch seine preu\u00dfisch-zwanghaften Pl\u00e4ne zeichnete, ging es ja in einem der vorigen Kapitel, auch um die Frage, wie \u00d6sterreichisch das penibel Pl\u00e4nezeichen des Heimito von Doderers ist, nicht mehr viel au\u00dfer der Stelle, wo es, um Quapps, glaube ich, vergebliches Bem\u00fchen um die Kunst ging, was mich nat\u00fcrlich sehr beeindruckt hat, in Erinnerung.<\/p>\n<p>Dazu haben mir beim Lesen, was ich ja sehr blau\u00e4ugig angegangen bin, wahrschlich auch die Vorkenntnisse aus der &#8220;Strudlhofstiege&#8221; gefehlt.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Essay ist den &#8220;Metowingern&#8221;, \u00fcber die ich im Vorjahr auch einen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/23\/doderer-veranstaltungen\/\">Film<\/a> gesehen habe, in dem Wiens literarische Avantgarde der Sechzigerjahre mitspielte oder der &#8220;Grossen Wut des Doctor D.&#8221; gewidmet und der Docotor D\u00f6blinger, der ja in mehreren Werken Doderers eine Rolle spielt, wird als das Alter Ego des Dichters gehandelt.<\/p>\n<p>In den &#8220;Posaunen von Jericho&#8221;, die in dem &#8220;Doderer-Buch&#8221;, das ich mir einmal von meinen Eltern schenken lie\u00df enthalten ist, kommen \u00e4hnliche Motive und Personen, wie bei den &#8220;Merowingern&#8221; vor, zumindestes der Psychiater mit seiner Antiaggressionstheorie und N\u00fcchtern analysiert hier sehr genau, was es mit der Wut, der Aggression und dem Witz, also der Tendenz zu lachen, wenn jemanden B\u00f6ses passiert und damit seine Triebe zu bew\u00e4ltigen, womit ich ja bekannterweise gro\u00dfe Schwierigkeiten habe, auf sich hat.<\/p>\n<p>Eine Stelle, die sich, glaube ich, auf <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/01\/19\/wendelin-schmidt-denglers-laudaties\/\">Wendelin Schmidt Dengler<\/a> bezieht, der ja auch sehr viel \u00fcber Doderer geforscht hat, finde ich sehr interessant, n\u00e4mlich die &#8220;Wer seine \u00c4sthetik aus der Mappe der Menschlichkeit bezieht, f\u00fcr den mu\u00df dieser Roman ein unsympathisches Buch bleiben, keine \u00c4sthetik der Welt kann \u00fcber dieses Unbehagen hinweghelfen&#8221;.<\/p>\n<p>Dem stimme ich ein bi\u00dfchen zu, weil ich ja, wie oft beschrieben, nicht ganz verstehe, warum geschmipft, beleidigt, geschlagen, gemordet werden mu\u00df und, da\u00df dann bei einer <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/05\/03\/vom-centrope-ins-musa\/\">Veranstaltung die Leute noch dar\u00fcber lachen<\/a>.<\/p>\n<p>Doderer hat aber seine &#8220;Merowinger&#8221; selber als sein Ausnahmewerk und als eine gro\u00dfe Bl\u00f6delei verstanden.<\/p>\n<p>Da\u00df er damit auch das dritte Reich aufarbeiten wollte glaube ich auch und so habe ich gar nicht so viele Schwierikeiten mit dem Buch, obwohl man nat\u00fcrlich \u00fcber manches den Kopf sch\u00fctteln kann.<\/p>\n<p>Es beweist aber auch Doderers gro\u00dfe geschichtliche Kenntnisse, der ja auch als &#8220;Sp\u00e4tz\u00fcnder&#8221; Geschichte studiert hat.<\/p>\n<p>Dann gibts ein bi\u00dfchen was zu den &#8220;Wasserf\u00e4llen&#8221;. Wir erfahren, da\u00df Doderer am\u00a0 zw\u00f6lften April 1957 sich mit Theodor Adorno im Hotel Sacher zu einem Mittagessen traf und ihm dort gerne an &#8220;die Glatze klatschen&#8221;, wollte, um zu erfahren, ob von dort &#8220;ein W\u00f6lkchen Staub\u00a0 auspuffen&#8221; w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Doderer hat sich in seinen Werken viel mit den Hausmeistern besch\u00e4ftigte und diese, weil sie wohl an die Blockwarte erinnern geha\u00dft. Wir erfahren in seinen B\u00fcchern viel, wie seine Protagonisten wohnen und das letzte Kapitel, was ich ganz besonders interessant finde, ist dem Namen-Glossar gewidmet.<\/p>\n<p>Haben mich doch, wie ich im letzten Jahr feststellen mu\u00dfte, seine Namen sehr beeinflu\u00dft, so gibt es auch bei mir Figuren mit dem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/01\/21\/rohtext-fertig\/\">Namen Wewerka<\/a> und bei Doderer gibt es einen Branntweiner mit dem Namen Freud, was mich an meinen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/08\/11\/aktueller-korrekturbericht\/#comments\">sprechenden Namendisput <\/a>mit meiner ersten Kritikerin erinnerte und N\u00fcchtern betont, da\u00df der gro\u00dfe Meister von der Berggasse dadurch wahrscheinlich nicht beleidigt wurde, hatte es doch damal mindestens drei Branntweiner mit diesem Namen gegeben.<\/p>\n<p>Und so haben wir den Kontinent Doderer durchquert und sind an sein Ende angelangt.<\/p>\n<p>N\u00fcchtern schreibt dazu: &#8220;Der\u00a0 Kontinent Doderer ist nicht nur ein weites Land, er ist auch dicht besiedelt. Wer ihn kennenlernen will, muss nicht nur ganz Sibirien durqueren, sondern auch viele Treppen steigen und zwar nicht nur \u00fcber die noble Strudlhofstiege, sondern auch in schlecht ausgeleuchteten Stiegenh\u00e4usern und Hausfluren, in denen es nicht immer sehr gut riecht.&#8221;<\/p>\n<p>Und ich f\u00fcge hinzu, da\u00df man sich danach wahrscheinlich auch durch das Ouvre lesen sollte, wer das nicht will oder nicht kann, weil er nicht so viel Zeit hat, dem w\u00fcrde ich zu Beginn das &#8220;Doderer-Buch&#8221; empfehlen.<\/p>\n<p>N\u00fcchterns Essays sind nat\u00fcrlich auch sehr interessant, aber daf\u00fcr w\u00e4re vielleicht ein wenig Doderer Vorwissen auch nicht schlecht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt, k\u00f6nnte man respektlos schreiben, der dritte Bobo aus der &#8220;Falter-Redaktion&#8221;n\u00e4mlich der ehemalige &#8220;Bachmann-Juror&#8221; und &#8220;Staatspreistr\u00e4ger f\u00fcr Literaturkritik&#8221; Klaus N\u00fcchtern, der zum f\u00fcnfzigsten Todestag von Heimito von Doderer eine Biografie \u00fcber ihn schreiben sollte. 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