{"id":52105,"date":"2017-06-18T00:19:26","date_gmt":"2017-06-17T22:19:26","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=52105"},"modified":"2017-06-18T00:19:26","modified_gmt":"2017-06-17T22:19:26","slug":"koenigsallee","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=52105","title":{"rendered":"K\u00f6nigsallee"},"content":{"rendered":"<p>2Im Sommer 1954 kommt der fast achtzigj\u00e4hrige Thomas Mann mit seiner Frau Katja und seiner Tochter Erika nach D\u00fcsseldorf in den Breidenbacher Hof, der sich offenbar in der K\u00f6nigsallee befindet, um aus seinem &#8220;Felix Krull&#8221; zu lesen.<\/p>\n<p>Das ist eine historische Tatsache, der 1956 geborene Hans Pleschinski von dem ich gerne &#8220;Ludwigsh\u00f6he&#8221; lesen w\u00fcrde, hat einen Roman daraus gemacht, in dem er die Tatsachen mit der Fiktion verbindet und das Nachkriegsdeutschland der F\u00fcnfzigerjahre dadurch plastisch macht, in dem er scheinbar einen Skandal erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Denn Thomas Mann soll da Klaus Heuser getroffen haben, einen Freund seiner Kinder, dem er vor Jahren auf Sylt, als der ein J\u00fcngling war, nahetrat und k\u00fcsste und ihn sp\u00e4ter in seiner &#8220;Josefslegende&#8221; und auch im &#8220;Felix Krull&#8221; verweigt hat.<\/p>\n<p>Der ist jetzt aus Asien zur\u00fcckgekommen und mit seinem indoneischen Freund Anwar, ebenfalls in dem Hotel abgestiegen und Erika Mann bekommt das, als sie das Meldebuch durchsieht, heraus und bedr\u00e4ngt die Freunde das Hotel zu verlassen, weil man dem &#8220;Zauberer&#8221;, wie Thomas Mann genannt wird, nicht soviel Aufregung zumuten kann.<\/p>\n<p>In f\u00fcnfzehn Kapiel mit wechselnden Perspektiven wird die Ankunft der Manns bis zu dem Abend der Lesung und dem anschlie\u00dfenden Empfang erz\u00e4hlt und wir erfahren, wie schon erw\u00e4hnt, viel\u00a0 vom Deutschland kurz nach dem Krieg und dem Leben und Wirken von Thomas Mann.<\/p>\n<p>Ich habe das Buch vor einiger Zeit im Schrank gefunden und in meiner Studentinnenzeit sehr viel, fast alles, von Thomas Mann gelesen und das meiste wahrscheinlich nicht verstanden.<\/p>\n<p>In der Stra\u00dfergasse nahmen wir den Tonio Kr\u00f6ger druch, um die &#8220;Biuddenbrocks&#8221; habe ich mich mit meiner Schwester gestritten, den &#8220;Felix Krull&#8221; verschlungen und war dann entt\u00e4uscht, weil ich mir etwas anderes erwartet habe, der &#8220;Erw\u00e4hlte&#8221; hat mich auf eine eigene Idee gebracht und und und&#8230;.<\/p>\n<p>In der letzten Zeit war nicht mehr viel Thomas Mann in meiner Lekt\u00fcre und ich sollte den &#8220;Zauberberg&#8221;, den &#8220;Doktor Faustus&#8221;, etetera, sicherlich nochmals lesen, was ich aus Zeitgr\u00fcnden wahrscheinlich nicht tun werde, so war mir dieser biografischer Roman\u00a0 willkommen, wenn ich auch, was die Anspielungen auf das\u00a0 Erotische betrifft, ein wenig skeptisch bin, weil ich das ja nicht so mag und eher denke, man sollte sich auf die Literatur konzentrieren.<\/p>\n<p>Aer Hans Pleschinski, auch wenn er im Tonfall manchal sehr pathetisch ist, ist ein Meister seines Fachs und l\u00e4\u00dft und erz\u00e4hlt uns in seinen f\u00fcnfzehn Kapitel noch sehr viel anderes und am Schlu\u00df, bekommen wir noch heraus, da\u00df Katja Mann, Klaus Heuser und seine Begleitung, sie dachte da freilich an eine Frau, doch noch zum Empfang eingeladen hat und die beiden sich im Taxi ausgesprochen haben.<\/p>\n<p>Es taucht auch noch Golo Mann, ein Mann Sohn auf und dr\u00e4ngt Klaus Heuser mit dem Zauberer \u00fcber ihn, beziehungsweise \u00fcber eines seiner B\u00fccher zu sprechen und eine Nazigr\u00f6\u00dfe, ein gewisser Ernst Bertram, der sehr viel mit der B\u00fccherverbrennung zu tun hatte, des Meister B\u00fcchers aber doch davor bewahrte, erscheint fast gespenstisch und will des Zauberers Vergebung und ein anderer Nazi wird aus dem Hotel ausgeladen, um mit dem alten Herrn gar nicht in Ber\u00fchrung zu kommen.<\/p>\n<p>Ein Zwergin, die von ihren Eltern vor der Vernichtung bewahrt wurde, interviewt den Meister und fragt ihn, warum seine Protagonistien keine Proletarier sind und die Friseurgehilfin steht vor ihrem Laden in der Hotelhalle und schaut neugierig dem Geschehen zu.<\/p>\n<p>Spannend spannend und als Schnelllekt\u00fcre, um neugiergi auf den Meister und seine B\u00fccher zu werden, sicherlich sehr geeignet.<\/p>\n<p>Ich habe, seit ich blogge, zwar nicht Tomas Mann gelesen, aber<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/12\/26\/mein-nidden\/\"> Frido Manns &#8220;Mein Nidden&#8221;<\/a> und vor dem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/08\/19\/sechs-landerreise\/\">Haus an der kurischen Nehrung<\/a>, bin ich auch gewesen, aber nicht hineingekommen, weil am f\u00fcnfehnten August auch in Litauen ein Feiertag und daher geschlossen.<\/p>\n<p>Thomas Mann hat \u00fcbrigens damals in Deutschland kurz vor seinem Tod zwar die eltern Klaus Heuers aber nicht ihn selbst getroffen.<\/p>\n<p>Und ich k\u00f6nnte noch anmerken, da\u00df ich vor kurzem ein anderes Buch eines Dichters, der in den F\u00fcnzigerjahren schlagartig ber\u00fchmt geworden ist, gelesen habe, das sicher auch sehr zu empfehlen ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2Im Sommer 1954 kommt der fast achtzigj\u00e4hrige Thomas Mann mit seiner Frau Katja und seiner Tochter Erika nach D\u00fcsseldorf in den Breidenbacher Hof, der sich offenbar in der K\u00f6nigsallee befindet, um aus seinem &#8220;Felix Krull&#8221; 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