{"id":52005,"date":"2017-06-05T19:12:28","date_gmt":"2017-06-05T17:12:28","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=52005"},"modified":"2017-06-05T19:12:28","modified_gmt":"2017-06-05T17:12:28","slug":"pfingstmontag-im-oeffentlichen-raum","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=52005","title":{"rendered":"Pfingstmontag im \u00f6ffentlichen Raum"},"content":{"rendered":"<p>Heute haben wir<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/06\/01\/vom-oeffentlichen-raum-zu-brigitte-hamanns-sammlungen\/\"> wieder <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/05\/29\/vom-oeffentlichen-raum-zum-kuchldeutsch\/\">den \u00f6ffentlichen Raum<\/a> erschrieben, denn da gibt es auf dem Plan, den die K\u00d6R herausgegeben hat, ja noch einiges zu erforschen, waren wir ja erst an f\u00fcnf Pl\u00e4tzen und so habe ich mich zu Mittag mit der Ruth im &#8220;Wienerwald&#8221; bei der Bellaria getroffen, weil ich da Gutscheine f\u00fcr verbilligte Schnitzel hatte und haben die heutige Route festgelegt.<\/p>\n<p>&#8220;Die Gerngrosss\u00e4ule&#8221;, die der Aktionsk\u00fcnstler Franz West, der 2012 gestorben ist, in der Rahlgasse bei der Stiege errichtete, haben wir schon vorige Montag beschreiben wollen, dann ist sich das aber, weil eine f\u00fcnf Unhr Stunde, nicht ausgegangen.<\/p>\n<p>Also nichts wie hin und dieses Kunstwerk, das ich dem Namen nach, dem Kaufhaus Gerngross, das es ja auf der Mariahilferstra\u00dfe gibt, zuordnete, unterschied sich von einigen andere, die wir bisher besuchten, von seiner \u00c4sthetik, denn eigentlich ware diese wei\u00df\u00e9 S\u00e4ule, obwohl sie aus M\u00fcllbeh\u00e4ltern zusammengebastelt war, sehr sch\u00f6n und auch eher konventionell anzusehen.<\/p>\n<p>Oben droben thronte ein quergestelltes Ei mit der verkehrten Aufschrift &#8220;Gerngross&#8221;, keine Ahnung was das bedeutet, dagegen stand im Plan vermerkt, da\u00df es nicht dem Kaufhaus, sondern dem Ausstrellungsmacher, Architekten und Publizisten Hidulf Gerngross, von dem ich noch etwas geh\u00f6rt habe, gewidmet ist und das fand ich interessant und dann wollte, die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/05\/15\/um-den-bodensee-mit-ruth-und-alfred\/\">Ruth <\/a>noch etwas zum Faschismus machen und da gibt es ja in der Brandmayergasse, ganz in meiner N\u00e4he, auf einem Gemeindebau ein Wandbild aus der NS-Zeit, das, wie ich in den Bezirkszeitungen lesen konnte, f\u00fcr einigen Aufruhr sorgte. Denn es hat im Gegensatz zum tausendj\u00e4hrigen Reich, die NS-Zeit \u00fcberlebt und so prangte noch lange nach dem Krieg auf dem Haus, das Bild mit dem blonden bl\u00e4u\u00e4ugigen Mann, seiner ebensolchen Frau, die einen S\u00e4ugling in ihren Armen h\u00e4lt, w\u00e4hrend sich drei Kinder, zwei blonde M\u00e4dchen und ein Hitlerjunge mit der NS-Fahne mit dem Hakenkreuz an ihrem Rocksaum klammern.<\/p>\n<p>NS-Idylle des Familienlebens. Das Hakenkreuz hat man entfernt, die Idylle lange gelassen und dann gab es eine Diskussion.<\/p>\n<p>Was macht man mit unerw\u00fcnschter, weil nicht ideologiefreier Kunst? Entfernen, verbrennen, hinunterhauen, wie die unerw\u00fcnschten<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/05\/12\/tag-der-freiheit-des-wortes\/\"> B\u00fccher 1933 in den deutschen St\u00e4dten<\/a>. Die K\u00fcnstlerin Ulrike Lienbacher hat eine Glasscheibe darauf angebracht und mit verkehrter Schrift, das Wort &#8220;Idylle&#8221; darauf geschrieben.<\/p>\n<p>Ich h\u00e4tte das Bild\u00a0 so gelassen und unten eine Tafel angebracht: &#8220;Wir distanzieren uns von Nationalismus und Faschismus und gedenken der Opfer im dritten Reich!&#8221;<\/p>\n<p>Aber so ist ein neues Kunstwer daraus entstanden, das wir zuerst gar nicht fanden, weil die Ruth gleich in den Gemeindebau hineinstrebte, es ist aber an der Ecke angebracht. Ein kleiner Bub hat es uns dann freundlich gezeigt.<\/p>\n<p>Dann gab es noch etwas zu entdecken, , n\u00e4mlich die Synagogge oder den Tempel, den es bis 1938 in der Turnergasse im f\u00fcnzehnten Gemeindebezirk gegeben hat.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, nein, entdecken kann man den nicht mehr, wurde er doch in der Reichskristallnacht zerst\u00f6rt und abgebrannt. Das K\u00fcnstlerduo Iris Andraschek und Hubert Lobnig hat einen Erinnerungsort daraus gemacht, in dem es an dem Platz, wo er einstmals\u00a0 stand, schwarze Betonbalken zwischen ieben B\u00e4umen anbrachteund dazu noch ein paar Mosaike setzte, die Motive mit Fr\u00fcchten und Plfanzen aus der Torah zeigen.<\/p>\n<p>So weit so gut und sicherlich interessant, der 2011 errichtete Erinnerungsort. Nur heute ist der Platz und das Mahnmal ziemlich heruntergekommen. Der M\u00fcllk\u00fcbel in der Ecke neben der Tafel, wo es Bilder von der ehemaligen Synagoge zu sehengibt, \u00fcberf\u00fcllt und stinkig, \u00fcberall Papierln, Bier- und Getr\u00e4nkedosen, M\u00fcll und die Mosaike verblasst, die Balken ausgebleicht.<\/p>\n<p>So etwas ist, glaube ich, eher eine Schande, als ein Mahnmal, aber sicher interessant, da\u00df es das, im f\u00fcnfzehnten Bezirk, wo kaum Touristen hinkommen, zu sehen ist.<\/p>\n<p>Dann war es f\u00fcnf vorbei und wir sehr durstig. So wollten wir am G\u00fcrtel etwas trinken, erwischten da, was wohl auch ein Zeichen der Zeit ist, ein arabisches Lokal, wo uns die jungen M\u00e4nner nicht verstanden, vielleicht auch ihre Schwierigkeiten mit zwei Frauen hatten und uns zwar zwei Gl\u00e4ser Wasser, aber nicht die bestellten Fruchts\u00e4fte brachten.<\/p>\n<p>Und was auch den \u00f6ffentlichen Raum betrifft, im &#8220;Wortschatz&#8221; gab es heute tolle B\u00fccher. So habe ich dort Haruki Murakamis &#8220;Pilgerfahrt des farblosen Herrn Tazakii&#8221;,Ayelet Gundar-Goshen &#8220;Eine Nacht Markowitz&#8221;, David Safiers &#8220;28lange Tage, sowie Amoz Oz &#8220;Judas&#8221; dort gefunden, was ja eigentlich auch gut zum Thema passt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute haben wir wieder den \u00f6ffentlichen Raum erschrieben, denn da gibt es auf dem Plan, den die K\u00d6R herausgegeben hat, ja noch einiges zu erforschen, waren wir ja erst an f\u00fcnf Pl\u00e4tzen und so habe ich mich zu Mittag mit &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=52005\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[1795,1938,2334,3359],"class_list":["post-52005","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-schreibbericht","tag-erinnerungsort-turnertempel","tag-familiendidyll-der-nazizeit","tag-gerngross-saeule","tag-kunst-im-oeffentlichen-raum"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52005","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=52005"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52005\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=52005"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=52005"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=52005"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}