{"id":5387,"date":"2011-01-04T08:51:30","date_gmt":"2011-01-04T07:51:30","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=5387"},"modified":"2011-01-04T08:51:30","modified_gmt":"2011-01-04T07:51:30","slug":"eine-entfernte-ahnlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=5387","title":{"rendered":"Eine entfernte \u00c4hnlichkeit"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich h\u00e4tte ich die Robert- Walser-Erz\u00e4hlung &#8220;Eine entfernte \u00c4hnlichkeit&#8221; von E.Y. Meyer am f\u00fcnfundzwanzigsten Dezember lesen sollen, denn da ist Robert Walser, 1956 von einem Spaziergang im Schnee nicht mehr zur\u00fcckgeommen. Die Erz\u00e4hlung und die beiden kurzen Essays, die ihr folgen, sind auch zum f\u00fcnfzigsten Todesjahrs des Schweizer Dichters erschienen.<br \/>\nDer 1946 in der Schweiz geborene E.Y Meyer n\u00e4hert sich sehr vorsichtig den gro\u00dfen Dichter an.<br \/>\n&#8220;Das Leben des Tagel\u00f6hners Loser als eine Erinnerung an Robert Walser &#8211; ein meisterliches  Vexierspiel&#8221;, steht  auf der Buchr\u00fcckseite.<br \/>\nDer Ich-Erz\u00e4hler, ein Schriftsteller, der, wie sich das f\u00fcr einen anst\u00e4ndigen Schweizer geh\u00f6rt, auch Lehrer ist, besucht an einem schulfreien Nachmittag im M\u00e4rz oder April vor Ostern mit seiner Schwester seine im Bezirkskrankenhaus liegende Mutter und lernt in einem Gasthaus einen kleinen alten Man in b\u00e4uerlicher Kleidung und kurzgeschnittenen wei\u00dfen Haaren kennen, der Rotwein trinkt und ununderbrochen vor sich hin redet so da\u00df ihm die Serviertochter sagt, da\u00df man seinen Mund nach seinem Tod extra erschlagen m\u00fcsse. Er erz\u00e4hlt, da\u00df er bei einem Metzger gearbeitet und fr\u00fcher eine Zeitlang jeden Tag einen halben Liter K\u00e4lberblut getrunken habe, weil das Kraft gebe, nur ist er dann sehr krank geworden, so da\u00df er jetzt in dem sich  in einem ehemaligen Kloster befindenen Alters- und Pflegeheim wohnen w\u00fcrde.<br \/>\nEine entfernte \u00c4hnlichkeit mit einer Fotografie des Dichters Robert Walsers, der sich auch sehr lang in einer Heil- und Pflegeanstalt aufgehalten hat, veranla\u00dfen den Erz\u00e4hler, in das ehemalige Kloster zu gehen und nach dem alten Mann zu fragen, wo er erf\u00e4hrt, da\u00df das der Loser Hans ist, der die ganze Zeit in der Gegend herumzieht.<br \/>\nDer Erz\u00e4hler findet den alten Mann und f\u00e4hrt mit ihm in ein anderes Wirtshaus, wo er wieder viel aus seinem Leben erf\u00e4hrt und verspricht ihm, da\u00df er ihm in einem Monat wieder besuchen wird. Es dauert aber zwei Jahre bis er sich nach ihm erkundigt, obwohl er \u00f6fter an dem Alters- und Pflegeheim vorbeigefahren ist. Ein vierzig-bis f\u00fcnfzigj\u00e4riger gro\u00dfgewachsener Brillentr\u00e4ger mit einem nicht mehr in Gebrauch stehenden Offiziershut und einer Bahnhofsvorstandkelle, der vor dem Geb\u00e4ude stand, hielt  ihn davon ab. Als er an einem Januartag doch nach dem Loser fragt, erh\u00e4lt er die Auskunft, da\u00df der nach einem Weihnachtsessen nicht mehr in das Pflegeheim zur\u00fcckgekommen sei, weil er, wie einstens Robert Walser, im Schnee einem Herzschlag erlag.<br \/>\nIn den anschlie\u00dfenden Essays erf\u00e4hrt man ein wenig mehr \u00fcber das Leben des 1878 in Biel, Kanton Bern, geborenen Dichters, der bis 1956 &#8220;schlecht und recht lebte&#8221; bzw. \u00fcber das Walserbild des Erz\u00e4hlers, der mit elf Jahren mit seinen Eltern nach Biel zog und als er eine der letzten Klassen des Gymnasiums besuchte, von der Gro\u00dfmutter, ein Taschenbuch  mit dem Titel &#8220;Der Geh\u00fclfe&#8221; geschenkt bekam, von dem sie ihm  erkl\u00e4rte, da\u00df der Autor ein Bieler gewesen sei.<br \/>\nAuf dem Klappentext stand dann noch, da\u00df Walser in der Schweiz und in Deutschland als Angestellter t\u00e4tig gewesen, in Berlin,  Biel und Basel als freier Schriftsteller gelebt h\u00e4tte und, da\u00df Franz Kafka eine Zeitlang t\u00e4glich seine Werke gelesen h\u00e4tte.<br \/>\nIm zweiten Essay &#8220;Ein gro\u00dfer Spazierg\u00e4nger&#8221;  wird die Ballonfahrt beschrieben, die Robert Walser 1908 in Berlin antrat, um mit dem  Verleger und Kunsth\u00e4ndler Paul Cassier bei Einbruch der D\u00e4mmerung nach Kants K\u00f6nigsberg zu fliegen.<br \/>\nIm Anschlu\u00df gibt es eine Zeittafel auf der man noch mehr \u00fcber das Leben des Dichters erf\u00e4hrt, der eine Zeilang im Hotel Blaues Kreuz in Biel lebte, mit einer Frieda Mermet befreundet war,  die Romane &#8220;Die Geschwister Tanner&#8221;,&#8221;Der Geh\u00fclfe&#8221; und &#8220;Jakob von Gunten&#8221; geschrieben hat.  1929 ist er in die Heilanstalt Waldau bei Bern eingetreten,  dort 1933 in die Heil- und Pflegeanstalt  Herisau, in seinem zust\u00e4ndigen Heimatkanton, verlegt worden, wo er bis zu seinem Tod verblieb und zu schreiben aufh\u00f6rte.<br \/>\nNach dem Tod seiner Geschwister \u00fcbernahm der Schriftsteller Carl Selig die Vormundschaft, der mit ihm weite Spazierg\u00e4nge machte und ein Buch dar\u00fcber herausgab.<br \/>\nAu\u00dferdem gibt es noch die &#8220;Mikrogramme&#8221; ein Konvolut von 526 Bl\u00e4ttern und Zetteln, die mit einer winzigen Kurrentschrift beschrieben sind.<br \/>\nEine interessante Ann\u00e4herung an den Dichter, von dem ich einiges geh\u00f6rt, aber nichts gelesen habe und inzwischen noch ein bi\u00dfchen neugieriger geworden bin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich h\u00e4tte ich die Robert- Walser-Erz\u00e4hlung &#8220;Eine entfernte \u00c4hnlichkeit&#8221; von E.Y. 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