{"id":53374,"date":"2017-08-07T00:40:38","date_gmt":"2017-08-06T22:40:38","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=53374"},"modified":"2017-08-07T00:40:38","modified_gmt":"2017-08-06T22:40:38","slug":"tauben-fliegen-auf","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=53374","title":{"rendered":"Tauben fliegen auf"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein Buch, das ich, was ich ja sonst fast nie mache, in zwei Ausgaben habe, sonst trage ich ja, wenn ich mal ein Buch doppelt erwische, es brav zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Als ich aber vor ein paar Wochen &#8220;Tauben fliegen auf&#8221; das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/07\/09\/deutscher-buchpreis\/\">Buchpreisbuch von 2010 <\/a>von Melinda Nadj Abonji im Schrank gefunden habe, hat mir das Cover so gut gefallen, da\u00df ich es nicht liegen lassen konnte, obwohl das der \u00e4lteren &#8220;Jung und Jung-Augaben&#8221;, die ja noch den selben Graphiker, wie die alten<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/08\/08\/spurensuche\/\"> &#8220;Residenz-Ausgaben&#8221; <\/a>hatten, eigentlich auch sehr sch\u00f6n sind.<\/p>\n<p>Diesmal gef\u00e4llt mir aber die der Lizenausgabe besser und da steht dann auch <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/10\/04\/bei-den-mariahilfer-frauenwochen\/\">&#8220;Buchpreis 2010&#8221;<\/a> darauf, so da\u00df man nicht nachschauen mu\u00df, wann das gewesen ist und beide Covers und das ist auch sehr interessant, zieren Autos und B\u00e4ume und, um das geht es bei dem Buch ja, um das nach Hause fahren ind die Vojvovida Heimat aus der Schweiz im neuen Mercedes oder Chevrolet und ich habe auch in beiden B\u00fccher jeweils ein bi\u00dfchen gelesen.<\/p>\n<p>Denn eines hatte ich ja in Harland, das andere, das ich mir vorige <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/12\/18\/buecherweihnacht-in-der-gruenangergasse-und-andere-adventstimmung\/\">Weihnachten beim B\u00fccherflohmarkt in der Gr\u00fcnangergasse<\/a> gekauft habe, in Wien liegen und habe es dort auch zu lesen angefangen und das zweite dann w\u00e4hrend unseres Ausfluges auf den Edelwei\u00dfboden im dortigen Pensionszimmer und auf der R\u00fcckfahrt im Auto.<\/p>\n<p>Von der 1968 in\u00a0 Becsej geborenen und in der Schweiz lebenden Melinda Nadj Abonji habe ich das erste Mal, glaube ich, etwas geh\u00f6rt, als sie beim &#8220;Bachmannpreis&#8221; gelesen hat und mir dann ihr Debut &#8220;Im Schaufenster im Fr\u00fchling&#8221; das, glaube ich, noch sehr experimentell ist, genommen, als, glaube ich, die Buchhandlung &#8220;Kolisch&#8221; zusperrte und man sich da zwei B\u00fccher nehmen konnte.<\/p>\n<p>&#8220;Tauben fliegen auf,&#8221; fer mich die &#8220;Buchpreis-\u00dcberraschung&#8221; ist nicht sehr experimentell, es ist eher ein Memoir und enth\u00e4lt wahrscheinlich viele autobiografische Elemente und ich habe die Autorin auch schon in Wien in der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/11\/11\/zerfliesende-identitaten-starke-charaktare\/\">&#8220;Alten Schmiede&#8221;<\/a> daraus lesen geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Da hatte ich aber, glaube ich, noch andere Vorstellungen von den Buch und so ist es sehr gut, da\u00df es jetzt gleich zweimal bei mir liegen habe und so an das Lesen erinnert wurde, bevor die neue Buchpreisliste kommt und das Weglesen meines SUBS wieder etwas warten mu\u00df.<\/p>\n<p>Das Buch ist, glaube ich, sehr raffiniert geschrieben. Ein Kapitel, wo die Familie\u00a0 Kocsis mit ihren zwei T\u00f6chtern und ihren teuren sch\u00f6nen Wagen in die Vojvodina-Heimat f\u00e4hrt und dort die Mamika und die anderen Verwandten besucht und dann das Leben in der Schweiz, wo die Familie zuerst eine W\u00e4scherei hatte und dann eine Konditorei aufmacht, wo die Mutter, die Chefin ist, der Vater, ein gelernter Fleischhauer kocht und die beiden T\u00f6chter, die nebenbei studieren, servieren.<\/p>\n<p>Im ersten Kapitel sind die Kinder noch pubertierend und die Maminka, das ist die Gro\u00dfmutter, wartet mit den Gulascht\u00f6pfen und dem &#8220;Traubi&#8221; das ist das Traubisoda, das es in der Schweiz nicht gibt und das die Kinder lieben. Es geht zu einer Hochzeit, da werden auch die Fleischberge und die Kuchen aufgetischt und die beiden M\u00e4dchen beobachten den Cousin Gyula, beim V\u00f6geln mit einer verheirateten Frau und sind etwas verwirrt.<\/p>\n<p>Und um gleuch auf den Titel, die &#8220;Tauben&#8221; zur\u00fcckzukommen, die h\u00e4lt Cousin Belasich und die Mamika kocht daraus die besten S\u00fcppchen.<\/p>\n<p>Eine andere Heimfahrt ist dann viel weniger lustig, denn da geht es zum Begr\u00e4bnis der Mamika und der Krieg kommt dann auch bald und der st\u00fcrzt die Familie in Verwirrung. Denn jetzt kommen alle G\u00e4ste und wollen von ihr wissen, wie das mit den Serben ist?<\/p>\n<p>Aber die Vojvodina geh\u00f6rt ja zur ungarischen Minderheit. Die M\u00e4dchen sprechen gar nicht serbisch oder serbokroatisch, wie das damls noch hie\u00df, weil sie schon in der Schweiz in die Schule gingen. Aber die Verwandten in der Heimat werden in Not gest\u00fcrzt, denn die Burschen werden ja jetzt eingezogen und sollen vielleicht, wenn sie beispielsweise desertieren, aufeinander schi\u00dfen.<\/p>\n<p>Das Buch wird auch nicht ganz chronologisch erz\u00e4hlt. So handeln sp\u00e4tere Kapitel, wo die Mamika eigentlich schon gestorben ist, davon, wie sie den M\u00e4dchen von ihrem Gro\u00dfvater erz\u00e4hlt und in der Schweiz haben die Kocsiss auch ihre Schwierigkeiten, weil sie ja f\u00fcr ihre Einb\u00fcrgerung lernen m\u00fcssen und dann mu\u00df in der Schweiz offenbar die Gemeinde f\u00fcr oder dgegen stimmen, was auch sehr aufregend ist.<\/p>\n<p>Ein interessantes Buch, das viel von dem Schicksal einer serbische, ungarischen oder was auch immer Emmigrantenfamilie erz\u00e4hlt, so da\u00df ich jetzt vielleicht auch ein bi\u00dfchen besser verstehe, warum es den &#8220;Deutschen Buchprei&#8221;s bekommen hat und auch ein bi\u00dfchen schade finde, da\u00df ich solange mit dem Lesen darauf gewartet habe. Aber jetzt habe ich es gleich in doppelter Ausgabe, werde mir beide behalten und gegen\u00fcberstellen und noch etwas ist interessant, habe ich mir doch beim Lesen \u00f6fter gedacht, da\u00df der Titel so gar nicht passend ist.<\/p>\n<p>Denn was haben die Tauben, die sich Cousin Bela h\u00e4lt, eigentlich mit Ildiko Kocsis, der Ich-Erz\u00e4hlerin zu tun, die in der Schweiz aufwuchs und Geschichte studierte und am Ende des Buches auch von zu Hause auszieht?<\/p>\n<p>Beim Nachlesen meiner damaligen Eindr\u00fccke in der &#8220;Alten Schmiede&#8221; bin ich daraufgekommen, da\u00df die Autorin ihn gar nicht haben wollte, aber vom Verlag dazu \u00fcberredet wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein Buch, das ich, was ich ja sonst fast nie mache, in zwei Ausgaben habe, sonst trage ich ja, wenn ich mal ein Buch doppelt erwische, es brav zur\u00fcck. 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