{"id":53304,"date":"2017-08-04T00:22:56","date_gmt":"2017-08-03T22:22:56","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=53304"},"modified":"2017-08-04T00:22:56","modified_gmt":"2017-08-03T22:22:56","slug":"sieben-naechte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=53304","title":{"rendered":"Sieben N\u00e4chte"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt offenbar das neue Kultbuch der Saison und eines das in den letzten Tagen st\u00e4ndig in den Blogs und Booktube Videos auftauchte und inzwischen auch schon auf der &#8220;Longlist des Bloggerdebutspreis&#8221; gelandet ist.<\/p>\n<p>Vielleicht kommt es auch noch auf die Longlist des dBp und mit etwas Versp\u00e4tung ist &#8220;Sieben N\u00e4chte&#8221; des 1988 in Berlin geborenen Simon Strau\u00df auch zu mir gekommen.<\/p>\n<p>Und ich kann sagen, das kleine d\u00fcnne B\u00fcchlein mit dem traurigen M\u00e4nnergesich am Covert hat wirklich eine starke Sprache und scheint den N\u00f6ten der gerade Drei\u00dfigj\u00e4hrigen, die, die der<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/04\/traurige-freiheit\/\"> trauigen Freiheit des Prekatriats <\/a>gegen\u00fcber oder gegenunterstehen mit einem Faustischen-Bekenntnis und den sieben Tods\u00fcnden, die man offenbar begehen mu\u00df, um dieser Tristesse zu entkommen gegen\u00fcberzutreten.<\/p>\n<p>&#8220;Was f\u00fcr ein leidenschaftliches, angstfreies, traditionstrunkenes, zukunftsgieriges Kampfbuch gegen die Abgekl\u00e4rtheit, gegen die M\u00fcdigkeit der in-Spuren-Geher. Ein Pamphlet f\u00fcr die Offenheit der Herzen&#8221;, schreibt der literarische Quartett Guro <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/05\/23\/ostende\/\">Volker Weidermann <\/a>am R\u00fccken des bei<a href=\"http:\/\/www.aufbau-verlag.de\/index.php\/sieben-nachte.html\"> &#8220;Blumenbar&#8221;<\/a> erschienenen B\u00fcchleins, was ich ein wenig \u00fcbertrieben und auch nicht ganz eingehalten finde.<\/p>\n<p>Die starke Sprache und die stille oder laute Verzweiflung des <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/07\/19\/unter-dreisig\/\">noch nicht Drei\u00dfigj\u00e4hrigen<\/a>, wie ich es mir interpretieren w\u00fcrde, hat mich aber auch beeindruckt.<\/p>\n<p>Das sitzt einer &#8220;Vor dem Anfang&#8221; und schreibt gegen die Angst. Der tut das dann auch in den folgenden sieben N\u00e4chten, wo die sieben Tods\u00fcnden beschrieben werden und er tut das, jetzt schreibe ich das, glaube ich, schon zum dritten Mal, sehr stark:<\/p>\n<p>&#8220;Das hier schreibe ich aus Angst. Aus Angst vor dem flie\u00dfenden \u00dcbergang. Davor nicht gemerkt zu haben, erwachsen geworden zu sein. Ohne Initiation, ohne Reifepr\u00fcfung einfach durchgerutscht\u00a0 bis zur Drei\u00dfig&#8221;<\/p>\n<p>Und so weiter und so fort, die Handlung ist dagegen schnell erz\u00e4hlt und haben mir schon die Blogger und Booktuber verraten.<\/p>\n<p>Dem gerade noch oder schon Drei\u00dfigj\u00e4hrigen, der die besten Chancen und Angst vor der Verb\u00fcrgerlichung hat, kommt ein\u00a0 Bekannter, nein kein Pudel, entgegen und macht ihm das Angebot sieben N\u00e4chte lang je eine Tods\u00fcnde zu begehen.<\/p>\n<p>Die werden kapitelweise beschrieben. Im Buch steht dann beispielsweise &#8221; I Superbia&#8221; und weiter hinten im sogernannten Glossar &#8220;Superbia-Hochmut Das Hochhaus 07. September&#8221; und von diesem Hochhaus springt der Hochm\u00fctige sogann oder l\u00e4\u00dft sich davon abseilen. Bevor er das tut, l\u00e4\u00dft er aber wieder seine sprachgewaltigen Pamphlete aus:<\/p>\n<p>&#8220;Wie mich diese Welt braucht. Wie sehr sie mich n\u00f6tig hat. Jetzt. Heute. Hier. Nicht morgen. Nicht irgendwann, sondern\u00a0 jetzt&#8221;.<\/p>\n<p>In der zweiten Nacht oder S\u00fcnde geht es\u00a0 um die &#8220;V\u00f6llerei&#8221;. Da sitzt er dann vor dem Restaurant, damit ihn alle sehen k\u00f6nnen und l\u00e4\u00dft sich in Zeiten, wo das ja verp\u00f6nt ist, die Fleischberge kommen , w\u00e4hrend er den Bettlern, die h\u00f6flich auf ihn zugehen, ohne nachzusehen erkl\u00e4rt, gerarade kein Kleingeld zu haben.<\/p>\n<p>Das n\u00e4chste ist die &#8220;Faulheit&#8221;, da bleibt er zu Hause und telefoniert mit einem Marketinginstitut und ich denke, das w\u00e4re f\u00fcr mich Erstens keine S\u00fcnde und Zweites w\u00fcrde es mich wundern, da\u00df der Marktforscher in der Nacht anruft.<\/p>\n<p>Dann gehts zum Thema &#8220;Habgier&#8221; auf die &#8220;Trabrennbahn&#8221;, er setzt zwei Euro gewinnt zweiundvierzig und \u00e4rgert sich, beobachtet dabei einen Familienvater, er nennt ihn, glaube ich, leicht ver\u00e4chtlich &#8220;Superdaddy&#8221;, der seinem Kind, auch in der Nacht?, Nutella Crepes besorgt.<\/p>\n<p>Man sieht, ich bin etwas verwundert, weil der Inhalt nicht so ganz h\u00e4lt, was er verspricht, da sich die S\u00fcnden, wenn sie \u00fcberhaupt welche sind, eher im Kopf, also in der verp\u00f6nten &#8220;Tell statt show-Zone&#8221; abspielen.<\/p>\n<p>Und dann gibts es noch den &#8220;Neid&#8221; und die &#8220;Wolllust&#8221;, die Tods\u00fcnde &#8220;Neid&#8221; wird in der Universit\u00e4tsbibliothek, die &#8220;Wolllust&#8221; auf derm Maskenball betrieben und der J\u00e4hzorn spielt sich w\u00e4hrend einer &#8220;Autofahrt&#8221; ab.<\/p>\n<p>Da kommt ein Asylwerber vor, der sich dar\u00fcber \u00e4rgert, da\u00df er seine Qualifikation trotz Traumatisierung erst nachweisen mu\u00df und das das w\u00fctend machen kann, ist ja leider auch in manchen rechten Publikationen zu lesen, w\u00e4hrend dem Helden der Geschichten, der schreibende Erz\u00e4hler &#8220;Vor dem Ende&#8221; von seinem Bekannten zur &#8220;Bestandenen Reifepr\u00fcfung&#8221; gratuliert wird und ich bleibe bei dem neuen &#8220;Kultbuch&#8221;etwas verwirrt zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Denn w\u00e4re es wahrscheinlich spannender, den Helden wirklich beim &#8220;Maskenball&#8221; mit einer Sch\u00f6nen v\u00f6geln\u00a0und sein Geld verspielen zu lassen, etcetera, bevor er dann nach Studienabschlu\u00df bav heiratet und seine Kinder zeugt.<\/p>\n<p>Aber das hatten wir schon merhmals und w\u00e4re nicht so originell und ich kann gestehen, bei mir selber wieder <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/08\/30\/neidgefuhle\/\">&#8220;Neidgef\u00fchle&#8221;<\/a> entdeckt zu haben, als ich bei den &#8220;Amazon-Kritiken&#8221;, die auch nicht alle so euphorisch sind, entdeckte, da\u00df es sich\u00a0 bei Simon Strauss, um den Sohn des ber\u00fchmten Botho handeln k\u00f6nnte und habe etwas neidig &#8220;Aha!&#8221; und &#8220;Da sieht mans wieder!&#8221;, gedacht, da war es auch noch\u00a0 nicht Nacht und bei den anderen S\u00fcndenarten w\u00e4re ich wahrscheinlich resistenter.<\/p>\n<p>Die &#8220;Faulheit&#8221; w\u00fcrde ich als &#8220;M\u00fc\u00dfigang&#8221; oder &#8220;Entspannung&#8221; sogar eher zu den Tugenden rechnen.<\/p>\n<p>Enen Satz kann ich am Schlu\u00df noch anf\u00fcgen, er stammt aus Kapitel I &#8220;Auf der Rolltreppe (und nur da) stehe ich immer rechts&#8221;.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter habe ich dann nicht mehr so sch\u00f6ne S\u00e4tze gefunden, aber vielleicht war ich da die Sprachgewalt schon gewohnt und habe sie nicht mehr so wahrgenommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt offenbar das neue Kultbuch der Saison und eines das in den letzten Tagen st\u00e4ndig in den Blogs und Booktube Videos auftauchte und inzwischen auch schon auf der &#8220;Longlist des Bloggerdebutspreis&#8221; gelandet ist. 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