{"id":56128,"date":"2017-11-04T00:46:41","date_gmt":"2017-11-03T23:46:41","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=56128"},"modified":"2017-11-04T00:46:41","modified_gmt":"2017-11-03T23:46:41","slug":"murmelbrueder","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=56128","title":{"rendered":"Murmelbr\u00fcder"},"content":{"rendered":"<p>Da habe ich wieder einmal den Beweis bekommen, da\u00df es gut ist, eine zweites Buch eines Autors, einer Autorin zu lesen, wenn einer das Erste nicht so gefallen hat.<\/p>\n<p>Denn <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/04\/12\/chiru\/\">&#8220;Chiru&#8221;<\/a> der Roman der 1972 in Sardinien geborenen Michela Murgia habe ich ja eher altmodisch gefunden und konnte mich mit dem Frauenbildm das dort pr\u00e4sentiert wird, nicht begeistern.<\/p>\n<p>Jetzt hat mir <a href=\"https:\/\/www.wagenbach.de\/buecher\/titel\/960-murmelbrueder.html\">&#8220;Wagenbach&#8221;<\/a> die\u00a0 2014 erschienene &#8220;Geschichte aus Sardinien&#8221;, Roman steht bei &#8220;Wikipedia&#8221;, ist aber keiner, geschickt und ich bin hingerissen. Denn diesmal hat mich der etwas altmodische Touch, der im Somme 1985 spielenden Handlung nicht gest\u00f6rt und kann mir vorstellen, da\u00df es in den kleinen sardischen D\u00f6rfern dort so war und vielleicht noch immer so ist.<\/p>\n<p>Die Erz\u00e4hlung ist eine Parable auf menschliche Geschehen, wo n uns ja Ehrgeiz, Ha\u00df, Eifersucht, etcetera antreiben und zu so manchen veranla\u00dfen, was man vielleicht nachher bereut.<\/p>\n<p>Michela Murgia zeigt das meisterhaft an der Figur des zw\u00f6lfj\u00e4hrigen Maurizio, der von seinen Elter,n die Sommer \u00fcber immer zu den Gro\u00dfeltern nach Crabas geschickt wird. Nur das Cover des Taschenbuches ziert einen schon \u00e4lteren J\u00fcngling, was ein wenig st\u00f6ren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Dort erlebt Maurizo, der sonst w\u00e4hrend des Jahres immer abseits alleine spielt, ein Jugendlleben.<\/p>\n<p>&#8220;Wir haben schon zusammen gespielt,&#8221; definiert Michela Murga solche Fundamente von M\u00e4nnerfreundschaften. Denn er f\u00fchlt sich im St\u00e4dtchen mit seinem &#8220;Wir-Gef\u00fchl&#8221; geborgen.<\/p>\n<p>Die Gro\u00dfmutter sitzt des Abends mit den Frauen und der anderen Dorfgemeinschaft vor dem Haus und erz\u00e4hlt Geschichten von den Vampirinnen. Das sind Frauen, denen die Kinder w\u00e4hrend der Geburt oder sp\u00e4ter gestorben sind und die sich nun die Geister der anderen holen und des Tages robbt Maurizio mit Giulio, dem Sohn des Polizisten und Franco durch die Abwasserkan\u00e4le, um die Geheimnisse des St\u00e4dtchens zu ergr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Sie finden Ratten, jagen sie als brennende Fackeln auf den Baum des Priesters. Grillen nennen sie das, denn sie sind in dem katholischen St\u00e4dtchen alle eifrige Messdiener und dann trifft die Katastrophe ein und die Dorfgemeinschaft beginnt sich zu entzweien.<\/p>\n<p>Und, wie immer beginnt allles mit einem guten Zweck. Der greise Bischof will etwa sGutes stiften und schenkt Crabas eine neue Kirche und einen neuen Pfarrer, was die Eifersucht des Alten herausfordert und Franco, der etwas au\u00dferhalb des St\u00e4dtchens im anderen Teil der Gemeinde lebt, kommt nich mehrt zum ministerieren und zu den Spielen der Freunde.<\/p>\n<p>&#8220;Wir schlie\u00dfen ihn aus!&#8221;, verk\u00fcndet Giulio gro\u00dfspurig, was Maurizio noch nicht so ganz versteht .Inzwischen werden Maurizios Eltern, weil sie zu wenig\u00a0 verdienen, landfl\u00fcchtig und wandern nach Ferrara aus, lassen den Buben aber bei Gro\u00dfeltern zur\u00fcck, so da\u00df der nun ebenfallls als Me\u00dfdiener, das Geschehen zu Ostern hautnahm miterleben kann. Denn da gibt es immer eine gro\u00dfe Prozession.<\/p>\n<p>Falsch, denn jetzt gibt es zwei und es wird sehr k\u00f6stlich geschildert, wie die nun rivalisierenden Stadtteile mit den Madonnenstatuen aufeinander zugehen und die eine Seite, der anderen &#8220;Heilige Jungfrau bete f\u00fcr uns!&#8221;, zuruft. Wenn Worte t\u00f6ten k\u00f6nnten&#8230;..<\/p>\n<p>Und wenn man schon an die Katastrophe glaubt und den Kopf sch\u00fcttelt, da\u00df sich eine Gemeinde wegen so einer Kleinigkeit auf ewig verfremden kann, macht Michela Murgia einen Spannungsbogen und hat wohl auch das Schreiben einer <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/10\/29\/schreiberfolge\/\">spannenden Geschichte studiert<\/a>, den Franco zieht die Leine. Die Madonnen werden irgenwie ausgetauscht und ziehen in die falsche Kirche zur\u00fcck. Der Bischof ist zufrieden und r\u00e4t nur das n\u00e4chste Mal aus praktischen Gr\u00fcnden vielleicht mit weniger Madonnen auszukommen und was das beste an der Sache ist, Franco kehrtzu den Spielen der &#8220;Murmelbr\u00fcder&#8221; zur\u00fcck und geht mit ihnen V\u00f6gel fangen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da habe ich wieder einmal den Beweis bekommen, da\u00df es gut ist, eine zweites Buch eines Autors, einer Autorin zu lesen, wenn einer das Erste nicht so gefallen hat. 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