{"id":5636,"date":"2011-01-25T00:01:37","date_gmt":"2011-01-24T23:01:37","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=5636"},"modified":"2011-01-25T00:01:37","modified_gmt":"2011-01-24T23:01:37","slug":"literatur-von-seltsamen-phanomenen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=5636","title":{"rendered":"Von seltsamen Ph\u00e4nomenen"},"content":{"rendered":"<p>Renate Zuniga hatte diesmal f\u00fcr die Textvorstellungen drei sehr unterschiedliche Autoren, beziehungweise Texte ausgew\u00e4hlt, die auch in sehr unterschiedlichen Verlagen erschienen sind. So begann bei dem Abend \u00fcber die seltsamen Ph\u00e4nomene, der mir bisher unbekannte Udo Kawasser und stellte sein Ritter-Buch &#8220;Einbruch der Landschaft: Z\u00fcrich &#8211; Hawanna&#8221; vor, das, wie der 1965 geborene Dichter, \u00dcbersetzer, T\u00e4nzer und Coreograph erkl\u00e4rte, eigentlich &#8220;Fabula Rasa&#8221; hei\u00dfen sollte, da Brigitta Falkner aber ein gleichamiges Buch hat, hat er es auf &#8220;Einbruch der Landschaft&#8221; umbenannt. Es ist ein Mosaik aus Fragmenten und kurzen Kapiteln, die jeweils mit demselben Wort beginnen und enden. Es gibt zwei Teile und eine Ouvert\u00fcre, denen jeweils ein Zitat vorangestellt ist und das Ganze schildert die Geschichte eines Mannes, der nur mehr in der Gegenwart leben will, von Z\u00fcrich nach Kuba f\u00e4hrt und dort eine Frau namens Viva kennenlernt. Ein sehr poetischer Text, der 2007 herausgekommen ist. Es gibt dann noch einen Gedichtband entnehme ich Wikipedia, bzw. habe ich in der Alten Schmiede diesen kurz durchbl\u00e4ttert, zweimal das Staatsstipendium und drei Preise hat der Autor auch bekommen.<br \/>\nDer zweite Autor Ludwig Roman Fleischer, der seinen in seinem Sisyphus Verlag erschienenen Erz\u00e4hlband &#8220;Neue Einf\u00e4lle des Kauzes&#8221; vorstellte, war mir dagegen bekannter, habe ich von ihm doch schon einige B\u00fccher gelesen und im Badezimmer, den 1999 erschienenen Roman &#8220;Aus der Schule&#8221;, den ich nach Weihnachten im B\u00fccherschrank gefunden habe, liegen, das habe ich ihm vor der Lesung erz\u00e4hlt und nach der Lesung das neue Buch mit seiner Frau getauscht, als die &#8220;Mimis B\u00fccher&#8221; kaufen wollte.<br \/>\nLudwig Roman Fleischer wurde 1952 geboren, ist GAV-Mitglied, hat 1990 beim Bachmannlesen den Ernst-Willener-Preis bekommen und seit den Neunzehnhundertachtziger Jahren den Sisyphus Verlag, wo er seit 1990 als fiktiver Chronist jedes Jahr ein eigenes Buch herausgibt, das  sich als Sittenbild der \u00f6sterreichischen Gesellschaft lesen  und interpretieren l\u00e4\u00dft. Von Beruf ist Ludwig Roman Fleischer Lehrer, deshalb sind oft Lehrer seine Protagnoisten, meistens trinken sie zuviel Alkohol und sind auch oft seltsame K\u00e4uze.  Ludwig Roman Fleischer hat auch eine sehr direkte Sprache und eine sehr pr\u00e4gnante Art seine Texte vorzutragen.<br \/>\nWenn ich mich nicht irre, habe ich &#8220;Rakontimer&#8221;,&#8221;Hellebard der 68 oder Die Biegung der ersten Person&#8221;, die anderen Weihnachtsgeschichten &#8220;Herbergsuche&#8221; und &#8220;Der Castellaner&#8221; gelesen. Ich war auch \u00f6fter bei seiner Verlagspr\u00e4sentation, die lange Zeit vor Weihnachten im Literaturhaus stattgefunden hat. Jetzt hat Ludwig Roman Fleischer aus seinen dreiundzwanzig Erz\u00e4hlungen, die von  &#8220;Morbus Scheuermann&#8221; gelesen und zwar erz\u00e4hlt da der Polizist, Akademiker und Hofrat Oberstleutnant Franz Josef Holler, die Geschichte von einem gr\u00fcn alternativen Makrobiotiker und linken Vollwertnarr, namens Andreas Scheuermann, der eine Hofratswitwe mit getrockeneten gr\u00fcnen Knollenbl\u00e4tterpilzen versorgt, die in kleinen hom\u00f6opathischen Dosen als Breitbandstimulus f\u00fcr gesteigertes Lebensbewu\u00dftsein gelten, worauf sie an Organversagen stirbt und der sanfte Alternative erbt.<br \/>\nDanach gabs wieder eine Stilschwenkung, kam da doch der ebenfalls 1952 geborene Chemiker, Wissenschaftsredakteur und Schriftsteller Christian M\u00e4hr an die Reihe, der  fantastischen Romanen und H\u00f6rspielen geschrieben hat. Von &#8220;Simon fliegt&#8221; habe ich einen Auszug in einer Dumont-Verlagsvorschau gelesen,mit &#8220;Semmlers Deal&#8221; war der Autor bei &#8220;Rund um die Burg&#8221;, jetzt hat er einen dicken Roman geschrieben, der sich &#8220;Karlitos Reich&#8221; nennt und zwar schl\u00fcpft da ein Journalist in den K\u00f6rper von Karl III und damit ins neunte Jahrhundert, w\u00e4hrend der wieder in dessen K\u00f6rper ins einunzwanzigste Jahrhundert kommt. Der eine will die Aufkl\u00e4rung und den Fortschritt ins Mittelalter bringen, der andere bek\u00e4mpft den Sittenverfall unserer Zeit und beide scheitern. Es ist aber noch viel komplizierter, denn am Heldenplatz findet, so entnahm ich dem St\u00fcck, das der Autor las, eine Demonstration statt, wo Tausende erschossen wurden, ein paar Polizisten fl\u00fcchten in die Schatzkammer, wo sich Karl III gerade von der Kustodin die Kr\u00f6nungskleider und die Krone aus den Vitrinen holen l\u00e4\u00dft. Er spricht nur lateinisch und einer der Polizisten entdeckt, da\u00df er das pl\u00f6tzlich versteht, obwohl er es nie gelernt hat und alle stapfen \u00fcber die Leichen zum Stefansdom die Kr\u00f6nung findet aber wo anders statt.<br \/>\nNachher gabs eine rege Diskussion \u00fcber diesen Roman, den Kurt Neumann als besonders interessant erw\u00e4hnte. Christian M\u00e4hr erz\u00e4hlte sehr launig aus der Entstehungsgeschichte, da\u00df er sich Karl III deshalb ausgew\u00e4hlt hat, weil der st\u00e4ndig scheiterte und das Material \u00fcber das neunte Jahrhundert \u00fcber das man nicht sehr viel wei\u00df, hat er sich aus einem dreiteiligen vergriffenen Geschichtsband aus dem neunzehnten Jahrhundert zusammengesucht. Das Buch wurde nat\u00fcrlich auch gekauft und Irene Wondratsch erz\u00e4hlte mir, da\u00df in David Safirs &#8220;Pl\u00f6tzlich Shakespeare&#8221; ein \u00e4hnliches Thema behandelt wird. Da steigt eine Frau in Shakespeares K\u00f6rpers, es wurde ger\u00e4tselt, ob Christian M\u00e4hr dieses Buch wohl kennt?   <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Renate Zuniga hatte diesmal f\u00fcr die Textvorstellungen drei sehr unterschiedliche Autoren, beziehungweise Texte ausgew\u00e4hlt, die auch in sehr unterschiedlichen Verlagen erschienen sind. 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