{"id":5271,"date":"2010-12-26T11:17:20","date_gmt":"2010-12-26T10:17:20","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=5271"},"modified":"2010-12-26T11:17:20","modified_gmt":"2010-12-26T10:17:20","slug":"grimms-worter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=5271","title":{"rendered":"Grimms W\u00f6rter"},"content":{"rendered":"<p>Nun kommt schon die Weihnachtsbuchbesprechung &#8220;Grimms W\u00f6rter&#8221; von G\u00fcnter Grass, auf das ich w\u00e4hrend meines Frankfurter Buchmessensurfings aufmerksam wurde und da man dort aktuelle B\u00fccher gewinnen konnte, habe ich mir eine Liste zusammengestellt, die ein paar Mal abge\u00e4ndert und dem Alfred schlie\u00dflich, den Norbert Gstrein zusammen mit Angela Leinens &#8220;Wie man den Bachmannpreis gewinnt&#8221;, als Geburtstags- und den Grass als Weihnachtsw\u00fcnsche genannt. So bin ich am Vierundzwanzigsten mit dem Buch in die Badewanne verschwunden, das passende Badekonfekt und ein Handtuch mit Monogramm gabs ja dazu. Das noch dreimal wiederholt, bis ich soweit bin, das Buch zu besprechen.<br \/>\n&#8220;Eine Liebeserkl\u00e4rung&#8221;, steht auf dem Umschlag und die Rezensionen, in denen ich gebl\u00e4ttert habe, bem\u00e4ngeln, da\u00df es darin um keine Liebe geht, bem\u00e4ngeln auch die Grassche Geschw\u00e4tzigkeit, meinen er sei ausgeschrieben und es sei kein gutes Buch.<br \/>\nMir hat es gefallen, weil es in einem Stil geschrieben ist, der mir sehr liegt und den ich auch selbst anwende. Und die Liebe ist nat\u00fcrlich, die zu den W\u00f6rtern und Buchstaben und da zieren einige den Umschlag.<br \/>\nDas Buch ist in neun Kapiteln aufgeteilt, die die Buchstaben A-K und dann noch U und Z tragen. Innerhalb der Kapitel wird nat\u00fcrlich von Buchstabe zu Buchstabe gesprungen,  alle kommen vor und es wird die Geschichte der Br\u00fcder Grimm,  wahrscheinlich besser bekannt, als die, die die deutschen Hausm\u00e4rchen gesammelt haben, die Geschichte G\u00fcnter Grass und die Deutschlands von 1785,  wo Jacob zur Welt kam, bis zur Gegenwart, wo der dreiundachtzigj\u00e4hrige Nobelpreistr\u00e4ger  den Faden der Geschichte aufnimmt, erz\u00e4hlt und da mich die sehr interessiert, ist es ein Buch f\u00fcr mich, das ich auch dem Lesekreis empfohlen habe.<br \/>\nJacob Grimm kam also 1785, sein Bruder Wilhelm, ein Jahr sp\u00e4ter zur Welt, dann kam die franz\u00f6sische Revolution, die Br\u00fcder Grimm hatten noch einige Geschwister von denen Ludwig Emil, der Zeichner Jacob und Wilhelm \u00f6fter auf Kupferplatten verewigt hat.<br \/>\nDie Br\u00fcder studierten, lebten in Kassel und in G\u00f6ttingen, von wo Jacob aus politischen Gr\u00fcnden ausgewiesen  wurde. So hei\u00dft das erste Kapitel auch &#8220;Im Asyl&#8221;.<br \/>\nDa begannen sie schon am deutschen W\u00f6rterbuch zu arbeiten, dessen erster Band, 1854 im Leipziger Salomon Hirzel Verlag herauskommen sollte. Sp\u00e4ter \u00fcbersiedelten die Br\u00fcder nach Berlin. Wilhelm war verheiratet und hatte drei Kinder, seine Ehefrau Dortchen versorgte auch den Bruder, gingen im Tiergarten spazieren und waren unter anderen mit Bettine von Arnim befreundet, deren Liebe zu Karoline G\u00fcnderrode, Hilde Schm\u00f6lzer in ihrer &#8220;Frauenliebe&#8221; beschreibt.<br \/>\nLangsam langsam geht die Arbeit an den W\u00f6rterb\u00fcchern weiter, zuerst stirbt Wilhelm, schlie\u00dflich Jakob, als er laut Grass  beim Wort &#8220;Durst&#8221; angelangt war. Die Herausgabe der B\u00e4nde ging weiter und wurde erst im Neunzehntenjahrhundert beendet, w\u00e4hrend Wilhelm Grimms Sohn, der mit einer Tochter Bettine von Arnims verheiratet war, die ersten vier B\u00e4nde, schon  als veraltet betrachtet hat. Nun die Sprache hat sich seit dem Achtzehntenjahrhundert sicher sehr ver\u00e4ndert .Das kann man auch bei Grass sehen und von seinem Leben lernt es sich viel in dem Buch. Werden doch immer wieder seine diversen Wahlauftritte f\u00fcr die SDP und seine Niederlagen, da niemand auf ihn h\u00f6rte, geschildert. Im ersten Kapitel beschreibt er, wie er in Gelsenkirchen in einer Werkkantine vor Kuchen mampfenden Arbeiterfrauen spricht. Etwas sp\u00e4ter schreibt er von einem Theaterst\u00fcck namens &#8220;Der Dra-Dra&#8221;, das Wolf Biermann aus dem Russischen \u00fcbersetzte und  Heinar Kipphardt f\u00fcr die M\u00fcnchner Kammerspiele in den Neunzehnsiebzigerjahren inszenierte.  Im Programmheft waren  die Drachenk\u00f6pfe kirchlicher und wirtschaftlicher W\u00fcrdentr\u00e4ger abgebildet, was Grass als unzumutbare Menschenhetzte ablehnte, deshalb wurde er, als er das Theater aufsuchen wollte, von der Belegschaft aufgefordert, dieses zu verlassen.<br \/>\nDann gibt es noch die Geschichte, wo er 1997 w\u00e4hrend der Frankfurter Buchmesse f\u00fcr den damaligen Friedenspreistr\u00e4ger Yasar Kemal die Laudatio in der Paulskirche halten sollte u. u. u.<br \/>\nG\u00fcnter Grass geht sein Leben durch, erz\u00e4hlt Geschichten, er geht auch und das mag vielleicht, als ein bi\u00dfchen kitschig empfunden werden, mit Jacob und Wilhelm durch den Tiergarten, bzw. trifft er die beiden dort, um ihnen von der Fortsetzung der W\u00f6rterb\u00fccher zu erz\u00e4hlen, setzt sie auch in ihrer romantischen Kleidung auf Motorr\u00e4der etc.<br \/>\nAber es geht in dem Buch ja um zwei M\u00e4rchensammler und so spielen die Grmmschen Hausm\u00e4rchen ihre Rolle. G\u00fcnter Grass Lieblingssm\u00e4rchen ist der &#8220;D\u00e4umling&#8221;,  so hat einen solchen zum Helden seiner &#8220;Blechtrommel&#8221; gemacht und er erz\u00e4hlt auch, da\u00df die Br\u00fcder durch den Tiergarten gingen, als es dort noch nicht nach Currywurst roch. G\u00fcnter Grass hat das dann in dieser Zeit nachgeholt und sich dort nach dem Fall der Mauer, auf die Spuren seines &#8220;Weiten Felds&#8221; gemacht,  das ich nach Erscheinen gelesen habe, worauf ich alle in meinem Besitz befindliche Fontaneb\u00fccher herausholte, um sie zu lesen. Sehr weit bin ich damit nicht gekommen und ich habe auch nicht alles von G\u00fcnter Grass gelesen. Die &#8220;Blechtrommel&#8221; z.B nicht. Laut Katalog besitze ich &#8220;Aus dem Tagebuch einer Schnecke&#8221;, &#8220;Ausgefragt&#8221;, &#8220;Der Schrfitsteller als B\u00fcrger&#8221;, &#8220;Die R\u00e4ttin&#8221;, &#8220;Ein weites Feld&#8221; und &#8220;Im Krebsgang&#8221; und nun das neue Buch.<br \/>\n&#8220;Die R\u00e4ttin&#8221; stammt, glaube ich, aus Edith Broczas Lesekisten und sollte ich auf meine Fr\u00fchjahrs-und Sommerleseliste setzen und G\u00fcnter Grass habe ich mindestens zweimal pers\u00f6nlich gesehen.<br \/>\nDas erste Mal in Wien, ein paar Jahre vor dem Nobelpreis im historischen Museum, denn G\u00fcnter Grass ist ja auch Zeichner und da wurde eine Ausstellung von ihm er\u00f6ffnet. Er betratt freundlich das Er\u00f6ffnungspublikum gr\u00fc\u00dfend das Museum, das hat sich bei mir eingepr\u00e4gt, der freundliche \u00e4ltere Mann mit dem Schnauzbart.<br \/>\nNach dem Nobelpreis habe ich ihn ein oder auch ein paar Mal in Leipzig gesehen. Da hat mir der Alfred im Berliner Zimmer &#8220;Im Krebsgang&#8221; gekauft und wollte es signieren lassen. Da waren mir aber zu viele Leute und ich bin ja kein Signiertyp. Bei einem meiner Frankfurter Buchmessensurfings bin ich auf ein Video gesto\u00dfen, wo ihn ein Reporter angesprochen hat, G\u00fcnter Grass aber sehr abweisend war.<br \/>\nNun ja, der Ruhm kann Menschen ver\u00e4ndern,  \u00e4lter wurde er auch und nimmt in &#8220;Grimms W\u00f6rter&#8221; auch auf seinen Tod Bezug.  Ein interessantes Buch, das ich wirklich nur empfehlen kann. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun kommt schon die Weihnachtsbuchbesprechung &#8220;Grimms W\u00f6rter&#8221; von G\u00fcnter Grass, auf das ich w\u00e4hrend meines Frankfurter Buchmessensurfings aufmerksam wurde und da man dort aktuelle B\u00fccher gewinnen konnte, habe ich mir eine Liste zusammengestellt, die ein paar Mal abge\u00e4ndert und dem &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=5271\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-5271","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5271","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5271"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5271\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5271"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5271"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5271"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}