{"id":55759,"date":"2017-10-20T23:18:58","date_gmt":"2017-10-20T21:18:58","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=55759"},"modified":"2017-10-20T23:18:58","modified_gmt":"2017-10-20T21:18:58","slug":"babylonisches-niemandsland","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=55759","title":{"rendered":"Babylonisches Niemandsland"},"content":{"rendered":"<p>Bei den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/10\/19\/short-list-debut-lesung\/\">\u00f6sterreichischen Debuts<\/a> stehen zwei Migrantinnen auf der Liste und vor zwei Wochen war ich im Literaturhaus bei einer Veranstaltung der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/10\/06\/gespraeche-mit-zugewanderten-schriftstellern\/\">&#8220;Edition Exil&#8221; wo es \u00fcber das Schreiben zwischen den Kulturen beziehungsweise um Gespr\u00e4che mit zugewanderten Schriftsteller gegangen ist<\/a>.<\/p>\n<p>Dieses Thema scheint in Zeiten wie diesen, mit den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/03\/16\/literaturfluchten\/\">Fl\u00fcchtlingskrisen<\/a> und dem Aufchwung der rechten Parteien modern zu sein, beziehungsweise scheint es einige Arbeitskreise zu geben, wo sich Leute mit nicht deutscher Muttersprache treffen, um in Deutsch zu schreiben und im Amerlinghaus scheint es au\u00dfer der &#8220;Editon Exil&#8221; auch\u00a0 noch ein &#8220;Literarisches Kollektiv in der Zweitsprache&#8221; zu geben, das Tomer Gardi, den 1974 in einem Kibbuz geborenen israelischen Schriftsteller, der 2016 mit seinem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/06\/05\/broken-german\/\">&#8220;Broken German&#8221;<\/a> in <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/07\/03\/der-vierzigste-bachmannpreis\/\">Klagenfurt<\/a> Aufsehen erregte, eingeladen hat und heute unter dem Titel &#8220;Im Niemandsland. \u00dcber das Baylonische in der Literatur&#8221; in der Hauptb\u00fccherein, die wahrscheinlich auch ein sehr migrantisches Publikum hat, eine Lesung mit einer Diskussion veranstaltete.<\/p>\n<p>Eine junge Frau leitete ein und moderierte, stellte aber die anderen Mitglieder des Kollektivs h\u00f6chstens mit dem Vornamen vor und die Lesenden waren auch nicht im Programm angek\u00fcndigt.<\/p>\n<p>Es scheinen aber\u00a0 professionelle Schriftsteller zu sein, die irgendwann nach Wien gekommen sind und dann in Deutsch zu schreiben angefangen haben. So hat ein Ungar namens Zoltan, der Gesichte gelesen hat, erz\u00e4hlt, da\u00df er schon drei B\u00fccher in Ungarn ver\u00f6ffentlicht h\u00e4tte und Rubia Salgados Namen habe ich mir aufgeschrieben, weil sie eines ihrer B\u00fccher aufgelegt hatte.<\/p>\n<p>Sie scheint aus Bralilien zu kommen und in Linz zu leben. Dann war noch ein Argentinier am Podum und ein Rum\u00e4ne, der seine Gedichte im Stehen gelesen hat und auch ein bi\u00dfchen, was zum Schreibprozess erz\u00e4hlte. N\u00e4mlich, da\u00df er in Bukarest Deutsch und in Wien Rum\u00e4nisch schreiben w\u00fcrde und auch Schwierigkeiten hatte, sich der deutschen Sprache anhzun\u00e4hern.<\/p>\n<p>Tomer Gardi begann mit der Lesung und las das erste Kapitel aus\u00a0 &#8220;Broken German&#8221; und als er beim Bachmannpreis gelesen hat, haben mich die Kriterien der Teilnahme auch sehr\u00a0 besch\u00e4ftigt, denn ich dachte bei den &#8220;Tagen der deutschsprachigen Literatur&#8221; mu\u00df man entweder in einem deutschsprachigen Land geboren sein oder dort leben.<\/p>\n<p>Tomer Gardi lebt aber in Israel, inzwischen habe ich aber ergooglet und er hat es auch nach seiner Lesung heute erz\u00e4hlt, da\u00df er als Kind einige Jahre in Wien gelebt hat. Dort allerdings eine amerikanische schule\u00a0 besuchte. Er hat dann auch in Berlin gelebt und offensichtlich auch in Graz. Dort war er wahrscheinlich Stipendiat oder Stadtschreiber, so da\u00df ihm Klaus Kastberger, der jetzt ja Professor und Literaturhausleiter dort ist, ihn nach Klagenfurt eingeleaden hat und &#8220;Broken German&#8221; ist bei &#8220;Droschl&#8221; erschienen.<\/p>\n<p>Jetzt verstehe ich die Intention des Buches, die deutsche Sprache aufzusplittern, ein Tomer Deutsch, wie Tomer Gardi nach der Frage nach dem Lektorat, beantwortete, etwas besser und die Sprache ver\u00e4ndert sich ja auch sehr.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher war das Deutsch sehr durch das Franz\u00f6sische gep\u00e4gt. Jetzt reden wir halb oder sogar schon zu dreiviertel Englisch und die Migranten ver\u00e4ndert auch das Deutsch oder es ver\u00e4ndert sich ihre Muttersprache. So hat Ilir Ferra ja einmal erz\u00e4hlt, da\u00df er gar nicht mehr alle albanischen W\u00f6rter kenne und inzwischen vielleicht ein etwas antiquiertes Albanisch spricht und so ist vielleicht auch der Titel der Veranstaltung, die babylonische Sprachverwirrung und das Niemandsland in dem man sich neu orientieren\u00a0 und sich vielleicht auch f\u00fcr eine neue Schreibsprache entscheiden mu\u00df, zu verstehen.<\/p>\n<p>Es gab dann auch eine Diskussion mit Fragen aus dem Publkum. Eine Dame erw\u00e4hnte die Wiener Gruppe und fragte nach dem Einflu\u00df von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/10\/06\/sprachenkuenstler-jandl\/\">Ernst Jandl<\/a>, beziehungsweise meinte sie, da\u00df die Leute mit nichtdeutscher Muttersprache ja auch sprachlich experimentiefren w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Eine andere Frage war, ob man dann nicht versuchen w\u00fcrde, besser Deutsch als die Einheimischen zu sprechen? Da gab es ja in <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/10\/15\/von-frankfurt\/\">Frankfurt<\/a> auch ein Buch einer Polin &#8220;Wir Mustermigranten&#8221; zu diesem Thema.<\/p>\n<p>Die Moderatorin verneinte das zwar sehr entschieden und meinte, sie w\u00fcrde gerne <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/11\/03\/michelangelo-und-ernst-jandl-show\/\">Jandl<\/a> lesen. Ich glaube aber schon, da\u00df ein solcher Sprachdruck da sein kann,\u00a0 keine Fehler zu machen und habe, obwohl ich ja muttersprachlich schreibe, auch das Problem, ob man <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/08\/19\/rechtschreibregeln\/\">Fehler<\/a> machen darf?<\/p>\n<p>Ja denke ich immer wieder, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/07\/23\/unverstaendlich-schreiben\/\">sto\u00dfe<\/a> dann aber an die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/02\/19\/schlecht-schreiben\/\">Grenzen der Akzeptanz<\/a> und interessiere mich daher auch sehr daf\u00fcr, wie sich\u00a0 Sprache im Laufe der Zeit ver\u00e4ndert und ich interessiere mich ja auch jenseits des Tellerandes f\u00fcr alle Arten von Literatur und so war das babylonische Niemandsland sehr interessant und &#8220;Broken German&#8221; ist auch ein spannendes Buch und ich denke man sollte \u00fcberhaupt lockerer und toleranter mit der Sprache und dem Schreiben umgehen und habe wieder sehr viel Neues f\u00fcr mich gelernt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei den \u00f6sterreichischen Debuts stehen zwei Migrantinnen auf der Liste und vor zwei Wochen war ich im Literaturhaus bei einer Veranstaltung der &#8220;Edition Exil&#8221; wo es \u00fcber das Schreiben zwischen den Kulturen beziehungsweise um Gespr\u00e4che mit zugewanderten Schriftsteller gegangen ist. &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=55759\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19],"tags":[930,2522,5112,5494],"class_list":["post-55759","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-veranstaltungen","tag-broken-german","tag-haptbuecherei","tag-schreiben-mit-nicht-deutscher-muttersprache","tag-sprachveraenderungen"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/55759","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=55759"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/55759\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=55759"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=55759"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=55759"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}