{"id":56926,"date":"2017-11-26T23:59:27","date_gmt":"2017-11-26T22:59:27","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=56926"},"modified":"2017-11-26T23:59:27","modified_gmt":"2017-11-26T22:59:27","slug":"dialektik-der-befreiung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=56926","title":{"rendered":"Dialektik der Befreiung"},"content":{"rendered":"<p>Wieder &#8220;Literatur im Herbst&#8221;, das ist die Veranstaltung, die Walter Famler seit einigen Jahren im November im &#8220;Odeon Theater&#8221; statt der &#8220;Literatur im M\u00e4rz&#8221; kuratiert und da einmal vorwiegend mit den osteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern begonnen hat.<\/p>\n<p>Ab Griechenland bin ich dabei gewesen, vorher hab ich es vers\u00e4umt, weil es sich mit meinem Geburtstagsfest \u00fcberschnitten hat.<\/p>\n<p>Jetzt sind die L\u00e4nder in etwa durch, das letzte Jahr war <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/20\/echos-aus-japan\/\">Japan<\/a> drin und da Walter Famler ein politischer Mensch ist, holen ihm die Achtundsechziger, obwohl er damals erst zehn Jahre alt gewesen ist ein und er hat das Publkum am Freitag auch mit &#8220;Genossen und Genossinnen&#8221; dann allerdings auch mit &#8220;brothers and sisters&#8221;, &#8220;friends and enemys&#8221;, begr\u00fc\u00dft, was in einer Zeit, wo man die identit\u00e4ren von der Orbanisierung \u00d6sterreich&#8221; und dem Ende von &#8220;Mulitkulti&#8221; sprechen h\u00f6rt, fast\u00a0 nostalgisch anmutet. Aber vor f\u00fcnfzig jahren hat es in London von den Antipsychiatern Ronald D. Laing and David Cooper organisierte Konferenz mit dem Titel &#8220;Dialektiv der Befreiung&#8221; gegeben. Herbert Marcuse und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/06\/16\/sigmund-freud-statt-aris-fioretes\/\">Felix de Mendelsohn<\/a> war, glaube ich, auch dabei und die will Walter Famler dieses Mal offenbar weiterf\u00fchren und das Buch, das diesbez\u00fcglich entstanden ist, wurde auch neuaufgelegt und am Mittwoch im &#8220;Freud-Museum&#8221; vorgestellt.<\/p>\n<p>Da war ich im <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/11\/22\/open-mike-on-tour\/\">Literaturhaus<\/a>, es lag aber am B\u00fcchertisch, der wieder von &#8220;apunktbuch&#8221; organisert wurde auf und andere politische Schriften der vergangenen Jahrzehnte, Belletristik eher weniger, obwohl zwei autoren auftreten werden, deren B\u00fccher ich gelesen habe oder lesen werden.<\/p>\n<p>Begonnen hat es aber, da Stadtrat Mailath Pokorny verhindert war und die\u00a0 Er\u00f6ffnung daher von Walter Famler durchgef\u00fchrt wurde mit einer Rede von dem Schweizer Filmer und Theatermacher <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Milo_Rau\">Milo Rau<\/a> &#8220;Die R\u00fcckeroberung der Zukunft&#8221;, der Filme \u00fcber den Kongo drehte und Tribunale in Moskau und Weltkonferenzen in Berlin durchf\u00fchrte.<\/p>\n<p>Ja, die Globalisierung ist ein gro\u00dfes Thema, und die Gewalt in Ruanda und sonstwo ist es auch. Zivilcourage oder vielleicht auch ziviler ungehorsam ist angesagt und Milo Rau, von dem ich noch nicht viel geh\u00f6rt habe, offenbar bin ich doch nicht so politisch, scheint ein sehr selbstbewu\u00dfter Mann zu sein. Es gab dann noch ein Gespr\u00e4ch mit der Professorin f\u00fcr Soziologie Shalini Randeria dar\u00fcber und Walter Famler verwies auf das Programm der n\u00e4chsten zwei Tage und forderte die &#8220;Genossen und Genossinnen&#8221;, die &#8220;Brothers und die Sisters&#8221;, etcetera, zum Wiederkommen auf.<\/p>\n<p>Es gab dann auch am Samstagnachmittag einen Film \u00fcber Herbert Marcuse in San Diego aus den Neunzehnhundertsechziger, der ja auch an der Konferenz in London teilgenommen hat und dann gings zur ersten Kanzelrede, vielleicht ein Format von damals oder ein bew\u00e4hrtes Befreiungsinstrument.<\/p>\n<p>Da hat Isabel Lorey \u00fcber die &#8220;Regierung der Prek\u00e4ren&#8221; und Thomas Seibert \u00fcber die &#8220;Existenz der \u00d6konomie&#8221; referiert, denn so hei\u00dfen ihre B\u00fccher und ihre Theesen dann gegeneinander diskutiert.<\/p>\n<p>Danach gab es eine einst\u00fcndige Pause und ich dachte, was mache ich da, wenn niemand da ist der mich auf ein Glas Wein einl\u00e4dt oder mit dem ich reden kann, denn ich hatte mir <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/11\/23\/aber-sicher\/\">wieder kein Buch mitgenommen<\/a>, obwohl ich schon fast im Zugszwang bin, alles wie vorgenommen zu schaffen und wollte auch nicht am Donaukanal spazieren gehen.<\/p>\n<p>Also habe ich mir das Glas Wein selbst gekauft und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/06\/21\/ausflug-an-den-attersee\/\">Luis Stabauer<\/a> angesprochen, der wie ich gerade\u00a0 einen Roman \u00fcber <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/11\/19\/nanowrimowochenende-und-fertigwerden\/\">die politische Situation schreibt.<\/a><\/p>\n<p>Den kann ich vielleicht f\u00fcr meine geplante Leserunde gewinnen, wenn\u00a0 das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/08\/09\/vorschau-auf-vor-dem-fruehstueck-kennt-dich-keiner\/\">&#8220;Bibliotheksgespenst&#8221;<\/a> erschienen ist und dann kam, das erste Mal bei dieser Veranstaltung eine Lsung.<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/10\/13\/sonntagskind-oder-kriegsroman\/\"> Jan Koneffke<\/a> stellte n\u00e4mlich den Italiener Maurizio\u00a0 Torchio mit seinem Gef\u00e4ngnisroman &#8220;Das angehaltene Leben&#8221; vor, was eigentlich ein umgekehrte Befreiunngsakt ist und wie der Autor sagte, eigentlich auch keine soziale Mi\u00dfst\u00e4nde aufzeigen sollte, aber trotzdem interessant war und dann kam, wie Walter Famler noch einmal ank\u00fcndigte, der H\u00f6hepunkt des Abends n\u00e4mlich eine szenische Reflexion \u00fcber Pier Paolo Pasolinis &#8220;Salo oder die hundertzwanzig Tage von Sodom&#8221;, wo 1975, das faschistische Italien gezeigt wurde, wo vier Herren acht Jugendliche zu Tode qu\u00e4lten und der daf\u00fcr, wie die beiden vortragenden Aleksandara Corovic und Rafael Schuchter bemerkten, schlechte Kritiken von Rezenten bekommen haben, die drei\u00dfig Jjahre vorher Veit Harlans &#8220;Jud S\u00fc\u00df&#8221; wohlwollend, als qualit\u00e4tvolles Kunstwerk besprochen haben.<\/p>\n<p>Am Sonntag ist es dann um zehn im Metro-Kino mit einem Film &#8220;I am not your negro&#8221; \u00fcber James Baldwin, von dem ich &#8220;Giovannis Zimmer&#8221; noch lesen mu\u00df, in dem es \u00fcber die amerikanische Rassentrennung geht, weitergegangen und um elf war eine Verantstaltung in der &#8220;Alten Schmiede&#8221;: &#8220;Dialektik der\u00a0 Unfreiheit in Osteuropa&#8221; unter anderen mit Paul Lendvai und\u00a0 Ilija Trojanow angesetzt, die sicher interessant, aber nicht zu schaffen war, da der Film, beziehungsweise die Diskussion dar\u00fcber erst um cirka viertel eins zu Ende war.<\/p>\n<p>So bin ich mit der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/05\/15\/um-den-bodensee-mit-ruth-und-alfred\/\">Ruth<\/a> und der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/02\/28\/kaffee-bei-erika-brunngraber\/\">Erika Brunngraber<\/a>, deren Hund gestorben ist, bis halb eins im Foyer gesessen, dann in die Krongasse gegangen, wo es Sardinen gab. Am Samstag gab es Tintenfische, denn das gibt es bei uns meistens am Wochenende, wenn wir in Wien sind und dann wieder ins Odeon Theater in die Taborstra\u00dfe, wo es die &#8220;Kanzelreden II&#8221;, zu dem wahrscheinlich noch sperrigeren Thema &#8220;Die Externalisierungsgesellschaft und die\u00a0 Politik der Potentalit\u00e4t&#8221; gab. Worum es darum ging, ist mir nicht ganz klar geworden, zumindest sind die beiden Redner, Felix Ensslin, der Sohn von Gudrun Ensslin und Stephan\u00a0 Lessenich von einem Thema zum anderen gesprungen, haben sich auf Thomas M\u00fcnzer, den Film von Pier Paolo Passolini und auch auf dem Tod bezogen.<\/p>\n<p>&#8220;Hirnwichslerei&#8221; hat es eine Bekannte genannt. So ganz kann ich ihr nicht widersprechen, obwohl einige, die sich aus dem Publikum zur Diskussion meldeten, interessante Fragen hatten und sicher mehr verstanden haben.<\/p>\n<p>Ich bin bei der &#8220;Befreiungsdialketik&#8221; vor allem an der politischen Siutation interessiert, an den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/10\/26\/gedanknen-zu-schwarz-blau\/\">schwarzblauen<\/a> Regierungsverhandlungen, die im Gange sind und, wo man h\u00f6rt, da\u00df die, die Schulversuche zur Ganztagsschule eingestellt werden sollen, die Mindestsicherung gek\u00fcrzt, etcetera und den Aktionen der Identit\u00e4ren, die ja jubeln, da\u00df es die Linken nicht mehr gibt, beispielsweise und, als ich schon dachte, da\u00df das Ganze vielleicht nur eine nostalgische Retroveranstaltung ist, hat sich Walter Famler darauf bei der Diskussion im Kino bezogen und sehr emotionell dabei gewirkt.<\/p>\n<p>Dann kam wieder ein Literaturblock, den Ilija Trojanow moderierte und da begann Noro Bossong mit ihrem Roman \u00fcber <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/12\/23\/369\/\">Antonio Gramsci,<\/a> den ich ja bei dem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/12\/23\/369\/\">Gewinnspiel von Mara Giese<\/a> vor zwei Jahren gewonnen habe, dann wurde Pankay\u00a0 Mishras, das ist ein 1969 in Indien geborener Essayist, &#8220;Zeitalter des Zorns&#8221; vorgestellt, das wie im Programm steht &#8220;ein Parforceritt durch die Geschichte der europ\u00e4ischen Aufkl\u00e4rung und ihren Analogien zum pervertierten Freiheitsbegriff in islamistischen M\u00e4rtyrer- und Opfertod-Ideologien&#8221; ist.<\/p>\n<p>Sicher sehr interessant, aber ein Buch, das ich wahrscheinlich nicht lesen werde. Bei Colson\u00a0 Whitehead &#8220;Undergroud Rail Road&#8221;, der mit seinem Bestseller, mit dem er\u00a0 2017, den &#8220;Pulizter-Preis gewonnen hat, gerade auf Lesereise im deutschen Raum ist, ist das anders, denn das habe ich mir ja von dem Buchgutschein, den mir die Anna zum <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/11\/11\/literarisches-geburtstagsfest-5\/\">Geburtstag<\/a> schenkte, gekauft und hoffe nur, da\u00df ich es bald schaffe, das Buch zu lesen.<\/p>\n<p>Die &#8220;Underground Rail Road&#8221; ist ein Weg, auf dem\u00a0 sich die Sklaven in Amerika zur Freiheit aufmachten und weil das Buch jetzt in aller Munde ist, sind auch Jatja Gasser und Zita Bereuter zum zuh\u00f6ren eingetroffen und am Abschlu\u00df gab es noch von Walter Famler einen &#8220;Befreiungsblues&#8221; und ich denke, es war sehr gut sich an diesem Wochenende auf einen Gang durch die Befreiungs- und Unterdr\u00fcckungsgeschichte der letzten f\u00fcnfzig Jahre zu begeben und, wie es in \u00d6sterreich in Euopa und auf der ganzen Welt weitergehen wird, wird die zukunft zeigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieder &#8220;Literatur im Herbst&#8221;, das ist die Veranstaltung, die Walter Famler seit einigen Jahren im November im &#8220;Odeon Theater&#8221; statt der &#8220;Literatur im M\u00e4rz&#8221; kuratiert und da einmal vorwiegend mit den osteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern begonnen hat. 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