{"id":52241,"date":"2017-06-17T08:52:12","date_gmt":"2017-06-17T06:52:12","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=52241"},"modified":"2017-06-17T08:52:12","modified_gmt":"2017-06-17T06:52:12","slug":"eine-frau-auf-reisen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=52241","title":{"rendered":"Eine Frau auf Reisen"},"content":{"rendered":"<p>Lily hatte sich,\u00a0 den Brief immer noch in der Hand, auf einen der Barhocker, den es vor ihrer kleinen E\u00dftheke im K\u00fcchenbereich ihres Lofts gab, gesetzt und starrte nachdenklich vor sich hin.<\/p>\n<p>Die schulterlangen dunkelbolonden Haare fielen ihr unfrisiert ins Gesicht. Vor ihr stand der Becher mit Kaffee, auf der\u00a0 E\u00dftheke lag ihr Handy und auf dem hatte sie vorhin einen Anruf von Slavenka Jagoda bekommen, die ihr mitteilte, da\u00df sie gut in N.Y angekommen sei und ihr kleines Atelier, das es im Dachgescho\u00df des Instituts gab, bereits\u00a0 bezogen hatte. Sie w\u00fcrde sie treffen und kennenlernen, wenn sie sich aufgerafft und angezogen hatte und ins Institut zu ihrer Arbeit fuhr.<\/p>\n<p>Slavenka Jagoda, die dreiundzwanzigj\u00e4hrige Slavistin und Germanistin aus der Slowakei, die ein dreimonatiges Praktikum unter ihrer Leitung, im Kulturinstitut antreten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Sie war also voll besch\u00e4ftigt, sie einzuleiten und einzuf\u00fchren und ihr auch die Sch\u00f6n-und Besonderheiten von N.Y zu zeigen, so da\u00df sie abgelenkt war und\u00a0 keine Zeit hatte, l\u00e4nger\u00a0 an den seltsamen Brief, des seltsamen Rechtsanwalts von der seltsamen Tante, die eigentlich gar keine war, zumindestens hatte sie sie nie richtig kennengelernt, weil die Mami sie ja ha\u00dfte, wie der Teufel das Weihwasser, was sie jetzt erst richtig verstand.<\/p>\n<p>&#8220;Wui, da hatte sie\u00a0 einen richtigen Roman erlebt oder k\u00f6nnte,, wenn sie nur literarisch genug begabt w\u00e4re, einen solchen dar\u00fcber schreiben. Eigentlich zwei oder drei wahrscheinlich. Eine ganze Serie, wie das jetzt\u00a0 im Bereich des Joung Aldults gang und gebe war und die Kids und die Fans sich darum ri\u00dfen, denn die Gro\u00dfeltern hatten, weil sie nur ein Kind statt der bekommenen Zwillinge haben wollten, die ihr unbekannte Tante, der Mutter vorgezogen, die nur so weit mitlaufen lassen, da\u00df es in der Schule nicht auffiel und das Jugendamt nicht antanzte und der hatte dann noch, als sie sich von ihren jugendlichen Traumen so weit emanzipiert hatte, da\u00df es ihr gelungen war, von ihrer Haus- und Kinderm\u00e4dchent\u00e4tigkeit bei den Zawriks auszurei\u00dfen und sich in Berlin als Verlagssekret\u00e4trin zu etablieren, Tante Natalie, die inzwischen Psychoanalytikerin, wohl eine besondere Perfidie des Schicksals, geworden war, ihren Vater weggenommen, ihn statt ihr gehreiratet und der Dodel, so k\u00f6nnte man wohl sagen, hatte gar nicht gemerkt, da\u00df er drei Monate sp\u00e4ter eine Natalie statt eine Mathilde geheiratet hatte, w\u00e4hrend, die nach Wien zur\u00fcckgekehrt war und von ihrer Frauen\u00e4rztin oder Arzt erfuhr, da\u00df sie Mutter wurde.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte wahrlich einen Roman dar\u00fcber schreiben und sie k\u00f6nnte es auch versuchen, war sie doch begabt, hatte\u00a0 Literaturwissenschaften studiert, war Kuratorin im \u00f6sterreichischen Kulturinstitut in New York und einen Blog f\u00fchrte sie auch, in dem sie\u00a0 ihre Gedanken und auch Skizzen in die Welt hinauszuschickte.<\/p>\n<p>Und da hatte sie auch vor oder sogar schon damit begonnen, eine unsichtbare Frau zu erfinden, die ob dieses Umstandes keine Grenzen kannte und sich daher\u00a0 n\u00e4chtens in die Schlafzimmern von Donald Trump oder Wladimir Putin einfinden konnte, um ihnen die Leviten zu lesen.<\/p>\n<p>Eine k\u00f6stliche Idee war das und die erste Geschichte, die allerdings, weil jeder klein anfangen mu\u00df, statt vom US- Pr\u00e4sidenten nur vom \u00f6sterreichischen Au\u00dfenminister Sebastian Kurz handelte, war schon geschrieben. Nur hatte ihre Heldin, ihre unsichtbare Frau noch keinen Namen oder vielleicht doch.<\/p>\n<p>Wenn sie ehrlich war, konnte sie nicht leugnen, da\u00df ihr vorhin, als die das Telfonat mit Slavenka Jagoda beendete, gedacht hatte, da\u00df das ein sch\u00f6ner Name f\u00fcr ihre Protagonistin w\u00e4re.<\/p>\n<p>Slavenka Jagoda, die Germanistin und Slavistin, die in Kosive in der Ostlowakei geboren wurde, in Bratislava Deutsch studierte und jetzt drei Monate Praktikantin in N.Ywar. Das war doch eine Frau auf Reisen und sie konnte ihre Heldein so oder auch nat\u00fcrlich anders nennen, damit die ihr noch unbekannte Slavenka, sie nicht klagen konnte. Sie konnte sie sich aber als Vorbild nehmen, um ihrer Protagonistin einen realistischen Background zu geben und da konnte sie sie immer noch Jelena Jasenska oder, wie auch immer nennen.<\/p>\n<p>Da konnte sie sich Zeit lassen, sich das in Ruhe zu \u00fcberlegen, mu\u00dfte sich nicht treiben und hetzen,\u00a0 wo sie doch eigentlich zu besch\u00e4ftigt war, \u00fcber so etwas Unwichtiges nachzudenken, hatte sie doch andere Sorgen.<\/p>\n<p>Sie mu\u00dfte sich anziehen und ins Institut fahren. Aber vorher mu\u00dfte sie noch die Mami anrufen und ihr von dem Brief des verr\u00fcckten Anwalts erz\u00e4hlen. Sie fragen, ob sie auch einen solchen bekommen hatte und sich erkundigen, ob das mit ihrem Vater und das ihr der von der jetzt verstorbenen Tante weggeschnappt worden war, stimmte?<\/p>\n<p>Mu\u00dfte fragen, ob sie auf das Begr\u00e4bnis geben w\u00fcrde?. Sollte eigentlich selber nach Wien fliegen, um den unbekannten Vater kennenzulernen. Aber &#8220;Stop, halt, Lily rei\u00df dich zusammen, bleib am Boden der Realit\u00e4t, sei nicht so schnell, dein Vater ist, wenn dich die Tante richtig informiert hat, Leiter des Starverlags in Berlin gewesen und, als solcher vor einiger Zeit in Pension gegangen. Er ist auch in Berlin wohnhaft und von ihrer unbekannten Psychoanalytikerin-Tante, die eigentlich, wenn man es recht betrachtete, eher eine Psychopoathin war und eine\u00a0 gewissenlose Person, eine Borderlinepers\u00f6nlichkeit h\u00f6chstwahrscheinlich, seit siebenundzwanzig Jahren geschieden.&#8221;<\/p>\n<p>H\u00f6chstwahrscheinlich wu\u00dfte der, wenn er nicht auch einen Brief vom Anwalt bekommen hatte, gar nichts von der Tante Begr\u00e4bnis, wu\u00dfte er doch auch nicht von der Existenz einer Tochter.<\/p>\n<p>Also sollte sie nach der Mami vielleicht ihn anrufen und &#8220;Hallo, Papi, ich bins, dein unbekanntes T\u00f6chterlein! Hast du nicht Lust mich in N.Y. zu besuchen, da ich leider aus Termingr\u00fcnden, weil ich\u00a0 einen Blog beretreibe, im Institut kuratiere und auch Slavenka Jagoda in ihr Praktikum einf\u00fchren mu\u00df, nicht nach Wien zum Begr\u00e4bnis fahren kann, um dich kennenzulernen!&#8221;<\/p>\n<p>Shit, halt aus, nichts davon und brav am Boden bleiben. Nur nicht schon wieder \u00fcbertreiben! Die Mutter hatte ihr fr\u00fcher, als sie noch pubertierend und aufbgehrend\u00a0 nach ihrem Vater verlangte und mehr von ihm wissen wollte, das ohnehin immer vorgeworfen, da\u00df sie viel zu ungeduldig sei.<\/p>\n<p>Also w\u00fcrde sie sich auch heute bez\u00e4hmen, sich an den Riemen rei\u00dfen, ins Schlafzimmer gehen, die Jeans und einen Pulli aus dem Kasten nehmen, die Jacke anziehen. Vorher aber die Mami anrufen und dazu veranla\u00dfen auf das Begr\u00e4bnis zu gehen, damit sie ihr berichten konnte, ob sie dort ihren Papi getroffen hatte und Slavenka Jagoda w\u00fcrde sich auch noch anrufen und sich mit ihr im Institut um elf verabreden, damit sie sie kennenlernen und herausfinden konnte, ob sie ein gutes Vorbild f\u00fcr die Heldin ihres Blogromans abgab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lily hatte sich,\u00a0 den Brief immer noch in der Hand, auf einen der Barhocker, den es vor ihrer kleinen E\u00dftheke im K\u00fcchenbereich ihres Lofts gab, gesetzt und starrte nachdenklich vor sich hin. 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