{"id":55544,"date":"2017-10-22T00:47:15","date_gmt":"2017-10-21T22:47:15","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=55544"},"modified":"2017-10-22T00:47:15","modified_gmt":"2017-10-21T22:47:15","slug":"val-die-non","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=55544","title":{"rendered":"Val di Non"},"content":{"rendered":"<p>Die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/10\/15\/der-buchpreis-und-tendenzen-der-oesterreichischen-gegenwartsliteratur\/\">\u00f6sterreichische Literatur<\/a> hat den Ruf sehr experimentell zu sein und wenn man, wie ich regelm\u00e4\u00dfig in die &#8220;Alte Schmiede&#8221; geht und vielleicht auch&#8221;Manuskripte&#8221; und &#8220;Kolik&#8221; liest, kommt auch, als realistisch schreibende Autorin, nicht um sie herum.<\/p>\n<p>Ich l\u00e4stere manchmal dar\u00fcber, la\u00dfe mich aber, glaube ich,\u00a0 gern verf\u00fchren und hinein- oder hin\u00fcberziehen und das Interessante am<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/09\/05\/die-oesterreichische-lange-liste\/\"> \u00f6sterreichischen Buchpreis<\/a> ist, glaube ich, im Gegensatz zum <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/08\/15\/vier-und-zwei-aus-zwanzig\/\">deutschen<\/a>, der sich ja auf den Roman beschr\u00e4nkt (und da sehr oft und sehr viel von den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/08\/31\/lichter-als-der-tag\/\">sprachgewaltigen <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/08\/26\/kraft\/\">M\u00e4nnern <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/09\/26\/romeo-oder-julia\/\">in der<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/09\/15\/das-singen-der-sirenen\/\">Midlifekrise<\/a> auf ihren Listen hat), da\u00df er sich auch mit der experimentellen Literatur besch\u00e4ftigt\u00a0 und bisher immer ein oder zwei\u00a0 dieser &#8220;Minderheitenb\u00fccher&#8221; nominierte\u00a0 und so machte ich im vorigen Jahr in <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/10\/21\/die-auswandernden\/\">Peter Waterhouse &#8220;Auswandernden&#8221;<\/a> einem wirklich sch\u00f6nen und auch graphisch gestalteten Buch, eine\u00a0 Entdeckung , die sonst wahrscheinlich an mir vorbeigegangen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Bei Oswald Egger, dem zweiten Experimentellen auf der heurigen Liste, ist das nicht ganz so, denn der 1963 geborenen S\u00fcdtiroler, war mir nicht\u00a0 unbekannt.<\/p>\n<p>Bin ich doch 2003 auf ihn gesto\u00dfen, als er in Neuberg an der M\u00fcrz beim &#8220;Ernst Jandl-Preis&#8221; las und in der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/06\/29\/letztes-mal-parterresaal\/\">&#8220;Alten Schmiede&#8221;<\/a> habe ich ihn geh\u00f6rt, als er dort,\u00a0 &#8220;Die ganze Zeit&#8221; vorstellte und im Vorjahr im<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/04\/26\/preis-der-literaturhaeuser\/\"> Literaturhaus<\/a>, als er den damailigen Preistr\u00e4ger der Literaturh\u00e4user Ulf Stolterfoht bei seiner Tour durch diese, vorstellte.<\/p>\n<p>Jetzt ist er auf der Longlist des \u00f6st Bp und &#8220;Val di non&#8221;, eine Mischung zwischen Prosa und gedichtartigen Texten mit vielen Zeichnungen ist ein wahrlich sch\u00f6nes Bilderbuch.<\/p>\n<p>Ich habe es als PDF gelesen, was den Lesegenu\u00df wahrscheinlich\u00a0 erschwerte, ist es doch ohnehin nicht leicht, sich in die Bild- und Sprachwelt Oswald Eggers einzulassen und das Ganze dann noch auf einer Seite in eigene Worte zu fassen.<\/p>\n<p>&#8220;In Oswald Eggers Val di Non wird man fabelhaft wandern oder einfach nur spazieren gehen&#8221;, schreibt &#8220;<a href=\"http:\/\/www.suhrkamp.de\/buecher\/val_di_non-oswald_egger_42582.html\">Suhrkamp&#8221; in seinem Klappentext<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/oswald-egger-val-di-non-die-weltschoepfung-beginnt-jeden-tag-von-vorne-ld.1300055\">Paul Jandl, der in der Z\u00fcrcher Zeitung&#8221; eine Rezension<\/a> geschrieben hat und ein Egger Spezialist zu sein scheint, meint: &#8220;Val di non ist ein raffiniertes Verneinungsbuch, ein topographischen Experminent mit dem Sehen. Beim Durchwandern einer Landschaft zieht es uns in die Gesteinsmassive der W\u00f6rter und in eine\u00a0 literarischeBotanik, die wirklicher sein kann und detailgetreuer, als die Wirklichkeit selbst.<\/p>\n<p>Es ist das S\u00fctdtiroler Nontal bei Lana, das im Buch durchstreift wird und das in einem Akt des Durchstreifens und der schreibenden Neusch\u00f6pfung zu irrealer Gr\u00f6\u00dfe w\u00e4chst.&#8221;<\/p>\n<p>Das ist sehr wortgewaltig ausdr\u00fcckt. Wenn man in das Buch hineinsieht, kommt man zuerst zu einem Zitat: &#8220;Ich singe, also bin ich, singe ich&#8221;, dann zu einer Geschichte von einer zweik\u00f6pfigen und f\u00fcnff\u00fc\u00dfigen Eidechse, die auf der Aaler Alm elf Monate gelebt hat.<\/p>\n<p>Das ist ein halbseitiger Prosatext, der\u00a0 von einer Zeichnung, dem &#8220;Nonstaler St\u00f6rungsb\u00fcndel&#8221; abegel\u00f6st wird.<\/p>\n<p>So geht es durch die zweihundert Seiten.<\/p>\n<p>Es kommt ein Prosatext, der sich oft, nicht immer, auf das Nontal beieht &#8220;Die Bergformen sind hier schiere, und wellig geschwungen mit einzelnen gr\u00f6\u00dferen Kuppeln&#8221;, beispielsweise.<\/p>\n<p>Es kommen aber auch Pinien und L\u00f6wen vor, die die Realistin in mir, nicht im Nonntal zu finden glaubt und immer wird\u00a0 es abgel\u00f6st von einem kurzen gedichtartigen Text, der sich oft mit der Tierwelt besch\u00e4ftigt, mit dem Nonntal noch weniger zu tun hat und \u00f6fter f\u00fcr mich\u00a0 nicht nachzuvollziehen war:<\/p>\n<p>&#8220;Wie ein Hengst<\/p>\n<p>der ein Elsternherz<\/p>\n<p>verzehrt hat<\/p>\n<p>mich ver\u00e4ngstigt!&#8221;\u00a0 oder<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8220;Da\u00df Bienen, die<\/p>\n<p>der Frost oft<\/p>\n<p>herabfallen lie\u00df<\/p>\n<p>Drohnen sind, stimmt?<\/p>\n<p>Die von kleinen oder auch gr\u00f6\u00dferen meistens kopf\u00fc\u00dferartigen Zeichnungen umgeben oder gefolgt\u00a0 werden, die \u00f6fter auch eine ganze Seite ausmachen, bis dann wieder ein Landschaftstext in einer einer sehr komplizierten Sprache mit vielen Wortsch\u00f6fungen, die das Lesen nicht sehr einfach machen, folgt.<\/p>\n<p>Einer<a href=\"https:\/\/book-up-your-life.blogspot.co.at\/2017\/08\/val-di-non-von-oswald-egger.html\"> Bloggerin<\/a>,\u00a0 eine Germanistikstudentin, die das Buch zu meinem Erstaunen, auch schon besprochen hat, hat diese Textform wie sie schreibt &#8220;zunehmend verwirrend und anstrengend&#8221;, gefunden.<\/p>\n<p>Da bin ich schon abgebr\u00fchter , habe mich aber auch eher rasch durch das Buch gebl\u00e4ttert,\u00a0 damit ein paar sch\u00f6ne Stunden verbracht und mich vielleicht nicht richtig in den Text eingelassen.<\/p>\n<p>Ich habe das Lesen trotzdem geno\u00dfen, vielleicht nicht mit derselben Begeisterung, wie bei Peter Waterhouses Buch.<\/p>\n<p>Dazu waren mir die Texte wohl zu abstrakt und zu verschieden in ihrer Sprachform. Wenn man aber ein paar Stunden in eine sch\u00f6ne Sprach- und Zeichenwelt hineinkippen will, vielleicht auch, um sich von der Alltagsrealistik, die\u00a0 einen umgibt, zu erholen,\u00a0 ist das wirklich sch\u00f6ne Longlistenbilderbuch zu empfehlen.<\/p>\n<p>Da das zweite Experiment auf der Liste nicht zu mir gekommen ist und ich nur die Ausstellung von Brigitte Falkners &#8220;Strategien zur Wirtsfindung&#8221; im Literaturhaus gesehen habe, kann ich die beiden B\u00fccher nicht vergleichen, glaube aber fast, da\u00df ich mir eher Oswald Egger auf die Shortlist gew\u00fcnscht h\u00e4tte und bin gespannt, was ich von Oswald Egger noch lesen oder h\u00f6ren werde.<\/p>\n<p>Einen kleinen Einblick in das Buch gibt es auch<a href=\"http:\/\/www.suhrkamp.de\/mediathek\/oswald_egger_val_di_non_bookshot_1325.html\"> hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u00f6sterreichische Literatur hat den Ruf sehr experimentell zu sein und wenn man, wie ich regelm\u00e4\u00dfig in die &#8220;Alte Schmiede&#8221; geht und vielleicht auch&#8221;Manuskripte&#8221; und &#8220;Kolik&#8221; liest, kommt auch, als realistisch schreibende Autorin, nicht um sie herum. 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