{"id":5607,"date":"2011-01-22T23:55:27","date_gmt":"2011-01-22T22:55:27","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=5607"},"modified":"2011-01-22T23:55:27","modified_gmt":"2011-01-22T22:55:27","slug":"die-praxis-des-schreibens","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=5607","title":{"rendered":"Die Praxis des Schreibens"},"content":{"rendered":"<p>Das Literaturhaus hat seit Herbst eine Zusammenarbeitungsschiene mit dem Institur f\u00fcr Sprachkunst, so gabs bis jetzt <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/12\/16\/die-liebe-das-gluck-die-blodheit\/\">Lesungen<\/a> drei bekannter Autoren, am  28. J\u00e4nner sind Texte der Studenten zu h\u00f6ren und jetzt das Symposium &#8220;Die Praxis des Schreibens&#8221;, mit dem das Institut offenbar in die \u00d6ffentlichkeit geht und von seiner Arbeit berichtet.<br \/>\nIch habe zwar den Zweck der Zusammenarbeit nicht so recht verstanden, wenn sich aber das Institut in seine Karte schauen l\u00e4\u00dft und man im Literaturhaus ein bi\u00dfchen mitschnuppen kann, wie das Schreibenlernen passiert, s\u00f6hnt es mich mit den Aufnahmebedingungen, von dreihundert, vierhundert oder wieviel auch immer Bewerbern werden f\u00fcnfzehn ausgew\u00e4hlt, ein wenig aus und das Literaturhaus war auch immer sehr voll.<br \/>\nGestern gings in das &#8220;Handwerk des Schreibens&#8221; und so berichteten im ersten Block  Olga Flor, Josef Haslinger und Katrin Zimmermann, wie sich Prosa zwischen Laissez Faire und Formalisierung lehren l\u00e4\u00dft. Da\u00df ein solches Unterfangen im deutschen Sprachraum immer noch mit den Vorurteilen des sogenannten Genieparagraphen zu k\u00e4mpfen hat, hat Robert Schindel schon in seiner <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/01\/21\/verpatzte-werbefahrt-symposiumeroffnung-dorothee-elmiger\/\">Er\u00f6ffnungsrede <\/a>oder im Kulturjournal- Interview erl\u00e4utert, es war auch in den Pausengespr\u00e4chen immer wieder das Thema.<br \/>\nAber nat\u00fcrlich mu\u00df man das Schreiben lernen und der, der es betreibt, hat das auch einmal. Josef Haslinger, wie er sagte in der Redaktion der Zeitschrift &#8220;Wespennest&#8221;, sein Mentor war Gustav Ernst, obwohl sich der damals vielleicht nicht so nannnte und sich nicht als solcher sah.<br \/>\nIn den Schreibschulen wird es so genannt und auch ausprobiert, ob das in der Gruppe oder einzeln geschehen soll und nat\u00fcrlich mu\u00df man  f\u00fcr seine Arbeit irgendeine Form der Benotung bekommen, weil das das Hochschulsystem so verlangt und es ist auch hart, wenn die Kollegen \u00fcber die Texte herfallen und sie zerlegen, wenn das in einer konstruktiven Art und Weise passiert, l\u00e4\u00dft sich aber daraus lernen und manchmal passiert es in Leipzig auch, in Wien wird man noch nicht so weit sein, wie Josef Haslinger erz\u00e4hlte, da\u00df der Markt die Studenten, wie das bei Sasa Stanisic mit seinem Roman &#8220;Wie der Soldat das Grammafon reparierte&#8221; passierte, vom Institut wegholt, der dann mit seinen Lesereisen etc so besch\u00e4ftigt ist, da\u00df er das Studium nicht mehr fertig machen kann. Im Allgemeinen werden die Studenten aber davor gewarnt mit ihren Texten zu fr\u00fch an die \u00d6ffentlichkeit zu gehen und, da\u00df sehr viele, die in Leipzig studieren, sp\u00e4ter beim Bachmannpreis lesen, ist bekannt und war im Publikum auch zu sehen. Eine sehr interessante Diskussion, in die ich Einiges einbringen h\u00e4tte k\u00f6nnen, w\u00e4hrend ich beim zweiten Block &#8220;Figuren im Raum&#8221;,  unbeleckter war, schreibe ich ja nicht dramatisch, obwohl ich vor Jahren einmal bei einem Symposium der IG Autoren \u00fcber das Szenische Schreiben war. Gustav Ernst, der ja schon viele St\u00fccke hat, hat moderiert und zwei interessante dramatische Schreiber vorgestellt. Den Engl\u00e4nder David Spencer, der im Schauspielhaus , am Burgtheater, in Hamburg und in Berlin szenisches Schreiben unterrichtet und Ewald Palmetshofer, 1978 geboren, der Hausautor am Schauspielhaus war, dort einige St\u00fccke erarbeitet und herausgebracht hat. von &#8220;tier. man wird doch bitte unterschicht&#8221;, habe ich vor kurzem erst im Radio etwas geh\u00f6rt.  Am Nachmittag ging es mit der Lyrik weiter. &#8220;Stimmen finden&#8221; hat der Block gehei\u00dfen. Robert Schindel hat mit Evelyn Schlag, <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/03\/16\/zum-tag-der-lyrik-2010\/\">Barbara Hundegger <\/a>und Dagmar Leupold diskutiert und wollte etwas dar\u00fcber wissen, wie der Lyriker zu seiner  eigenen Stimme finden kann. Die Diskussion war heftig, denn es schreiben, wie ich wieder h\u00f6ren konnte, inzwischen mehr Leute Gedichte, als gelesen werden. So sind die Auflagen skandal\u00f6s klein und Gedichte werden wohl auch deshalb so oft geschrieben, weil man glaubt, das geht leicht, da brauche ich nur ein paar Zeilen, breche die S\u00e4tze ab und schon bin ich ber\u00fchmt. Barbara Hundegger, die von vielen, als eine der bedeutensten \u00f6sterreichischen Gegenwartslyrikerinnen bezeichnet wird, hatte da viele strenge Einw\u00e4nde, beklagte die schlechte Sprache, &#8220;da beherrschen dreifache Doktoren die Grammatik nicht richtig&#8221; und riet zur Lekt\u00fcre von W\u00f6rterb\u00fcchern. Einw\u00e4nde aus dem Publikum, die vielleicht zu nah an das therapeutische Schreiben kamen, wurden zur\u00fcckgewiesen, das Gedicht mu\u00df nicht mir, sondern den anderen etwas geben, was wieder schwierig ist, wenn die Leute sie nicht lesen&#8230;.<br \/>\nIch habe da ja eine etwas weniger rigide Meinung und rate auch zum Schreiben, wenn  die Grammatik nicht hundert Prozent stimmt. Allerdings lese ich Gedichte, schreibe aber keine und geh\u00f6re wohl zu den wenigen Autoren, die nicht mit Gedichten angefangen haben, sondern eigentlich immer Romane schreiben wollten. Das narrative Schreiben ist aber auch nicht so anerkannt, obwohl es das ist, was die B\u00fccherblogger lesen und die gro\u00dfen Auflagen bringt und da habe ich noch Josef Haslinger vergessen, der von Vampirromanen sprach und davon, das Leipzig das Schreiben solcher nicht anbietet, obwohl die Leute, die sich dort bewerben, sie offenbar das schreiben, wobei ich  auf mein <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/05\/24\/kurzer-blick-aufs-neue-buch\/\">&#8220;Nanowrimonovel&#8221; <\/a>hinweisen kann, denn das gibt es ja eine Studentin des Hochschullehrgangs f\u00fcr Sprachkunst, die einen Fantasywettbewerb gewonnen hat. Es ging aber mit den transmedialen Formen der Literatur weiter, bei der man die Grammatik auch nicht so  braucht. Diskutierte Michael Lentz ja mit <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/11\/29\/erich-fried-preis-09\/\">Michaela Falkner<\/a> und Ide Hintze und die eine macht ihre Manifeste, geht in Museen, l\u00e4\u00dft sich dort erschie\u00dfen und liegt dann drei Tage lang in ihrem Kunstblut am Boden, w\u00e4hrend Ide Hintze vom Filmen und den Zettelk\u00e4sten hergekommen ist, die Schule f\u00fcr Dichtung gegr\u00fcndet hat und die Poesie auch auf eine h\u00f6chst unkonventionelle Art und Weise betreibt. Danach gab es es eine Poetikvorlesung von Ferdinand Schmatz und eine Performance von Michael Lentz, die ich beide vers\u00e4umte, da der WGPV &#8220;Zehn Jahre Psychotherapie auf Krankenschein&#8221; feierte, wo es bei einem ein gutes Buffet gab und Agnes Palmisano sch\u00f6ne Lieder sang.<br \/>\nAm Samstag gings mit den kreativen Prozessen weiter und zwar mit der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/10\/21\/von-schreibstuben-und-schreibschulen\/\">Studie von Claudia D\u00fcrr und Tasos Zembyas<\/a>  \u00fcber die Entwicklung des Texts von der Idee zur Fertigstellung. Dar\u00fcber wurde mit Verena Ro\u00dfbacher und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/12\/08\/paradiso\/\">Thomas Klupp<\/a> diskutiert, die beide an Literaturinstituten studierten, ihre Debutromane herausbrachten und jetzt, obwohl sie erst Anfang Drei\u00dfig sind selber unterrichten, Thomas Klupp tut das in Hildesheim, Verena Ro\u00dfbacher betreut f\u00fcnf Studenten in Biel. Dagmar Leupold beklagte in der Diskussion wieder, da\u00df es so viele Texte mit abgelutschten schiefen Metaphern g\u00e4be, wo  statt der Transformation  nur einen Transfer des Erlebten stattfindet. Da m\u00fc\u00dfte man kritisch sein, sagten die Lektoren und lobten das B\u00fccherlesen, weil man dabei am sehr viel lernt. Danach ging es um Literatur und Erfahrung. Elfriede Czurda definierte die Definitionen aus dem W\u00f6rterbuch der Br\u00fcder Grimm. Marie Caffari vom Schweizer  Literaturinstiut erz\u00e4hlte vom Mentoring, der 1 zu 1 Betreuung, die dort betrieben wird und Kerstin Preiwu\u00df, die in Leipzig studierte und lehrt, erz\u00e4hlte von ihren Poetikvorlesungen und meinte, die Leute sollten mehr Lyrikb\u00e4nde kaufen. Danach wurde es kompliziert und unverst\u00e4ndlich,  das Thema hie\u00df Experiment und Welt. Ferdinand Schmatz diskutierte mit Franz Schuh, Samuel Moser, Monika Rinck und Ulf Stolterfoht, die weder die Welt noch die Erfahrungen gelten lie\u00dfen und meinten, da\u00df Texte am Schreibtisch entstehen, deshalb h\u00e4tte es keinen Sinn, wie es Sibylle Lewirtscharoff in Leipzig mit den Studenten macht, in Gef\u00e4ngnissen auf Recherche zu gehen. Am Ende war es dann so mit Theorien vollgepfropft, da\u00df Franz Schuh anmerkte, da\u00df die die Dichter nun mit ihren Werken widerlegen w\u00fcrden, Ferdinand Schmatz lachte dazu.<br \/>\nDanach hielt Dagmar Leupold ihre Poetikvorlesung, die sich als Text mit dem Titel &#8220;Mundart&#8221; entpuppte, wo es um das rollende &#8220;r&#8221; der Ostpreussen und Vormundschaften ging.<br \/>\nIn der langen Pause machte ich einen Spaziergang zum B\u00fccherschrank und zog dort den Bestseller des Jahres, der immer noch in gro\u00dfen St\u00f6\u00dfen beim Morawa liegt, n\u00e4mlich Dirk Stermanns &#8220;6 \u00f6sterreicfher unter den ersten 5&#8221;, ein eindeutiges Weihnachtsgeschenk, weil es \u00fcber den Preis ein Sternchengibt, heraus, unterhielt mich mit einem jungen M\u00e4dchen, das aus Deutschland zum Symposium anreiste und sich an der Hochschule bewerben will, hoffentlich hat sie keine schiefen Metaphern, traf E. A. Richter beim B\u00fcchertisch und habe mit einigen Frauen gesprochen, die Romane schreiben f\u00fcr die sie einen Verlag suchen. Mit Christl Greller und Marietta B\u00f6ning habe ich mich auch unterhalten, bevor die Lesung des B\u00fcchner-Preistr\u00e4gers Josef Winkler begann, der zwei Szenen aus &#8220;Roppongi&#8221;, wo es um das Sterben seines Vaters ging und dann  zwei Geschichten aus dem Band &#8220;Ich rei\u00df mir eine Wimper aus und stech dich damit tot&#8221;, las. Eine hie\u00df &#8220;Lufthoheit der toten Kissenschlacht&#8221;, wobei Josef Winkler bemerkte, da\u00df er es Polsterschlacht nennen wollte, worauf ihn der Suhrkamp Lektor fragte, was ein Polster sei? Damit die Deutschen die Pointe verstehen wurde es beim Kissen belassen.<br \/>\nDann wurde das Buffet f\u00fcr alle frei zug\u00e4nglich, vorher mu\u00dfte man pro Kuchen oder Saft einen Euro spenden, Robert Schindel hielt das Schlu\u00dfwort bevor die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/01\/28\/vom-open-house-zu-walter-grond\/\">Studenten, von denen ich schon einige kannte<\/a>, den Abschlu\u00df gestalteten, ein paar Filme zeigten, die bei den transmedialen Formen mit Orhan Kipcak entstanden sind, einen Wortchor veranstalteten und ihre Texte in verschiedenen Performances zur Geltung brachten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Literaturhaus hat seit Herbst eine Zusammenarbeitungsschiene mit dem Institur f\u00fcr Sprachkunst, so gabs bis jetzt Lesungen drei bekannter Autoren, am 28. 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