{"id":52173,"date":"2017-06-29T00:03:00","date_gmt":"2017-06-28T22:03:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=52173"},"modified":"2017-06-29T00:03:00","modified_gmt":"2017-06-28T22:03:00","slug":"die-allgemeine-tauglichkeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=52173","title":{"rendered":"Die allgemeine Tauglichkeit"},"content":{"rendered":"<p>Was ist der Sinn des Lebens? Was ist ein Verlierer und was ein Loser und ist man selber schuld, wenn man nichts auf die Reihe bringt und von Hartz IV leben mu\u00df und soll man sich\u00a0 bem\u00fchen, wieder aufzusteigen und ein n\u00fctzliches Mitglied der Gesellschaft zu werden und macht man sich was vor, wen man das nicht tut, stattdessen seine Tage auf einer Parkbank mit einer Flasche verbringt und den sch\u00f6nen Frauen wehm\u00fctig nachschaut oder ihnen ein &#8220;Hey Schatzi!&#8221;, hinterherruft?<\/p>\n<p>Der 1963 in Ungarn geborene und seit seinem vierzehnten LA in Deutschland lebende Akos Doma, der mit seinem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/06\/der-weg-der-wuensche\/\">&#8220;Weg der W\u00fcnsche&#8221;<\/a> das letzte Jahr auf der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/08\/23\/ueberraschende-longlisttitel\/\">LL des dBp gestanden<\/a> ist, hat sich mit all diesen Fragen besch\u00e4ftigt und, als ich im vorigen Herbst gerade sein Buchpreisbuch gelesen habe, das in der Bloggerszene \u00fcbrigens nicht sehr gut angekommen ist, bin ich vor meinem B\u00fccherregal gestanden und habe gesehen &#8220;Hey, da gibts ja noch was, von dem mir bisher unbekannten Autor!&#8221;, denn ein paar Monate vorher hat offenbar ein Buchh\u00e4ndler oder ein Rezensent seine Leseexemplare ausger\u00e4umt und in den &#8220;Wortschatz&#8221; gestellt und das sind ja dieZuf\u00e4lle, die ich liebe und an Hand derer ich mich spoilernd und nacherz\u00e4hlend durch den Literaturbetrieb hantle und nicht aufh\u00f6re meinen Senf in die literarische \u00d6ffentlichkeit zu spritzen, als w\u00fcrde ich dazugeh\u00f6ren.<\/p>\n<p>&#8220;Der Weg der W\u00fcnsche&#8221;, hat den Weg eines Jugendlichen von Ungarn nach Deutschland nacherz\u00e4hlt und wurde so warscheinlich stellvertretend, als ein <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/08\/31\/demo-fuer-menschlichkeit-und-buechersegen\/\">Fl\u00fcchtlingskrisenbeispiel <\/a>auserw\u00e4hlt, obwohl 1956 ja schon lange her ist und &#8220;Die Allgemeine Tauglichkeit&#8221; besch\u00e4ftigt sich mit unserer Gesellschaft und dem Neoliberalissmus, beziehungsweise dessen Ausw\u00fcchsen k\u00f6nnte man sagen und ich f\u00fcge hinzu Akos Domas tut das auf eine sehr witztige fast schlemische Art.<\/p>\n<p>Da sind also vier Aussteiger, der &#8220;verr\u00fcckte&#8221; Ludovig, der sich wenn man nicht auf ihn aupasst, immer umbringen will, Ferdinand, Fern, genannt, der Ich-Ez\u00e4hler, den seine Frau einmal aus dem Haus geschmissen hat und der jetzt auf der Parkbank sitzt und den Frauen nachschaut, der Russe Igor, den sie in Tschetschenien ein Loch in den Bauch geschossen haben und das jetzt immer noch so wehtut, da\u00df er nicht anders kann, als sich mit billigenVodka zu bet\u00e4uben und der Iraner Amir, der illegale Kleptomane, der hier bleiben mu\u00df, weil sie ihm im Iran f\u00fcr sein Stehlen, die H\u00e4nde abhacken w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Sie alle leben in einem heruntergekommen Haus und versuchen so weit es die oben geschilderten Umst\u00e4nde zulassen ihr Leben zu genie\u00dfen. Die Klomuschel steht offen in der Wohnk\u00fcche, am Dach hausen andere Obdachlose, im Winter ist es kalt, Amir organisert das Leben, Igor s\u00e4uft und l\u00e4\u00dft sich im Winter einsperren, um sich ein bi\u00dfchen zu erholen, Fern trifft seine Tochter im Park, die ihm einen Brief an ihren Papa mitgibt und mu\u00df manchmal Ludovic, das einsame Genie, dem Hochsensiblen, der die Gesellschaft nicht aush\u00e4lt, zur\u00fcckholen, wenn er sich wieder in den Schnee legt, um von dieser Welt abzuhauen.<\/p>\n<p>In diese Idylle kommt eines Tages Albert und tut nicht, was man von ihm erwartet, n\u00e4mlich am Dach zu \u00fcbernachten und dann wieder abhzuhauen. Nein, er f\u00e4ngt an, das Geschirr abzuwaschen, Ludovigs Haschischg\u00e4rtchen zu zerst\u00f6ren und den Freunden einzureden, sie m\u00fcssen doch etwas aus sich und ihrem Leben machen.<\/p>\n<p>Er f\u00e4ngt auch gleich selber damit an, l\u00e4\u00dft sich ein Telefon auf den Dachboden legen, wozu frage ich mich, wenn er doch auch ein Handy hat, aber vielleicht, damit Fern es ihm in seiner Wut aus der Wand rei\u00dfen kann, kauft sich neue\u00a0 Kleider und den Freunden Sachen f\u00fcr die K\u00fcche.<\/p>\n<p>Er erkennt auch Amirs Maltalent und Igors Kochk\u00fcnste, so soll der eine ausstellen, der andere, in dem Gesch\u00e4ft in dem er selber arbeitet, bei den russischen Wochen, als Kosar verkleidet hinter der Theke stehen und Fern beginnt er etwas von seiner Frau und seinem Kind vorzuschwatzen und dann, da\u00df sie alle aus dem Haus eine Pension machen sollen.<\/p>\n<p>Das tun sie dann auch, Amir malt eine Sonne an die Fassade, alle anderen verputzen und renovieren das Haus und dann\u00a0 kommt die Er\u00f6ffnung und die Freunde, angetrieben von Fern, der dem Ganzen mi\u00dftrauisch gegen\u00fcbersteht hauen ab.<\/p>\n<p>Vorher zertr\u00fcmmern sie noch ein bi\u00dfchen die Pension und \u00fcberfahren Albert und dann sind sie am Meer, in der Freiheit und wieder unzufrieden, Igor will zur\u00fcck, die Polizei kontrolliert sie, das Handy l\u00e4utet st\u00e4ndig und Amir wird\u00a0 erwischt und soll abgeschoben werden.<\/p>\n<p>In dieser Situation gehen sie doch ans Handy und erfahren von Maria-, das ist eine Prostituierte, die die Freude einmal mieteten und sie Fern zum Geburtstag &#8220;schenkten&#8221;, in dem sie ihm vorgaukelten, sie sei eine blonde unschuldige Postbotin, Albert hat sie dann auch gerettet und sie hat das Haus mitgeputzt, -da\u00df Albert gestorben ist.<\/p>\n<p>So fahren die drei Freunde, Amir ist ja bei der Polizei, zur\u00fcck und Sybille, das ist eine Fernsehjsprecherin, in die die Freunde sich verliebten und ihre\u00a0 Fotos den Zeitungen ausschnitten und in dem Haus aufhingen, bis der Superguru, sie ins Haus brachte und mit ihr eine Beziehung anfing, kommt mit einem Koffer, um sich zu verabschieden.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag ist das Begr\u00e4bnis. Aber das ist nicht echt, denn Albert ist nicht wirklich gestorben, er hat die Freunde, die eigentlich nach Schweden wollten, nur zur\u00fcckgelockt, jetzt sind sie bei seiner Hochzeit und alles wird gut.<\/p>\n<p>Igor will mit Maria die\u00a0 Pension weiterf\u00fchren, Amir, der von der Polizei gefl\u00fcchtet ist, bekommt eine Ausstellung und kann dann nicht mehr abgeschoben werden und Ferns Frau und Kind wurden von Albert auch eingeladen.<\/p>\n<p>Das vollendete Gl\u00fcck und die Idylle also. Kann das gut gehen und k\u00f6nnen das, die mit einer Vergangenheit, wieoben geschildert, aushalten?<\/p>\n<p>Ludovig kann es nicht, haut ab, die Freude schneiden ihm vom Baum herab und es ist ein bi\u00dfchen unklar, ob er gestorben ist oder wieder in dieses sch\u00f6ne heile Leben zur\u00fcckkkehren und es &#8220;schaffen&#8221; wird?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist der Sinn des Lebens? 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