{"id":5226,"date":"2010-12-22T11:26:30","date_gmt":"2010-12-22T10:26:30","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=5226"},"modified":"2010-12-22T11:26:30","modified_gmt":"2010-12-22T10:26:30","slug":"calling","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=5226","title":{"rendered":"Calling"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt die zweite (Kriminal)geschichte des Meistererz\u00e4hlers Michael K\u00f6hlmeier &#8220;Calling&#8221; aus dem Deuticke Verlag, die sich bei mir angesammelt hat und die ich mir zu lesen vorgenommen habe. \u00dcber <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/10\/02\/dein-zimmer-fur-mich-allein\/\">&#8220;Dein Zimmer f\u00fcr mich allein&#8221;<\/a> habe ich schon geschrieben. &#8220;Calling&#8221;, das wie im Klappentext steht, auf einer wahren Begebenheit ruht und auch an der Wienzeile spielt, in einer Dachwohnung gegen\u00fcber dieser sch\u00f6nen Jugendstilh\u00e4user, wo die &#8220;gr\u00fcnspan\u00fcberzogenen, f\u00fcnfmal lebensgro\u00dfen Frauenfiguren am Dachrand des goldenen Hauses, die H\u00e4nde wie Trichter vor dem Mund halten , stumm in die Stadt rufen und nie damit aufh\u00f6ren, so da\u00df man sich fragt, wer es zul\u00e4\u00dft, da\u00df solche Verzweiflung als Schmuck auf Hausd\u00e4cher gestellt wurde?&#8221;<br \/>\nFr\u00fcher habe ich Michael K\u00f6hlmeier gelegentlich in der Kettenbr\u00fcckengasse gesehen, vielleicht hat er also selber eine solche Dachwohnung. In der im Buch beschriebenen, wohnt die zweiundvierzigj\u00e4hrige Elisabeth Muhar, Spezialistin f\u00fcr Jazz bei \u00d63 oder so, die ist von Harry, dessen Vater ihr  die teure Dachwohnung zur Verf\u00fcgung stellte, geschieden, weil Harry sie sechs oder sieben Mal betrogen hat, wird von ihm aber regelm\u00e4\u00dfig  besucht. Danach pflegt er sie immer anzurufen und sich f\u00fcr die sch\u00f6nen Stunden zu bedanken.<br \/>\nAls das Telefon diesmal klingelt, ist es nicht Harry, sondern ein Mann, der behauptet Harry in der Telefonzelle als Geisel genommen und mit einer Pistole bedroht zu haben. Harry w\u00fcrde vor dem Anrufer am Boden knien und sich vor Angst anbrunzen und Elisabeth soll mit dem Anrufer sprechen. Was macht man in einer solchen Situation?<br \/>\nDas ist der Ausgangspunkt einiger psychologischer Studien und Michael K\u00f6hlmeier spielt auch brillant auf der Tastatur der Gef\u00fchle. Gelegentlich erz\u00e4hlt er ein bi\u00dfchen aus Elisabeths Leben, so da\u00df wir die Geschichte auch verstehen k\u00f6nnen, ansonsten l\u00e4\u00dft er uns eintauchen in die Gedanken und Phantasien von Opfer und T\u00e4ter.<br \/>\nDer Anrufer behauptet Elisabeth sei f\u00fcr Harrys weiteres Schicksal verantwortlich und d\u00fcrfe sich nicht falsch entscheiden, behauptet auch, er w\u00fcrde alles \u00fcber sie wissen, fragt sie \u00fcber ihr Leben aus und erz\u00e4hlt ihr  eine Geschichte von einem Entwicklungshelfer in Afrika.<br \/>\nElisabeth versucht  sich dagegen  einen Plan zurechtzulegen, schreibt auf einen Block ihren Namen,  bittet die Polizei zu rufen und l\u00e4utet damit bei der Nachbarin. Es \u00f6ffnet die kroatische Putzfrau, die nicht lesen kann. Sp\u00e4ter erscheint die Nachbarin und wird kurzfristig selbst zur Geisel, bis Elisabeth sie hinauschmei\u00dft. Das tut der Geiselnehmer inzwischen auch mit Harry. So da\u00df der kurz darauf an ihrer T\u00fcre l\u00e4utet. Elisabeth \u00f6ffnet jedoch nicht und geht auch nicht zum Telefon, als Harry sie aus der Nachbarohnung anzurufen versucht. Schlie\u00dflich verl\u00e4\u00dft sie selbst die Wohnung &#8220;schritt eilig in den Vierten Bezirk hinein, bis zur Wiedner Hauptstra\u00dfe und dann weiter bis zum G\u00fcrtel, ging am G\u00fcrtel entlang bis zum Westbahnhof und weiter bis zur U-Bahn-Station Alserstra\u00dfe. Dort setzte sie sich auf eine Bank.&#8221;<br \/>\n&#8220;Mit einer faszinierenden Mischung aus Detailrealismus und kalkulierter K\u00fcnstlichkeit gelingt es K\u00f6hlmeier eine Atmosph\u00e4re zerbrechlicher Initmit\u00e4t heraufzubeschw\u00f6ren&#8221;, schreibt die Tageszeitung, M\u00fcnchen auf der Buchr\u00fcckseite.<br \/>\nIch habe es psychologisch interessant gefunden und denke, da\u00df es wahrscheinlich wirklich Michael K\u00f6hlmeiers Spezialit\u00e4t ist, sehr beklemmende Geschichten aufzuschreiben, die im ersten Moment fast ein wenig irritierend erscheinen und auch Abwehr erzeugen k\u00f6nnen.Schlie\u00dflich geht das Thema ja sehr nah und man wei\u00df auch nicht, wie man sich selbst in einer solchen Situation verhalten w\u00fcrde.<br \/>\nMichael K\u00f6hlmeier ist, glaube ich, auch ein Vielschreiber, sto\u00dfe ich doch immer wieder auf einen Text von ihm, von dem ich noch nichts geh\u00f6rt habe, ein Kaffeehausliterat und ein M\u00e4rchen und Bibelerz\u00e4hler, ein Jazzmusiker oder Jazzspezialist, ist er glaube ich auch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt die zweite (Kriminal)geschichte des Meistererz\u00e4hlers Michael K\u00f6hlmeier &#8220;Calling&#8221; aus dem Deuticke Verlag, die sich bei mir angesammelt hat und die ich mir zu lesen vorgenommen habe. \u00dcber &#8220;Dein Zimmer f\u00fcr mich allein&#8221; habe ich schon geschrieben. &#8220;Calling&#8221;, das wie &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=5226\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-5226","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5226","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5226"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5226\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5226"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5226"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5226"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}