{"id":52743,"date":"2017-07-14T00:32:54","date_gmt":"2017-07-13T22:32:54","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=52743"},"modified":"2017-07-14T00:32:54","modified_gmt":"2017-07-13T22:32:54","slug":"sisis-vermaechtnis","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=52743","title":{"rendered":"Sisis Verm\u00e4chtnis"},"content":{"rendered":"<p>Der <a href=\"http:\/\/www.picus.at\/produkt\/sisis-vermaechtnis\/\">&#8220;Picus-Verlag&#8221; hat ein Sommerbuch <\/a>auf den Markt geworfen, in\u00a0 dem es vielleicht f\u00fcr die Touristen oder f\u00fcr alle &#8220;Kaisertreue&#8221;, die es noch geben sollte, um ein Verm\u00e4chtnis der Kaiserin Elisabeth geht.<\/p>\n<p>Und da gibt es gleich einen Doktor Joseph Kaiser, das ist ein drei\u00dfigj\u00e4hriger Jurist, ein sch\u00f6ner junger Mann und ein bi\u00dfchen ein Mutters\u00f6hnchen, der kaisertreuen ehemaligen Gr\u00e4fin Theodora und der tritt eine Stelle als Direktor einer \u00f6sterreichischen Kulturstiftung an.<\/p>\n<p>Die gibt es, wie im Anhang steht nicht wirklich, so wie auch alle Personen und die Handlung erfunden ist.<\/p>\n<p>Aber die Kaiserin Sisi mit den langen Haaren gab es wirklich. Von ihr zehrt, wie man sieht, nicht nur der Tourismus, sondern auch die Buchbranche und die war, wie ebenfalls im Anhang steht, 1875 zwei Monate in einem normannischen Fischerd\u00f6rfchen und hat dort, wie eine Hofdame angeblich ausstreute, angeblich ein Kind zur Welt gebracht.<\/p>\n<p>Das ist nat\u00fcrlich nur erfunden. Aber seit damals flie\u00dft j\u00e4hrlich ein Scheck von der Stiftung in das D\u00f6rchen, das eine sch\u00f6ne junge Tier\u00e4rztin mit dem Namen Elisabeth hat und in einem Leuchtturm lebt.<\/p>\n<p>Dort gab es einen B\u00fcrgermeisterwechsel. Ein junger Sozialist hat da den alten Arnoul verdr\u00e4ngt und der schreibt gleich einmal einen Brief an die Stiftung, um eine Erh\u00f6hung des Schecks einzufordern und das f\u00fchrt zu Komplikationen und zu der &#8220;am\u00fcsanten, schwungvollen,\u00a0 \u00fcberraschenden Handlung&#8221;, wie im Klappentext steht.<\/p>\n<p>Denn Joseph Kaiser reist nun nach Beauport, lernt dort Elisabeth kennen und verliebt sich unsterblich in sie.<\/p>\n<p>Zuerst wird ihm aber eine Kom\u00f6die vorgespielt. Der ehemalige B\u00fcgermeister spielt Elisabeths Ur- oder Ururgro\u00dfvater, der zwar schon 1953 gestorben ist, aber jetzt als \u00fcber Hundertj\u00e4hriger aufersteht, denn an ihn,\u00a0 den Retter der Kaiserin w\u00e4hrend eines Badeunfalls, ist die Zahlung ja gegangen.<\/p>\n<p>Joseph ist zuerst befriedigt, telefoniert der Sekret\u00e4rin, sie kann den Scheck ausstellen. Dann kommt er aber darauf, es war alles Betrug, denn sogar der Vater Elisabeths ist vor kurzem gestorben.,<\/p>\n<p>Also kein Scheck und eine Nachricht an die Nationalbank, da\u00df die \u00dcberweisung eingestellt wird. Noch bevor R\u00fcckforderungen an das D\u00f6rchen geht, gibt es dort aber eine Krisensitzung und Joseph wird informiert, er hat sich selbst, das hei\u00dft, seine Stiftung aufgel\u00f6st, dem Steuerzahler zwar viel Geld erspart, wird aber nun nie und nimmer mehr im \u00f6ffentlichen Dienst eine Stelle finden.<\/p>\n<p>Ein kleines goldenes Schl\u00fcsselchen, das Elisabeth, dem Geliebten schenkt, hilft weiter, denn die kaisertreue Mutter und ein Freund Josephs dringen in das Hofkammerdepot ein, wo der Schreibtisch des ehemaligen Stiftungsdirektors, der all das veranla\u00dft hat, steht und dort finden sie ein paar Briefe, wo drinnen steht, Elisabeth ist die Erbin und der Staat mu\u00df an sie ein paar Milliarden zahlen&#8230;.<\/p>\n<p>Es passieren noch die \u00fcblichen Verwirrungen und Verwicklungen bis zum Happyend und man hat, wie Adele Neuhauser am Buchr\u00fccken schreibt, einen sehr packenden Roman gelesen, den die beiden Autoren, Ulrike und Manfred Jacobs, eine Psychologin und ein Jurist schwungvoll geschrieben haben.<\/p>\n<p>Kein Klischee wird ausgelassen und man wird ein paar Mal an die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/03\/10\/cartoons-uber-wiens\/\">Wien Cartoons<\/a> des <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/03\/10\/cartoons-uber-wiens\/\">&#8220;Holzbaum-Verlags&#8221;<\/a> erinnert.<\/p>\n<p>Manche Details der Wienerischen Sprache erscheinen mir dabei ein wenig langatmig. Aber ich\u00a0 bin wahrscheinlich auch nicht die richtige Adressantin f\u00fcr einen Sisi Roman.<\/p>\n<p>Kaisertreu bin ich ebenfalls nicht, aber schmunzeln l\u00e4\u00dft es sich schon ein bi\u00dfchen, wie es zugehen soll in Wien, wo der Bundeskanzler von seiner kaisertreuen Gattin dirigiert wird, Handk\u00fcsse passieren und am Ende die neue Elisabeth von dem Geld des \u00f6sterreichischen Staates in der Normandie ein Therapieheim f\u00fcr autistische Kinder aufmacht, dem ihr Joseph, als Jurist vorstehen wird.<\/p>\n<p>Wien und die Kaiserin Elisabeth ziehen immer und ich habe im ersten Moment auch gedacht, ich lese jetzt einen Sisi- Roman.<\/p>\n<p>Aber nein, es geht um eine leicht lockere Liebesgeschichte mit allen Wien- und \u00d6sterreichklischees, wie es die Touriten wahrscheinlich lieben oder lesen sollen und auch eine <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/09\/20\/erinnerungen\/\">waschechte Wienerin mit dem sozialistischen Vater <\/a>und der b\u00f6hmischen Gro\u00dfmutter, die von kaisertreu und Wien-Kischee weit entfernt ist, aber sich am Beginn ihrer Sommerfrische in einer <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/07\/06\/fuer-kaiser-und-vaterland\/\">Sommerakademie mit &#8220;Gott, Kaiser und Vaterland&#8221; und der Rolle die die j\u00fcdischen Soldaten dabei spielten, besch\u00e4ftigte,\u00a0 zum Schmunzeln brachte.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der &#8220;Picus-Verlag&#8221; hat ein Sommerbuch auf den Markt geworfen, in\u00a0 dem es vielleicht f\u00fcr die Touristen oder f\u00fcr alle &#8220;Kaisertreue&#8221;, die es noch geben sollte, um ein Verm\u00e4chtnis der Kaiserin Elisabeth geht. 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