{"id":563,"date":"2008-11-26T23:08:37","date_gmt":"2008-11-26T22:08:37","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=563"},"modified":"2008-11-26T23:08:37","modified_gmt":"2008-11-26T22:08:37","slug":"jurysitzung-und-literaturhauslesung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=563","title":{"rendered":"Jurysitzung und Literaturhauslesung"},"content":{"rendered":"<p>Da bin ich gestern also bestens ausger\u00fcstet in meine zweite Jurysitzung gestartet.<br \/>\nVorher war ich noch beim Friseur und habe im Stadtplan nachgesehen, wo sich der Concordiaplatz befindet und bin dann, weil mich eine Frau die Kirche am Gestade hochschickte und sich das Zimmer des Ministerialrats Stocker im f\u00fcnften Stock befindet, f\u00fcnf Minuten zu sp\u00e4t gekommen. Nils Jensen war noch nicht da, Sylvia Treudl ist erkrankt und hat ihre Vorschl\u00e4ge schriftlich bekannt begeben.<br \/>\nSo da\u00df Helmuth Niederle, der Pen-Pr\u00e4sident Helmut Stefan Milletich und ich dreiundvierzig Vorschl\u00e4ge machten, aus denen  f\u00fcnfzehn ausgew\u00e4hlt werden mu\u00dften.<br \/>\nUnsere Meinungen differierten, ich habe mich eher an die j\u00fcngeren Frauen gehalten, die Mittleren eben und bin dabei ziemlich allein gewesen, habe aber etwa f\u00fcnf Vorschl\u00e4ge doch durchgebracht, w\u00e4hrend einige Romane, die ich f\u00fcr hervorragend halte, unber\u00fccksichtigt geblieben sind.<br \/>\nW\u00e4re Sylvia Treudl anwesend gewesen, h\u00e4tte es vielleicht anders ausgesehen, so haben die Pr\u00e4mien bevorzugt die ber\u00fchmten \u00e4lteren M\u00e4nner und auch einige solcher Frauen bekommen. Ich bin ja durchaus kompromi\u00dfbereit. Die Namen \u00fcberzeugen auch und die sozialen Aspekte, auf die Helmuth Niederle gro\u00dfen Wert legte.<br \/>\nIch bin nur nachher draufgekommen, da\u00df wir in Gefahr waren, auf dem Test, den vielleicht die Werkst\u00e4tte Kunstberufe oder jemand anderer mit seinen fiktiven Verlagen unternahm, um die Kompetenz von Juryentscheidungen zu \u00fcberpr\u00fcfen, hereinzufallen, denn ich habe mir  in den letzten Wochen wirklich viele B\u00fccher durchgesehen, aber alle auf der Liste kannte ich nicht.<br \/>\nDie Namen, denen ich letztlich zugestimmt habe, aber schon und so habe ich heute nachgesehen, ob alle Verlage der vorgeschlagenen B\u00fccher existieren.<br \/>\nSie tun es nat\u00fcrlich und das leitet \u00fcber zu der Lesung eines meiner Favoriten, Hanno Millesi, der heute seinen Roman &#8220;Der Nachz\u00fcgler&#8221; im Literaturhaus vorgestellt hat, in dem es auch um den Literaturbetrieb geht.<br \/>\nIch habe ja gedacht, das w\u00e4re mein Thema, bemerke aber in letzter Zeit, da\u00df sich einige Autoren damit besch\u00e4ftigen und auch ber\u00fchmt werden.<br \/>\nThomas Glavinic mit seinem &#8220;Das bin doch ich&#8221; zum Beispiel und jetzt Hanno Millesi, dessen Roman, bei dem es um einen experimentellen Autor geht, der im Nebenberuf als Ermittler t\u00e4tig ist und sich dabei eine Guerillaaktion gegen ungerechte Juryentscheidungen und den ihn langweilenden Literaturbetrieb ausdenkt, habe ich schon bei der Buch-Wien durchgebl\u00e4ttert.<br \/>\nDie Veranstaltung hat etwas sp\u00e4ter angefangen, weil sie im Radio falsch angek\u00fcndigt war. Es waren nicht sehr viele Besucher, aber einige experimentelle Autoren da.<br \/>\nIlse Kilic, Fritz Widhalm, Ann Cotton, Brigitta Falkner und dann noch Bettina Balaka, die realistischer schreibt.<br \/>\nDie Ausstellung &#8220;Privatsachen&#8221; von Liesl Ujvary \u00fcber die Schreibtische von meist ebenfalls experimentellen Dichtern und Dichterinnen gab es in der Wartezeit ebenfalls zu bewundern.  Christiane Zintzen hat in ihrem Blog auf die Lesung hingewiesen und ich habe Hanno Millesi im Literaturgefl\u00fcster schon erw\u00e4hnt, den ich von den Zeiten kenne, wo ich mich noch um das Staatsstipendium f\u00fcr Literatur beworben habe.<br \/>\nDa ist mir sein Name mehrmals aufgefallen. Dann hat er beim Wahnsinnsymposium des Ernst Kostal seine wirklich beklemmenden Kindergeschichten, die mich immer an die Entstehungsbedingungen einer Schizopherenie im Sinne des l\u00e4ngst vergessenen Double Binds denken lassen, vorgetragen. Sp\u00e4ter hat er einen Text f\u00fcr die lange Nacht des H\u00f6rspiels geschrieben, wo er echt Tondokumente einer Polizeiaktion, als die experimentellen oder auch nicht experimentellen Autoren gegen die K\u00fcrzung des Autorenhonorars protestierten, verwendete, geschrieben und drei oder vier Romane, die in der Edition Luftschacht herausgekommen sind.<br \/>\nDen Text, den er beim Bachmannpreis vor ein paar Jahren gelesen hat, habe ich f\u00fcr einen der besten gehalten, der vorgetragen wurde und seine Gedanken \u00fcber den Literaturbetrieb und dessen Ungerechtigkeiten sind nat\u00fcrlich interessant.<br \/>\nIm Anschlu\u00df gab es Bier und die experimentellen Autoren scheinen alle starke Raucher zu sein. Ich gratuliere Hanno Millesi herzlich zum n\u00e4chsten Preis, den er bekommen wird, auch wenn er ihn f\u00fcr ungerecht empfinden sollte. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da bin ich gestern also bestens ausger\u00fcstet in meine zweite Jurysitzung gestartet. 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