{"id":58190,"date":"2018-01-06T00:12:43","date_gmt":"2018-01-05T23:12:43","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=58190"},"modified":"2018-01-06T00:12:43","modified_gmt":"2018-01-05T23:12:43","slug":"der-weg-nach-los-angeles","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=58190","title":{"rendered":"Der Weg nach Los Angeles"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt das letzte Rezensionsexemplar von der <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_besser_spaet_als_nie.html\">2017-Leseliste<\/a>, die anderen B\u00fccher, die ich von dort auf <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/leseliste\/\">2018<\/a> verschoben habe, waren die Geburtstagsb\u00fccher und eines, wie ich fast pathetisch sagen k\u00f6nnte, von den Jahresb\u00fcchern, denn es hat mich, obwohl ich ja nicht soviel von den gro\u00dfen Amerikanern halte, sehr beeindruckt und dabei habe ich von dem 1909 geborenen und 1983 verstorbenen John Fante, glaube ich, erst durch Charles Bukowkis Buch <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/08\/23\/ueber-das-schreiben\/\">&#8220;\u00dcber das Schreiben&#8221;<\/a> erfahren.<\/p>\n<p>Jetzt ist das Buch, das in Los Angeles 1935\/35 vom f\u00fcnfundzwanzigj\u00e4hrigen Autor geschrieben wurde und das erst 1985 erschienen ist, weil damals ein Buch mit diesem frechen Tonfall, wie man sagen k\u00f6nnte, niemand drucken wollte, von Alex Capus \u00fcbersetzt bei <a href=\"http:\/\/www.aufbau-verlag.de\/index.php\/der-weg-nach-los-angeles.html\">&#8220;Blumenbar&#8221;<\/a> herausgekommen und es hat mich, wie geschrieben, sehr beeindruckt, was wohl daran liegen k\u00f6nnte, wie Capus in seinem Nachwort schreibt, da\u00df das Buch, das ja jahrzehntelang in der Schublade lag und nur die ersten Seiten von seinem Autor gek\u00fcrzt wurden, unlektoriert ver\u00f6ffentlicht wurde und wenn ich unken w\u00fcrde, w\u00fcrde ich sagen, man merkt es an der Kraft und ich versuche mir gar nicht vorzustellen, was passiert w\u00e4re, wenn die Lektoren daran herumgestrichen h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Alex Capus hat es, wie er schreibt ein bi\u00dfchen getan und ein paar Fehler ausgemerzt und am Klappentext steht etwas, wie, da\u00df man\u00a0 den achtzehnj\u00e4hrigen Aturo Bandini, den Protogonisten und Alter Ego, des Autos ob seiner arroganten Grobschneuzigkeit lieben wird.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/booksterhro.wordpress.com\/2017\/12\/16\/john-fante-der-weg-nach-los-angeles\/\">&#8220;Bookster&#8221;<\/a>, der das Buch auch schon gelesen hat, meint, da\u00df Bandini ihm sehr unsympathisch war und ich wundere mich\u00a0 fast ein bi\u00dfchen, da\u00df ich das nicht auch schreibe, denn ich bin ja gegen die Gewalt, aber auch wenn mir das mit dem Krabbent\u00f6ten zu\u00a0 viel ist, kann ich das hier geschilderte psychologisch nachvollzuziehen und finde,\u00a0 ist es ein gro\u00dfartiges Buch, das in einer ziemlichen Ehrlichkeit aufzeigt, wie das Aufwachsen in einem Vorort von Los Angeles in den Neunzehndrei\u00dfigerjahren des vorigen Jahrhunderts so war.<\/p>\n<p>\u00dcber das Leiden der mittelalten deutschen M\u00e4nner habe ich in den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/10\/09\/deutscher-buchpreis-fuer-robert-menasse\/\">letzten Jahren<\/a> ja sehr viel gelesen und es ist immer das gleiche, dieser Arturu Bandini zeigt aber, glaube ich, sehr sehr stark die Widerspr\u00fcchlichkeit der jugendlichen Seele auf und\u00a0 \u00fcbertreibt nat\u00fcrlich sehr dabei, hat er Psychologin aber sehrgefallen und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/04\/26\/hasenherz\/\">&#8220;Hasenherz&#8221;<\/a> habe ich, glaube ich, \u00e4hnlich stark empfunden.<\/p>\n<p>Interessant ist dabei auch, da\u00df ja auch John Updike, wie auch John Fante noch Folgebande mit dem selben Protagonisten hat, die ich nicht gelesen habe, w\u00fcrde aber fast vermuten, da\u00df ich die dann nicht mehr so stark empfinde. Mal sehen, ein paar sind ja schon bei &#8220;Aufbau&#8221; erschienen, vielleicht kommen sie noch zu mir.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, ob die deutsche \u00dcbersetzung, die gek\u00fcrzte oder die urspr\u00fcngliche l\u00e4ngere Fassung ist, wenn es die l\u00e4ngere ist, w\u00e4re ich f\u00fcr die K\u00fcrzung und meine, da\u00df das Buch stimmiger w\u00e4re, wenn es gleich mit dem sich Einsperren in den Kleidnerkasten beginnt und das paarmalige Stellenschmei\u00dfen weggelassen\u00a0 w\u00fcrde, weil dann ja ohnehin die Arbeit in der Fischfabrik beginnt.<\/p>\n<p>Da is also Arturo Bandini, ein achtzehnj\u00e4hriger Junge, Sohn italienischer Einwanderer, der mit seiner Mutter und seiner sechzehnj\u00e4hrigen Schwester, die er bigott, katholisch und die &#8220;Nonne&#8221; nennt, in einem Vorort von Los Angeless lebt. Er ist rotzfrech und wohl das, was man &#8220;himmelhoch jauchzend und zu Tode betr\u00fcbt nennt&#8221;, \u00fcbersch\u00e4tzt sich st\u00e4ndig, nennt sich den gro\u00dfen Bandini und ist dann wieder voll verst\u00f6rt und mu\u00df sich \u00fcbergeben, als er in die Fischfabirik eingef\u00fchrt wird, aber davon erst sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Erst wirft er mit seiner frechen Schnaute ein paar Hungerjobs weg, geht dann in die Biblsiothek zu der sch\u00f6nen oder auch h\u00e4\u00dflichen Miss Hopkins, der er nat\u00fcrlich auf die Beine schaut, borgt sich von ihr <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/01\/05\/nietzsche\/\">Nietzsche<\/a>, Schopenhauer und Spengler aus. Liest die B\u00fccher ohne sie zu verstehen, zitiert deren geschraubte Sprache aber st\u00e4ndig und irgendwann kommt ihm auch die Idee der gro\u00dfte Schrifjtsteller auf Erden zu werden. Dazu kauft er sich einNotizbuch und schreibt dann S\u00e4tze hinein wie:<\/p>\n<p>&#8220;Eine moralisch-philosophische Dissertation \u00fcber Mann und Frau von Arturo Bandini<\/p>\n<p>&#8220;Nur der schwache Mann begeht die b\u00f6se Tat, wieso sollte er aber schwach sein. Es ist besser stark zu sein als schwach, denn Schw\u00e4che bedeutet Mangel an Kraft. Vermeide Schw\u00e4che, auf, da\u00df du stark werdest. Schw\u00e4che verzehrt das Herz des Weibes. St\u00e4rke\u00a0 n\u00e4hrt das Herz des Mannes. Willst du zum Weibe werden? Wohlan, dann werde schwach. Es lebe die St\u00e4rke! O Zarathustra, schenke deinen Weibern Schw\u00e4che! O Zarathusra schenke deinen M\u00e4nnern Kraft! Nieder mit der Frau! Es lebe der Mann!&#8221;<\/p>\n<p>Und zu seiner Schwester Mona hat er S\u00e4tze, wie &#8220;Nenn mich nicht Trottel, du Neurose! Du verklemmte frustrierte, sabbernde, geifernde Halbnonne!&#8221;, gesagt.<\/p>\n<p>Vorher hat er sich aber in dem Kleiderkasten, des offenbar einzigen Zimmers der Wohnung, seines Studierzimmers, wie er das nennt, eingesperrt und sich dort mit &#8220;seinen Frauen&#8221;, die aus Zeitungen ausgeschnitten hat, besch\u00f6ftigt. Die zerst\u00f6rt dann in einem Anflug an Gr\u00f6\u00dfenwahn, um es dann gleich wieder zu bereuen.<\/p>\n<p>Himmelhoch jauchenz und zuTode betr\u00fcbt, wie man merkt und ein Luftgewehr hat er sich auch gekauft, um damit, die Krabben, die er am Wege findet zu t\u00f6ten.<\/p>\n<p>Da w\u00fcrde ich &#8220;Halt!&#8221;, sagen, sonst erscheint mir der jugendliche Ungest\u00fcm aber sehr authentisch. Das Schneiden und das Ritzen, um sich zu sp\u00fcren und sich den Daumen abbei\u00dfen,, was man heute &#8220;Borderline&#8221; nennt,\u00a0 kommt auch vor. Die Schwester, die offenbar ges\u00fcnder ist, nennt ihn dann herablassend &#8220;Spinner!&#8221; und lacht\u00a0 \u00fcber sein Erstlingswerk und nennt es &#8220;doof&#8221;, w\u00e4hrend die Mutter sich in m\u00fctterlicher Liebe windet, es des Sohnes wegen, gro\u00dfartig findet, dann aber gesteht, da\u00df es ihr der Katholikin viel zu unmoralisch ist.<\/p>\n<p>Es kommt auch der Onkel Frank, der die Familie unterst\u00fctzt und verschafft dem Neffen eine Stelle in einer Fischfabrik. Da wird auch sehr k\u00f6stlich beschrieben, wie der gro\u00dfe Arurto, sich gro\u00dfspurig aufb\u00e4umt und sagt, er tue das alles nur, weil er eine Studie \u00fcber die Bedingungen in einer Fischfabrik schreiben will. Ja, er ist sogar vom Pr\u00e4sidenten dorthin gesandt worden. Dann steht er am Flie\u00dfband, um die Konserven zu ettiketieren, f\u00fcr f\u00fcnfundzwanig Cent in der Stunde soll er das tun und speibt sich an.Von den Kollegen, den Filippos, Japanern und Mexikanern, die er ver\u00e4chtlich &#8220;Nigger!&#8221;, nennt, wird er dann geh\u00e4nselt. Sie stecken ihm auch einen Fisch in die Hose und nehmen ihm dann nicht sehr ernst.<\/p>\n<p>Er bleibt auch nicht lange dort, denn er hat eine Frau in einem lila Mantel gesehen, ist ihr gefolgt und beginnt dann in dieser Erleuchtung seinen ersten Roman, den, den die freche Schwester dann &#8220;doof&#8221; nennt und sich vor Lachen \u00fcberkugelt, zu schreiben.<\/p>\n<p>Diese Szenen habe ich als sehr r\u00fchrend empfunden und als der Chef ihn zu sich holt, weil er das am Klo tut, l\u00fcgt er vor, die Mutter w\u00e4re sterbenskrank, so da\u00df er zu ihr geschickgt wird und im Park weiterschreiben kann.<\/p>\n<p>Er greift dann auch die Schwester an, stiehlt der Mutter den Ehering und\u00a0 anderen Schmuck, verkauft ihn, um hundert Dollar bei einem Pfandleier und geht dann los nach Los Angeles um ein Schriftsteller zu werden.<\/p>\n<p>&#8220;Mit\u00a0 dem Koffer in der Hand ging ich hinunter zum Bahnhof. Ich musste zehn Minuten warten, bis der Mitternachtszug nach Los Angeles fuhr.\u00a0 Ich setzte mich hin und dachte \u00fcber den neuen Roman nach.&#8221;<\/p>\n<p>So endet das Buch und John Fante f\u00fcge ich hinzu, wird das 1935 oder 36 wohl auch so getan haben und seinen ersten Roman dann dort an einige Verlage geschickt haben, die ihn als undruckbar\u00a0 zur\u00fcckschickten, so da\u00df er erst nach seinem Tod erscheinen konnte, nachdem Charles Bukowski erkl\u00e4rte &#8220;John Fantes Romane geh\u00f6ren zum Besten, was die amerikanische Literatur je hervorgebracht hat.&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt das letzte Rezensionsexemplar von der 2017-Leseliste, die anderen B\u00fccher, die ich von dort auf 2018 verschoben habe, waren die Geburtstagsb\u00fccher und eines, wie ich fast pathetisch sagen k\u00f6nnte, von den Jahresb\u00fcchern, denn es hat mich, obwohl ich ja &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=58190\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[26,225,882,2945],"class_list":["post-58190","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-neuerscheinung","tag-amerikanische-literatur","tag-blumenbar","tag-john-fante"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/58190","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=58190"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/58190\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=58190"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=58190"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=58190"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}