{"id":53856,"date":"2017-08-23T00:23:08","date_gmt":"2017-08-22T22:23:08","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=53856"},"modified":"2017-08-23T00:23:08","modified_gmt":"2017-08-22T22:23:08","slug":"ueber-das-schreiben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=53856","title":{"rendered":"\u00dcber das Schreiben"},"content":{"rendered":"<p>Bevor es ans <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/08\/15\/vier-und-zwei-aus-zwanzig\/\">Buchpreislesen <\/a>geht, Charles Bukowski &#8220;\u00dcber das Schreiben&#8221;, ein Buch, das schon im Fr\u00fchjahr erscheinen sollte und man irrt\u00fcmlich f\u00fcr einen Schreibratgeber halten k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Vielleicht sind das die &#8220;Briefe an meine Weggef\u00e4hrten und G\u00f6nner&#8221;, des 1920 als Heinrich Karl Bukowski in Andernach am Rhein geborenen Autor, den man, wie am Buchr\u00fccken steht, Untergroundautor nennen kann auch.<\/p>\n<p>Statt Untergroundautor k\u00f6nnte man wahrscheinlich auch Angeh\u00f6riger der Beatgeneration sagen und irgendwie hatte ich den Namen im Ged\u00e4chtnis, als ich das Buch, am Cover ist ein Whiskyglas&#8221; zu\u00a0 sehen bestellte.<\/p>\n<p>Schaute ich in meinem Bibliothekskatalog nach, fand\u00a0 den Gedichtband &#8220;Flinke Killer&#8221; und kann so schnell nicht sagen, ob ich ihn gelesen habe.<\/p>\n<p>Also ein\u00a0 bi\u00dfchen in kalte Wasser gesprungen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.kiwi-verlag.de\/buch\/ueber-das-schreiben\/978-3-462-04918-3\/\"> &#8220;Kiwi<\/a>&#8221; ist nicht ganz schuldlos daran, gibt es zwar im Netz auf der Verlagsseite einen Lebenslauf, im Buch aber nicht. Das beginnt mit dem &#8220;Vorwort des Herausgebers&#8221;, Abbel Debritto, beziehungsweise eigentlich mit einer Zeichnung, denn das war Charles Bukowski wohl auch und der Herausgeber l\u00e4\u00dft gleich wissen, &#8220;da\u00df es praktisch unm\u00f6glich ist, die Briefe in der reinen Textform wiederzugeben&#8221; und da kommt man gleich auf etwas, das mich aufhorchen lie\u00df, n\u00e4mlich die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/08\/19\/rechtschreibregeln\/\">Rechtschreibung<\/a>.<\/p>\n<p>Mir wird ja immer vorgeworfen, ich h\u00e4tte soviel Fehler k\u00f6nne nicht rechtschreiben und kiefle dann daran, weil ich das ja eigentlich nicht will, aber mu\u00df oder sollte, denn wenn man einen Rechtschreibfehler hat ist man gleich unten durch.<\/p>\n<p>Dem saufenden Undegroundpoeten war das offenbar egal und er hat geschrieben, wie er wollte oder konnte. Also eigentlich bewunderswert.<\/p>\n<p>Es kommt dann sp\u00e4ter einiges, an dem ich mehr zu kiefeln hatte, zuerst aber ein Foto des Herausgebers, die Erkenntnis kein Lebenslauf, was sich dann nicht als nicht so schlimm herausstellen sollte, denn erstens gibts ja<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Charles_Bukowski\"> &#8220;Wikipedia&#8221;<\/a>, zweites ist der in den Briefen selbst mehrmals enthalten und Bukowski scheint auch besonders gerne zu betonen, da\u00df er 1920 in Deutschland geboren wurde, dann setzte er meistens sein momentanes Lebensalter hinzu.<\/p>\n<p>Die Briefe beginnen 1947 und enden 1993. Im M\u00e4rz 1994 ist der Autor in San Pedro gestorben und wenns schon keinen Lebenslauf gibt, gibt es wenigstens ein Personen und Sachregister, also ein Verzeichnis der Personen an die Bukowski seine vielen Briefe geschrieben hat.<\/p>\n<p>Das ist aber leider nicht ganz vollst\u00e4ndig und manchmal sind den Briefen, die Angaben, wer der Adressat war und warum Bukowski das geschrieben hat, auch vorangestellt.<\/p>\n<p>Genau genommen ist das Buch also ein Lebenslauf und in den Briefen an die Weggef\u00e4hrten, erf\u00e4hrt man\u00a0 auch einiges \u00fcber das Schreiben, denn der Autor, der vielleich,t wie ich ein Schreibbesessener gewesen ist, schreibt sehr viel dar\u00fcberund die meisten Adressaten sind Beatpoeten oder Herausgeber von Literaturzeitschriften, bei denen Bukowski publiziert oder jedenfalls hingeschickt zu haben scheint.<\/p>\n<p>Der erste Brief stammt aus 1945 und ging an die Mitherausgeberin des Magazins &#8220;Story&#8221;, wo Bukowski erstmals publiziert hat:<\/p>\n<p>&#8220;Ihr Ablehungsschreiben habe ich erhalten, zusammen mit dem formlosen KKommentaren Ihrer Lektoren. Klingt als w\u00e4re das was f\u00fcr mich. Bitte melden Sie sich, wenn sie einen weiteren Lektor ben\u00f6tigen. Ich finde nirgendwo Arbeit, daher dachte ich, ich probier es mal bei Ihnen&#8221;<\/p>\n<p>Klingt interessant und originell und wenn man dann doch an den inzwischen gefundenen Lebenslauf geht, bekommt man heraus, da\u00df der in Deutschland geborene Sohn eines Besatzungssoldaten, 1923 mit seinen Eltern in die USA ging.<\/p>\n<p>Dort begann er sehr fr\u00fch zu trinken, hatte 1954, das ist schon ein paar Briefe sp\u00e4ter, einen Magendurchbruch, wo er in einem Armenspital behandelt wurde, auf das er sich \u00f6fter in seinen Briefen bezog.<\/p>\n<p>Er lebte von Glegenheitsjobs, was er auch \u00f6fter beschrieb und sein Schreiben begann in drei Phasen, zuerst kamen die Erz\u00e4hlungen, bis zu eben jenen Magendurchbruch, dann die Gedichte, die er an die verschiednenen Kleinverleger schickte, die die Texte mal nahmen und mal auch nicht.<\/p>\n<p>Interessant ist auch, da\u00df Bukowski nie mit Durchschlag schrieb und auch nie vermerkte, wem er was geschickt hat und was davon ver\u00f6ffentlicht wurde.<\/p>\n<p>Noch viel sp\u00e4ter hatte er auch eine Kolumne, er hat auch lang in einem Postamt gearbeitet und dar\u00fcber einen Roman geschrieben.<\/p>\n<p>Als bekannter Schriftstellernamen, auf den er sich bezieht, taucht immer wieder Hemmingway auf und dann das, was ich bedenkelich finde, Lous Ferdinand Celine, den er als gro\u00dfes Vorbild nannte, der aber, glaube ich, auch ein gro\u00dfer <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/01\/16\/erlebtes-und-erinnertes-von-georg-stefan-troller\/\">Antisemit<\/a> war.<\/p>\n<p>Da gibt es eine Stelle in den Briefen in der er sich darauf bezieht und dann schreibt er seinen Freunden und Weggef\u00e4hrten auch viel \u00fcbers Schreiben, beschwert sich einmal, da\u00df man jetzt auch unbekannte Autoren oder Musiker n\u00e4me und daf\u00fcr Beethoven aus der Rangliste herausschmei\u00dfen w\u00fcrde, ja richtig, f\u00fcr Musik scheint sich das Rauhbein, da\u00df sich auch sehr intensiv herumgev\u00f6gelt haben d\u00fcrfte und mehrmals geschieden oder verheiratet war und eine Tochter hatte, auch zu interessieren. Einmal beklagte er sich, da\u00df ihm der Erfolg nicht so beschieden war, er wurde einmal auch bei einnem Stipendium abgelehnt und einmal beschwert er sich \u00fcber eine Feministin, die sich \u00fcber seine rauhe Sprache, beziehungseise seine Beschreibung einer Vergewaltigung beschwert.<\/p>\n<p>Es gibt einen Brief an Henry Miller, den er im August 1963 geschrieben hat, dem waren\u00a0 einige Zeichnungen beigelegt, die auch in dem Buch abgebildet sind.<\/p>\n<p>Allm\u00e4hlich wird der ber\u00fchmt, die gr\u00f6\u00dferen Verlage fragen an und er bekommt in Carl Weissner einen \u00dcbersetzer, der ihm im deutschen Sprachraum bekannt macht.<\/p>\n<p>Bei dem beklagt er sich \u00fcber seinen Verleger, John Martin, der ihm zuviel beschnitten und ver\u00e4ndert hat.<\/p>\n<p>&#8220;Irgendwie habe ich den Eindruck, er pr\u00e4sentiert mich st\u00e4ndig ein bisschen normaler und angepasster, als ich bin!&#8221;<\/p>\n<p>Aber, wie er 1986 an Kurt Nimmo, keine Ahnung, wer das ist, da hier die biographische Angabe feht, schreibbt: &#8220;Ich will aber keinen Kleinkrieg mehr &#8230; mit Martin. Ich will nur meinen Wein trinken und an der Schreibmaschine sitzen.&#8221;<\/p>\n<p>Er will auch keine kreativen Writingseminare, macht sich \u00fcber die, auch wenn er eine Einladung, als Dozent bekommt geh\u00f6rig lustig und auch \u00fcber die Lyrik f\u00e4llt er entsprechend her.<\/p>\n<p>&#8220;Wenn die Jungs auf dem Schulhof Lyrik nicht m\u00f6gen, sie sogar als Hobby f\u00fcr Weicheier verachten, dann haben sie nicht ganz unrecht.&#8221;<\/p>\n<p>Und 1990 schreibt er: &#8220;Seminare, Seminare sind f\u00fcr Dummies. Ein Gedicht zu schreiben, ist nicht schwerer, als sich einen runterzuholen oder eine Flasche Bier zu trinken. Schauen Sie, hier kommt eins:<\/p>\n<p>mutter sah den waschb\u00e4rn, sagte mir meine Frau ach, sagte ich so viel zum stand der dinge an diesem abend.&#8221;<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter probiert er sich auch am Computer und schreibt 1992 an Jack Grapes, auch keine biografische Angabe,<\/p>\n<p>&#8220;So siehts aus. In der Zwischenzeit tue ich mein bestes Mensch zu bleiben. Hei\u00dft. ich spreche mit meiner Frau, streichle die Katze, sitze auf dem Sofa und gucke Fernsehen, wenn das geht, oder lese auch nur die Zeitung von vorne bis hinten durch, gehe fr\u00fch ins Bett. 72 zu sein, ist nur ein weiteres Abenteuer. Mit 92 blicke ich zur\u00fcck und lache dar\u00fcber. Nein, ich bin genug rumgekommen. Am Ende ist es doch immer derselbe Film. Nur dass die Gesamtsiutation nicht unbedingt sch\u00f6ner wird. Trotzdem, ich h\u00e4tte nie gedacht, dass ich das noch erlebe, und wenn ich irgendwann gehe, bin ich bereit.&#8221;<\/p>\n<p>Das ist fast ein Schlu\u00dfwort. Trotzdemdem gibt es 1993 noch einen Brief an Joseph Parisi und ein Foto des &#8220;angry old man&#8221;, der aber ganz freundlich in die Kamera schaut.<\/p>\n<p>&#8220;Kiwi&#8221; hat noch ein paar weitere B\u00fccher von Charles Bukowski verlegt, die man im Anhang finden kann. Das vom &#8220;postoffice&#8221; hei\u00dft auf Deutsch &#8220;Der Mann mit der Ledertasche&#8221;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bevor es ans Buchpreislesen geht, Charles Bukowski &#8220;\u00dcber das Schreiben&#8221;, ein Buch, das schon im Fr\u00fchjahr erscheinen sollte und man irrt\u00fcmlich f\u00fcr einen Schreibratgeber halten k\u00f6nnte. 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