{"id":5630,"date":"2011-01-24T09:37:36","date_gmt":"2011-01-24T08:37:36","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=5630"},"modified":"2011-01-24T09:37:36","modified_gmt":"2011-01-24T08:37:36","slug":"denn-am-sabbat-sollst-du-ruhen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=5630","title":{"rendered":"Denn am Sabbat sollst du ruhen"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Denn am Sabbat sollst du ruhen&#8221;, von Batya Gur, 1993 mit dem deutschen Krimipreis ausgezeichnet, spielt in der Jerusalemer Psychoanalytiker Szene bzw. in dem Institut, das vom 1933 aus Wien emigrierten jungen Analytiker Ernst Hildesheimer gegr\u00fcndet wurde. Inzwischen gibt es drei Kontrollanalytiker, eine Ausbildungskommission, viele Kanditaten und Vorlesungen am Samstagmorgen, bei denen einmal der Analytiker Schlomo Gold, die Kontrollanalytikerin Erva Neidorf, die einen Vortrag \u00fcber &#8220;Ethische und forensische Aspekte bei der psychoanalytischen Behandlung&#8221; halten will, erscho\u00dfen auffindet.<br \/>\nLangsam und bed\u00e4chtig f\u00fchrt die 1947 in Tel Aviv geborene und 2005 in Jerusalem gestorbene Autorin in den Roman und das Sujet ein. Aufkl\u00e4rer ist Inspektor Michael Ochajon, der eigentlich Geschichte studierte und sehr unkonventionelle Methoden hat, h\u00f6rt er doch \u00e4hnlich, wie die Psychoanalytiker sehr gut zu und so bekommen wir in den ersten Kapiteln eine Einf\u00fchrung in die Psychoanalyse, erfahren was sie von der Psychotherapie unterscheidet, jedenfalls stellt Inspektor Ochajon Ernst Hildesheimer diese Frage und, da\u00df als Kanditaten \u00fcblicherweise nur \u00c4rzte und Psychologen angenommen werden, einmal war zwar ein Veterin\u00e4rmediziner dabei, aber der blieb ewig Au\u00dfenseiter und zum Kontrollanalytiker wird er sicher auch nicht gew\u00e4hlt. Erfahren, wie lange Psychoanalysen dauern, wie streng die Regeln sind und sehr  genau und streng ausgew\u00e4hlt wird, um die Konkurrenz nicht zu gro\u00df werden zu lassen.<br \/>\nEva Neidorf, die kurz vor ihrem Vortrag, wo auch einige neue Mitglieder aufgenommen werden sollten, aus den USA, wo ihr Enkelkind geboren wurde, zur\u00fcckgekommen ist, wird von allen sehr verehrt und als genaue, moralische, strenge Analytikerin beschrieben, die einmal Ernst Hildesheimer in der Institutsleitung abl\u00f6sen soll. Sie wurde auf einem Sessel sitzend im Institut erscho\u00dfen, die Tatwaffe, ein alter Revolver, der dem Au\u00dfenseiter Joe Linder geh\u00f6rt, wird im Garten des gegen\u00fcberliegenden Krankenhauses gefunden, der arabische G\u00e4rtner, der am Sabbat arbeiten darf, ger\u00e4t in Verdacht und Eva Neidorfs Wohnungschl\u00fc\u00dfel ist verschwunden. Au\u00dferdem wurde in ihrer Wohnung eingebrochen,  Unterlagen zu ihren Patienten und der Vortrag sind verschwunden. Die Polizei befragt alle Analytiker und versucht Eva Neidorfs Stundenplan zu rekonstruieren, als sie aber die Namen der Patienten beim Steuerberater holen will, ist dort  jemand zuvorgekommen, so m\u00fc\u00dfen die Bankkonten ge\u00f6ffnet werden. Beim Begr\u00e4bnis erscheint ein sehr sch\u00f6ner junger Mann, der sich etwas seltsam geb\u00e4rdet und seine Analytikerin Dina Silber verfolgt, die in Joe Linders Praxis arbeitet und auch die Kanditatin ist, die nach der Vorlesung aufgenommen werden sollte.<br \/>\nJoe Linder hat auch einen Freund, Oberst Joav Alon und der, stellt sich heraus, hat mit seiner Arbeit als Milit\u00e4rgouverneur, wo er nichts tut, als Genehmigungen zu erteilen, Probleme, so da\u00df er in Depressionen verfiel, seine Frau mit seiner Sekret\u00e4rin betrog und als es nichts wurde im Bett, in Eva Neidorfs Praxis landete. Aber ein Oberst darf keine psychischen Probleme haben und sich in Therapie begeben, so ger\u00e4t er in Mordverdacht und wird von Inspektor Ochajon sehr lang  verh\u00f6rt. Seiner Karriere wird das genauso schaden, wie das Leben des arabischen G\u00e4rtners, der die Waffe fand, zerst\u00f6rt sein wird, der aus Angst am Montag nicht mehr zur Arbeit kam und daraufhin verhaftet wurde.<br \/>\nBatya Gur \u00fcbt auch Kritik an ihrem Heimatland und l\u00e4\u00dft  Michael Ochajon Fehler machen. Er versagt als Vater bei seinen Sohn, vergi\u00dft ihn zu treffen, arbeitet zuviel und trinkt zuviel Kaffee und die sch\u00f6ne M\u00f6rderin wird am Schlu\u00df auch auf sehr unkonventionelle Weise, n\u00e4mlich durch Ernst Hildesheims Hilfe, der damit seine heiligsten Prinzipien bricht und das, um  den Mord aufzukl\u00e4ren auch gerne tut, \u00fcberf\u00fchrt.<br \/>\nBatya Gur, die Literaturwissenschaftlerin und mit einem Psychoanalytiker verheiratet war, ist durch ihre Ochajon-Romane ber\u00fchmt geworden.<br \/>\nMan bekommt einen genauen Einblick in die israelische psychoanalytische Gesellschaft, die Spannungen und Konklikte, die beschrieben werden, werden auch in Wien nicht anders sein, das Thema Sex mit einem Patienten, erscheint heute vielleicht nicht mehr als der gro\u00dfe Tabubruch, sondern eher als Klischee.<br \/>\nDer Holocaust, wie Israel zu Israel wurde und mit welchen Problemen es zu k\u00e4mpfen hat, wird kurz geschildert, originell, da\u00df Inspektor Ochajon der Aufkl\u00e4rung im Kino, als er dort mit seinem Sohn einen Science Fiction Film  sieht, n\u00e4herkommt.<br \/>\nInteressant ist auch, da\u00df ich w\u00e4hrend der Lekt\u00fcre, sowohl bei einem Vortrag im Sigmund Freud Museum \u00fcber Anna Freuds &#8220;Jackson Kinderkrippe&#8221; und bei der Feier &#8220;Zehn Jahre Psychotherapie auf Krankenschein war&#8221;, so da\u00df ich den Roman mit dem psychotherapeutischen Wien von 2011 vergleichen konnte. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Denn am Sabbat sollst du ruhen&#8221;, von Batya Gur, 1993 mit dem deutschen Krimipreis ausgezeichnet, spielt in der Jerusalemer Psychoanalytiker Szene bzw. in dem Institut, das vom 1933 aus Wien emigrierten jungen Analytiker Ernst Hildesheimer gegr\u00fcndet wurde. Inzwischen gibt es &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=5630\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-5630","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5630","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5630"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5630\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5630"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5630"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5630"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}