{"id":57434,"date":"2017-12-09T22:59:11","date_gmt":"2017-12-09T21:59:11","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=57434"},"modified":"2017-12-09T22:59:11","modified_gmt":"2017-12-09T21:59:11","slug":"punschtrinken-und-neuntes-adventkalenderfenster","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=57434","title":{"rendered":"Punschtrinken und neuntes Adventkalenderfenster"},"content":{"rendered":"<p>Zu den Weihnachtsritualen geh\u00f6rt das j\u00e4hrliche Punschtrinken mit der Anna, wo wir regelm\u00e4\u00dfig auf den Spittelberg gingen. Dort durch den Adventmarkt streunten und dann meistens im Hof des Amerlinghauses einen Orangen- oder Ingwerpunsch tranken, der Alfred bevorzugte Feuerzangenbowle.<\/p>\n<p>Jetzt wohnt die Anna aber in Harland und so sind wir am Nachmittag mit dem Bus nach St. P\u00f6lten gefahren und haben eine Weihnachtsmarktrunde gemacht.<\/p>\n<p>Zuerst im Sparkassenpark, wo alles feierlich beleuchtet war und wir die Feuerzangenbowle probierten, die sehr k\u00f6stlich schmeckte. Es war zwar ziemlich kalt, es waren aber \u00fcberall Ofen aufgestellt, wo man sich w\u00e4rmen konnte und dann sind wir noch auf den Rathausplatz gegangen, wo es traditoneller ist und wir schon einmal mit <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/12\/14\/adventwochenende\/\">dem Karli<\/a> waren. Da habe ich, kann ich mich erinnern Eierlik\u00f6rpunsch getrunen, was ich wieder machte, der aber glaube ich, etwas anders schmeckte und weil das Punkschtrinken zum Advent passt, gibt es hier prompt das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/08\/04\/ein-adventkalender-im-august\/\">neunte Adventkalenderfenster<\/a> und die Nika geht mit ihrem Freund\u00a0 auch auf einen Weihnachtsmarkt, aber das passiert, glaube ich, erst sp\u00e4ter. Jetzt wird erst einmal die Mordsache aufgekl\u00e4rt, weil es eigentlich eine Art Krimi werden sollte, obwohl ich keine Krimis schreiben kann.<\/p>\n<p>&#8220;Mittwoch, 9. Dezember<\/p>\n<p>Am Mittwoch prangte nicht zu \u00fcbersehen, das Konterfei von Andrea Herbst auf der Gratiszeitung<\/p>\n<p>&#8220;Wende in der Mordsache Kronauer? Hat Stieftichter ihren jahrelangen Peiniger erschlagen?, stand gro\u00df geschrieben und darunter teilte die Zeitung ihren Lesern mit, da\u00df die Hausmeisterin Andrea Herbst, um halb sechs am letzten Montag das Haus betreten und an Veras T\u00fcre l\u00e4uten gesehen habe. Slavica Miletevic hatte gerade den Boden aufgewaschen und so Gelegenheit gehabt, alles genau zu beobachten und das junge M\u00e4dchen, das eine gro\u00dfe Sporttasche getragen hatte, war ihr aufgefallen, weil sie sich gewundert hatte, was ein so junges M\u00e4dchen in der Praxis einer Psychotherapeutin verloren habe?<\/p>\n<p>&#8220;Aber die Welt wird immer verr\u00fcckter und eigentlich wundere ich mich \u00fcber gar nichts mehr!&#8221;, hatte die Frau noch hinzugef\u00fcgt.<\/p>\n<p>&#8220;Da\u00df die Leute zum Zahnarzt gehen, ist selbstverst\u00e4ndlich, aber ein so junges M\u00e4dchen sollte eigentlich keinen Therapeuten brauchen!&#8221;, hatte sie gedacht, die Achseln gezuckt und war mit ihrem Schrubber und dem Wasserk\u00fcbel ein Stockwerk hinuntergestiegen, um dort weiterzuwaschen. Als sie in der Zeitung gelesenhatte, welche &lt;patientin die Therapeutin behandelte, sei ihr erst Recht ein Schauer der Angst den K\u00f6rper hinuntergeronnen und eigentlich wolle sie,\u00a0 wenn sie ehrlich war, als Mutter von zwei Kindern, die oft genug allein in der Wohnung seien, nicht, da\u00df solche Menschen im Haus ein- und ausgehen! Vorher habe sie sich nichts dabei gedacht! Aber jetzt w\u00fcrde sie immer Angst bekommen, wenn sie einkaufen oder in die Waschk\u00fcche mu\u00dfte und die Kinder allein waren! Wer wei\u00df, was sonst noch f\u00fcr Leute zu der Therapeutin gingen und wenn die den Kindern auflauerten, sie verf\u00fchrten oder ihnen Gewalt ant\u00e4ten? Das wolle sie in ihrem Wohnhaus eigentlich nicht! Aber bei dem jungen M\u00e4dchen, das da die Praxis betreten hatte,\u00a0 hatte\u00a0 sie das nicht vermutet! Vor dem hatte sie sich nicht gef\u00fcrchtet und nur &#8220;Armes Kinderl!&#8221;, gedacht. Dann hatte sie in den n\u00e4chsten Tagen von dem Mordfall gelesen und sich an die Sporttasche erinnert, die das M\u00e4dchen \u00fcber der Schulter h\u00e4ngen hatte. So ein Leuchter mit dem der T\u00e4ter erschlagen worden war, h\u00e4tte da sicher Platz gehabt! Sie hatte zwar keine verd\u00e4chtige Ger\u00e4usche aus der Wohnung geh\u00f6rt! das nicht, was sie auch nicht konnte, war sie doch zuerst in dem ersten Stock, dann in das Erdgescho\u00df hinuntergegangen und zuletzt in ihrer Wohnung verschwunden, so da\u00df sie das junge M\u00e4dchen auch nicht das Haus verlassen gesehen hatte! Die Polizei, bei der sie ihre Beobachtung gemeldet hatte, hatte ihr das Foto von Adrea Herbst gezeigt und sie hatte sie sofort erkannt!<\/p>\n<p>&#8220;Das ist sie gewesen!&#8221;, hatte sie ausgerufen! Die Gratiszeitung hatte wieder eine Schlagzeile und vermutete in Andrea Herbst die M\u00f6rderin ihres Stiefvaters.<\/p>\n<p>&#8220;Hat Stieftochter ihren\u00a0 Peiniger erschlagen?&#8221;, fragte sie in gro\u00dfen Lettern\u00a0 und Nika sch\u00fcttelte den Kopf, hatte sie doch gedacht, da\u00df Peter Kronauer einem Schlaganfall erlegen war. So hatte es ihr die Schwester am Telefon gesagt und Harald, der sie wieder abgeholt hatte, hatte das auch best\u00e4tigt. Es war eindeutig ein Schlaganfall, wenn Peter Kronauer auch Spuren von diesem Leuchter im Gesicht hatte. Aber vielleicht war er darauf gefallen und Andrea Herbst hatte den Leuchter in Veras Praxis, den diese vorher noch nie gesehen hatte, gebracht? Das war eine Erkl\u00e4rung! So k\u00f6nnte es gewesen sein, dachte Nika, steckte die Zeitung in ihren Rucksack und stieg aus. Vielleicht hatte die Stieftochter ihr Trauma noch nicht bew\u00e4ltigt? Vielleicht \u00e4rgerte es sie auch, da\u00df ihr Stiefvater, statt eingesperrt zu sein,\u00a0 einfach einmal in der Woche zu einer Therapeutin ging? Das hatte sie in ihren vorigen Interviews so angedeutet! Das war die Erkl\u00e4rung und Ruth und Vera konnten aufatmen! Vera ihre Patienten weiter behandeln und Ruth hatte genug zu tun, sich mit dem Vater ihres Kindes zu einigen, beziehungsweise diesen loszuwerden und sie mu\u00dfte in ihr Kost\u00fcm schl\u00fcpfen und damit auf die Mariahilferstra\u00dfe hetzen.<\/p>\n<p>&#8220;Hallo, Frau Magister, wie war es am gestrigen Feiertag? Gab es genug zu tun? Wie ich h\u00f6re, kommen Sie mit Ihrem Job gut zurecht! Die Muttis und die Kinder sind zufrieden und loben sie sehr! Nur, da\u00df Sie zuviel S\u00fc\u00dfigkeiten austeilen, habe ich ebenfalls geh\u00f6rt und dar\u00fcber wollte ich mit Ihnen sprechen! Sie scheinen ein gutes Herz zu haben! Das ist an sich nicht schlecht! Da man aber sparsam sein und nicht \u00fcbertreiben soll, merken Sie sich bitte, f\u00fcr jedes Kind ein Zuckerl, beziehungsweise ein Schokoladest\u00fcckchen und die Erwachsenen bekommen das Prospekt! Das gilt auch f\u00fcr die alten M\u00e4nner! Die Sandler und die Alkoholiker k\u00f6nnen Sie guten Gewissens irgnorieren, denn die kaufen ohnehin nicht bei uns und bitte keine Privatgespr\u00e4che! Ihre Freunde treffen Sie am besten nach der Arbeit, wenn Sie dazu noch Energie haben und nicht dazwischen!&#8221;, mahnte Widerling Seidler sie, der wieder im Haus schien und sich ihr in den Weg stellte, als sie aus der Damengarderobe kam und ins Erdgescho\u00df wollte. Wer hatte sie verpetzt? Hatte vielleicht Rade Jovanovic sie verraten? Aber den hatte sie gestern genauso wenig wie Widerlich Seidler gesehen. Vielleicht war es eine der Verk\u00e4uferinnen gewesen oder ein Kaufhausdetektiv,\u00a0 der sie am Montag mit Fatma Challaki sprechen gesehen hatte. Aber die war bald gegangen und am Feiertag waren weder sie, noch Hassan Arawani zu sehen gewesen. Nur die kleine Jessica Nikolic war gekommen und hatte, das stimmte, wieder tief in den Sack gegriffen und eine Handvoll Zuckerln herausgeholt. Dabei war sie also erwischt worden und sollte vorsichtiger sein, denn Jessica Nikolic war, wie sie sich selbst bezeichnete, eine Personaltochter! Kind einer alleinerziehenden Verk\u00e4uferin, die sich zu Hause langweilte. Deshalb war sie am Feiertag auf die Mariahilferstra\u00dfe gekommen.\u00a0 War aber, weil ihre Mutter Angst vor ihrem Chef hatte, nicht ins Kaufhaus, sondern zu Max Schr\u00f6der gegangen, um f\u00fcr ihn einhzukufen\u00a0 und im Haushalt zu helfen. Das konnte nicht verboten sein und ging Klaus Seidler nichts an. Also die Achseln zucken, Herrn Widerling anl\u00e4cheln &#8220;Aye, Aye, Chef!&#8221;, antworten und treuherzig versprechen, das n\u00e4chste Mal bei der Zuckerlverteilung nicht so gro\u00dfherzig zu sein!<\/p>\n<p>&#8220;Wissen Sie, das ist ohnehin im Sinn der meisten M\u00fctter,\u00a0 die ihre Kinder vor dem Zahnarzt warnen und alten M\u00e4nnern habe ich auch nicht soviele S\u00fc\u00dfigkeiten gegeben! Nur vielleicht ein oder zweimal ist es mir passiert,\u00a0 da\u00df einer in meinen Sack greifen wollte, aber da werde ich jetzt streng sein und aufpassen!&#8221;, hatte sie geantwortet und &#8220;Wiederlich!&#8221;, gedacht.<\/p>\n<p>&#8220;Eigentlich ist mein Job widerlich, wenn ich Herrn Widerlich anl\u00fcgen mu\u00df, weil ich sowohl Jessica, als auch Max Schr\u00f6der einen Nikolo und einen Krampus zuviel gegeben habe! Und das war alles, denn den FP\u00d6-W\u00e4hlern, die vielleicht die Informationstr\u00e4ger sind, habe ich nichts gegeben und Hassan Arawani hat nichts aus meinem Sack genommen! Aber ich werde aufpassen und mich genau umschauen, wenn ich der kleinen Jessica wieder ein Zuckerl mehr gebe, was ich ganz ehrlich m\u00f6chte, weil ich finde, da sich ein Weihnachtswichtel, das dem alten Max beim Einkaufen hilft, ein solches verdient hat! Aber heute ist sie in der Schule und wird vielleicht nicht kommen! Hassan Arawani ist nicht zu sehen und der alte Max ist auch nicht da! Also kann nichts passieren!&#8221;, hatte sie gedacht, als sie auf die Stra\u00dfe trat und sich umgesehen hatte. Dann war sie zusammengezuckt, als Klaus Seidler, der ihr gefolgt war, mit der Gratiszeitung vor ihrem Gesicht hin- und herwackelte und &#8220;Haben Sie das gelesen?&#8221;, fragte.<\/p>\n<p>&#8220;Der Mordfall in der Praxis der Freundin Ihrer Schwester geht weiter! Die Stieftochter hat den Stiefvater mit einem Weihnachtsleuchter erschlagen! Wenn Sie mich fragen, ist es nicht schade, um den Kerl und eigentlich tut es mir viel mehr leid,\u00a0 wenn die Kleine ins Gef\u00e4ngnis mu\u00df!&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Mu\u00df sie wahrscheinlich nicht, weil sie mit F\u00fcnfzehn noch nicht straff\u00e4hig ist und wenn Sie es nicht weitersagen, Herr Seidler, kann ich Ihnen verraten, was mir meine Schwester erz\u00e4hlt hat, die es von einem Journalisten h\u00f6rte, der es von einem Polizeijuristen wei\u00df! Peter Kronauer ist an einem Schlaganfall gestorben! Er hatte zwar Spuren von\u00a0 diesem Leuchter auf der Stirn, ist aber wahrscheinlich bei seinem Sturz darauf gefallen! Die Stieftochter, die zur Zeit der Therapiestunde, offenbar die Praxis betreten hat, k\u00f6nnte h\u00f6chstens den Leuchter auf das Klo gestellt haben! Das ergibt aber keinen Sinn und ist auch nicht so wichtig! Beziehungsweise habe ich keine Zeit dar\u00fcber nachzudenken, mu\u00df ich doch meine Zettel verteilen und auf meine S\u00fc\u00dfigkeiten aufpassen, damit ich nicht zuviel vergebe, damit Sie nicht wieder mit mir schimpfen! Ich werde also sehr genau sein!&#8221;, versprach Nika hinterh\u00e4ltig, griff in ihren Sack und hielt eines der Prospekte einer \u00e4lteren Dame hin, die begierig danach schnappte und keinen Krampus oder Nikolo von ihr haben wollte.<\/p>\n<p>&#8220;Bis sp\u00e4ter also, Herr Seidler! Vielleicht sehen wir uns in der Kantine!&#8221;, versprach sie vage und \u00fcberlegte, ob sie in einer stillen Minute ihre Schwester anrufen sollte, um sich zu erkundigen, was sie von dem Besuch von Kronauers Schwester in Veras Praxis hielt?&#8221;<\/p>\n<p>Neugierig geworden.<\/p>\n<p>Das <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_nika.html\">1<\/a>. <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/12\/05\/samstag-5-dezember\/\">5.<\/a> und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/12\/07\/anton-blitzsteins-geburtstag-mit-nika-lesung\/\">7.<\/a> Fenster gibt es hier, die vom 19. 25. 29. und 30. werde noch kommen,\u00a0 vielleicht streue ich sogar zwischendurch wieder etwas ein und ein paar Schmankerl wird es am 13. und am 23. Dezember auch noch geben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu den Weihnachtsritualen geh\u00f6rt das j\u00e4hrliche Punschtrinken mit der Anna, wo wir regelm\u00e4\u00dfig auf den Spittelberg gingen. 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