{"id":56597,"date":"2017-11-18T00:53:27","date_gmt":"2017-11-17T23:53:27","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=56597"},"modified":"2017-11-18T00:53:27","modified_gmt":"2017-11-17T23:53:27","slug":"als-der-teufel-aus-dem-badezimmer-kam","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=56597","title":{"rendered":"Als der Teufel aus dem Badezimmer kam"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein Buch vom <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/10\/15\/von-frankfurt\/\">Frankfurt-Schwerpunkt der Frankfurter Buchmesse<\/a>, das mir <a href=\"https:\/\/www.ullstein-buchverlage.de\/nc\/buch\/details\/als-der-teufel-aus-dem-badezimmer-kam-9783550081361.html\">&#8220;Ullstein&#8221;<\/a> freundlicherweise schickte und eines das mich \u00fcberraschenderweise sehr an mein eigenes Schreiben und <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_hunger.html\">meine<\/a> <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_begrenzte_frau.html\">Thematik<\/a><a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_dorafaust.html\"> erinnerte,<\/a> von der ich ja immer h\u00f6re, da\u00df das niemanden interessiere und man so nicht schreiben kann.<\/p>\n<p>Aber Frankreichs Literatur ist anders, habe ich bei meinem Buchmessen-Surfing erfahren und greift in einer globalisierten Gesellschaft mit Fl\u00fcchtlingskrisen, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/03\/22\/unterwerfung\/\">Terroranschl\u00e4gen<\/a> und prek\u00e4ren Lebensbedingungen hei\u00dfe Eisen an und so hat die 1979 in Montpellier geborene Sophie Divry einen Arbeitslosenroman, beziehungsweise einen \u00fcber Armut sowie \u00fcber das Leben unter prek\u00e4ren Lebensbedingungen geschrieben und wollte damit, wie sie in dem auf schwarzen Seiten abgedruckten &#8221; Bewerbungsbrief an die Schriftstellerresidenz reine Erfindung&#8221;, schreibt, &#8220;definitiv Spa\u00df machen&#8221;, was auch durch eine &#8220;Typographie in Bewegung&#8221; ausgedr\u00fcckt wird.<\/p>\n<p>So gibt es im Buch immer wieder graphische Elemente. Seiten auf denen beispielsweise sch\u00f6n verteilt nur das Wort &#8220;\u00fcberall&#8221; mit einem Zitat von Robert Pignet: &#8220;Stimmen \u00fcberall. Nicht genug Ohren, nicht genug Liebe.&#8221; steht und da ist Sophiem eine etwa vierzigj\u00e4hrige entlassene Journalistin, die zu Beginn des Buches von den dreihundert Euro, die sie gerade noch auf ihren Konto hat, zweihundertsechzig an ihren Stromanbieter zahlen mu\u00df.<\/p>\n<p>So bleiben ihr gerade noch vierzig Euro bis Ende des Monats wo die Grundsicherung kommt, zum Leben \u00fcber. So geht sie in den Supermarkt, kauft Nudeln, wartet auf einen Auftrag, beziehungsweise auf die schon erw\u00e4hnte Unterst\u00fctzung, die aber nicht kommt, denn sie hat vergessen,\u00a0 die paar Euro, die sie im letzten Monat verdiente, was sie durfte, anzugeben, weil die Honorarbescheinigung noch nicht eingetroffen ist.<\/p>\n<p>Die Betreuerin vom Arbeitsamt oder, wie das in Frankreich hei\u00dft, ist sehr freundlich und erkl\u00e4rt der &#8220;Madame&#8221;, da\u00df sie ihr nicht helfen kann und sie nur nach ihren Vorschriften handelt und der Versuch, das Geld vom kommunalen Sozialhilfeverein hereinzubekommen, scheitert an dem Berg von Formularen, die man daf\u00fcr ausf\u00fcllen mu\u00df und so beginnt Sophie ihre B\u00fccher und andere entbehrliche Habseligkeiten zu verkaufen und bekommt ein paar Euro daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Sophie gibt aber nicht nach. Sie will einen Roman \u00fcber ihre Situation und das &#8220;Leben der Armen&#8221;, wie sie das nennt, schreiben. Kommunziert auch mit ihrer Mutter, die ihr gute Ratschl\u00e4ge gibt und mit ihrem Freund Hector, der in seine Nachbarin Belinda verliebt ist und daf\u00fcr einen Pakt mit dem Teufel eingeht, der hei\u00dft &#8220;Lorchus&#8221; und sucht auch Sophie auf, beziehungwweise tritt er, wie schon der Buchtrittel verr\u00e4t, aus ihrem Badezimmer.<\/p>\n<p>Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Ein Vierter sollte,\u00a0 wie die schwarzen Seiten verraten, auch noch geschrieben werden und im Zweiten f\u00e4hrt Sophie heim zu ihrer Mutter, die in\u00a0 Montepellier in einem Schlo\u00df lebt, da kann sie sich endlich wieder einmal sattessen und der Mutter im Garten und beim Marmeladeeinkochen helfen und im Dritten geht sie dann auf Arbeitssuche. Heuert, schwarz wahrscheinlich, als Kellnerin bei &#8220;Jules &amp; Juilette&#8221; an und macht da f\u00fcr f\u00fcnfzig Euro pro Abend, wahrscheinlich die Erfahrung, die auch Eva Rossmann in ihrem Buch <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/11\/09\/mit-eva-rossmann-geburtstag-essen\/\">&#8220;Mahlzeit&#8221;<\/a> beschreibt, wechselt nachdem der Wirt sich nicht mehr bei ihr meldet, die Lokale, landet schlie\u00dflich in einem Weinbistro und \u00e4rgert sich da, da\u00df die G\u00e4ste, das an einem Abend mit Spitzenweinen versaufen, was sie in drei Monaten verdient und, als der Bruder des Gastromomen auftaucht, der auch eine Arbeit sucht, wird der schwarze Tellerw\u00e4scher entlassen und Sophie an den\u00a0 Geschirrsp\u00fcler verbannt. Der Bruder stellt ihr nach, macht ihr sexuelle Antr\u00e4ge, so da\u00df sie sich nur imt einem Faustschlag retten und der Bratpfanne wehren kann. Mit der geht sie dann zur Polizei, die ihr r\u00e4t, angesicht dieses Tatgegenstandes auf eine Anzeige zu verzichten. Sophie ist den Job los und beschlie\u00dft &#8220;aus dem Rennen auszuscheiden&#8221;.<\/p>\n<p>Ein spannendes Buch \u00fcber die sozialen Zust\u00e4nde dieser Welt, Themen die mir, wie beschrieben, sehr zusagen und besch\u00e4ftigen und ein paar B\u00fccher \u00fcber die prek\u00e4ren <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/04\/traurige-freiheit\/\">Arbeits<\/a>&#8211; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/10\/27\/reibungsverluste\/\">und andere Verh\u00e4ltnisse,<\/a> haben wir in \u00d6sterreich auch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein Buch vom Frankfurt-Schwerpunkt der Frankfurter Buchmesse, das mir &#8220;Ullstein&#8221; freundlicherweise schickte und eines das mich \u00fcberraschenderweise sehr an mein eigenes Schreiben und meine Thematik erinnerte, von der ich ja immer h\u00f6re, da\u00df das niemanden interessiere und man &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=56597\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[2090,4651,5437,5885],"class_list":["post-56597","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-frankreich","tag-prekaere-arbeitsverhaeltnisse","tag-sophie-divry","tag-ullstein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/56597","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=56597"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/56597\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=56597"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=56597"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=56597"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}