{"id":5463,"date":"2011-01-09T00:41:53","date_gmt":"2011-01-08T23:41:53","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=5463"},"modified":"2011-01-09T00:41:53","modified_gmt":"2011-01-08T23:41:53","slug":"das-frittenmobil","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=5463","title":{"rendered":"Das Frittenmobil"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Das Frittenmobil&#8221;, auf Englisch &#8220;the van&#8221;, ist der dritte Teil der &#8220;Barrytown Trilogy&#8221;, des Dubliner Autors Roddy Doyle. Barrytown entnehme ich Wikipedia, ist ein fiktiver Vorort Dublins, offenbar ein Arbeiterbezirk, in dem die Familie Rabitte im Mittelpunkt steht. Im ersten Teil  ist Jimmy Rabitte zwanzig und gr\u00fcndet mit seinen Kumpeln eine Band, im zweiten Teil wird er schon Senior genannt, hat sechs Kinder,  die \u00e4lteste Tochter Sharon wird eines Tages vom Vater ihrer Freundin geschw\u00e4ngert und bekommt das Kind, was im katholischen Irland ja nicht einfach sein soll.<br \/>\nIm dritten Teil, den ich zu Ostern in der Abverkaufkiste in dem Papiergesch\u00e4ft von Wilhelmsburg um einen Euro oder so gekauft habe, es ist ein ausgeschiedenes Exemplar der st\u00e4dtischen B\u00fccherei, SMZ-Ost, die es ja nicht mehr gibt und hat dazwischen einer Frau Irmgard geh\u00f6rt, ist Jimmy Senior arbeitslos geworden, das Geld ist knapp, seine Frau Veronica besucht die Abend oder Volkshochschule, um sich weiter zu bilden, der  Sohn Leslie ist verschwunden, Sharon hat inzwischen die kleine Gina geboren, Jimmy Junior ist bereits ausgezogen, hat eine tolle Freundin und steckt dem Vater gelegentlich einen F\u00fcnfer f\u00fcr ein Bierchen zu. Darren ist daran als erster in der Familie, die Matura oder wie das in Irland hei\u00dft, zu machen, die f\u00fcnfzehnj\u00e4hrigen Zwillinge Tracy und Linda streiten sich. Jimmy Senior f\u00e4llt die Decke auf den Kopf, h\u00e4ngt in der st\u00e4dtischen B\u00fccherei herum, qu\u00e4lt sich durch Dumas &#8220;Der Mann mit der Eisenmaske&#8221;, m\u00f6chte am liebsten den Rasen alle zwei Stunden m\u00e4hen oder auch in die Abendschule gehen, was Veronica nicht will und besch\u00e4ftigt sich mit der kleinen Gina.<br \/>\nVor allem aber ist das Geld vor Weihnachten und auch sonst sehr knapp und es ger\u00e4t zur Katastrophe, wenn der vorlaute Darren verk\u00fcndet, sie w\u00fcrden vom Staat leben.<br \/>\nIn dieser Situation ist es ein Segen, da\u00df der Kumpel Bimbo, ein ehemaliger B\u00e4cker ebenfalls arbeitslos wird, denn der kauft von seiner Abfindung einen alten Imbi\u00dfwagen und bietet Jimmy Senior an, sein Partner zu werden. Das ist eine tolle Sache, obwohl das Frittenmobil ziemlich heruntergekommen ist, aber alle helfen mit, Bimbos Frau k\u00fcmmert sich um die Genehmigungen und entwickelt alle m\u00f6glichen Gesch\u00e4ftsideen, besorgt eine Einkaufskarte f\u00fcr den Gro\u00dfmarkt und auch einmal Hamburger, die man nur noch in die Mikrowelle stecken mu\u00df, obwohl der Frittenwagen gar keinen Strom hat. So verkaufen sie Fisch und Chips, Sharon hilft im Wagen aus und auch Darren, obwohl er Vegetarier ist und da sich die Fu\u00dfballweltmeisterschaft 1990 n\u00e4hert, geht auch alles gut. Sp\u00e4ter steht der Wagen am Strand, Bimbos Frau hat sich um die Genehmigung gek\u00fcmmert, zwar ist das Wetter schlecht und auch die lebenden Toten, die halbw\u00fcchsigen Kinder, die nie lachen und Steine auf den Wagen schmei\u00dfen, machen Schwierigkeiten und als Sharon einmal die kleine Gina mitnehmen und ihre Windel wechseln mu\u00df, gibt es ebenfalls Probleme, denn ein St\u00fcck der Pampers ger\u00e4t in einen Burger und der K\u00e4ufer droht mit Anzeige bei der Polizei.<br \/>\nTrotzdem  wird Geld verdient, so da\u00df sich die beiden Freunde Anz\u00fcge kaufen und fein ausgehen k\u00f6nnen und Jimmy Senior auch sehr stolz auf Darrens Examen ist, der nun als erster in der Familie studieren kann.<br \/>\nWirklich schwierig wird es erst, als Bimbo Jimmy eines Tages vorschl\u00e4gt, ab nun die Einnahmen nicht mehr zu teilen, sondern ihm Lohn zu zahlen, denn das Frittenmobil geh\u00f6rt ja Bimbo, da scheint die M\u00e4nnerfreundschaft, die vorher durch dick und d\u00fcnn gegangen ist, zu platzen. Jimmy Senior ist beleidigt, verlangt Arbeitspausen und droht mit dem Eintritt in die Gewerkschaft, dann taucht noch der Gesundheitsinspektor auf und gibt dem Chef eine Woche Zeit, den Dreck wegzur\u00e4umen, sonst wird er angezeigt. Aber Jimmy Senior hat den Inspektor nicht geholt, die beiden Freunde fangen zuerst an sich zu pr\u00fcgeln, dann ziehen sie ins n\u00e4chste Pub, bestellen ihre Bierchen wieder gegenseitig und beschlie\u00dfen Halbe Halbe zu machen, wozu auch geh\u00f6rt, da\u00df sie das Frittenmobil ins Meer versenken, damit die Freundschaft weitergehen kann.<br \/>\nF\u00fcr den 1991 erschienenen Roman, hat der 1958 in Dublin geborene Roddy Doyle, der bis Ende der Neunzigerjahre  Lehrer f\u00fcr Erdkunde und Englisch war, den  Booker Preis bekommen. Er ist auch unter dem Titel &#8220;Fish und Chips&#8221; verfilmt worden. Von Roddy Doyle habe ich schon <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/02\/17\/henry-der-held\/\">&#8220;Henry der Held&#8221;<\/a> gelesen, was der Grund auch war, da\u00df ich mir &#8220;Das Frittenmobil&#8221; aus der Abverkaufskiste zog.<br \/>\nEin nicht ganz leicht lesbarer Roman, schlie\u00dflich ist es schon der dritte Teil der Familiensaga, so wird vieles  vorausgesetzt, die h\u00e4ufigen  Dialogpassagen machen das Lesen auch nicht einfacher. Trotzdem ist die humorvolle Schilderung der irischen Arbeiterfamilie, die sich durch alle Schwieirigkeiten k\u00e4mpft, sehr spannend, man bekommt auch einen guten Eindruck vom sozialen Leben in einem Dubliner Vorort der Neunzigerjahre.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Das Frittenmobil&#8221;, auf Englisch &#8220;the van&#8221;, ist der dritte Teil der &#8220;Barrytown Trilogy&#8221;, des Dubliner Autors Roddy Doyle. 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