{"id":53562,"date":"2017-08-12T00:29:50","date_gmt":"2017-08-11T22:29:50","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=53562"},"modified":"2017-08-12T00:29:50","modified_gmt":"2017-08-11T22:29:50","slug":"das-ist-bei-uns-nicht-moeglich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=53562","title":{"rendered":"Das ist bei uns nicht m\u00f6glich"},"content":{"rendered":"<p>In meiner leicht legasthenen Ader hatte ich immer Schwierigkeiten Uptun Sinclair und Sinclair Lewis auseinanderzuhalten.<\/p>\n<p>Der eine amerikanische Schriftsteller stand im<a href=\"http:\/\/efluester.wordpress.com\/2017\/05\/25\/rote-traenen\/\"> roten Wien<\/a> in den Zwischenkriegsjahren bevor die Austrofaschisten und die Nazis kamen in den Arbeiterbibliotheken und wurde dort an erster Stelle ausgeborgt.<\/p>\n<p>In der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/09\/20\/erinnerungen\/\">Bibliothek meines Vater <\/a>befanden sich auch einige B\u00e4nde, die ich immer gerne lesen wollte, aber noch nicht dazugekommen bin und dann gibt es noch Sinclair Lewis auch ein Amerikander, der 1930 den Nobelpreis bekommen hat.<\/p>\n<p>Von ihm habe ich auch einige\u00a0 ungelesene B\u00fccher in meinen Regalen und sein &#8220;Das ist bei uns nicht m\u00f6glich&#8221;, k\u00fcrzlich wieder aufgelegt, stand lange bei Anna Jeller in der Auslage.<\/p>\n<p>Jetzt hat<a href=\"http:\/\/www.aufbau-verlag.de\/index.php\/das-ist-bei-uns-nicht-moglich.html\"> &#8220;Aufbau&#8221;<\/a> mir das Buch geschickt, das schon im Fr\u00fchjahr erschienen ist, denn es gibt ja nicht zu \u00fcbersehende Parallelen zu der gegenw\u00e4rtigen amerikanischen\u00a0 Pr\u00e4sidentenschaft, obwohl das Buch 1935 geschrieben und dann in Amsterdam in einem Exilverlag auf Deutsch erschienen ist und Sinclair Lewis, dessen Frau die Journalistin Dorothy Thompson, das Nazi Regime in Deutschland studierte und Hitler interviewte, beziehungsweise ein Buch \u00fcber ihn geschrieben hat, hat auch wahrscheinlich Deutschland mit seiner Diktatur, die der da beschrieben hat, gemeint.<\/p>\n<p>&#8220;It can`t happen here&#8221; oder &#8220;Das ist bei uns nicht m\u00f6glich&#8221;, wie es Hans Meissel, 1900- 1991, der Kleist-Preistr\u00e4ger, dann dann im Exil <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/06\/18\/koenigsallee\/\">Thomas Manns<\/a> Sekret\u00e4rwar, \u00fcbersetzte und angenehm f\u00fcr alle Sprach\u00fcter, &#8220;Aufbau&#8221; lie\u00df das Buch nicht neu \u00fcbersetzen, so da\u00df man den damaligen Sprachgebrauch &#8220;Neger&#8221; und manchmal sogar &#8220;Nigger&#8221; lesen, wenn gleich der wortgewandte Pr\u00e4sidentschaftskanditat und sp\u00e4tere Pr\u00e4siident und Diktator Buzz Windrip, der mit dem Versprechen, allen von der Wirtschaftskrise gebeutelten f\u00fcnftausend Dollar im Jahr zu geben, zu diesen in seinem Wahlprogramm nicht freundlich war.<\/p>\n<p>Denn die sollten, wie die Frauen wieder an den Herd gedr\u00e4ng wurden, von allen Rechten ausgeschlossen, ein Populismus, der schon 1935 zog und so gewann der Gewaltige, die Wahl mit Bravour und verwandelte dann das Land frisch und fr\u00f6hlich in eine Diktatur.<\/p>\n<p>Das ist sicherlich von Nazideutschland angeschaut und ein bi\u00dfchen schwer macht es das Lesen, da\u00df da, glaube ich, immer reale Namen mit fiktiven vermischt werden. So kommen Hitler und seine deutsche Diktatur genauso vor, wie Mussolini und auch Upton Sinclair.<\/p>\n<p>Die Hauptfigur ist aber der Zeitungsherausgeber Doremus\u00a0 Jessup, seine Frau sagt &#8220;Dormaus&#8221; zu ihm, der das &#8220;Can\u00b4t happen here&#8221;, wohl fr\u00fcher dachte.<\/p>\n<p>Aber dann wandelte sich alles, nur die f\u00fcnftausend Dollar wurden nicht eingel\u00f6st. Daf\u00fcr gab es Arbeitslager in die die Arbeitslosen eingeliefert wurden, die sich dann bald Konzentrationslager nannte und eine private M M-Armee, die alles \u00fcberwacht und bespitzelt, gab es auch.<\/p>\n<p>Vorl\u00e4ufig residiert Doremus aber noch in seiner Villa mit Frau und Kindern. Es gibt eine rebellische Tochter namens Sisi oder C\u00e4cilia und einen Sohn, der sp\u00e4ter Regimeanwalt wird, mit der Haush\u00e4lterin namens Missis Candy und einem Hund namens N\u00e4rrchen, nur der Diener Shad Ledue mit dem Doremus immer unzufrieden war, ihn aber aus humanen Gr\u00fcnden nicht entlasen wollte, hat schon fr\u00fcher das Lager gewechselt und ist nun der \u00f6rtliche Gestaposchef.<\/p>\n<p>Er ist es dann auch, der Doremus, als der einen rebellischen Artikel selber setzt, weil es seine Angestellten nicht mehr wollen, verhaften l\u00e4\u00dft, Doremus kommt aber noch nicht ins Konzentrationslager. Er mu\u00df noch seinen\u00a0 Nachfolger einschulen.<\/p>\n<p>Ein Fluchtversuch nach Kanada scheitert. So begibt sich Doremus mit ein paar kommuinstischen Freunden in den Widerstand, fertig mit seiner Frau und seiner Tochter Handzetteln an. Zuerst wird ein anderer statt ihm deshalb verhaftet. Man kommt sehr leicht ins KZ, es gen\u00fcgt schon, wenn ein anderer seine Stelle haben will oder man einen Witz erz\u00e4ht. Sp\u00e4ter trift es den ehemaligen Herausgeber aber doch, er wird gefolter, gepr\u00fcgelt und kommt dann schon \u00fcber sechzig zu siebzehn\u00a0 Jahren in das Straflager, das einmal eine M\u00e4dchenschule war.<\/p>\n<p>Inzwischen lebt der Pr\u00e4sident in Saus und Braus in einer Hotelswuite und l\u00e4\u00dft nur seine Frau aus der Provinz im wei\u00dfen Haus residieren, hat aber in seinen Reihen nat\u00fcrlich seine Feinde. Wird gest\u00fcrzt und der Nachfolger dann auch ein paar Wochen sp\u00e4ter vom n\u00e4chsten Feind ermordet, der ein strafferes Regime aufzieht und Krieg mit Mexiko beginnen will. Das gibt dem ehemaligen Pr\u00e4sidentschaftkanditaten und Gegner Windrips, der nach Kanada geflohen ist, Aufwind. Doremus konnte inzwischen auch fliehen und kehrt dann, um den Widerstand zu leiten, nach Amerika zur\u00fcck. Dort hat er zuerst eine Viso vom freien Leben, bevor er kalt geweckt wird, l\u00e4\u00dft sich aber\u00a0 nicht unterkiregen, denn ein &#8220;Doremus Jessup,&#8221; wie der letzte Satz des Buches lautet, &#8220;der stirbt nie.&#8221;<\/p>\n<p>Es gibt ein Nachwort von Jn Brandt, das die damalige Situation erkl\u00e4rt. Das deutsche Buch, wurde 1936 von den Nazis verboten. Es gab dann in den Achtzigerjahren eine, glaube ich, ostdeutsche Wiederauflage und jetzt das Remake.<\/p>\n<p>Donald Trumps Populismus macht es wohl m\u00f6glich, ein Kultbuch daraus zu machen, m\u00f6gen sich die Herausgeber gedacht haben und es f\u00e4ngt auch erschrecklicken \u00e4hnlich an, obwohl es damals das Radio war und nicht die Twitternews, die die Zuh\u00f6rer, den verarmten Mittelstand fesselte und von Buzz Windrips Populismus verleiten lie\u00df und so ist es sicher interessant\u00a0 Siclair\u00a0 Lewis Nazi-Parodie der Neunzehndrei\u00dfiger Jahre zu lesen und in den ersten Kapiteln gibt es immer wieder Textausz\u00fcge aus &#8220;Die Stunde Null&#8221; von Berzelius Windrip, wo er seinen Wahlwolk alles und jedes verspricht und nach der Wahl wurden dann alle &#8220;Anti Buzz&#8221; sofort aufs Bitterste verfolgt.<\/p>\n<p>Jetzt mu\u00df ich noch die anderen B\u00fccher des amerikanischen Nobelpreistr\u00e4ger, wie der &#8220;Gottsucher&#8221; oder &#8220;Die Benzinstation&#8221; lesen.<\/p>\n<p>Mal sehen wann ich dazu komme und bis dahin k\u00f6nnen wir uns an Donald Trumps Hoppalas und seinen Fehlbesetzungen\u00a0 freuen und darauf vertrauen, da\u00df das in Amerika hoffentlich doch nicht alles m\u00f6glich ist und passieren kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meiner leicht legasthenen Ader hatte ich immer Schwierigkeiten Uptun Sinclair und Sinclair Lewis auseinanderzuhalten. 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