{"id":53174,"date":"2017-07-29T00:33:23","date_gmt":"2017-07-28T22:33:23","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=53174"},"modified":"2017-07-29T00:33:23","modified_gmt":"2017-07-28T22:33:23","slug":"der-kurze-schlaf","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=53174","title":{"rendered":"Der kurze Schlaf"},"content":{"rendered":"<p>Mein erster Roman des 1964 in New York geborenen Jonathan Lethem, ein Fund aus dem B\u00fccherschrank, zu dem mich wohl der Name inspiriert hat, der Autor war auch einmal im Literaturhaus w\u00e4hrend eines &#8220;Erich Frieds Symposium&#8221;, da hatte ich aber, glaube ich, gerade mein Geburtstagsfest, so da\u00df ich jetzt erst mit Buch und Autor Bekanntschaft machte und etwas \u00fcberrascht in die Mischung aus SF und Kriminalroman hineingetaucht bin, an die ich mich erst gew\u00f6hnen mu\u00dfte, die mir dann aber,\u00a0 sehr gefallen hat.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/review\/R3GLYJBFBP2I7H\/ref=cm_cr_dp_title?ie=UTF8&amp;ASIN=3453877942&amp;channel=detail-glance&amp;nodeID=299956&amp;store=books\">Die &#8220;Amazon-Krtiken&#8221;, sagen etwas anderes, die halten die Mischung zum Teil f\u00fcr mi\u00dflungen <\/a>und wenn man ein Schreibseminar bucht, lernt man, glaube ich, als Erstes, da\u00df man niemals die Genres mischen darf und dann vielleicht ein bi\u00dfchen sp\u00e4ter, da\u00df man es darf, wenn man es kann.<\/p>\n<p>Ich denke Jonathan Lethem versteht es und am Buchr\u00fccken hat die &#8220;Welt&#8221; geschrieben: &#8220;In seiner Hexenk\u00fcche schmei\u00dft Jonathan Lethem gern gleich ein halbes Dutzend Genres in den Schnellkochtopf, r\u00fchrt gut durch und pfeffert mit Humor&#8221; und die &#8220;Boston Review&#8221; schreibt: &#8220;Diese Buch ist eine Mischung aus Raymon Chandler und Philph K. Dick mit extrem hoher Oktanzahl.&#8221;<\/p>\n<p>Nun habe ich, glaube ich, auch von Raymond Chandler noch nicht viel gelesen, aber nachgegooglet, da\u00df es da einen Roman mit Namen &#8220;Der gro\u00dfe Schlaf&#8221; gibt und vor Jahren habe ich einmal einen Agatha Christie Krimi gelesen, wo ein Paar ein Detektivb\u00fcro aufmachte, dann auf den ersten Klienten wartete und dem\u00a0 vort\u00e4uschte es w\u00e4re sehr besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>So \u00e4hnlich beginnt es auch hier, beziehungsweise hatte ich den Typ des harten Detektiven, der raucht, trinkt, politisch unkorrekt ist, mit allen Schwierigkeiten k\u00e4mpft, aber dann doch den Fall brillant aufl\u00f6st, vor Augen, vermutlich habe ich in den sechziger Jahren solche Krimis gelesen oder im Fernsehen gesehen, ob sie von Raymond Chandlar waren, wei\u00df ich nicht mehr.<\/p>\n<p>Hier ist es so, nur mit dem Unterschied, da\u00df das Ganze in der Zukunft spielt, in einem LA wo Tiere und Babies dank einer &#8220;Evolution&#8221; gleich erwachsen sind, beziehungsweise aufrecht gehen und Kleider tragen, in einer Welt, wo alle Drogen nehmen, um zu vergessen oder sich aufzuputschen, wo das Fragenstellen verboten ist oder nur den Inquisitoren erlaubt und Conrad Metcalf, der Protagonistist, ein ehemaliger Inquisitor, aber irgendwie ausgestiegen, so hat er eine Lizenz, als Privatinquisitor oder Detektiv, wie das wohl hei\u00dft und seine Karmakarte ist ziemlich weit unten, ist sie dann ganz gegen Null, kommt man in den Tieffrierer und wird, wenn man Pech oder Gl\u00fcck hat, als Sklave wieder aufgetaut. So weit, so gut und nicht ganz so leicht verst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>Conrad Metcalf, der auch noch, Detail am Rande, was eigentlich nicht wirklich eine Rolle spielt, Probleme mit seiner Sexualit\u00e4t hat, sitzt also in seinem B\u00fcro, wo er sich das Wartezimmer mit einem Zahnarzt teilt und drau\u00dfen laufen Psychologiestudenten herum und wollen einem ein Kapitel aus Freuds &#8220;Unbehagen an der Kultur&#8221; vorlesen, was wohl die satirische Note ist, erh\u00e4lt den Besuch eines Klienten, den es noch schlechter als ihm geht, seine Karmakarte ist auf Null, denn er wird eines Mordes verd\u00e4chtigt und Metcalf ist nun seine letzte Chance ihn vorm Einfrieren zu retten.<\/p>\n<p>Der tut was er kann, hat aber \u00fcberall Schwiergikeiten, die Inquisitoren sind ihm auf der Spur und dann auch noch ein K\u00e4nguruh mit einer Knarre, \u00fcberall bekommt er die Faust in den Magen, aber das l\u00e4\u00dft ihn nicht beirren, er untersucht und untersucht und bekommt auch einiges heraus.<\/p>\n<p>Zuerst geht er in die Praxis des ermordeten Arztes, spricht mit dessen Nachfolger beziehungsweise Vorg\u00e4nger und kommt nach einigen weiteren Verwirrungen im Inquistorenb\u00fcro in Kontakt mit einer sch\u00f6nen Inqustorin namens Catherine Teleprompter, in die er sich, noch ein Genrewechsel verliebt, was ungef\u00e4hr auf Seite zweihundertf\u00fcnfzig und weiteren Verwicklungen, Metcalf hat den Fall, der wahrscheinlich zu kompliziert ist, ihn nachzuerz\u00e4hlen und man soll auch nicht spolern, inzwischen ziemlich aufgekl\u00e4rt, dazuf\u00fchrt, da\u00df sie, w\u00e4hrend sie ihn bewachsen soll, in seinem Bett landet und er hat mit ihr auch seinen Sex wiedergefunden, dann geht die T\u00fcre auf und herein kommt ein anderer Inquisitor und f\u00fchrt ihn ab in die Tiefk\u00fchltruhe, wo er sechs Jahre sp\u00e4ter wieder aufwacht.<\/p>\n<p>Die Lage hat sich inzwischen noch verschlechtert, es gibt nur mehr Einheitsdrogen und die Menschen haben ihr Ged\u00e4chtnis verloren, was ihn aber nicht daran hindert, den Fall zu Ende zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Die sch\u00f6ne Catherine ist inzwischen im B\u00fcro aufgestiegen, er geht zu ihr und sie verspricht zu tun, was sie kann, das hei\u00dft , der unschuldige Klient kommt aus der Tiefk\u00fchltruhe und der Mafiaboss, der Drahtzieher des Ganzen vor sechs Jahren, sitzt inzwischen senil im Alterheim, das K\u00e4ngaruh hat seine Rolle \u00fcbernommen, also mu\u00df Metcalf es beseitigen, dann geht er ins B\u00fcro, stellt sich und bevor er f\u00fcr immer eingefroren wird, das Leben ist wahrscheinlich, so wie es jetzt ist, ziemlich sinnlos und es gibt auch keine Privatinquisitoren mehr, er hat kein Geld und keine Wohnung, bekommt er von einem freundlichen W\u00e4rter noch einmal eine individuell gemischte Dosis Stoff und dann geht es ab ins Vergessen und ich fand es, im Gegenteil zu dem oben zitierten &#8220;Amazon-Rezensenten&#8221;, durchaus spannend, da eine klassische Ermittlergeschichte im SF-Gewand zu lesen, obwohl das letztere eigentlich nicht mein Genre ist und ich f\u00fcr Hardcore Krimis auch nicht viel \u00fcberhabe, w\u00fcrde aber das satrisiche Element darin sehen und so habe ich das Ganze vielleicht sogar Interessanter gefunden, als <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/07\/24\/keine-wunde-nichts\/\">Amaryllis Sommerer psychosoziale Psychothriller,<\/a> die ich vorher gelesen habe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein erster Roman des 1964 in New York geborenen Jonathan Lethem, ein Fund aus dem B\u00fccherschrank, zu dem mich wohl der Name inspiriert hat, der Autor war auch einmal im Literaturhaus w\u00e4hrend eines &#8220;Erich Frieds Symposium&#8221;, da hatte ich aber, &hellip; 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