{"id":52381,"date":"2017-07-02T00:40:18","date_gmt":"2017-07-01T22:40:18","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=52381"},"modified":"2017-07-02T00:40:18","modified_gmt":"2017-07-01T22:40:18","slug":"milzschnitten-und-andere-spezialitaeten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=52381","title":{"rendered":"Milzschnitten und andere Spezialit\u00e4ten"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein Erz\u00e4hlband meiner GAV-Kollegin C.H.Huber, in Innsbruck gboren, die ich beim vorigen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/10\/22\/gav-versammlungen\/\">&#8220;Kulturpolitischen Arbeitskreis&#8221; <\/a>kennenlernte und der in der &#8220;Tiroler Autorinnen und Autoren Kooperative&#8221; herausgekommen ist.<\/p>\n<p>Vierzehn Geschichten auf etwa hundertf\u00fcnfzig Seiten.<\/p>\n<p>&#8220;Jede \u00c4hnlichkeit mit lebenden oder toten Personen ist rein zuf\u00e4llig&#8221;, steht Klagen vorbeugend, unterm Inhaltsverzeichnis, das mache ich auch manchmal und auf der Seite vorher steht &#8220;F\u00fcr Hannah, sp\u00e4ter&#8221;, ist das jetzt eine Widmung oder ein Motto? Man wei\u00df das nicht so genau.<\/p>\n<p>Die erste Geschichten sind die &#8220;Milzschnitten&#8221; und da geht es, um eine r\u00fcstige Pensionistin, die sich ebenfalls vorbeugend in eine Seniorenresidenz oder besseres Altersheim zur\u00fcckgezogen hat und da am Stefanitag vor ihrer Nudelsuppe sitzt und an die Stefanitage denkt, wo sie ihrer Familie &#8220;Milzschnitten&#8221; und anderes f\u00fcr die Suppe aufgekocht hat.<\/p>\n<p>Die ganze Familie ist da zusammengekommen, auch Walter, der Ex und die Kinder und eine Tante wurde aus dem Altersheim geholt, damit die noch einmal ein\u00a0 richtiges Weihnachten im Kreise ihrer Familie erleben kann. Und wie das Schicksal es so wollte, ist die dann da \u00fcber Nacht gestorben und die Pensionistin geht in ihr Bett, legt sich\u00a0 nieder und denkt: &#8220;Noch werde ich wieder aufwachsen. Sicher ist aber nicht einmal das.&#8221;<\/p>\n<p>Das mit der zuf\u00e4lligen \u00c4hnlichkeit der handelnden Personen, wird\u00a0 schon bei der zweiten Geschichte &#8220;Gross.Atemlas&#8221; im Titel hintertrieben, weil da ist einer, der Wissenschaftler, der im dritten Reich in einer psychiatrischen Klink seine Pflicht tat und jetzt durch &#8220;den jungen Chirurgen und anderen Widersachern&#8221;, an seinem gem\u00fctlichen Lebensabend gehindert wird.<\/p>\n<p>Da tue ich mir ein wenig schwer, wenn die eigenen Regeln so offensichtlich gebrochen werden und auch die anderen Geschichen waren beim Lesen manchmal schwierig.<\/p>\n<p>Handelt es sich da ja oft um Monologe, ohne direkten Handlungsaufbau\u00a0 auch ohne Show und Tell, sondern da wird und ich gebe schon zu, ich tue das manchmal auch, unendlich monologiesiert und dabei auch noch, wie bei den &#8220;Perspektiven&#8221; von der einen zu der anderen hurtig hin und hergesprungen.<\/p>\n<p>Da monologisiert ein Mann \u00fcber seine Frauen und ich dachte zuerst nach der Gross-Geschichte, aha, da geht es um den Jack Unterweger, aber der Mann hat Freundinnen, eine Ex-Frau, eine Mutter die im Altersheim dahinvegetiert, dann geht es wieder auf ein Begr\u00e4bnis und so weiter und so fort.<\/p>\n<p>Das Monologisieren wiederholt sich\u00a0 auch in den n\u00e4chsten Geschichten.<\/p>\n<p>Im &#8220;Purgatorium&#8221; kommt ein Gott offenbar wieder auf die Erde und hatProbleme mit den &#8220;Sexsklavinnen&#8221; der heutigen Zeit, die leider nicht mehr so problemlos mitmachen, wie er das von seinem fr\u00fcheren Leben gewohnt war.<\/p>\n<p>In einer der n\u00e4chsten Geschichte geht es um eine Frau, die sich um den Mann in ihrer K\u00fcche \u00e4rgert.<\/p>\n<p>Ein wenig verst\u00e4ndlicher wurde es\u00a0 f\u00fcr mich erst wieder bei &#8220;Frau Irma oder die Liebe zum Gesang&#8221;, denn da erz\u00e4hlt eine Frau \u00fcber ihr verfehltes Leben, beziehungsweise ihre Angst, die sie vor den Schl\u00e4gen der Eltern, im Kindergarten, in der Schule ausstand und, die sie nur durch das Singen kompensieren konnte.<\/p>\n<p>Auch der Ehemann war mit ihr unzufrieden, weil sie keine Kinder hatte ,w\u00e4hrend sie &#8220;Von der \u00dcbelkeit, vom verzweifelten Herabspringen vom Tisch damals und den Kr\u00e4uterb\u00e4ndern, den Stricknadeln&#8230;&#8221; etcetera sinniert.<\/p>\n<p>Im Klappentext steht etwas vom Spiegel, den die Autorin der Gesellschaft in ihren deutlichen\u00a0 Worten der Gesellschaft vorh\u00e4lt, <a href=\"http:\/\/lesen.tibs.at\/content\/erwachsene\/ch-huber-milzschnitten-und-andere-spezialit%C3%A4ten\">Helmut Sch\u00f6nauer hat auch in bew\u00e4hrter Manier eine Rezension \u00fcber das Buch geschrieben und spricht von der &#8220;abgehangenden Melancholie&#8221; iund &#8220;atemlosen Nennformgruppen&#8221;<\/a> und ich bemerke wieder einmal, da\u00df mir das Lesen von Erz\u00e4hlb\u00e4nden Schwierigkeiten macht, da die n\u00f6tige Konzentration aufzubringen, mich im zehn Seiten Rhythmus von der einen auf eine andere Welt einzulassen.<\/p>\n<p>H.C. Huber mit ihrer intensiven Sprache und ihrer Monologform, mit der in das Denken und das F\u00fchlen der anderen hineingleitet, machte es mir dabei besonders schwer.<\/p>\n<p>&#8220;In trautes Heim&#8221;, geht es dann weiter mit einer Ich-Erz\u00e4hlerin und zwar einer Frau, die f\u00fcr ihren Mann das Gulasch und die Polenta auftisch, dann mit ihm Sex hat, schlafen geht, am n\u00e4chsten Morgen das Fr\u00fchst\u00fcck vorbereitet und w\u00e4hrend er in die Arbeit geht, ruft sie dann eine nur ihr vertraute Nummer an.<\/p>\n<p>Bei der n\u00e4chsten Geschichte &#8220;Totschlagen&#8221; geht dann weiter in einem endlos Monolog \u00fcber Gott und die Welt, die Poltiker und all die anderen Schwierigkeiten, die einem im Laufe des Lebens so behindern und ich dachte zuerst, das ist die Fortsetzung vom &#8220;Trauten Heim&#8221;, nur da\u00df die Frau, die Lamentiererin, die auf ihren Mann wartet, jetzt Kn\u00f6delsuppe, statt Gulasch mit Polenta kocht.<\/p>\n<p>Im Laufe der etwa f\u00fcnfzig Seiten der Erz\u00e4hlung kommt man darauf, die Frau ist eine Friseurin und der Mann, der nicht kommt, eigentlich nur ihr Freund, ein Schriftsteller.<\/p>\n<p>Sie i\u00dft w\u00e4hrend sie auf ihn wartet und r\u00e4sumiert, die Suppe und das Steak selber und dann beginnt sie sich mit Schlaftabletten f\u00fcr den Suicid in ihr Bett zu legen, immer in der Hoffnung, da\u00df er vielleicht doch noch kommt.<\/p>\n<p>Bei &#8220;Liebe Butzerln&#8221; macht sich eine &#8220;Fensterguckerin&#8221; Sorgen um das noch nicht geborene Kind der Frau gegen\u00fcber und \u00e4rgert sich \u00fcber die &#8220;Gfraster&#8221;, der Fl\u00fcchtlinge, die ihnen ins Haus gesetzt wurden.<\/p>\n<p>Dann beobachtet ein Bademeister eine &#8220;fette Blondine&#8221; und durchlebt dabei seine Tr\u00e4ume und bei &#8220;Sp\u00e4te Wanderung&#8221; umrundet offenbar einer mit einer Demenzdiagnose einen See.<\/p>\n<p>Viele Themen werden, wie man lesen kann, hier angeschnitten, Gedanken \u00fcber die Sterbehilfe&#8221; tauchen immer wieder auf und immer wieder geht es um das Monologisieren, was es mir, wie schon beschrieben ein wenig schwer mit der Aufmerksamkeit machte.<\/p>\n<p>Sonst aber spannende Geschichten auf dem und f\u00fcr das Leben einer vielleicht noch nicht so bekannten Tiroler Autorin, von der ich \u00fcbrigens noch einen Gedichtband auf meinen Badezimmerstapel liegen habe, aber wann ich da\u00a0 zum Lesen komme, ist\u00a0 noch nicht ganz klar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein Erz\u00e4hlband meiner GAV-Kollegin C.H.Huber, in Innsbruck gboren, die ich beim vorigen &#8220;Kulturpolitischen Arbeitskreis&#8221; kennenlernte und der in der &#8220;Tiroler Autorinnen und Autoren Kooperative&#8221; herausgekommen ist. 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