{"id":5718,"date":"2011-01-31T23:06:58","date_gmt":"2011-01-31T22:06:58","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=5718"},"modified":"2011-01-31T23:06:58","modified_gmt":"2011-01-31T22:06:58","slug":"eigensinnsinneswandel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=5718","title":{"rendered":"eigenSINN&amp;SINNESwandel"},"content":{"rendered":"<p>Nach einer heftigen Diskussion mit JuSophie, ob \u00fcberforderte Lehrer schon zwanzig Prozent Analphabetenkinder produzieren und man schreiben darf, da\u00df sich die Mimi f\u00fcr gesund und normal h\u00e4lt, ihre Mutter, die Nachbarn etc, das aber anders sehen, einen dichten Praxistag und einer noch nicht gemachten Abrechnung,  war ich wieder in der Alten Schmiede.<br \/>\nFriedrich Hahn moderierte die Textvorstellungen, als ich eintraf, hat schon Friederike Schwab, die 1941 in Graz geboren, GAV-Mitglied Malerin und Autorin ist, aus ihrem bei Leykam erschienenen Buch &#8220;Die Insel im Maismeer&#8221; gelesen. Die Erkl\u00e4rung warum das Buch so hei\u00dft, habe ich vers\u00e4umt, das Thema des Abends lautete eigenSINN&amp;SINNESwandel und im Buch geht es um eine Frau um f\u00fcnfzig, die aus ihrem Leben f\u00e4llt. Friedrich Hahn hat es nach der Lesung ein Opus Magnum genannt, weil es eine ganze Epoche beschreibt. Die Szene von dem Gro\u00dfvater scheine ich vers\u00e4umt zu haben, als ich ankam packte gerade eine Frau Sachen aus einem Auto in ein Zelt, dann ging es noch um eine Mutter mit Gehirntumor, die mit dem Rollstuhl aus einem Altersheim fl\u00fcchten will und in der Nacht von Kindern besucht wird.<br \/>\nDanach folgte ein Schulroman, bzw. eine Novelle,  des 1959 in Spittal an der Drau geborenen Klaus Ratschiller, der die letzten f\u00fcnf Jahre als freier Schriftsteller und Philosoph lebte, jetzt aber wieder AHS-Lehrer ist. In dieser Zeit ist &#8220;Kollege M&#8221;,  in der Edition Atelier erschienen. Er las eine Szene aus der Bibliothek, wo sich die Deutschlehrer einer Schule treffen, um ironisch den schulautonomen Kanon zu diskutieren, dabei f\u00fchrt ein junger Lehrer namens Flosse vor, wie er die Sch\u00fcler mit auswendiggelernten Romanstellen aus &#8220;Mobby Dick&#8221; \u00fcberzeugten will, w\u00e4hrend der \u00e4ltere  Lehrer Michael Mitterecker, genannt MM, der inzwischen nur mehr Anz\u00fcge tr\u00e4gt, weil sich die Sch\u00fclerinnen vor seinem Kropf grausten, \u00fcber seine Mittelm\u00e4\u00dfigkeit philosophiert.<br \/>\nDann kam wieder ein j\u00fcngerer mir bisher unbekannter Autor, n\u00e4mlich der  1978 in Graz geborene Martin Kolozc, der 2003 den Kyrene Verlag gegr\u00fcndet hat, sein Buch &#8220;Lange Abende&#8221; ist aber bei Skarabaeus erschienen und handelt von einem Aussteiger. Ein Nichtschwimmer ersteigert ein Boot, verl\u00e4\u00dft seine Freunde und zieht an einen See, dort befreundet er sich mit einem Kapit\u00e4n, einer Frau und einer Katze, bringt sich aber, obwohl ihm eigentlich alles in seinem Leben gelingt, um. Martin Kolozs, der ebenfalls Philosophie studierte, begr\u00fcndete auf Friedrich Hahns Frage, da\u00df er das deshalb tat, weil ihm das Leben, hier und dort nirgends befriedigte. Mich beeindruckte vor allem der Satz, da\u00df die &#8220;Katze Moni eines Tages ohne etwas zu sagen einfach wegblieb&#8221;, da habe ich beim Autor  nachgefragt, ob ich richtig  geh\u00f6rt habe, worauf er begr\u00fcndete, da\u00df dieser Christian eine sehr intensive Beziehung zu seiner Katze hatte.<br \/>\nInteressant habe ich gedacht, ein Satz den der Lektor offenbar nicht gestrichen und dem Autor das Buch auch nicht vor die F\u00fc\u00dfe geschmissen hat, aber ungew\u00f6hnlich und infolgedessen einpr\u00e4gsam.<br \/>\nDas vierte Buch &#8220;Wer getragen wird, braucht keine Schuhe&#8221;, ist eindeutig das bekannteste, ist die 1976 in Innsbruck geborene Carolina Schutti ja f\u00fcr den Rauriser Debutpreis nominiert, der wie ich h\u00f6rte, am 2.2. entschieden wird. Ich w\u00fcrde ja auf Dorothee Elmiger tippen, aber meine Sch\u00e4tzungen waren bis jetzt meistens falsch und von dem Buch habe ich schon in einer Ex-Libris Sendung und auf der Buch-Wien geh\u00f6rt. Es ist auch  sehr  poetisch und hat immer wieder ungew\u00f6hnlich dichte S\u00e4tze, wie &#8220;Wenn du einen schwarzen von einem wei\u00dfen Faden nicht mehr unterscheiden kannst, dann treffen wir uns!<br \/>\nDie Hauptperson Anna tr\u00e4gt eine Schuld mit sich, offensichtlich hat sie als Kind die kleinere Schwester in den Swimmingpool geschmissen, sie verl\u00e4\u00dft jedenfalls mit achtzehn mit einer Tasche Kleider und ihren  Stoffhasen das Haus, wo die Mutter einfach ein Gedeck weniger, zu dem nicht ben\u00fctzen (vierten) legt, f\u00e4hrt in die Stadt und betritt ein Lokal, das eine Serviererin sucht. Dort arbeitet sie zwei Jahre, bis sie Harald kennenlernt, sie scheint sich auch zu schneiden und versucht sich immer wieder umzubringen. Das Buch erz\u00e4hlte Carolina Schutti ist in drei Teilen und aus drei Perspektiven geschrieben, die die Handlung weitererz\u00e4hlen. Den ersten Teil  erz\u00e4hlt Anna, den zweiten Harald, im dritten spricht Anna mit ihrer Schwester.<br \/>\nCarolina Schutti erz\u00e4hlte im interview, da\u00df sie erst zu schreiben begann, als sie ihre Habil oder ihr Habilansuchen in den Mistk\u00fcbel schmi\u00df, jetzt wird sie beim Schreiben bleiben, sie tr\u00e4gt die Geschichte aber schon lang mit sich herum.<br \/>\nAls ich mich beim B\u00fcchertisch durch die B\u00fccher schaute, kam Friedrich Hahn auf mich zu und erkundigte sich, ob ich wieder flei\u00dfig mitgeschrieben h\u00e4tte?<br \/>\nNat\u00fcrlich, antwortete ich. Ich schreibe immer mit und meistens auch sehr viel!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einer heftigen Diskussion mit JuSophie, ob \u00fcberforderte Lehrer schon zwanzig Prozent Analphabetenkinder produzieren und man schreiben darf, da\u00df sich die Mimi f\u00fcr gesund und normal h\u00e4lt, ihre Mutter, die Nachbarn etc, das aber anders sehen, einen dichten Praxistag und &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=5718\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-5718","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5718","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5718"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5718\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5718"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5718"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5718"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}