{"id":52136,"date":"2017-06-24T00:06:11","date_gmt":"2017-06-23T22:06:11","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=52136"},"modified":"2017-06-24T00:06:11","modified_gmt":"2017-06-23T22:06:11","slug":"nester","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=52136","title":{"rendered":"Nester"},"content":{"rendered":"<p>Den 1972 geborenen Michael Hammerschmid, der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/10\/30\/reinhard-priessnitz-preis-2009\/\">2009 den &#8220;Priessnitz-Preis&#8221; bekommen hat,<\/a> kenne ich, glaube, ich seit 2003 und durch seine Ver\u00f6ffenlichungen in der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/09\/23\/koliken-in-der-alten-schmiede\/\">&#8220;Kolik&#8221;,<\/a> da war jedenfalls eine gro\u00dfe &#8220;Kolik-Veranstaltung&#8221; im Literaturhaus und da habe ich ihn, glaube ich, auch angesprochen.<\/p>\n<p>Jetzt sehe ich ihn haupts\u00e4chlich bei den Veranstaltungen die er kuratiert und moderiert in der &#8220;Alten Schmiede&#8221;, er ist da sehr vertreten und macht neben den<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/02\/19\/lyrische-texvorstellungen\/\"> &#8220;Textvorstellungen&#8221; <\/a>auch die Lyrikfestivals <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/04\/24\/lyrikfestival-dichterloh\/\">&#8220;Dichterloh&#8221;<\/a> und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/06\/27\/poliversale-mit-literarischer-erleuchtung-und-kanadischen-star\/\">&#8220;Poliversale&#8221; <\/a>und seine eigene Lyrik?<\/p>\n<p>Ich wei\u00df gar nicht so genau, wie gut ich sie kenne und ob ich ihn beispielsweise schon aus seinem bei &#8220;Klever&#8221; erschienenen Gedichtband &#8220;Nester&#8221; lesen geh\u00f6rt habe?<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/10\/21\/die-auswandernden\/\"> Peter Waterhouse<\/a> hat aber, glaube ich mich zu erinnern, bei seiner Laudatio im Literaturhaus bez\u00fcglich des &#8220;Priessnitzpreises&#8221; die Hammerschidsche Lyrik sehr auseinandergenommen und jetzt nach dem ich das Buch, das ich mir\u00a0 beim Flohmarkt den es auf der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/11\/15\/die-achte-buch-wien\/\">vorletzten &#8220;Buch-Wien&#8221; <\/a>gegeben hat, kaufte, gelesen habe, f\u00e4llt mir seine weiche sanfte Sprache, seine Reime und seine Wortsch\u00f6pfungen auf, die so gar nichts Experimentelles haben und das h\u00e4tte ich doch bei einem &#8220;Priessnitzpreistr\u00e4ger&#8221; und &#8220;Alte Schmide Lyrik Festival Organisator&#8221; fast erwartet.<\/p>\n<p>Der\u00a0 Band ist in sechs Abteilungen gegliedert. Vorwort und erl\u00e4uternde Erkl\u00e4rungen gibt es keine, so mu\u00df ich selber denken.<\/p>\n<p>Ich kann mich aber auch mitrei\u00dfen lassen von den zarten lyrischen Einf\u00e4llen und mich an den Hammerschmdschen Wortsch\u00f6pfungen und Einf\u00e4llen erfreuen, was ich auch zu tun gedenke.<\/p>\n<p>Die erste Abteilung sind die &#8220;verstecke&#8221; und da kommt das Wort &#8220;verstecken&#8221; in sehr vielen oder auch fast allen Gedichten vor, im &#8220;keller&#8221; glaube ich nicht.<\/p>\n<p>&#8220;der keller ist hell und dunkel ganz schnell&#8221; oder in den &#8220;geistern: hinten im auto da wohnen die geister und drau\u00dfen da streifen die schatten vorbei. &#8211; auch wir k\u00f6nnen sterben und sp\u00fcren die z\u00e4hne und h\u00f6ren den atem und m\u00fcssen aufs klo was wir niemanden verraten.&#8221;<\/p>\n<p>Erstaunlich modern und erstaunlich frisch die Hammerschmidschen Worteinf\u00e4lle und weiter geht mit &#8220;das beste versteck ist die nacht in der man alles verbotene macht in die man jeden abend kommt in der sich der b\u00f6se und der verliebte sonnt&#8221;<\/p>\n<p>Das sind fast Kindergedichte k\u00f6nnte man sagen, aber die kommen erst erst zwei Abteilungen sp\u00e4ter. Zuerst kommen die &#8220;schlaflieder.<\/p>\n<p>&#8220;ich lie\u00dfe deine m\u00fcden f\u00fc\u00dfe niemals laufen ich w\u00fcrde alle deine worte kaufen ich bin nur minus dieser tage du kannst mir glauben, dass ich alles wage.&#8221; oder<\/p>\n<p>&#8220;ich zerbei\u00dfe eine perlenkette ich verschlucke einen aktion\u00e4r ich zersteche eine borstenleiste ich bin ich und ihr seid mehr&#8221;<\/p>\n<p>Bei den &#8220;Kindergedichten&#8221; geht es in den Zirkus.<\/p>\n<p>&#8220;magst du in den zirkus gehen? magst du tiger sehen beim stehen? hast du angst vor ihren tatzen? glaubst dass diese gar nie kratzen? kratzen k\u00f6nnen sie wohl schon doch habe ich das nie gesehen&#8221;<\/p>\n<p>Und wusch der Reim, der doch so sch\u00f6n poetisch war, ist gleich wieder weg.<\/p>\n<p>Dann gibts das &#8220;kleine familienalbum&#8221;, wo mich vor allem das &#8220;muttergedicht&#8221; sehr beeindruckte.<\/p>\n<p>&#8220;ich wasche ab und ab und denke nach wie das leben meiner mutter ist &#8211;<\/p>\n<p>am besten frufe ich an und frage, was sie gerade macht. doch zuerst wasche ich ab, eine weile geht es noch.&#8221;<\/p>\n<p>Es gibt dann auch ein &#8220;Bruder&#8221; und ein &#8220;Onkelgedicht&#8221; und eines f\u00fcr die &#8220;Gro\u00dfmutter&#8221;, bevor zu zu den &#8220;pensionistinnen&#8221; geht:<\/p>\n<p>&#8220;die pensionistinnen sitzen im reden, das sie umgibt und nicht immer etwas mit ihnen zu tun hat, es ist krank, das reden, weil es von krankheit handelt, es ist s\u00fc\u00df, das reden, weil es von enkelkindern handelt und vom kaffee, und es ist verboten das reden, weil es vom zucker handelt&#8230;&#8221;<\/p>\n<p>Dann gibt es ein Gedicht, das sich in zahlen von 1 bis 18: &#8220;eine bank f\u00fcr b. 1 gegen\u00fcber unserem haus 2 wo die Sonne sitzt&#8212;17 eine Bank 18 zum aufklappen&#8221; fortschreitet.<\/p>\n<p>Sehr originell, wenn auch nicht besonders poetisch und dann gibt es noch ein Gedicht\u00a0 das ein Motto von &#8220;paulina&#8221;, ist das die tochter?, hat.<\/p>\n<p>&#8220;ich bin so schnell wie ich gro\u00df bin&#8221;, hat jedenfalls Paulina gesagt und Michael Hammerschmid dichtet weiter:<\/p>\n<p>&#8220;ich bin so alt wie ich langsam war ich bin so faul wie ich flei\u00dfig bin ich bin so trauig wie ich bin&#8221; und so weiter und so fort, bis es mit &#8220;so blau wie gelb wie gr\u00fcn&#8221; endet.<\/p>\n<p>Dann geht es in der Abteilung f\u00fcnf zum &#8220;mittelm\u00e4\u00dfigen dichter&#8221;:<\/p>\n<p>&#8220;der mittelm\u00e4\u00dfige dichter sitzt am fenster und schaut hinaus. die stadt steht bis zur fensterscheibe, dekt er. -er atmet aus. er wei\u00df kein gedicht.&#8221;<\/p>\n<p>Uje, uje, denn &#8220;der schriftsteller war nicht selbstverliebt, aber er liebte sein zimmer zu sehr und den tee dem er sich hingab, schluckweise&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;der mittelm\u00e4\u00dfige dichter verabschiedet sich. am liebsten verabschiedet er sich. er l\u00e4chelt. atmet mitteltief ein.&#8221; und<\/p>\n<p>&#8220;eigentlich denkt er seine gedichte. er schreibt sie nur eben auch auf dieses nicht&#8221;, bis zu zu<\/p>\n<p>&#8220;\u00fcber das nichtschreiben von gedichten gibt es kein gedicht: auch dieses nicht usw.&#8221; geht und auf der vorigen Seite hat noch &#8220;wann ist es aus?&#8221; gestanden, wor\u00fcber man jetzt streiten kann, ob das jetzt ein Gedicht ist oder nicht, aber vielleicht es es, ein Nichtgedicht?<\/p>\n<p>In der letzten Abteilung kommen die &#8220;schlampigen sch\u00e4tzungen&#8221;, die aus &#8220;des ronsards kunstgedichten gewonnen&#8221; sind und man hat sich durchgelesen durch Michael Hammerschmids Nester und ich habe eine sehr weiche zarte Seite des Dichters kennengelernt, die mich sehr erstaunte und die mir auch sehr gefallen hat, so da\u00df ich das Buch den Lyrikfreunden und denen, wie man so sch\u00f6n sagt, es noch werden wollen, sehr empfehlen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den 1972 geborenen Michael Hammerschmid, der 2009 den &#8220;Priessnitz-Preis&#8221; bekommen hat, kenne ich, glaube, ich seit 2003 und durch seine Ver\u00f6ffenlichungen in der &#8220;Kolik&#8221;, da war jedenfalls eine gro\u00dfe &#8220;Kolik-Veranstaltung&#8221; im Literaturhaus und da habe ich ihn, glaube ich, auch &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=52136\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[3204,3765,4009],"class_list":["post-52136","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-klever","tag-lyrik","tag-michael-hammerschmid"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52136","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=52136"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52136\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=52136"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=52136"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=52136"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}