{"id":5414,"date":"2011-01-07T00:02:30","date_gmt":"2011-01-06T23:02:30","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=5414"},"modified":"2011-01-07T00:02:30","modified_gmt":"2011-01-06T23:02:30","slug":"hecke","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=5414","title":{"rendered":"Hecke"},"content":{"rendered":"<p>In seinem 1983 erschienenen, zweiten Roman &#8220;Hecke&#8221; erz\u00e4hlt der 1951 in K\u00f6ln geborene Hanns-Josef Ortheil seine Lebensgeschichte.<br \/>\nEin Sohn, Anfang Drei\u00dfig, vom Beruf Architekt, den er nicht besonders liebt, er w\u00e4re gern Pianist geworden, hat dieses Ziel jedoch aufgegeben, als er erkannte, da\u00df er es nicht \u00fcber die Mittelm\u00e4\u00dfigkeit hinausbringen wird, ein, wie er meint, mit sich selbst besch\u00e4ftigter Einzelg\u00e4nger, der nur einen Freund und eine fl\u00fcchtige Frauenbeziehung hat, kehrt an einem Montag in sein Elternhaus zur\u00fcck, das er f\u00fcr eine Woche h\u00fcten soll, weil die Mutter, den sich in der Schweiz befindenden Vater besucht.<br \/>\nMit  langsam beh\u00e4bigen Worten und einer gro\u00dfen Genauigkeit der Sprache beginnt Hanns-Josef Ortheil diese Geschichte, die abwechselnd das Leben des Ich-Erz\u00e4hlers und das seiner Mutter erz\u00e4hlt, die im M\u00e4rz 1933, als die Nazis in Deutschland an die Macht kamen, ein  junges M\u00e4dchen war, das mit Eltern, Bruder, Schwester im Dorf Knippen im n\u00f6rdlichsten Teil des Westernwalds lebt. Das hei\u00dft zu dieser Zeit ist sie gerade von der kl\u00f6sterlichen Erziehung zur\u00fcckgekommen und leitet die Pfarrbibliothek. An einem Sonntag, als sie den Dorfbewohnern nach der Messe die B\u00fccher ausgeben soll, ist sie jedoch verschwunden.<br \/>\nSo beginnt die Geschichte, in die uns der Ich-Erz\u00e4hler langsam hineingleiten l\u00e4\u00dft, bzw. hat ihm das die Mutter, die gut erz\u00e4hlen kann, berichtet, als er sie zum Bahnhof brachte.<br \/>\n&#8220;Die Nazis h\u00e4tten sie an diesem Sonntag zwar nicht verhaftet, wohl aber festgenommen!&#8221;, dann f\u00e4hrt sie ab, den Rest wird sie  nach ihrer R\u00fcckkehr weitererz\u00e4hlen. So kehrt der Ich-Erz\u00e4hler in das Haus, das er h\u00fcten soll, bzw. in die Blockh\u00fctte auf dem Grundst\u00fcck, in der er seltsamerweise schl\u00e4ft.<br \/>\nDer Ich-Erz\u00e4hler beschlie\u00dft alles herauszubekommen und macht in der einen Woche, der Roman ist in sieben Kapitel gegliedert, die von &#8220;Montagabend&#8221; bis &#8220;Der letzte Abend, die letzte Nacht&#8221; reichen, lange Spazierg\u00e4nge durch das Dorf, bzw die Gegend ringsherum und erf\u00e4hrt von einem Bauern, der ihm zum Essen einl\u00e4dt, was an jenem Sonntag geschah.<br \/>\nDie Mutter war ein junges M\u00e4dchen aus einer streng katholischen Familie, als pl\u00f6tzlich die Nazis ihre Umz\u00fcge machten, die Fahnen aufstellten und am Sonntag in die Pfarrbibliothek eindrangen und von Katharina die Auslehnlisten verlangten, die sie verweigerte, so da\u00df sie f\u00fcr einen Vormittag mitgenommen wurde, ihre Stelle als Bibliothekarin verlor und fortan ihrer Mutter im Haushalt half. Sie war auch ein wildes junges M\u00e4dchen, obwohl der Bruder Carl Theologie studierte, das sich mit dem Kirchenmaler Hacker anfreundete und mit ihm den heimlichen Widerstand erprobte, trotzdem freundete sie sich auch mit Henner, Sohn einer  kinderreichen Bauernfamilie an, der unter M\u00fchen studierte und, um Karriere zu machen, in die SA eintrat, an. Sie hat zu ihm zwar ein etwas seltsames Verh\u00e4ltnis und die B\u00fccher aus der ehemaligen Pfarrbibliothek, die von Heine etc, die f\u00fcr die B\u00fccherverbrennung vorgesehen waren, klaut sie auch und versteckt sie im Dachboden des elterlichen Hauses. Als der Bruder Carl aber seine Primiz erlebt, gleichzeitig sollen die Kirchenfresken enth\u00fcllt werden, die Nazis sich der Kirche bedrohlich n\u00e4hern, um sie zu r\u00e4umen und  Henner das zu verhindern wei\u00df, verlobt sie sich mit ihm und zieht mit ihm nach Berlin, um dort, w\u00e4hrend er in Polen Eisenbahnschienen  verlegt, ihr erstes Kind zu bekommen. W\u00e4hrend der Luftangriffe hat sie b\u00f6se Ahnungen und erlebt eine Totgeburt. Das zweite Kind kommt im elterlichen Haus  zur Welt, die Mutter fl\u00fcchtet vor der Realit\u00e4t in eine Ammensprache und mit Kind, Eltern, Schwester auf den Hof &#8220;Hecke&#8221;, wo das Kind 1945, als schon die Amerikaner eintrafen, bei einem Granatenangriff stirbt. Henner kommt verwundet von der Front, wo er lange an den Endsieg glaubte, zwei weitere Fehlgeburten folgen, bis der Ich-Erz\u00e4hler bei einer \u00e4ngstlich besorgten Mutter das Licht der Welt erblickt und \u00fcberlebt.<br \/>\nAll das erz\u00e4hlt er uns in dieser Woche bzw. bekommt er das von der Tante, der j\u00fcngeren Schwester der Mutter, dem Maler Hacker und der anderen Tante Adelheid, der Schwester des Vaters, die Sohn und Mutter feindlich gegen\u00fcber steht und etwas seltsam ist, erz\u00e4hlt. Er schreibt es auf, pflanzt f\u00fcr die Mutter einige Rotbuchen und wimmelt die besorgten Anrufe der wiederaufgetauchten Freundin, des Freundes und des Arbeitskollegen ab, denn in die Vergangenheit einzuzudringen, ist m\u00fchsam und anstrengend. Dazwischen ruft die Mutter mehrmals an und bittet den Sohn sie vom Bahnhof abzuholen. Er stellt sich auch immer vor, wie die Mutter mit dem Vater, der seltsam vage und im Hintergrund bleibt, der Erz\u00e4hler rechnet aber nicht mit ihm ab, in der Schweiz spazieren geht, ein Glas Wein mit ihm trinkt etc.<br \/>\nAm Ende sind die Aufzeichnungen fertig, das Haus aufger\u00e4umt, da verlangt die Mutter eine eigene Ordnung und der Sohn bereit, sie vom Bahnhof abzuholen, was er sich jedoch \u00fcberlegt.<br \/>\n&#8220;Ich hoffe wir sehen uns  bald wieder. Ich wage nicht daran zu denken, da\u00df Du all diese Bl\u00e4tter liest. Aber ich gehe jetzt, ich gehe. Adieu -&#8221;<br \/>\nHanns-Josef Ortheil entnehme ich Wikipedia, bzw habe ich ihn bei einigen  Buchmesseninterviews sagen geh\u00f6rt, wuchs als f\u00fcnftes Kind in K\u00f6ln, Westernwald, Wuppertal und Mainz auf. Er hatte vier Geschwister, zwei starben im zweiten Weltkrieg, zwei waren Totgeburten. Da die Mutter erleben mu\u00dfte, wie eines ihrer Kinder durch einen Granatsplitter starb, verstummte sie. Ortheil lernte deshalb erst mit sieben Jahren sprechen. Ab 1956 erhielt er Klavierunterricht und wollte Pianist werden. Massive Sehnenscheidenentz\u00fcndungen zwangen ihn zur Aufgabe seiner Karriere. So studierte er Philosophie, Komparatistik und Germanistik, ist seit 1988 freier Schriftsteller, hat seit 1990 eine Dozentur f\u00fcr kreatives Schreiben an der Universit\u00e4t Hildesheim, seit 2003 ist er dort Professor und hat eine ganze Reihe von Sachb\u00fcchern und Romanen geschrieben, die regelm\u00e4\u00dfig im &#8220;Volltext&#8221; und in &#8220;Literaturen&#8221; besprochen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seinem 1983 erschienenen, zweiten Roman &#8220;Hecke&#8221; erz\u00e4hlt der 1951 in K\u00f6ln geborene Hanns-Josef Ortheil seine Lebensgeschichte. 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