{"id":5299,"date":"2010-12-30T00:28:22","date_gmt":"2010-12-29T23:28:22","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=5299"},"modified":"2010-12-30T00:28:22","modified_gmt":"2010-12-29T23:28:22","slug":"ruhm","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=5299","title":{"rendered":"Ruhm"},"content":{"rendered":"<p>Als Alfred am Sonntag, die Anna zum Bahnhof brachte, dr\u00fcckte er mir bei seiner R\u00fcckkehr Daniel Kehlmanns 2009 erschienenen Roman in neun Geschichten &#8220;Ruhm&#8221; in die Hand, von dem ich bei www.buecher.at gelesen habe, da\u00df er demn\u00e4chst verfilmt werden soll.<br \/>\n&#8220;Daniel Kehlmann hat mit seinem neuen Roman Weltliteratur geschaffen&#8221;, schreibt die Weltwoche auf der Buchr\u00fcckseite, einige Rezensenten meinen, da\u00df die Episodengeschichten zwischen Realit\u00e4t und Fiktion, nicht an den vorher erschienenen gro\u00dfen Roman &#8220;Die Vermessung der Welt ankn\u00fcpfen&#8221; k\u00f6nnen, der Autor spricht in einem Rowohlt-Video von mehreren Verkn\u00fcpfungsebenenen, die der Leser erkennen kann, aber nicht mu\u00df, wenn er es tut, hat er mehr Spa\u00df dabei, ihm selbst h\u00e4tten die Verkn\u00fcpfungen sehr gefallen.<br \/>\nIn der zweiten Geschichte &#8221; In Gefahr&#8221;, die, wie die letzte hei\u00dft, wird es ein bi\u00dfchen genauer beschrieben:<br \/>\n&#8220;Ein Roman ohne Hauptfigur! Verstehst du? Die Komposition, die Verbindungen, der Bogen, aber kein Protagonist, kein durchgehender Held&#8221; &#8211; &#8220;Interessant&#8221;, sagte Elisabeth m\u00fcde.&#8221;<br \/>\nEs ist auch nicht ganz einfach sich durch die neun Geschichten mit den wechselnden Handlungsstr\u00e4ngen,  wechselnden Personen, wechselnden Realit\u00e4ten und Fiktionen durchzulesen, obwohl es nat\u00fcrlich Verbindungen gibt. Die Technik spielt eine Rolle, das Internet, das Handy, manche Geschichten leben sehr davon, w\u00e4hrend andere wieder konventioneller sind.<br \/>\nGeschichte eins beginnt, in dem sich ein Computerfachmann mit einem eher faden Leben ein Handy kauft, pl\u00f6tzlich wird er st\u00e4ndig von Leuten angerufen, die ihn Ralf nennen, von dessen spannenden Leben er  viel erf\u00e4hrt bzw. sich hineinziehen l\u00e4\u00dft. Dieser erf\u00e4hrt man in den anderen Geschichten, ist ein ber\u00fchmter Schauspieler, \u00fcberall h\u00e4ngen seine Filmplakate und geht in der vierten Geschichte als sein Double unter, w\u00e4hrend der seine Stelle einnimmt.<br \/>\nDie zweite Geschichte  &#8220;In Gefahr&#8221; wird von dem mehr oder weniger ber\u00fchmten Autor Leo Richter erz\u00e4hlt, der s\u00e4mtliche F\u00e4den in H\u00e4nden hat,  Sch\u00f6pfer vertrackter Kurzgeschichten ist, eine davon hei\u00dft &#8220;Rosalie geht sterben&#8221; und taucht als Geschichte Nummer drei auf, es gibt aber auch eine \u00c4rztin namens &#8220;Lara Gaspard&#8221;, die in den anderen Episoden herumgeistert.<br \/>\nIn Geschichte Nummer zwei geht Leo Richter jedenfalls mit der \u00c4rztin ohne Grenzen Elisabeth auf Lesereise nach S\u00fcdamerika. Dort reist er von Kulturinstitut zu Kulturinstitut und wird von s\u00e4mtlichen Betreuern, Zuh\u00f6rern ect. gefragt, wo er seine Einf\u00e4lle herhat und ob er Vormittags oder Nachmittags schreibt? Leo, der in der Geschichte als ziemlicher Feigling und Hypochonder dargestellt wird, antwortet immer &#8220;In der Badewanne!&#8221; und f\u00fcrchtet sich vor allerhand Gefahren, w\u00e4hrend Elisabeth, die immer Angst hat, in seine Geschichten hineinzugeraten, im Badezimmer mit dem Botschafter eines afrikanischen Landes \u00fcber die Entf\u00fchrung ihrer Kollegen verhandelt und den feigen Leo eigentlich verlassen will, es aber nicht schafft.<br \/>\nRosalie in Geschichte drei ist eine krebskranke Lehrerin, eine Figur Leos, die er in eine Schweizer Sterbehilfeklinik schicken will, was sie aber nicht will, so da\u00df er pl\u00f6tzlich sein Konzept ver\u00e4ndert und sie als junges gesundes h\u00fcbsches M\u00e4dchen die Klinik verl\u00e4\u00dft.<br \/>\nIn &#8220;Ein Beitrag zur Debatte&#8221; taucht ein fettes Internets\u00fcchtiges Mutters\u00f6hnchen auf, der eine k\u00f6stliche Kunstsprache zwischen Deutsch- und Computerenglisch spricht, in Lara Gaspard verliebt ist und von seinem Chef, den wir auch noch kennenlernen werden, zu einer Computer Konferenz geschickt wird. Dort gibt es aber kein Internet, daf\u00fcr ist Leo Richter anwesend und wird von dem Fetten, der unbedingt in seine Geschichte will, um ein virtuelles Leben mit seinem Schwarm aufzunehmen, verfolgt, was ihm aber nicht gelingt. Leo Richter h\u00e4tte auch nach Turkmenistan auf eine Schriftstellerrundreise gehen k\u00f6nnen, dort traut er sich aber nicht hin, so schickt er seine Kollegin, die Krimiautorin Maria Rubinstein hin, die in der Geschichte &#8220;Osten&#8221; verloren geht und immer wieder tauchen B\u00fccher auf, n\u00e4mlich die des Esoterikbestsellergurus  Miguel  Auristos Blancos, ber\u00fchmt f\u00fcr seine B\u00fccher \u00fcber &#8220;Gelassenheit, innere Anmut und Suche nach Lebenssinn&#8221;, der in seinem Esoterik-Imperium herumschreitet, \u00fcber die Sekret\u00e4rinnen schimpft, die ihm die falsche Fanpost auf dem Schreibtisch legen, mit einer Pistole spielt und an den Brief an die \u00c4btissin, die nach dem Sinn des Lebens fragt, beantwortet, da\u00df dieses keines hat, bevor er die Pistole in den Mund steckt.<br \/>\nDann gibt es noch den Chef, des Internets\u00fcchtigen Mutters\u00f6hnchens, einen Abteilungsleiter einer Telecomfirma, verheiratet und Vater zweier Kinder, der sich in die sch\u00f6ne Luzia verliebt, mit ihr ein Doppelleben aufbauen will und damit so \u00fcberfordert ist, da\u00df er offenbar nicht nur Schuld an den falschen Telefonanrufen von Geschichte eins ist, sondern auch noch andere Verwirrungen ausl\u00f6st.<br \/>\nIn Geschichte neun, ebenfalls &#8220;In Gefahr&#8221; genannt, wendet sich das Blatt wieder. Hier begleitet Leo Richter, Elisabeth auf ihre Eins\u00e4tze, ist pl\u00f6tzlich mutig und sie erkennt, da\u00df sie l\u00e4ngst in seinen Geschichten enthalten ist, taucht doch nicht nur Lara Gaspard, offenbar ihr Alter Ego  auf, sondern auch eine der Damen, die Leo bei der Lesereise betreute, wurde von ihm zu einer Roten Kreuz Mitarbeiterin gemacht.<br \/>\nGanz sch\u00f6n verwirrend, der magische Realismus des Romanes, der eigentlich keiner ist,  aber trotzdem leicht zu lesen, sind die F\u00e4hrten ja gut gelegt, denn der 1975 geborene Daniel Kehlmann ist ein intelligenter Schreiber, der sein Gesch\u00e4ft versteht. In einem der Gratisb\u00fccher zum Welttag des Buches, habe ich, die erste Geschichte von ihm gelesen, da sitzt einer mit Flugangst in einem Flugzeug und wird von seinem Sitznachbar fertiggemacht. Ein wenig davon findet man auch in Geschichte zwei. Den &#8220;Fernsten Ort&#8221;, habe ich in einigen Lesungen geh\u00f6rt,  &#8220;Beerholms Vorstellung&#8221;  in einem Anitquariat in der Kirchengasse um drei\u00dfig Cent gekauft und Daniel Kehlmann, als er noch in Wien lebte, manchmal im Literaturhaus getroffen, wenn dort Suhrkampautoren gelesen haben. Das 2003 erschienene &#8220;Ich und Kaminsky&#8221; habe ich ebenfalls bei Lesungen kennengelernt und da auch in einem Interview gelesen, da\u00df das f\u00fcr Kehlmann die Vorstufen f\u00fcr den gro\u00dfen Roman war, der in der &#8220;Vermessung der Welt&#8221; einige Jahre sp\u00e4ter erschienen ist, den ich auch bei  &#8220;Rund um die Burg&#8221;, h\u00f6rte.<br \/>\nDanach ist &#8220;Ruhm&#8221; erschienen, wo man \u00fcber den Titel r\u00e4tseln kann. Welcher Ruhm ist damit gemeint, der von Daniel Kehlmann oder der der grauen Eminenz Leo Richter, aber der kann ja wieder das Alter Ego Daniel Kehlmanns sein? Ich w\u00fcrde Daniel Kehlmann als  bem\u00fchten, flei\u00dfigen, ehrgeizigen Autor einsch\u00e4tzen, habe viele Interviews von ihm gelesen  und den Erz\u00e4hlband &#8220;Unter der Sonne&#8221; habe ich auch. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Alfred am Sonntag, die Anna zum Bahnhof brachte, dr\u00fcckte er mir bei seiner R\u00fcckkehr Daniel Kehlmanns 2009 erschienenen Roman in neun Geschichten &#8220;Ruhm&#8221; in die Hand, von dem ich bei www.buecher.at gelesen habe, da\u00df er demn\u00e4chst verfilmt werden soll. &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=5299\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-5299","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5299","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5299"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5299\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5299"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5299"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5299"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}