{"id":5205,"date":"2010-12-20T22:20:20","date_gmt":"2010-12-20T21:20:20","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=5205"},"modified":"2010-12-20T22:20:20","modified_gmt":"2010-12-20T21:20:20","slug":"fliege","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=5205","title":{"rendered":"Fliege"},"content":{"rendered":"<p>In &#8220;Fliege&#8221; Roman eines Augenblick von E.A.Richter spielen Fliegen eine wichtige Rolle. Sie befinden sich im Auto, werden im Milchkrug gefangen oder fliegen dem Ich-Erz\u00e4hler Adam Fliege auf die Nase. Ich erinnere mich an den Disput mit meiner inzwischen entschwundenen kritischen Leserin Frau Heidegger, die viel gegen sprechende Namen hatte.<br \/>\nM\u00f6glicherweise wird man einen Herrn Fliege als Protagonisten auch f\u00fcr etwas \u00fcberzogen halten, der in nicht chronologischer Weise, die Augenblicke seines Lebens nachvollzieht. Am Anfang von Fliegen erz\u00e4hlt und am Ende von seinen zwei Lebensfrauen, um gegen seine Flugangst anzuk\u00e4mpfen, auf den Flughafen gef\u00fchrt wird.<br \/>\nDazwischen schreibt er sein Leben auf und erinnert sich am Hof der Eltern mit dem Bruder im Waschtrog gebadet worden zu sein, denn ein Bad gab es dort erst, als er schon ins Gymnasium ging und Fliegen gab es auch bei den Kindheitsspielpl\u00e4tzen der Br\u00fcder, allerdings auch Blutegeln, die sich sich gerne an die Arme und Beine setzten. Die Fliegen lie\u00dfen sie sich an die Penisse fliegen und versuchten sie in der Vorhaut zu schnappen. Dann gab es noch die Cousie mit der der Ich-Erz\u00e4hler, die ersten Liebesspiele in der Badewane trieb, die beiden Freundinnen Birgit und Flora und die Ex-Frau Karla, von der er sich bald trennte.<br \/>\nVorher war er der erste, der wegen seiner sch\u00f6nen Sprache vom Lehrer aufs Gymnasium geschickt wurde, dann finanzierte er sich sein Studium als Schaufensterdekorateur,  lernte Karla und deren Vater Karl kennen, die ihn in h\u00f6here Sph\u00e4ren hineinbrachte, was allerdings nicht gut ging. Die Vorw\u00fcrfe alles vom Schwiegervater bezahlt zu bekommen, h\u00e4lt kein Schwiegersohn aus und dessen Bitte den Dachboden geschenkt zu bekommen, so da\u00df er ihn f\u00fcr Karla ausbauen kann, wurden auch nicht erh\u00f6rt. So zeigte der Schwiegervater, Direktor einer Consultingfirma, den Schwiegersohn bei der Staatspolizei an, bei der Palmersentf\u00fchrung beteiligt zu sein.<br \/>\nAdam Fliege hat aber auch  bei der Familie der Cousine die Sommer verbracht. Der Onkel war gewaltt\u00e4tig gegen die Cousine und ihre Mutter und ist als Sechszehnj\u00e4hriger in den Krieg eingezogen worden, aus diesen sp\u00e4ter desertiert und wurde von seiner Familie am Dachboden versteckt. Auch das Kriegstagebuch des Vaters fasziniert den Ich Erz\u00e4hler.<br \/>\nSehr viel ist in diesem Roman des Augenblicks auch vom Sterben die Rede. Das Sterben des Onkels, das des Vaters, der Mutter, des Schwiegervater Karls. Der Vater erleidet einen Schlaganfall, die Mutter hat zuerst einen Unfall, sp\u00e4ter stirbt sie in einem Krankenhaus-, das der Ich-Erz\u00e4hler aufsucht, um die Spuren der toten Mutter zu suchen, als es schon geschlossen war, -vierundzwanzig Studen bevor entschieden werden sollte, ob sie eine Dialyse bekommt.  Bei Karls Begr\u00e4bnis wird Adam Fliege Karla nach Jahren wiedersehen und mit einem ihrer Cousins ins Gespr\u00e4ch kommen, der von einem d\u00fcrren Jussstudenten zum \u00fcbergewichtigen Scheidungsanwalt mutierte und dem er die Geschichte von der anonymen Anzeige Karls erz\u00e4hlt.<br \/>\nDer Ich Erz\u00e4hler hat auch eine Therapeutin mit der er \u00fcber Karl, Karla und seine Ehe spricht und w\u00e4hrend er so sein Leben durcheinanderw\u00fcrfelt, sitzt er im Haus vor dem Computer, l\u00e4\u00dft sich von Fliegen \u00e4rgern und wundert sich \u00fcber das Verschwinden der Nachbarin und deren  Tochter Julia, zu denen er ein ambivalentes Verh\u00e4ltnis hatte. Dazwischen taucht die Putzfrau Jelena auf, f\u00fcr die er Kaffee kocht, an den Birgit ihn  erinnert.<br \/>\nDie beiden Freundinnen Birgit, eine Arch\u00e4ologin und Flora, Redakteurin bei einer Zeitung, scheinen gleichzeitig in seinem Leben vorhanden zu sein, dann gibt es noch den Freund Heimo, die Flugangst, die Fliegen, die Sexualit\u00e4t, die Siebzigerjahre,  das Sterben, ect&#8230;, die die Augenblicke des Romanes ausmachen.<br \/>\nErschienen ist das Buch bei der Edition Korrespondenzen, die ja eher sprachkritische Texte verlegt, es fallen aber auch immer wieder sehr sch\u00f6ne Wendungen auf.<br \/>\nDen Namen E. A. Richter kenne ich aus den Erz\u00e4hlungen seiner Ex-Schwiegermutter, die ich als junge Psychologin bei meiner Verhaltenstherapieausbildung kennenlernte und habe von ihm auch zwei B\u00fccher.<br \/>\nDie 1984 bei Residenz erschienene &#8220;Berliner Entscheidung&#8221;, habe ich, glaube ich, gelesen, kann mich aber nicht mehr sehr daran erinnern. Den Gedichtband &#8220;Das leere Kuvert&#8221;, der aus aus einem der B\u00fcchert\u00fcrme, der Literatur im M\u00e4rz stammt, mu\u00df ich noch lesen.<br \/>\nDann gibts noch das Buch &#8220;Obachter&#8221; 2007, ebenfalls bei Korrespondenzen erschienen und ein paar andere Gedichtb\u00e4nde.<br \/>\nE.A. Richter wurde 1941 in Tulbing geboren, war von 1970 bis 1994 Redakteur der Literaturzeitschrift Wespennest und ist zwar nicht der erste, der das Literaturgefl\u00fcster auf eine Veranstaltung aufmerksam machte, allerdings der erste, von dem ich nicht wu\u00dfte, da\u00df er das Literaturgefl\u00fcster kennt.<br \/>\nSo bin ich im November w\u00e4hrend der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/11\/16\/staatspreis-und-lesefesteroffnung\/\">Lesefestwoche<\/a> bei der Buchpr\u00e4sentation in der Alten Schmiede gewesen und habe den Autor ein paar Tage sp\u00e4ter auf der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/11\/20\/dritter-messetag-und-was-frauen-schreiben\/\">Buch Wien<\/a> getroffen, wo er mir das Buch gegeben hat, das interessant ist, aber auch ein wenig verwirrend, weil es f\u00fcr mich sowohl Fremdes, als auch  Vertrautes enth\u00e4lt.<br \/>\nSo hat mir auch meine Mutter ein Kriegstagebuch hinterlassen und an die Zeit der Palmers Entf\u00fchurng kann ich mich als sehr junge Studentin erinnern. Es ist auch interessant einen eher realistischen Schreiber in der Edition Korrespondenzen zu finden und die Fliegenmetaphern haben mich ein wenig verwirrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In &#8220;Fliege&#8221; Roman eines Augenblick von E.A.Richter spielen Fliegen eine wichtige Rolle. Sie befinden sich im Auto, werden im Milchkrug gefangen oder fliegen dem Ich-Erz\u00e4hler Adam Fliege auf die Nase. 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