{"id":5554,"date":"2011-01-16T01:43:54","date_gmt":"2011-01-16T00:43:54","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=5554"},"modified":"2011-01-16T01:43:54","modified_gmt":"2011-01-16T00:43:54","slug":"ein-fest-fur-ernst-jandl","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=5554","title":{"rendered":"Ein Fest f\u00fcr Ernst Jandl"},"content":{"rendered":"<p>Gabs am Samstag im Wien Museum im Rahmen der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/11\/03\/michelangelo-und-ernst-jandl-show\/\">Ernst Jandl Ausstellung<\/a> ab sechzehn Uhr und im Radio wieder eine Jazznacht mit der Jandlschen Plattensammlung, die sich, wie ich gerade h\u00f6rte, im Literaturarchiv befindet. Ernst Jandl hatte ja im Jahr 2010 den 85. Geburtstag und 10 Todestag, deshalb die Ausstellung. Warum dieses Wochenende das Fest gefeiert wurde und im Radio soviel Jandln\u00e4chte zu h\u00f6ren sind, wei\u00df ich nicht, es war aber interessant in der Kombination mit den beiden <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/01\/11\/lisa-spalt-und-elfriede-czurda\/\">Alte Schmiede Abenden<\/a>, bei denen ich diese Woche war und ich habe auch   viele Bekannte getroffen. Zuerst gabs Lesungen von sechs experimentellen Lyrikern, die ihre und Jandls Texte zur Geltung brachten.<br \/>\nDer 1965 geborene Semier Insaif hat begonnen und  Gedichte vorgetragen, die sp\u00e4ter noch zu h\u00f6ren, bzw. auch in der Ausstellung zu finden waren. Das vom Faulseinsein beispielsweise &#8220;ein faulsein ist nicht lesen ein buch, ist nicht lesen keine Zeitung, ist \u00fcberhaupt nicht kein lesen&#8230;.&#8221;, das in unserer derzeitigen Bildungsdebatte ja eine besondere Bedeutung bekommt, das Gedicht vom &#8220;Sch\u00fctzengraben&#8221; und das vom &#8220;Mund&#8221;, wo man schon einen gewissen Einblick in die Lyrik Jandls bekam. Die Priessnitzpreistr\u00e4gerin von 2007 Ann Cotten folgte und \u00fcberraschte, da\u00df sie ausgerechnet die  kleinen biligen DDR-Poesiealben, die ich  erst in der<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/01\/14\/5545\/\"> Hand hatte<\/a>, erw\u00e4hnte und Texte aus dem Ernst Jandl gewidmeten Heft 278 las. Sie erw\u00e4hnte auch, was ich nicht, wu\u00dfte, da\u00df das Heft erst deshalb in der DDR Nachfolgezeit erscheinen konnte, weil sich die DDR geweigert hat, Jandl zu drucken, dann folgte Ferdinand Schmatz, der der letzte Ernst Jandl Preistr\u00e4ger ist.<br \/>\nIn der Pause kam ich mit Christel Fallenstein ins Gespr\u00e4ch, die mich einigen Leuten vorstellte, darunter dem Herrn, den ich einen Text f\u00fcr die Zeitschrift Landstrich schicken soll und mir einen russischen Dichter zeigte. Friederike Mayr\u00f6cker erschien, den zweiten Lesungsteil begann Brigitta Falkner, die Jandls Texte an die Wand projizierte und dabei das Inserat zeigte, in dem der Dichter und Lehrer eine ruhige private Zweitwohnung suchte, dann kamen noch Texte aus ihrem &#8220;Prinzip I&#8221;.<br \/>\nBodo Hell  las einen Jandl Prosatext der in Rohrmoos, dem langj\u00e4hrigen Sommerfrischenort von Ernst Jandl und Friederike Mayr\u00f6cker  entstanden ist und erz\u00e4hlte, da\u00df er vor kurzem dort gewesen ist um sich das Haus anzuschauen. Friederike Mayr\u00f6cker las drei Jandl Gedichte und Texte aus &#8220;Dem Vogel Greif&#8221;. Christel Fallenstein hat mir die Texte inzwischen geschickt, so da\u00df ich ein bi\u00dfchen zitieren kann.<br \/>\nDa war z.B. &#8220;das hundelvieh&#8221;, das Friederike Mayr\u00f6cker gewidmet ist.<br \/>\n&#8220;gar traurig geht das hundelvieh, auf einer zeh und einem knie, verloren leckt das hundelvieh, am roten fleck der masturbie&#8230;&#8221;<br \/>\nNachher wurde die Dichterin mit Autogrammw\u00fcnschen best\u00fcrmt, da ich in der N\u00e4he sa\u00df konnte ich sehen, da\u00df einige Leute gleich zehn Fotografien oder mehr signieren lie\u00dfen und der russische Dichter \u00fcbergab ein Buch.<br \/>\nIn dieser Pause ging ich nochmals durch die Ausstellung, nachher  gabs den Film von Peter Whitehead von dem legend\u00e4ren Poetry Festival 1965 in der Royal Albert Hall  mit Allen Ginsberg, wo Ernst Jandl mit seinen Lautgedichten &#8220;Am Anfang war das Wort&#8221;, &#8220;Sch\u00fctzengraben&#8221; und &#8220;Ode an N&#8221;, das Publikum \u00fcberzeugte und in England sozusagen \u00fcber Nacht zum Popstar wurde. Er hat sich mit Allen Ginsberg befreundet und einem Freund geschrieben, da\u00df er wieder nach Wien, als Lehrer zur\u00fcckm\u00fc\u00dfe, weil man vom Dichten nicht leben kann, aber in Wien ist leider so gar nichts los&#8230;.<br \/>\nDanach kam eine audiovisuelle Performance, wo aus Stempelzeichnungen Ernst Jandls und seiner Stimme  &#8220;viele k\u00f6pfe aber auch Os&#8221; durcheinandergeworfen wurden. Das hat aber leider erst angefangen, als schon  der Poetry Slam mit Mieze Medusa und friends beginnen sollte und das war auch sehr lang. Mieze Medusa konnte sechs Personen einladen und hat  Markus K\u00f6hle, Yasmin Hafdeh, Christian Reiner, <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/10\/07\/augustin-schreibwerkstatt\/\">Didi Sommer<\/a>, J\u00f6rg Semmler und Tobi Kunze ausgew\u00e4hlt, die sowohl ihre, als auch Jandls Texte in zwei Durchg\u00e4ngen jeweils Minuten slamten. Es gab eine Jury, die Tafeln zwischen 1 und 5 hochhielten und sogar Preise f\u00fcr die Sieger. Tobi Kunze und Yasmin Hafdeh haben gewonnen, den Text \u00fcber die Ziele der zwanzigj\u00e4hrigen Yasmin Hafdeh &#8220;Mein Weg f\u00fchrt nicht nach Rom&#8221;, den sie nach Jandls &#8220;Viele Wege&#8221; slamte, war sehr beeidruckend, weil er die ganze Ausweglosigikeit und auch das Selbstbewu\u00dftsein der prek\u00e4ren Studenten von heute zeigte.<br \/>\n&#8220;Nach links, nach rechts abbiegen und w\u00e4hlen Sie Ihre Ziel neue, Sie haben Ihr Ziel verfehlt, warum hat sich Thomas Bernhard wiederholt und warum ist das Studium der Theaterwissenschaft so theoretisch, aber ich gehe meinen eigenen Weg, ein Nobelpreis ist sicher auch dabei, ob ich mich \u00fcber den dann freuen kann&#8230;?&#8221;<br \/>\nDidi Sommer habe ich schon von der Augustin Schreibwerkstatt gekannt, er begann mit Jandls Gedicht \u00fcber seinen Vater, der im Krieg geschossen hat und gefallen ist und lenkte dann zu seinem Opa \u00fcber, der nach dem Krieg, die Oma heiratete und schlie\u00dflich an Krebs starb. Nur der Witz, da\u00df die Oma in die Oper, der Opa aber in die Oma will, hat mir nicht so gut gefallen, aber den hat, glaube ich, ein anderer vorgetragen.<br \/>\nNachher war ich sehr m\u00fcde und ersch\u00f6pft und habe beim Nachhausegehen wieder einmal niedergeschlagen &#8220;Ich schaffe es nicht, ich schaffe es nicht!&#8221;, vor mich hingedacht, als auf einmal Ann Cotten die Quergasse hinuntergekommen ist, die Stra\u00dfe \u00fcberquerte, umdrehte  und mich ansprach, ob ich traurig w\u00e4re?<br \/>\nAllerhand habe ich gedacht, sie mu\u00df sehr sensibel sein, da\u00df sie das bemerkt. Durch ihre originellen Kommentare und trockenen Bemerkungen ist sie mir aber schon fr\u00fcher aufgefallen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gabs am Samstag im Wien Museum im Rahmen der Ernst Jandl Ausstellung ab sechzehn Uhr und im Radio wieder eine Jazznacht mit der Jandlschen Plattensammlung, die sich, wie ich gerade h\u00f6rte, im Literaturarchiv befindet. 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