{"id":5752,"date":"2011-02-06T00:03:30","date_gmt":"2011-02-05T23:03:30","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=5752"},"modified":"2011-02-06T00:03:30","modified_gmt":"2011-02-05T23:03:30","slug":"wie-man-den-bachmannpreis-gewinnt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=5752","title":{"rendered":"Wie man den Bachmannpreis gewinnt"},"content":{"rendered":"<p>Angela Leinens Gebrauchsanweisung zum Lesen und Schreiben zum vorj\u00e4hrigen<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/06\/25\/bachmannlesen-ii\/\"> Bachmannpreis<\/a> herausgekommen und vom Verlag, wie ich h\u00f6rte, den Juroren zur Verf\u00fcgung gestellt, verspricht sehr viel und wird daher von potentiellen Autoren, die das nat\u00fcrlich wollen, schlie\u00dflich handelt es sich ja um einen sehr begehrten Preis, vermutlich flei\u00dfig gekauft und gelesen werden.<br \/>\n Wenn auch gleich auf Seite achtzehn steht &#8220;Sie werden es inzwischen ahnen: Das ist keine Anleitung zum Gewinnen eines Literaturpreises. Das im Titel angedeutete Versprechen wird im Buch nicht eingel\u00f6st.&#8221;<br \/>\nDa k\u00f6nnte man sich zwar als Leser und als K\u00e4ufer verarscht f\u00fchlen und das Versprechen einklagen. Vermutlich w\u00fcrde man das auch bei jedem anderen Versprechen tun, bei der Literatur ist das nat\u00fcrlich anders und so fragt man vielleicht nur, was ist es dann?<br \/>\n&#8220;Keine Anleitung zum Schreiben, kein Creativ-Writing-Lehrgang, keine Stilfibel und es erkl\u00e4rt auch nicht die Mechanismen des Literaturbetriebs&#8221;<br \/>\nF\u00fcr was hat man dann die 13 Euro 40 ausgegeben? Auch das wird erkl\u00e4rt.<br \/>\n &#8220;Wie man den Bachmannpreis gewinnt&#8221;, ist ein Buch f\u00fcr Leser,  &#8220;markiert leicht erkennbare Anzeichen f\u00fcr gute und f\u00fcr schlechte Texte und zeigt, was passiert, wenn ein bestimmter Text auf einen bestimmten Leser trifft.&#8221;<br \/>\nDie Einl\u00f6sung des zweiten Versprechen ist mir im Buch zwar nicht aufgefallen, obwohl ich mir alles genau angestrichen habe.<br \/>\n&#8220;Es ist auch ein Buch f\u00fcr Autoren&#8221;, wird weiter geschrieben, &#8220;die sich daf\u00fcr interessieren, was sich die Leser w\u00fcnschen&#8221;.<br \/>\nVerfasst wurde die Gebrauchsanweisung von der 1968 geborenen Angela Leinen, Anw\u00e4ltin, Mediatorin und Journalistin aus Bonn, die sich seit 2003 mit dem Wettlesen in Klagenfurt besch\u00e4ftigt und dar\u00fcber in ihrem Weblog &#8220;Sopran&#8221; und im Gemeinschaftsweblog lesemaschine.de schreibt. Da gibt es ja auch die aus diesen Blog entstandene Automatische Literaturkritik, die anhand vorher festgelegter Plus- und Minuspunkte, die eingereichten Texte bewertet und seit 2008 den Preis der Riesenmaschine vergibt.<br \/>\n2008 hat den der Bachmannpreistr\u00e4ger Tilman Rammstedt gewonnen, der auch noch den Publikumspreis bekommen hat, 2010 Dorothee Elmiger. Die Riesenmaschine ist Teil der zentralen Intelligenzagentur und in Klagenfurt sehr zentral vertreten, schlie\u00dflich hat ja Kathrin Passig 2006 den Bachmannpreis bekommen und<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/06\/26\/bachmannlesen-iii\/\"> Aleks Scholz<\/a>, der auch zu der Gruppe geh\u00f6rt, hat 2010 ebenfalls gewonnen.<br \/>\nDas Buch beginnt mit einem Vorwort von Kathrin Passig und hat einige Gastbeitr\u00e4ge von Bachmannpreisgewinnern wie Clemens J. Setz, Juroren, wie Daniela Striegl und Lektoren, wie Joe Lendl, der auch Autor ist und, wie ich glaube in Leipzig studierte, die erz\u00e4hlen, was f\u00fcr sie ein guter oder schlechter Text ist, vor allem aber f\u00fchrt das Angela Leinen in den verschiedenen Kapitel aus Sicht der Bachmannpreisbeobachterin aus.<br \/>\nSo hat sie die wichtigsten Stoffe der Bachmannpreisleser von A-Z zusammengefa\u00dft, f\u00fchrt an, \u00fcber was die Autoren so schreiben und gibt Tips mit den jeweiligen Reiz und Risken.<br \/>\nWeiter geht es mit wichtigen Fehlerquellen, die man auch in Schreibratgebern, wie zum Beispiel dem ber\u00fchmten &#8220;Wie man einen verdammt guten Roman schreibt&#8221;, finden kann. Da\u00df der Autor seine Figuren  gut kennen soll, beispielsweise, aber auch, wie man die verschiedenen Perspektiven einsetzen soll, keine sprechenden Namen verwenden, sich in keine Schl\u00fc\u00dfelromane, wie Martin Walser in &#8220;Tod eines Kritikers&#8221; einlassen und auch die Kunst der Dialoge wird in einem Kapitel ausgef\u00fchrt. Also kein zuviel &#8220;sagte er&#8221;, &#8220;sagte sie&#8221; und auch Synonyme wie &#8220;lachte, br\u00fcllte, fl\u00fcsterte, keuchte, kicherte etc.&#8221; soll man nicht so oft verwenden. Der gute Dialog kommt ohne aus und niemand soll ihn  nur wegen des Dialogs verwenden. Dann folgt im Kapitel Sex &#8220;Wenn in B\u00fcchern zwei Menschen aufeinanderprallen, droht Schlafgemach(Sexszene) oder Ungemach (Dialog). Beides mi\u00dflingt meist&#8221;, die Erkenntnis, da\u00df sich die Autoren oft nicht an den Sex im Text herantrauen. &#8220;Feuchtgebiete&#8221;, Wolf Haas und Clemens J. Setz werden da als Gegenbeispiele angef\u00fchrt.<br \/>\nIm Kapitel &#8220;Die Sorgfaltspflicht des Autors&#8221;, fordert Angela Leinen von den Autoren mehr Genauigkeit und verlangt, da\u00df es stimmen mu\u00df, wenn man behauptet, da\u00df der 24. November 2002 ein Montag war.<br \/>\nAnsonsten taucht wieder Altbekanntes aus, wie die Warnung vor den Adjektiven, die der Autor Philipp Tingler, 2001 in Klagenfurt offenbar so oft verwendete,  da\u00df ihm Robert Schindel empfahl, zwei bis drei Kilo davon hinauszuschmei\u00dfen.<br \/>\nEigentlich alles altbekannte Sachen, die man inzwischen in jeden Ratgeber finden kann, die Angela Leinen von Kapitel zu Kapitel mit vielen Beispielen belegt.<br \/>\n&#8220;Denn der Autor kann zwar alles machen, drollige Katzengeschichten schreiben und seine W\u00f6rter mit dem Zufallsgenerator mischen oder Texte ohne S\u00e4tze verfassen, nur darf er sich nicht wundern, wenn der Leser das nicht lesen will!&#8221;<br \/>\nDa frage ich mich dann immer, woher wei\u00df man das eigentlich so genau, was &#8220;der&#8221; Leser will und bei welcher Fehlerzahl er das Buch genervt ins n\u00e4chste Eck schmei\u00dft, gibt es da so viel ich wei\u00df ja keine Untersuchungen, sondern eher Expertenmeinungen, die sich meist sehr selbstbewu\u00dft \u00e4u\u00dfern.<br \/>\nSpannend auch, da\u00df das, obwohl das wahrscheinlich ohnehin schon jeder wei\u00df, der sich f\u00fcrs Schreiben interessiert, offenbar noch oft passiert, wird man ja, um beim Bachmannpreis lesen zu d\u00fcrfen, ausgew\u00e4hlt. Bekommen die Juroren ja hunderte Einreichungen und d\u00fcrfen daraus je zwei Texte vorschlagen.Trotzdem ist Angela Leinen das Angef\u00fchrte bei diesen Texten aufgefallen und sie f\u00fchrt das auch an vielen Beispielen aus. Richard David Precht hat 2004 in seinem Text &#8220;Baader braun&#8221;, zuviele Klischees verwendet und Helga Glantschnig 2002 im Text &#8220;Verschollen&#8221;, die Vorbereitungen einer Frau zu ihrem Selbstmord sehr breit geschildert, die diesen dann nicht ausf\u00fchrte, was die Juroren als fad und langweilig erlebten und nat\u00fcrlich wird auch angef\u00fchrt, da\u00df 2009 bei den meisten Juroren <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/06\/26\/2-bachmann-lesetag\/\">Linda Stifts Text<\/a> durchfiel, der sich mit dem Fl\u00fcchtlingselend befa\u00dfte, weil man das ja angeblich nicht kollektiv beschreiben darf. Mir hat zwar das Kollektive-Ich bei diesen Text sehr gut gefallen, weil ich den Eindruck hatte, da\u00df ich dadurch erst verstanden habe, was da im doppelten Boden des \u00fcberf\u00fcllten Lastwagens vor sich geht.<br \/>\nSo werden die Fehler durchanalysiert, die aus einem unzumutbaren Buch ein lesbares Buch machen k\u00f6nnten und ich habe mir diesen &#8220;benutzerfreundlichen und sehr unterhaltsamen Leitfaden f\u00fcr alle Buchliebhaber&#8221;, wie auf der R\u00fcckseite steht,  auch vom Alfred zum Geburtstag gew\u00fcnscht.<br \/>\nJetzt habe ich ihn gelesen und auch einige Fettn\u00e4pfchen gefunden, in die ich noch immer lustig trete und nehme mir nat\u00fcrlich vor, darauf zu achten, um, wie Robert Schindel  beim Symposium f\u00fcr Sprachkunst sagte,  in der Qualit\u00e4t besser zu werden, was nat\u00fcrlich wichtig ist.<br \/>\nTrotzdem bleibe ich ein wenig ratlos zur\u00fcck, da diese Gebrauchsanweisung, auch ein Schritt zur Gleichmacherei ist, weil am Ende vielleicht, die  nach den Krtierien der Riesenmaschine konstruierten Texte \u00fcberbleiben k\u00f6nnten und wenn alle, die beim  Bachmannpreis lesen wollen, ihre Texte nach diesen Kriteren durchsehen, f\u00e4llt au\u00dfer den Fehlern, vielleicht  auch viel an Originalit\u00e4t heraus, was mir nicht gefallen w\u00fcrde.<br \/>\nF\u00fcr den Leser ist es sicher interessant das Buch zu lesen, wenn man da auch aufpassen und vorsichtig sein sollte und in seiner Krealtivit\u00e4t sollte man sich auch nicht hemmen lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angela Leinens Gebrauchsanweisung zum Lesen und Schreiben zum vorj\u00e4hrigen Bachmannpreis herausgekommen und vom Verlag, wie ich h\u00f6rte, den Juroren zur Verf\u00fcgung gestellt, verspricht sehr viel und wird daher von potentiellen Autoren, die das nat\u00fcrlich wollen, schlie\u00dflich handelt es sich ja &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=5752\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-5752","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5752","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5752"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5752\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5752"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5752"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5752"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}