{"id":5545,"date":"2011-01-14T23:21:01","date_gmt":"2011-01-14T22:21:01","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=5545"},"modified":"2011-01-14T23:21:01","modified_gmt":"2011-01-14T22:21:01","slug":"5545","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=5545","title":{"rendered":"Lyrik in der Alten Schmiede"},"content":{"rendered":"<p>Die Lesung Ludwig Fels in der Alten Schmiede hat sich bei mir eingepr\u00e4gt, obwohl ich noch gar nicht so viel von dem Autor geh\u00f6rt oder gelesen habe. Ein Buch habe ich mir einmal im Abverkauf gekauft und eine Lesung vers\u00e4umt, die ich heute nachholen wollte. Dann kam ich darauf es gibt  noch vorher einen Lyrikblock ohne die Ank\u00fcndigung besonders zu studieren und am Vormittag wurde ich panisch, weil  wieder klinisches Fallseminar sein sollte und dann w\u00e4re ich mit meinem &#8220;Absturzgefahr&#8221;- Pensum nicht fertig geworden. Hingehen oder nicht, lautete  die Frage und als ich zu Mittag das AKH erreichte, kam mir die Stimmenh\u00f6rererin entgegen und sagte &#8220;Die Veranstaltung&#8221; f\u00e4llt aus, so da\u00df  ich \u00fcber den B\u00fccherschrank zur\u00fcckging, wo es einen der Shopaholic B\u00e4nde der Sophie Kinsella gab, den ich noch nicht hatte und ein Buch, das ein Deja vue Erlebnis bei mir ausl\u00f6ste, n\u00e4mlich die uralte Jugend und Volk Anthologie zur Arbeitswelt &#8220;5 Tage hat die Woche&#8221;, die ist im Jahr 1983 herausgekommen und 1982, das Buch gegen die geschlechtsspezifische Kindererziehung &#8220;M\u00e4dchen d\u00fcrfen pfeifen, Buben d\u00fcrfen weinen&#8221;, wo ich ja gewonnen hatte, so da\u00df ich &#8220;Die freundlichen Stimmen oder auf einen Anruf warten!&#8221;, hinschickte, die Lektorin wollte es nicht, hat es aber an den Wiener Frauenverlag weitergeschickt, wo der Text in &#8220;Arbeite Frau, die Freude kommt von selbst&#8221;, erschienen ist.<br \/>\nDie Jugend und Volk Anthologie hatte ich bis heute  nicht gesehen, viele bekannte Namen am Umschlag, die Arbeitswelt wird inzwischen h\u00f6chstwahrscheinlich ein wenig veraltet sein. Dann habe ich mich intensiv \u00fcber mein Manuskript gesetzt, so da\u00df ich es rechtzeitig zur ersten Veranstaltung in die Alte Schmiede schaffte und die war ein Gewinn, ging es doch um die Lyrikreihe &#8220;Poesiealbum&#8221; die von 1967 bis 1990 im DDR  Verlag &#8220;Neues Leben&#8221; herausgegeben wurde und seit 2007 im &#8220;M\u00e4rkischen Verlag&#8221; wiederaufgestanden ist.  Richard Pietrass, der jetzige und auch damalige Herausgeber war schon im Werkstattraum und hat sich mit Kurt Neumann eifrig unterhalten,  im Zeitschriftensaal lagen die Hefte auf, die mir  bekannt erschienen sind. Kurt Neumann begr\u00fc\u00dfte und sagte Richard Pietrass w\u00fcrde zum dritten Mal in der Alten Schmiede lesen. Das erste Mal war beim DDR Schwerpunkt im April 1979, damals hatte er erst eine Ver\u00f6ffentlichung, n\u00e4mlich sein 1974 herausgekommenes Poesiealbum. Danach im J\u00e4nner 1991 zum zweiten geplanten DDR Schwerpunkt, nur hat es zu diesem Zeitpunkt, die DDR nicht mehr gegeben, hatte die Veranstaltung doch eine lange Vorlaufzeit. Dann kam der sehr gespr\u00e4chige Autor, der auch klinischer Psychologie ist oder das studiert hat und erz\u00e4hlte, da\u00df die Reise 1979 nach Wien bzw.  \u00d6sterreich sein Leben sehr ver\u00e4ndert hat. Er hat danach zwei Wien Gedichte geschrieben, eines trug in der ersten Fassung den Titel &#8220;Gassi&#8221;, was den Ausgang aus der DDR hinaus bedeuten soll, das zweite hat die Zeilen &#8220;Mit Ring und Graben und L\u00e4den, die haben&#8221;, dann wurde er noch nach Salzburg eingeladen, wo ihn H.C. Artmann mit seinem  Fanpublikum erwartete, nach Innsbruck ging es auch, wo ihn die Berge sehr beeindruckten. Richard Pietrass war auch Lektor bei &#8220;Jugend und Welt&#8221; und die Reihe &#8220;Poesiealbum&#8221; wurde im Oktober  1967 zum f\u00fcnfzigsten Jahrestag der Oktoberrevolution von Bernd Jentzsch begr\u00fcndet, der allerdings in die Schweiz immigrierte, so da\u00df der B\u00fcchermensch und Lyrikkenner Richard Pietrass sein Nachfolger wurde, nach drei Jahren wurde er allerdings entlassen. Es entstanden bis 1990,  276 Hefte, sowohl Sowetautoren, als auch Klassiker und junge DDR-Dichter, eine ausgewogene Mischung von allem. In den zweiunddrei\u00dfig Seiten starken Heftchen gab es ein Portrait und  eine Grafik in der Mitte. Ein Monat nach der W\u00e4hrungsreform wurde die Reihe eingestellt, 2007 zuerst wieder mit Bernd Jentzsch vom M\u00e4rkischen Verlag wieder aufgenommen, inzwischen macht sie wieder Richard Pietrass. Das erste Heft war Bert Brecht gewidmet, das zweite der SU, dann kamen aber auch Goethe, Heine, Reiner Kunze, Volker Braun, Eva Strittmacher, die vor ein paar Wochen gestorben ist, etc dazu. In der neuen Reihe wurden Peter Huchel, Ezra Pound, Seamus Heany, Wolfgang Hilbig,  Thomas Rosenl\u00f6cher, Nelly Sachs, Christoph Meckel etc herausgegeben. F\u00fcnf \u00d6sterreicher wurden auch verlegt, n\u00e4mlich Ernst Jandl, Karl Kraus, Konrad Bayer, Christine Lavant und Theodor Kramer. Um das Christine Lavant Heft herauszugeben ist Richard Pietrass nach K\u00e4rnten gefahren und wurde entt\u00e4uscht, als das Musil Museum geschlossen war und &#8220;Wir freuen uns, Sie am 7. J\u00e4nner zu begr\u00fc\u00dfen!&#8221; an der T\u00fcr stand,  was er als zynisch erlebte. Er ist dann ins Lavanttal gefahren, wo ihn die freundlichen Nachbarn das Wohnhaus der Lavant zeigten und ihm sehr viel  erz\u00e4hlten. Es gab auch Tonbeispiele, n\u00e4mlich von der Lavant und von Seamus Heaney, der 1995 den Nobelpreis bekommen hat, wo Richard Pietrass es durchsetzte eine Einladung zu bekommen und als einer der wenigen im normalen Anzug an der Veranstaltung teilnahm. Die Stimme von Boris Pasternak, der seinen Nobelpreis nicht annehmen konnte, war auch zu h\u00f6ren,  dann noch Beispiele der DDR Autoren Christoph Meckel und Thomas Rosenl\u00f6cher, dessen &#8220;Dresdner Kunstauffassung&#8221;, habe ich allerdings schon von meinem lieben Psychologiekollegen Wolfram Huber, der von Dresden nach \u00d6sterreich gekommen ist, bekommen.<br \/>\nEine Reise in die Vergangenheit, zu der ich meine Beziehungen habe, gibt es in den Harlander B\u00fccherregalen doch mehrere der alten Aufbau Ausgaben und die DDR Jubelbrosch\u00fcren &#8220;Gesundheit&#8221;, &#8220;Kunst und Kultur&#8221; etc, die  immer auf den Volksstimmefesten zu finden waren, gibt es auch und  Ausgaben der Zeitschrift DDR-Revue oder so gibt es auch und zumindestens dort habe ich die Poesiealben gesehen, wenn ich nicht selbst ein paar davon habe. Vor allem aber hat Richard  Pietrass eine sehr unkonventionelle Art zu erz\u00e4hlen, dann ging es in den Keller  zur Pr\u00e4sentation des bei Jung und Jung erschienenen Gedichtbands &#8220;Egal wo das Ende der Welt liegt&#8221;, des ebenfalls 1946 geborenen Ludwig Fels. Kurt Neumann hat wieder eingeleitet und die Texte sehr gelobt. Ludwig Fels sei einer, der das Unrecht der Welt anklagt und sich nicht scheut, Herz auf Schmerz zu reimen, es aber auf eine vollkommene Art und Weise tut und empfahl drei Hauptst\u00fccke aus dem Band. Dann kam der Autor und las zur Einleitung einen Prosatext aus der Festschrift zehn Jahre &#8220;Jung und Jung&#8221;. &#8220;\u00dcber die Sch\u00f6nheit&#8221;, die schon sehr poetisch war. Die nachfolgenden Gedichte handelten, wie beschrieben von der Liebe, vom Leben und von der Flucht mit einem Boot in eine bessere Welt und dem Sterben im Meer, w\u00e4hrend wir nur Gesetze erfinden, um diese Fluchten zu verhindern. Geballte Poesie, die noch weiter geht, gibt es in \u00d61 doch gerade eine dreist\u00fcndige Jazznacht zum Thema Ernst Jandl und morgen geht es im Wien Museum mit einem Fest f\u00fcr ihn weiter, \u00fcber das ich  noch berichten werde. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Lesung Ludwig Fels in der Alten Schmiede hat sich bei mir eingepr\u00e4gt, obwohl ich noch gar nicht so viel von dem Autor geh\u00f6rt oder gelesen habe. 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