{"id":5663,"date":"2011-01-28T00:01:13","date_gmt":"2011-01-27T23:01:13","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=5663"},"modified":"2011-01-28T00:01:13","modified_gmt":"2011-01-27T23:01:13","slug":"transformationsfragen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=5663","title":{"rendered":"Transformationsfragen"},"content":{"rendered":"<p>Das <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/01\/22\/die-praxis-des-schreibens\/\">Sprachkunstsymposium<\/a> und die Diskussion, die sie auf diesen Blog ausl\u00f6ste, haben einige Fragen aufgeworfen, mit denen ich mich auseinandersetzen will. Irgendwie geht es ja immer um das schlechte Schreiben oder um die Frage, wieso es nicht gelingt in den Literaturbetrieb hineinzukommen, bzw. als Autor, Autorin wahrgenommen zu werden.<br \/>\nEs gibt sehr viele Leute, die sich schreibend verwirklichen oder auch damit ber\u00fchmt werden wollen und immer weniger, die lesen. Daf\u00fcr wahre B\u00fccherberge, wenn man nach Frankfurt, Leipzig oder auch in die Buchhandlung Morawa, bzw. zum Thalia geht, sieht man sie in gro\u00dfen St\u00f6\u00dfen liegen und ich denke schon, da\u00df es auch am bekannten Namen liegt, da\u00df ein Buch gekauft wird. Das bemerke ich immer bei den blauen Sofa Diskussionen, wenn da Schauspieler oder andere Prominente ihre neuen B\u00fccher pr\u00e4sentieren, die sie wahrscheinlich gar nicht selbst geschrieben haben. Bieten sich inzwischen ja gen\u00fcgend Autoren als Ghostwriter an und dann sto\u00dfe ich auch immer wieder auf Autoren, die beim Bachmannpreis gelesen haben, ein Buch bei Suhrkamp oder sonst wo hatten und dann irgendwie vergessen werden.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/01\/25\/literatur-von-seltsamen-phanomenen\/\">Ludwig Roman Fleischer<\/a> und Alfred Paul <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/01\/26\/ein-souveraner-jongleur\/\">Schmidt<\/a>, die ich beide diese Woche in der Alte Schmiede h\u00f6rte, w\u00fcrde ich dazu z\u00e4hlen, aber auch Uwe Bolius, mit dem ich einmal in einer sehr leeren Alten Schmiede las oder Kurt Bracharz mit dem ich 2005 bei der Text und Kritikveranstaltung in Vorarlberg war und der gerade ein Portrait in den Tonspuren hatte.<br \/>\nDann gibt es nat\u00fcrlich die Gro\u00dfen, die Frau Mayr\u00f6cker beispielsweise, die den Bremer Literaturpreis aber auch erst gewonnen hat, als sie es nicht mehr schaffte, pers\u00f6nlich zur Preisverleihung zu kommen und die auch, glaube ich, immer ein bi\u00dfchen im Schatten von Ernst Jandl, aber auch von Elfriede Jelinek stand und die jungen Talente, wie z.B. Dorothee Elmiger, Judith Zander und Verena Rossbacher und da bin ich schon beim Symposium f\u00fcr Sprachkunst, wo bei der Diskussion, um die kreativen Prozesse, die Klage aufkam, da\u00df viele Leute, die sich f\u00fcr ein solches Studium interessieren, ihre Erlebnisse eins zu eins aufs Papier bringen, zuwenig verdichten und verfremden und daher schlecht schreiben w\u00fcrden, weil die guten Texte nicht durch das autobiografische Erleben, sondern am Schreibtisch entstehen. Daran f\u00fcge ich meine Beobachtung, da\u00df auf der einen Seite, das realistische, narrative Schreiben sehr scheel angesehen wird, obwohl es auf der anderen, das ist, was die Leser wollen. Den verdammt spannenden Roman, den Krimi oder die Fantasygeschichte, aber das gilt nicht f\u00fcr gute Literatur, daher bietet Leipzig ein solches Studium nicht an und \u00fcber Josef Haslingers B\u00fccher &#8220;Opernball&#8221; bzw. &#8220;Vaterspiel&#8221;, der ja wahrlich ein bekannter Autor ist, habe ich schon Rezensionen gelesen, die mich den Kopf sch\u00fctteln lie\u00dfen.<br \/>\nAls ich 2002 und 2003 in der Jury bei den GAV-Neuaufnahmen war, habe ich Kistenweise experimentelle Texte und beispielsweise Ritter oder Fr\u00f6hliche Wohnzimmer-B\u00fccher zum Beurteilen gehabt und mich gefragt, ob die wohl jemand au\u00dfer Jurymitglieder liest und als ich bei einem der Feste f\u00fcr Ernst Jandl oder Gerhard R\u00fchm in M\u00fcrzzuschlag und Neuberg an der M\u00fcrz war, habe ich Literaturkritiker, wie J\u00f6rg Drews \u00fcber die vielen schlechten narrativen Romane schimpfen h\u00f6ren, was mich sehr gewundert hat, weil ich so ja schreiben will.<br \/>\nEin Widerspruch, der sich nicht aufl\u00f6sen l\u00e4\u00dft, auch Reinhard Urbach ist bei seiner Einf\u00fchrung zu Alfred Paul Schmidt darauf gesto\u00dfen und hat dar\u00fcber gesprochen, da\u00df man die Wirklichkeit nie direkt in Sprache umformen kann und die Tricks angef\u00fchrt, wie das Alfred Paul Schmidt gelingt.<br \/>\n&#8220;Warum eigentlich?&#8221;, habe ich mich gefragt, weil ich mir nicht so sicher bin, da\u00df man das nicht doch kann und es die Autoren auch praktizieren.<br \/>\nDa lese ich ja sehr oft in Romanen von Helden, Protagonisten, Ich-Erz\u00e4hlern, die eine ganze \u00e4hnliche Entwicklung, wie der Autor haben. Wilhelm <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/12\/16\/die-liebe-das-gluck-die-blodheit\/\">Genazino<\/a>, w\u00e4re da ein Beispiel, das mir einf\u00e4llt. Der \u00e4ltere Intellektuelle, der in seinen B\u00fcchern seine Schwierigkeiten mit dem Leben, den Frauen und dem \u00c4lterwerden schildert und man denkt, wenn man im Lebenslauf des Autors nachsieht, das ist Autobiografie. Fragt man in der Diskussion danach, wird es der Autor verneinen.<br \/>\nBei der Diskussion um das kreative Schreiben mit Thomas Klupp und Verena Rossbacher am Samstag im Literaturhaus, hat eine Frau gefragt, wie sehr sie entfremden mu\u00df, da\u00df man sie in ihren Texten nicht erkennt? Interessanterweise hat ihr Thomas Klupp geantwortet, da\u00df es Beispiele ber\u00fchmter B\u00fccher gibt, wo die Autoren ganz offen \u00fcber sich geschrieben haben. In j\u00fcnger Vergangenheit w\u00e4re mir dazu &#8220;Rabenliebe&#8221; von Peter Wawerzinek, dem letzten Bachmannpreistr\u00e4ger eingefallen. Thomas Klupp hat aber an &#8220;Axolotl Roadkill&#8221; gedacht und um wieder zur Transformation und dem realistischen Schreiben zur\u00fcckzukommen. Ich schreibe schon siebenunddrei\u00dfig Jahre realistisch und wenn man sich die &#8220;Hierarchien&#8221; hernimmt, den Roman, der 1990, in einem Kleinstverlag erschienen ist, so hat die Heldin Anna sehr viel mit mir zu tun, ist sie doch gerade von der Klinik weggegangen, wo sie als Soziologin sehr ungl\u00fccklich war, ich habe ein paar Jahre vorher, die HNO Klinik verlassen und bin in die freie Praxis gegangen und die Mitglieder aus Annas Wohngemeinschaft hatten auch ganz reale Vorbilder. Heute w\u00fcrde ich das nicht mehr so schreiben. Im Laufe meiner Schreiberfahrung habe ich gelernt, zu verfremden, wei\u00df, da\u00df das Roman-Ich nicht unbedingt, das Autoren-Ich bedeutet oder wie ich es gern definiere, es ist alles autobiografisch und alles wieder nicht.<br \/>\nUm so weit zu kommen, braucht es aber Zeit. Das ist sicher ein Lernproze\u00df, bis man gelernt hat, das, was man in der U-Bahn, auf der Stra\u00dfe, im Kaffeehaus oder wo auch immer erlebt, so zu transformieren, das daraus ein literarischer Text entsteht, der in meinem Fall immer realistisch werden wird. Bei meinen fr\u00fcheren Texten haben mich manchmal die R\u00fcckmeldungen verwirrt, so habe ich in &#8220;Zwischen H\u00fctteldorf und Heiligenstadt&#8221; \u00fcber den Prater und eine Ringelspielbesitzerfamilie geschrieben, die erfunden war und von Karin Jahn, damals beim Europa-Verlag erkl\u00e4rt bekommen, wie es mit den Ringelspielbesitzverh\u00e4ltnissen im Prater wirklich ist und, da\u00df ich das, wenn ich realistisch schreiben will, ber\u00fccksichtigen mu\u00df.<br \/>\nDann schreibe ich vielleicht doch nicht so realistisch, denn nat\u00fcrlich flie\u00dft die Phantasie in meine Texten ein, das soll, darf und mu\u00df auch so sein und so war ich auch ein wenig von <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/05\/24\/kurzer-blick-aufs-neue-buch\/\">JuSophies<\/a> Kommentar verbl\u00fcfft, die meinte, da\u00df es ihr zu fad w\u00e4re, etwas so niederzuschreiben, wie man es erz\u00e4hlen k\u00f6nnte.<br \/>\nDas ist vielleicht der Widerspruch, auf den man in der Diskussion, ob man jetzt realistisch oder experimentell schreiben soll, immer wieder st\u00f6\u00dft.<br \/>\nDen experimentellen Autoren ist die Wirklichkeit zu fad, sie wollen die sch\u00f6nen S\u00e4tze am Schreibtisch konstruieren, das narrative Schreiben wird nicht anerkannt, weil es zu einfach ist, obwohl es die Leser spannend haben wollen. Aber da darf es wieder phantasievoll sein, sind ja jetzt gerade Vampirromane in, obwohl die nicht f\u00fcr gro\u00dfe Literatur gelten. Sie werden aber gekauft, auch wenn man sie vielleicht nicht \u00f6ffentlich lesen darf, au\u00dfer man ist sehr selbstbewu\u00dft.<br \/>\nIch habe ja eine eher tolerante Einstellung, was das Lesen und das Schreiben betrifft, lasse alle lesen, was sie wollen und schreiben, so gut sie es k\u00f6nnen und w\u00fcrde beides f\u00f6rdern.<br \/>\nF\u00fcr mich, das bemerke ich immer wieder, mu\u00df es au\u00dfer der sch\u00f6nen Sprache, aber auch die Handlung geben und die sollte nicht zu sehr am Schreibtisch konstruiert sein, wenn es geht.<br \/>\nDie Regeln, habe ich letzte Woche wieder bei dem Symposium geh\u00f6rt, sind dazu da, um gebrochen zu werden. Man mu\u00df sie vorher nur beherrschen, mahnen die Sprachkunstlehrer. Daher ermuntere ich zur Transformation in realistische Romane und glaube, da\u00df man das, was man erz\u00e4hlt, sowieso nicht eins zu eins umsetzen wird, wenn man ein bi\u00dfchen Erfahrung hat.<br \/>\nDa\u00df es, nachdem ja wirklich schon so viel geschrieben wurde, nicht leicht ist, seinen eigenen Stil zu finden, lehrt das Beispiel von Wolf Haas, der erz\u00e4hlt in Interviews immer, da\u00df er einige unbrauchbare Romane geschrieben hat, bis es ihm bei seinen Brenner-Krimis gelungen ist, mit einer k\u00fcnstlichen Sprache, ber\u00fchmt zu werden.<br \/>\nEs ist nicht leicht, man soll es aber trotzdem versuchen und durch Erleben und Erfahrung besser werden, was in der Reihe &#8220;Im Gespr\u00e4ch&#8221; auch Josef Winkler betonte. Er bezog sich allerdings auf das,&#8221;wie&#8221; des Schreibens und meinte, da\u00df das &#8220;was&#8221; nicht so wichtig sei, was ja nicht nur Richtung Elfenbeinturm geht, sondern auch gef\u00e4hrlich sein kann, zitierte Handke und meinte, da\u00df er den t\u00e4glich lese und gern, wie er schreiben k\u00f6nnen w\u00fcrde.<br \/>\nNoch eine Transformation bzw. eine Beobachtung habe ich am Schlu\u00df anzumerken, die vielleicht nicht so erfreulich ist und auf die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/01\/05\/winterfrische\/\">Rezensionsdebatte<\/a> der B\u00fccherblogs um Weihnachten zur\u00fcckzuf\u00fchren sein k\u00f6nnte. Habe ich bei den letzten drei Anfragen, die ich machte, zweimal keine Antwort und eine Absage bekommen, was vor einem halben Jahr nicht so war.<br \/>\nSchade denke ich, obwohl ich ja an keinen B\u00fcchermangel leide und genug aufzulesen habe, was ich auch will, schade nur, wenn das Schreiben und das Sprechen, die Situation ver\u00e4ndert, es kann aber auch Zufall sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Sprachkunstsymposium und die Diskussion, die sie auf diesen Blog ausl\u00f6ste, haben einige Fragen aufgeworfen, mit denen ich mich auseinandersetzen will. 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