{"id":55179,"date":"2017-10-05T23:30:27","date_gmt":"2017-10-05T21:30:27","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=55179"},"modified":"2017-10-05T23:30:27","modified_gmt":"2017-10-05T21:30:27","slug":"japanische-textlupen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=55179","title":{"rendered":"Japanische Textlupen"},"content":{"rendered":"<p>Text.Lupe hei\u00dft eine neue Reihe, die die<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/10\/04\/veza-canetti-preis-an-lydia-mischkulnig\/\"> vierte Veza Canetti-Preistr\u00e4gerin Lydia Mischkulnig<\/a> in der &#8220;Alten Schmiede&#8221; veranstalten wird, zu der sie die Autoren von ihr ausgew\u00e4hlten B\u00fccher einladen und mit ihnen dar\u00fcber sprechen wird.<\/p>\n<p>Die erste Veranstaltung, die heute stattfand war der Dissertation, der inzwischen in Berlin lebenden, 1960 in Tokyo geborenen Autorin Yoko Tawada gewidmet, die ich 1996 in Klagenfurt kennenlernte, als sie dort gemeinsam mit Lydia Mischkulnig gelesen hat.<\/p>\n<p>Lydia Mischkulnig hat damals, glaube, ich mit ihrer rasant erz\u00e4hlten Geschichte einen der Preise gewonnen. Yoko Tawada hat einen Text gelesen, wo sie oder ihre Protagonistin mit einem Fahrraad und einer Katze durch Hamburg f\u00e4hrt. Ein Text, der mir sehr beeindruckt und sehr gefallen hat und dem ich am liebsten den Preis gegeben h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Da aber auch <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/01\/11\/die-entsetzungen-des-josef-winkler\/\">Josef Winkler<\/a> in einer rosa Hose oder einem rosa Hemd und einem Baby auch dort gelesen hat, habe ich mir gedacht, das wird sich die Jury nicht trauen, Josef Winkler ist der Preistr\u00e4ger und Yoko Tawada bekommt einen der anderen.<\/p>\n<p>Was dann kam war eine Entt\u00e4uschung, denn der ziemlich zum Schlu\u00df lesende\u00a0 Jan Peter Bremer hat mit seinen Text &#8220;Der F\u00fcrst spricht&#8221;, der mir \u00fcberhaupt nicht gefallen hat, gewonnen und Yoko Tawada ist mir im Ged\u00e4chtnis geblieben.<\/p>\n<p>Im Vorjahr habe ich sie, glaube ich, bei einer Veranstaltung im <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/10\/06\/sprachenkuenstler-jandl\/\">Literaturmuseum<\/a> geh\u00f6rt und jetzt stellte Lydia Mischkulnig ihre Dissertation &#8220;Spielzeug und Sprachmagie&#8221; vor und begann die Veranstaltung mit einem kurzen Text von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/09\/19\/franz-kafka-tagebucher-1910-1923\/\">Franz Kafka<\/a> \u00fcber einen Kreisel, weil am Cover des im &#8220;Konkursbuch Verlag&#8221; herausgekommenen Buches ein Kreisel abgebildet ist.<\/p>\n<p>Neben mir sa\u00df ein junger Mann, der das Buch in der Hand hielt und mitgelesen hat und ich war anfangs ein wenig entt\u00e4uscht, weil viel zu viel theoretisch und ich habe die Beziehung, wie man mit Spielzeugen zur Sprache kommen kann, auch nicht so ganz verstanden, denn ich bin ja nicht experimentell, sondern eine <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/\">realistische Schreiberin<\/a>.<\/p>\n<p>Yoko Towada hat dann einen Teil ihres Vorwortes vorgelesen, dann kam ein Text von Walter Benjamin den Lydia Mischkulnig las, denn Yoko Tawada hat\u00a0 sich in ihrer Dissertation mit ihm besch\u00e4ftigt und dann wurde es f\u00fcr mich interessanter, denn dann hat sich Lydia Mischkjulnig auf die &#8220;Verwandlungen&#8221; bezogen.<\/p>\n<p>Das ist auch ein ber\u00fchmter Text von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/11\/kafka-wege-um-das-sanatorium-hoffmann\/\">Franz Kafka<\/a>, n\u00e4mlich der vom Gregor Samsa, der eines Morgens aufwacht und entdeckt, da\u00df er ein K\u00e4fer ist und das hat im deutschen Sprachraum, wie die beiden erkl\u00e4rten, eine negative Bedeutung, w\u00e4hrend in Japan K\u00e4fer etwas Positives sind und es ist auch positiv, wie Yoko Tawda verschmitzt erkl\u00e4rte, wenn man ein K\u00e4fer wird, weil man dann nicht mehr arbeiten mu\u00df und weiter erl\u00e4uterte, da\u00df Verwandlungen in Japan eine gro\u00dfe Tradition h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Da habe ich an die &#8220;Fuchserscheinungen&#8221; gedacht und da ist interessant, da\u00df ich dar\u00fcber von zwei <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/09\/25\/der-fuchs-und-dr-schimamura\/?preview_id=38732\">deutschen<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/09\/30\/die-kieferninseln\/\">Autorinnen <\/a>im Rahmen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/08\/11\/archivnachtrag-und-listenschaetzung\/\">meines<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/08\/15\/vier-und-zwei-aus-zwanzig\/\">Buchpreislesens <\/a>gelesen habe und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/20\/echos-aus-japan\/\">Lydia Mischkulnig<\/a> die ja in Japan einen Lehrauftrag hatte, erz\u00e4hlte noch, da\u00df sie dort mit ihren Studenten die &#8220;Verwandlung&#8221; gelesen hatte, die die Tragik, die der Text hatte, eben nicht verstanden haben.<\/p>\n<p>Und nochmals interessant, da\u00df Yoko Tawada so den Vorteil der Verwandlung, weil man dann nicht mehr zu arbeiten braucht, erw\u00e4hnte. Ist Japan doch, wie in dem Poschmann-Buch beschrieben wird, eine Kultur, wo sich sehr viele Leute umbringen, weil sie den Leistungsanforderungen, die an sie gestellt werden, nicht zu gen\u00fcgen glauben.<\/p>\n<p>Aber Yoko Tawada lebt ja schon sehr lange in Deutschland und hat dann auch einigen ihrer B\u00fccher vorgelesen und da war der erste Text der sich auf das Wort K bezog sehr spannend und lustig und Lydia Mischkulnig wies auf die Verwandlungen und Ver\u00e4nderungen hin, die in dem Text passierten, der vom Hundersten zum Tausensten sprang.<\/p>\n<p>Spannend sich auf die japanische Literatur und\u00a0 Kultur zu beziehen, die ich auch einmal so faszinierend fand, da\u00df ich zehn Tage dort herumgereist bin und Yoko Towada hat noch ein Kapitel aus ihrer Dissertation gelesen, die sich auf die &lt;puppensprache bezogen hat. Da ging es zwar um indoneische Schattenmarionetten, sie erkl\u00e4rte aber den Brauch in Japan, da\u00df es dort einen Tag der Puppenverbrennungen gibt, denn Puppen sind ja heilige Wesen, die kann man nicht so einfach in den Mist werfen, wie die Leichen in dem Selbstm\u00f6rderwald der Marion Poschmann, merke ich vorwitzig an, da gibt es einen Tag, wo sie mit einem Ritual verbrannt werden und als ich 1991 zehn Tage dort war, haben wir dort auch einen Schrein besucht, wo man kleine Stereoporpuppen kaufen und sie in einenK\u00fcbel schmei\u00dfen konnte, dort l\u00f6sten sie sich auf und die Schuldgef\u00fchle der abgetrieben habenden M\u00fctter waren weg.<\/p>\n<p>Ein\u00a0 interessanter Abend also, der in die japanische Kultur einf\u00fchrte und\u00a0 zu dem heurigenNobelpreistr\u00e4ger passt, wird den doch der 1954 in Nagasaki geborene Kazuo Ishiguro\u00a0 bekommen, der 1960 nach London kam und 1989 f\u00fcr seinen Weltbestseller <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/07\/08\/was-vom-tage-ubrigblieb\/\">&#8220;Was vom Tage \u00fcbrigblieb&#8221; <\/a>den &#8220;Booker-Preis&#8221; bekommen hat.<\/p>\n<p>Das Buch habe ich gelesen und es eher unauff\u00e4llig gefunden und auf meinem B\u00fccherstapel im Svhlafzimmer liegt seit einiger Zeit ganz oben &#8220;Der begrabene Riese&#8221;, ein Buch das vor zwei Jahren in den Blogs viel Beachtung fand und das ich mit acht anderen bei dem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/10\/18\/frankfurt-und-viele-buecher\/\">Gewinnspiel von Maria Giese<\/a> gewonnen habe, es mit zwei anderen aber noch lesen mu\u00df<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Text.Lupe hei\u00dft eine neue Reihe, die die vierte Veza Canetti-Preistr\u00e4gerin Lydia Mischkulnig in der &#8220;Alten Schmiede&#8221; veranstalten wird, zu der sie die Autoren von ihr ausgew\u00e4hlten B\u00fccher einladen und mit ihnen dar\u00fcber sprechen wird. 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