{"id":53202,"date":"2017-07-30T00:21:58","date_gmt":"2017-07-29T22:21:58","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=53202"},"modified":"2017-07-30T00:21:58","modified_gmt":"2017-07-29T22:21:58","slug":"sunset","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=53202","title":{"rendered":"Sunset"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/07\/22\/schattenfangen\/\">n\u00e4chste Leseexemplar aus dem offenen B\u00fccherschrank:<\/a>&#8220;Liebe Buchh\u00e4ndler nicht zu besprechen vor dem 1.3.2011&#8221;, da scheine ich wirklich einen Gl\u00fcckstag gehabt zu haben, denn die damals gefundenen B\u00fccher, die ich jetzt nach und nach alle lese, waren sehr interessant und das ist es auch, was da so alles 2011 erschienen beziehungsweise geschrieben wurde, B\u00fccher an die ich sonst wahrscheinlich nicht gekommen w\u00e4re und interessant ist auch der zeitliche oder inhaltliche Zusammenhang.<\/p>\n<p>N\u00e4mlich das dritte Buch das in den F\u00fcnfzigerjahren handelt und auch das dritte, wenn auch in anderen Exemplaren, das von ber\u00fchmten Dichtern, berziehungsweise K\u00fcnstlern handelt, die das dritte Reich nach Amerika brachte,\u00a0 beziehungsweise von dort schon wieder zur\u00fcckgekommen waren.<\/p>\n<p>Vermutlich stammt <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/06\/18\/koenigsallee\/\">Hans Pleschinskis &#8220;K\u00f6nigsallee&#8221;<\/a> ein Buch \u00fcber Thomas Mann auch vom selben Buchh\u00e4ndler oder vom gleichen B\u00fccherschub, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/05\/16\/zwei-herren-am-strand\/\">Michael K\u00f6hlmeiers &#8220;Zwei Herren am Strand&#8221; <\/a>ist wahrscheinlich auch ein Leseexemplar, aber das stand erst <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/08\/28\/longlistenlesen\/\">2014 auf der LL<\/a> und interessant ist auch, da\u00df sich die Verlage offenbar alle Romane \u00fcber bekannte &lt;pers\u00f6nlichkeiten bestellen oder sich die Schriftsteller solche aussuchen.<\/p>\n<p>Nun denn, ich l\u00fcfte das Geheimnis, der neuerliche Fund hei\u00dft &#8220;Sunset&#8221; und ist von dem 1951 in Oldenburg geborenen Klaus Modick, dessen Namen ich seit einigen Jahren kenne und mir auch einmal dachte, er w\u00fcrde mit &#8220;Konzert ohne Dichter&#8221; auf LL kommen.<\/p>\n<p>Ist er nicht, er hat aber auch &#8220;Klack&#8221; geschrieben und das habe ich\u00a0 ebenso gefunden und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/03\/03\/klick\/\">&#8220;Klick&#8221;<\/a>, ein Buch von einem anderen Autor, habe ich im Fr\u00fchjahr gelesen und leicht legasthen, wie ich zu sein scheine, die beiden B\u00fccher auch miteinander verwechselt, oder gedacht &#8220;Klack&#8221; w\u00e4re noch heuer zum Lesen dran, ist es aber nicht und &#8220;Sunset&#8221; spielt in LA , am gleinamigen Boulevard, wo sich w\u00e4hrend des dritten Reiches ja viele Dichter hinfl\u00fcchteten und da lebt jetzt im Jahr 1956 mit seiner Frau Marta, der ber\u00fchmte Schriftsteller Lion Feuchtwander, ist\u00a0 da 1884 geboren schon ein alter Herr und allein zu Haus, denn seine Frau ist in San Diego um etwas wegen der Einb\u00fcrgerung zu erledinge, die Sekret\u00e4rin Hilde in New York und er macht zu Beginn\u00a0 am Morgen, das Buch spielt an einem Tag, Liegest\u00fctze, worauf ihm alles wehtut. Es l\u00e4utet aber an der T\u00fcr, ist es wieder die Einwanderungsbeh\u00f6rde mit ihren unbequemen Fragen, bez\u00fcglich Kommunismus?<\/p>\n<p>Nein, es ist der Postbote mit einem Telegramm vom DDR-Kulturminister Johannes R.Becher und der teilt ihm mit B. B. oder Bertolt Brecht ist in Ostberin gestorben und l\u00e4dt ihn zum schon am n\u00e4chsten Tag stattfindenden Staatsakt ein.<\/p>\n<p>Das wird sehr sch\u00f6n und umst\u00e4ndlich geschildert, Feuchtwanger hat n\u00e4mlich nur eine Turnhose an und daher kein Trinkgeld in der Tasche, so mu\u00df er ins Haus hecheln, in der Brieftasche sind aber nur Scheine. Soll er nocheinmal zur\u00fcck, nein und, um auch nicht als geizig zu gelten, h\u00e4lt er dem Boten einen Dollarschein hin, der bedankt sich \u00fcbereifrig und w\u00fcnscht noch einen sch\u00f6nen Tag!<\/p>\n<p>Der soll es dann nicht werden, oder doch, denn die Mitteilung des Todes, des Freundes der viel j\u00fcnger war, regt den Dichter zum Nachdenken \u00fcber sein Leben an, beziehungsweise Klaus Modick, der auch eine Dissertation \u00fcber Lion Feuchtwanger schrieb, hat den entsprechenden Rahmen gefunden, in zw\u00f6lf Kapiteln \u00fcber das Leben der beiden Dichter und ihre Beziehung zu schreiben.<\/p>\n<blockquote><p>Nun habe ich von B.B. schon nach meiner Matura, beziehungsweise noch in der Schule ein paar Theaterst\u00fccke gelesen und Feuchtwangers wahrscheinlich bei &#8220;Aufbau&#8221; erschienene B\u00fccher, lagen schon vor l\u00e4ngerer Zeit in den B\u00fccherkisten, so habe ich einige gekauft und gelesen, darunter auch sein &#8220;Moskau 1937&#8221;, wohin er von Stalin\u00a0 eingeladen wird und den Staat \u00fcberschw\u00e4nglich lobte, was ihn dann viel \u00c4rger und vor allem auch unangenehme Verh\u00f6re durch die McCarthy Beh\u00f6rde einbrachte.<\/p><\/blockquote>\n<p>Brecht hat er aber nach dem ersten Weltkrieg kennengelernt, da hat der an seiner T\u00fcr gel\u00e4utet, ihm eines seiner Theaterst\u00fccke hingehalten und Feuchtwanger hat sein Talent aber auch sein gro\u00dfes Selbstbewu\u00dftsein erkannt.<\/p>\n<p>Von Kapitel zu Kapitel tauchen wir in das Leben der beiden Dichter, aber auch in die damalige Zeit ein, erfahren, da\u00df Brecht ein gro\u00dfer Frauenheld war und viele uneheliche Kinder hatte. Er war aber auch sehr offen und ehrlich, so hat er die McCarthy Beh\u00f6rde nicht angelogen, hatte da aber schon das R\u00fcckflugticket in der Tasche und ist ja wie ,bereits erw\u00e4hnt, in Ostberlin gestorben, obwohl er viel j\u00fcnger als Lion Feuchtwanger war.<\/p>\n<p>Der biografische Roman ist, ich wiederhole es, durchaus raffiniert aufgebaut, denn w\u00e4hrend Feuchtwanger denkt und denkt und auch noch einen Brief von Arnold Zweig bekommt und versucht ein Beileidschreiben an Brechts Frau Helli, beziehungsweise Helene Weigel zu verfassen, geht der Tag dahin und Marta Feuchtwanger hat ihrem Lion genau aufgeschrieben, was und wann er essen soll.<\/p>\n<p>Zum Fr\u00fchst\u00fcck Obstsalat und Orangensaft, zu Mittag soll er sich das Gulasch mit Sauerkrau und Kn\u00f6del aufw\u00e4rmen, das der geborene M\u00fcnchner gerne i\u00dft, und das Marta im &#8220;Bavarian Deli&#8221; in der N\u00e4he einzukaufen pflegt. Er l\u00e4\u00dft es anbrennen, so gibt es wieder nur Obstsalat zu Mittag. Deshalb beschlie\u00dft er am Abend den Speiseplan zu mi\u00dfachten und in ein Fischlokal zu gehen und die Katzen und die Schildkr\u00f6ten f\u00fcttern, mu\u00df er zwischendurch auch.<\/p>\n<p>So geht es durch das Leben. Feuchtwanger hat noch den &#8220;Jud S\u00fc\u00df&#8221; geschrieben, mit dem er ber\u00fchmt geworden ist, den die Nazis aber sehr mi\u00dfbrauchten und schreibt gerade an seinem letzten Buch.<\/p>\n<p>Denn er ist bald danach, n\u00e4mlich im Dezember 1958 an Magenkrebs gestorben, wie in der angef\u00fcgten &#8220;Note&#8221; steht.<\/p>\n<p>Einen Tag sp\u00e4ter hat seine Frau erfahren, da\u00df dem Einb\u00fcrgerungsansuchen stattgegeben wurde. Sie wurde da von der Beh\u00f6rde noch einmal gefragt, ob sie Kommunistin w\u00e4re, was sie bejahte und trotzdem eingeb\u00fcrgert wurde.<\/p>\n<p>So ist viel sp\u00e4ter, n\u00e4mlich erst im Oktober 1987 gestorben und wurde neben ihrem Mann beigesetzt.<\/p>\n<p>Ja und mit den oben erw\u00e4hnten Pers\u00f6nlichkeiten, wie Charly Chaplin und Thomas Mann waren die Feutwangers auch bekannt. Ebenso kommen die<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/06\/28\/das-lied-von-bernadette\/\"> Werfels<\/a> und andere Pers\u00f6nlichkeiten in dem Buch vor, die nach Amerika emigrieren mu\u00dften und mit\u00a0 den Feuchwangers befreundet waren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt das n\u00e4chste Leseexemplar aus dem offenen B\u00fccherschrank:&#8220;Liebe Buchh\u00e4ndler nicht zu besprechen vor dem 1.3.2011&#8221;, da scheine ich wirklich einen Gl\u00fcckstag gehabt zu haben, denn die damals gefundenen B\u00fccher, die ich jetzt nach und nach alle lese, waren sehr &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=53202\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[783,828,3187,3552],"class_list":["post-53202","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-bertolt-brecht","tag-biografischer-roman","tag-klaus-modick","tag-lion-feuchtwanger"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/53202","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=53202"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/53202\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=53202"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=53202"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=53202"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}