{"id":52185,"date":"2017-06-16T00:49:33","date_gmt":"2017-06-15T22:49:33","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=52185"},"modified":"2017-06-16T00:49:33","modified_gmt":"2017-06-15T22:49:33","slug":"die-mitteilung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=52185","title":{"rendered":"Mathildes Entscheidung"},"content":{"rendered":"<p>Als Mathilde nach Hause gekommen war, f\u00fchlte sie sich schlecht. Sie konnte sich gar nicht erinnern, wie sie von Dr. Heum\u00fcllers Praxis in ihre kleine Wohnung gekommen war, die sie in Wien seit einigen Wochen\u00a0 bewohnte.<\/p>\n<p>Die Zawriks, das konnte sie nicht leugnen, waren ihr behilflich gewesen und hatten ihr die Wohnung, die zuf\u00e4llig in dem Haus, in dem sie ihr Gesch\u00e4ft hatten, gerade leerstand, vermittelt, als sie \u00fcberst\u00fcrzt und verheult aus Berlin zur\u00fcckgekommen war und bei ihnen, weil sie nicht gewu\u00dft h\u00e4tte, an wen sie sich sonst wenden sollte, zu ihren Eltern wollte sie nicht gehen, alles andere als das und w\u00e4re auch nicht sicher gewesen, ob die sie nicht hinausgeschmissen\u00a0 h\u00e4tten, gel\u00e4utet, etwas von einer pl\u00f6tzliches K\u00fcndigung gestammelt und gefragt hatte, ob sie ein paar N\u00e4chte bei ihnen schlafen k\u00f6nne, bis sie eine Wohnung gefunden habe.<\/p>\n<p>&#8220;Nat\u00fcrlich!&#8221;, hatte Gisela Zawrik, die irgendwie so etwas, wie eine Ersatzmutter f\u00fcr sie war, zu ihr gesagt, ihr den Koffer aus der Hand genommen, die T\u00fcre aufgemacht und sie an sich gedr\u00fcckt.<\/p>\n<p>&#8220;Nat\u00fcrlich kannst du das, Mathilde, jederzeit!&#8221;, um sich danach vorsichtig zu erkundigen, ob es im Starverlag nicht geklappt h\u00e4tte?<\/p>\n<p>&#8220;Das hat doch so zuversichtlich geklungen und du bist so gerne hingefahren!&#8221;, f\u00fcgte sie noch verwundert hinzu.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich und das hatte es auch. Die Arbeit im Verlag war sch\u00f6n gewesen und Dr. Bereder, der Verlagsleister war\u00a0 \u00fcber ihre pl\u00f6tzliche K\u00fcndigung sehr verwundert gewesen.<\/p>\n<p>&#8220;Das kommt so pl\u00f6tzlich, Kindchen und dabei h\u00e4tte ich gedacht, Sie h\u00e4tten sich mit Dr. Lichtenstern angefreundet!&#8221;, hatte er erstaunt gesagt und sie hatte den Kopf gesch\u00fcttelt und\u00a0 ihm mit fast irren Augen und verzweifelter Stimme geantwortet da\u00df Dr. Lichtenstern sich mit ihrer Schwester verlobt hatte.<\/p>\n<p>&#8220;Dann kann ich es\u00a0 verstehen! Das tut mir sehr leid, soll ich vielleicht mit Moritz reden?&#8221;, hatte der alte Herr darauf verst\u00f6rt geantwortet und verlegen ihre Hand ergriffen, was sie ihm energisch verbeten hatte.<\/p>\n<p>&#8220;Das\u00a0 nicht, nein, das werde ich schon mit ihm selber abmachen!&#8221;<\/p>\n<p>Sie wolle nur schnellstens nach Wien zur\u00fcckfahren, ob er das verstehe?<\/p>\n<p>Er hatte verstanden und ihr keine Schwierigkeiten gemacht. So hatte sie auch die Wohnung gek\u00fcndigt, ihren Koffer gepackt, die Rose, die ihr Moritz\u00a0 am Valentinstag so zuversichtlich und mit verliebten Augen \u00fcberreicht hatte, hineingepackt, obwohl sie sich schon im Zug deswegen Vorw\u00fcrfe machte und sich schwor sie in Wien sofort in den n\u00e4chsten Mistk\u00fcbel zu werfen. Aus den Augen aus dem Sinn, denn es gab keinen Moritz mehr f\u00fcr sie, seit Natalie vor zwei Tagen so selbstbewu\u00dft in ihrer Wohnung aufgetaucht war und ihr mitgeteilt hatte, da\u00df Sie sich mit ihm verlobt habe.<\/p>\n<p>&#8220;Ich hoffe, das ist dir recht und st\u00f6rt nicht deine Pl\u00e4ne?&#8221;, hatte sie noch scheinheilig hinzugef\u00fcgt.<\/p>\n<p>&#8220;Denn damals in der Weinstube, als ich ihn kennenlernte, hatte ich fast den Eindruck, du w\u00e4rst i\u0144 ihn verliebt!&#8221;<\/p>\n<p>Was h\u00e4tte sie da anders tun sollen, als den Kopf sch\u00fctteln und best\u00e4tigen, da\u00df das nat\u00fcrlich nicht so war. Ob sie der Schwester alles Gl\u00fcck gew\u00fcnscht hatte, daran konnte sie sich nicht erinnern. Oder nein, das hatte sie nicht getan. Denn das w\u00e4re gelogen gewesen und unehrlich und verlogen war sie nie. So hatte sie nur den Kopf gesch\u00fcttelt, Dr.Bereder und die Wohnung gek\u00fcndigt. Hatte die ersten Tage bei den Zawriks und sp\u00e4ter in der eigenen Wohnung \u00fcbernachtet und sich wieder eine Stelle bei einem Verlag gesucht. Dr. Bereder hatte ihr ein vorz\u00fcgliches Zeugnis ausgestellt und auf die Frage ihres jetzigenn Verlegsleiters Dr. Zuschitzky\u00a0 hatte sie geantwortet, da\u00df es Familienverh\u00e4ltnisse waren, die sie veranla\u00dften Berlin zu verlassen und wieder nach Wien zur\u00fcckgezukehren, obwohl sie die Eltern nicht aufgesucht hatte und sie auch zu Weihnachten nicht mehr besuchen w\u00fcrde. Das war aus und vorbei. Und kaum, da\u00df sie die neue Stelle in dem neuen Verlag angetreten hatte, war ihr st\u00e4ndig schlecht. Sie mu\u00dfte sich zusammenrei\u00dfen, um nicht um und in Ohnmacht zu fallen und sich\u00a0 st\u00e4ndig \u00fcbergeben und als ihr Dr. Heum\u00fcller, in\u00a0 deren Praxis sie die argw\u00f6hnisch schauenden Kollegen geschickt hatten, vor ein paar Stunden mitteilte, da\u00df sie schwanger sei, hatte sie sie erstaunt angesehen.<\/p>\n<p>&#8220;Aber nein, das ist nicht m\u00f6glich!&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Haben Sie denn nicht-?&#8221;, hatte die Frauen\u00e4rztin gefragt und sie hatte den Kopf sch\u00fctteln m\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>&#8220;Doch, das schon und ich bin in Moritz auch verliebt gewesen! Aber jetzt hat er sich mit meiner Schwester verlobt und da kann ich doch nicht-!&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Aha!&#8221;, hatte die \u00c4rztin geantwortet, geseufzt und wohl an ihr volles Wartezimmer gedacht und an die anderen Patientinnen, die jetzt warten mu\u00dften, weil sie sich wahrscheinlich mit der jungen Frau jetzt l\u00e4nger unterhalten mu\u00dfte.<\/p>\n<p>&#8220;Dann sollte Sie dem Papa, die freudige Nachricht mitteilen oder werden Sie vielleicht&#8211;?&#8221; hatte sie gefragt und nach dem Folder gefriffen, der \u00fcber die M\u00f6glichkeit der\u00a0 Abtreibung bis zur zw\u00f6lften Schwangerschaftswoche informierte.<\/p>\n<p>&#8220;Nein!&#8221;, hatte sie gestammelt und danach, wie sie sich jetzt doch erinnern konnte, die Praxis fluchtartig verlassen, so da\u00df die Ordiantionshilfe erleichtert, die n\u00e4chste Patientin aufrufen hatte k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&#8220;Das werde ich nicht, da werde ich schon einen Brief an Moritz schreiben!&#8221;, dachte sie, als sie T\u00fcre geschlossen hatte und Platz vor ihrem kleinen Schreibtisch nahm. Sie hatte sogar in die Lade gegriffen, wo die Kuverts und das Briefpapiert lagen und beides herausgenommen. Dann sa\u00df sie vor dem leeren Briefbogen, starrte darauf und sch\u00fcttelte den Kopf.<\/p>\n<p>Nein, das konnte und w\u00fcrde sie nicht tun! Sie konnte nicht an Moritz schreiben, da\u00df sie ein Kind von ihm erwartete. Konnte ihm nicht mitteilen, da\u00df sie Mutter w\u00fcrde. Konnte ihm h\u00f6chstens zur Hochzeit gratulieren. Aber auch das w\u00fcrde sie nicht tun, weil sie\u00a0 nicht so unehrlich und verlogen,wie die Schwester war und nicht wirklich wollte, da\u00df er mit Natalie gl\u00fccklich war,\u00a0 sondern das Kind allein zur Welt bringen. Moritz sollte niemals etwas davon erfahren, da\u00df er Vater wurde und den Kontakt zu Natalie und ihren Eltern w\u00fcrde sie jetzt auch abbrechen. Sie hatte lange gebraucht, bis sie begriffen hatte, da\u00df sie das tun sollte. Aber jetzt war das aus und endg\u00fcltig vorbei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Mathilde nach Hause gekommen war, f\u00fchlte sie sich schlecht. Sie konnte sich gar nicht erinnern, wie sie von Dr. Heum\u00fcllers Praxis in ihre kleine Wohnung gekommen war, die sie in Wien seit einigen Wochen\u00a0 bewohnte. Die Zawriks, das konnte &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=52185\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[2069,2071,3918,6047],"class_list":["post-52185","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-textbeispiel","tag-fortsetzungsgeschichten","tag-fortsetzungsroman","tag-mathilde","tag-viertes-juni-beispiel"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52185","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=52185"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52185\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=52185"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=52185"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=52185"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}