{"id":5792,"date":"2011-02-09T15:08:05","date_gmt":"2011-02-09T14:08:05","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=5792"},"modified":"2011-02-09T15:08:05","modified_gmt":"2011-02-09T14:08:05","slug":"komodie-des-alterns","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=5792","title":{"rendered":"Kom\u00f6die des Alterns"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Michael Scharangs herzerfrischende &#8220;Kom\u00f6die des Alterns&#8221; ist ein Buch \u00fcber drohende Verluste und Tr\u00f6stungen, \u00fcber Sprache und Musik, \u00fcber Bescheidenheit und den Abschied von den gro\u00dfen Verhei\u00dfungen&#8221;, schreibt Volker Hage, vom Spiegel, auf der Buchr\u00fcckseite.<br \/>\n&#8220;Ein Meisterwerk&#8221;, hat Elfriede Jelinek hinzugef\u00fcgt.<br \/>\nWorum geht es in dem 2010 bei Suhrkamp erschienenen Roman, der in einem Prolog, einen Epilog und  zw\u00f6lf Kapitel, die so sch\u00f6ne Namen tragen, wie &#8220;Der Sandsturm&#8221;, &#8220;Der Todfeind&#8221;, &#8220;Das Stahlwerk&#8221;, etc.<br \/>\nEs geht um zwei M\u00e4nner um sechzig, die also eigentlich noch gar nicht alt sind, obwohl sie als solche geschildert werden. Um den \u00e4gyptischen Maschinenbauingenieur Zacharias Sarani und den \u00f6sterreichischen Schriftsteller Heinrich Freudensprung, die einst Freunde waren, aber jetzt einen derartigen Ha\u00df aufeinander haben, da\u00df sie zu des Beginn des Buchs schon tagelang nichts gegessen und getrunken haben und solcherart geschw\u00e4cht auf eine Extremsituation zusteuern.<br \/>\nBei dem der Oberschicht angeh\u00f6renden \u00c4gypter ist das, da\u00df er die Absicht hat, nachdem er den ehemaligen Freund vom Flughafen abgeholt hat, sich in die W\u00fcste zur\u00fcckzuziehen und von dort nicht mehr zur\u00fcckzukommen, bei Freudensprung, der sich im Flugzeug, das ihm von New York nach Kairo bringt, seltsam geb\u00e4rdet, die Vorstellung, seinen Ex-Freund nach oder vor der Begr\u00fc\u00dfung abzuknallen.<br \/>\nDie jeweiligen Kapitel werden abwechselnd aus der Sicht Saranis oder Freudensprungs erz\u00e4hlt. Sarani sitzt zuerst auf einer Bank am Flughafen, Freudensprung im Flugzeug, bis sie aufeinandertreffen, in dieser Zeit erf\u00e4hrt man viel aus dem Leben der beiden. Sarani, wie erw\u00e4hnt ein Oberschicht\u00e4gypter, dessen Vater den K\u00f6nig beraten hat, der als junger Mann nach Graz kam, um Maschinenbau zu studieren und vorher  im Kapfenberger Stahlwerk ein Praktikum machte, wo der Arbeitersohn Freudensprung, der hervorragend Geige spielt, ebenfalls in den Ferien arbeitet, die beiden freunden sich an, Freudensprung rettet Sarani mehrmals das Leben, sie machen Bergtouren auf den Hochschwab und in die hohen Tauern, sp\u00e4ter bauen sie in der W\u00fcste eine Farm, Saranis Lebenswerk, auf Gemeinschaftsbasis auf. Es soll dort auch noch eine Akademie entstehen und daran begann  der Konflikt,  die zwei so narrisch machte, aufzuheizen. Aus Saranis Sicht hat ihn Freudessprung verraten, weil er sich weigerte, zu seinem Fest zu kommen, wo die beiden ihren sechzigsten Geburtstag feiern wollten, dann wirft er ihm noch vor, da\u00df er  seinen Sohn David, der die Akademie f\u00fchren sollte, abspenstig machte. Der ha\u00dferf\u00fcllte Freudensprung ist vor allem davon betroffen, da\u00df er, der mit sechzig, die f\u00fcnfunddrei\u00dfigj\u00e4hrige Lena kennenlernte, die mit ihm unbedingt den August 2000 oder 2001 in New York verleben wollte, sich dort  in David verliebte, Freundensprung vermutet eine Intrige und schmiedet Rachepl\u00e4ne.<br \/>\nIrgendwann kommt das Flugzeug an, die beiden M\u00e4nner erschie\u00dfen sich nicht, Sarani l\u00e4\u00dft Freudensprung auch nicht stehen, sondern geht mit ihm in das Flughafen-VIP Restaurant, zu dem nur ausgesuchte Personen Zutritt haben. Dort fangen die beiden Ausgehungerten einmal zu essen an. Bei Ham and eggs, H\u00fchnchen, Meeresplatte und Spaghetti kommen sie einander n\u00e4her, nebenbei bekommt man einen Slapstickkurs des \u00e4gyptischen Spitzellebens. Gibt es da ja noch den Gesch\u00e4ftsmann Mustafa, der mit den beiden die Farm errichtete, aber mit den Geheimdiensten in Verbindung steht und einen Kellner, der sich w\u00e4hrend des Gelages als Doppelagent entpuppt. Am Schlu\u00df wird jemand erscho\u00dfen und der Geheimdienst, bzw. Karem, auch ein Farmmitarbeiter bringt die beiden in das W\u00fcstenhaus, wo ebenfalls gekocht und getrunken wird und es schlie\u00dflich zum Versagen und Verzichten bzw. zur Vers\u00f6hnung kommt.<br \/>\nSerani hat noch eine \u00f6sterreichische Frau, die er sehr liebt, die sich aber w\u00e4hrend der Zeit von Seranis Krise nach Graz in \u00e4rztliche Behandlung begibt und, wie es scheint, die Absicht hat, dort zu bleiben, w\u00e4hrend Serani seinem Ex-Freund schon am Flughafen sagte, da\u00df er eine Professur in die Schweiz bekommen hat. David und Lena kommen ebenfalls nach \u00c4gypten und werden die Akademie aufbauen. Sie danken Freundensprung auch daf\u00fcr, da\u00df er sie, wenn auch ohne Absicht zusammenbrachte.<br \/>\nSo kl\u00e4rt sich also alles, das junge Paar ist gl\u00fccklich, Serani geht in die Schweiz und Freundensprung wird in dem W\u00fcstenhaus bleiben &#8220;um diese Geschichte niederzuschreiben. Darauf stie\u00dfen sie an.&#8221;<br \/>\nSoweit die &#8220;Kom\u00f6die des Alters&#8221;, die von zwei Sechzigj\u00e4hrigen handelt, geschrieben vom 1941 in Kapfenberg geborenen Michael Scharang, der   eine Dissertation \u00fcber Musils &#8220;Mann ohne Eigenschaften&#8221; geschrieben hat. Das tat auch Heinrich Freudensprung und die beiden Freunde philosophieren in dem Restaurant und dem W\u00fcstenhaus dar\u00fcber. Michael Scharang ist jedenfalls zehn Jahre \u00e4lter als seine Helden, aber das Buch spielt, um 2000 und, da\u00df Michael Scharang in dieser Zeit oder fr\u00fcher in Amerika war, w\u00fcrde ich auch vermuten, habe ich doch &#8220;Das j\u00fcngste Gericht des Michelangelo Spatz&#8221; gelesen, das dort spielt. Ansonsten bin ich auf den Namen Scharang nach meiner Matura, als ich anfing mich f\u00fcr Literatur zu interessieren, \u00fcber &#8220;Charly Traktor&#8221; gesto\u00dfen, das ich nicht gelesen habe.  Er ist ja damals mit Wolfgruber und Innerhofer f\u00fcr die neuen Realisten oder, wie das hie\u00df, gestanden. In meinem B\u00fccherkatalog stehen einige B\u00fccher wie &#8220;Das Wunder \u00d6sterreich&#8221;, &#8220;Der Lebemann&#8221;, &#8220;Auf nach Amerika&#8221; und &#8220;Bleibt Peymann in Wien oder kommt der Kommunismus wieder&#8221;, an die ich mich nicht mehr erinnern kann. Scharang gilt jedenfalls als politischer Autor und hat, als wir vor zehn Jahren &#8220;schwarz-blau&#8221; hatten, eine umstrittene kulturpolitische Rolle gespielt.<br \/>\nDas Buch habe ich von der Anna zum Geburtstag bekommen, die glaube ich, eher ein Fan von Schrarangs Tochter Elisabeth ist, die eine bekannte Filmemacherin und FM4 Moderatorin ist und ich habe die neuerliche Auseinandersetzung eines \u00e4lter werdenden Autors mit dem Alter, die Michael Scharang ja hervorragend komisch und irrational schildert, sehr spannend gefunden, \u00fcberhaupt, wo es jetzt in den Nachrichten so viel \u00fcber \u00c4gypten und den Aufstand der Massen gegen die Diktatur zu h\u00f6ren gibt. Auch wenn ich denke, da\u00df Freudensprungs und Saranis Leiden ein wenig \u00fcbertrieben geschildert wurden und die Welt nicht gleich untergeht, wenn ein Sechzigj\u00e4hriger von einer Freundin, die eigentlich seine Tochter sein k\u00f6nnte, verlassen wird. Aber die intellektuellen M\u00e4nner leiden, wie ich wei\u00df, sehr daran, in diesem Sinne freue ich mich schon auf das n\u00e4chste Buch meiner Leseliste und wieviel an dem Roman wahr und wieviel erfunden ist, l\u00e4\u00dft sich auch sehr sch\u00f6n diskutieren, habe ich auf der Wikipediaseite ja einige \u00dcbereinstimmungen gefunden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Michael Scharangs herzerfrischende &#8220;Kom\u00f6die des Alterns&#8221; ist ein Buch \u00fcber drohende Verluste und Tr\u00f6stungen, \u00fcber Sprache und Musik, \u00fcber Bescheidenheit und den Abschied von den gro\u00dfen Verhei\u00dfungen&#8221;, schreibt Volker Hage, vom Spiegel, auf der Buchr\u00fcckseite. &#8220;Ein Meisterwerk&#8221;, hat Elfriede Jelinek &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=5792\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-5792","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5792","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5792"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5792\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5792"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5792"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5792"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}