{"id":58382,"date":"2018-01-16T00:38:18","date_gmt":"2018-01-15T23:38:18","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=58382"},"modified":"2018-01-16T00:38:18","modified_gmt":"2018-01-15T23:38:18","slug":"im-herzen-der-gewalt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=58382","title":{"rendered":"Im Herzen der Gewalt"},"content":{"rendered":"<p>Bei meinem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/01\/04\/die-alten-und-die-neuen-buecher\/\">2018 Lesen<\/a>, da suchen sich ja die Buchtuber achtzehn B\u00fccher aus, die sie in diesem Jahr lesen wollen, w\u00e4hrend ich schon \u00fcber sechzig auf der<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/\"> Liste<\/a> habe, komme ich jetzt zu den Geburtstagsb\u00fccher, also zu Edouard Luis\u00a0 &#8220;Im Herzen der Gewalt&#8221;, das ich mir dazu w\u00fcnschte, als ich w\u00e4hrend meines <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/10\/15\/von-frankfurt\/\">Frankfurtsurfings<\/a> ein Monat fr\u00fcher ein Interview mit dem 1992 geborenen blonden Franzosen h\u00f6rte, Frankreich war da das Gastland und daraufhin habe ich\u00a0 begonnen mich f\u00fcr die franz\u00f6sische Literatur zu interessieren, beziehungsweise sie f\u00fcr sehr poltisch zu halten.<\/p>\n<p>Zwei andere <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/12\/30\/die-zeit-der-ruhelosen\/\">Frankreich<\/a>&#8211;<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/11\/18\/als-der-teufel-aus-dem-badezimmer-kam\/\">B\u00fccher<\/a> habe ich inzwischen schon gelesen, das waren Rezensions-Exemplare, die mir &#8220;Ullstein&#8221; freundlicherweise schickte, da hatte ich dann die poltische Situation, bei Eduourd Luis eigentlich nicht oder nur indirekt.<\/p>\n<p>Der Autor, steht im Klappentext ist vierundzwanzig Jahre alt und schon mit seinem ersten auobiografischen Roman &#8220;Das Ende von Edy&#8221; in dem er das Aufwachsen in \u00e4rmlichen Verh\u00e4ltnissen in der franz\u00f6sischen Provinz und die Mobbingerfahrungen, die er als Homosexueller dort erlebte, beschreibt, ber\u00fchmt geworden.<\/p>\n<p>Was ja eigentlich sehr \u00fcberraschend ist, h\u00e4tte ich doch angenommen, da\u00df ein Verlag die Autbiografie eines Zwanzigj\u00e4hrigen nicht druckt. Bei Eduouard Luis, der eigentlich Bellegueule hei\u00dft, ist das offensichtlich anders und das zweite Buch ist, wie ich weitergelesen habe, schon in \u00fcber zwanzig Sprachen \u00fcbersetzt und verfilmt worden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/buchrevier.com\/2017\/12\/28\/worst-of-2017\/\">&#8220;Buchrevier&#8221;<\/a> hat es unter seine Flops des Jahres gereiht und als ich am Freitag im <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/01\/12\/der-sechsundsiebzigste-slam\/\">Literaturhaus<\/a> zu lesen begonnen habe, h\u00e4tte ich ihm fast zu gestimmt.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, nat\u00fcrlich nicht, denn das Buch ist ja kein Roman, obwohl das prompt drin steht, sondern ein wahrscheinlich mehr oder weniger authentischer Bericht einer Vergewaltigung, also etwas, was nat\u00fcrlich interessiert und die Handlung ist sehr einfach und schnell erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Eduoard Luis geht an einem Weihnachtsabend mit zwei B\u00fcchern, die er geschenkt bekommen hat, von seinen zwei Freunden Geoffrey und Didier nach Hause. Da wird er von einem jungen Mann, im Buch steht Kabyle, irgendwo habe ich Algerier gelesen, namens Reda angesprochen. Er nimmt ihn in seine Wohnung mit. Es kommt zum Sex zwischen beiden, dann geht Eduard duschen und, als er aus der Dusche kommt, findet er sein Handy nicht mehr und sieht, da\u00df sein I-Pot aus Redas Tasche ragt. Er spricht ihn darauf an, der antwortet, da\u00df er seine Mutter beleidigt h\u00e4tte, wenn er ihm des Diebstahls verd\u00e4chtigt und beginnt ihm zu w\u00fcrgen, dann gibt es noch eine Vergewaltigung und eine Attacke mit einem Messer, bevor er Edouard den Verfolger los wird.<\/p>\n<p>Er geht dann zuerst ins Krankenhaus, sp\u00e4ter auf die Polizei, um eine Anzeige zu machen, dann zu einem Freund, wo er schl\u00e4ft, beziehungsweise f\u00e4hrt er Heim zu seiner Schwester und die Geschichte wird, wenn ich sie recht verstanden habe, sowohl von ihm, als auch von der Schwester erz\u00e4hlt und ein paar R\u00fcckblendungen gibt es auch.<\/p>\n<p>Die Ich-Form wechselt sich mit dem &#8220;er&#8221; immer wieder ab und es wird auch nicht chronologisch, sondern in Schleifen und Wiederholungen, so wie das bei Flashbacks offenbar ist, erz\u00e4hlt. So beginnt es, da\u00df er sich zuerst dreimal duscht und die Bettw\u00e4sche wechselt.<\/p>\n<p>Nach und nach kommt man in die Geschichte, in das Memoir, in das Gewalterlebnis, die Vergewaltigung und die Bedrohung hinein. Ein bi\u00dfchen hatte ich, ob der Brisanz des Themas, den Zweifel, ob man das Buch nicht rassistisch interpretieren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Erduard Luis schreibt auch etwas davon und wenn ich so bedenke, da\u00df die Patrioten sich derzeit ja sehr \u00fcber die Gewalt aufregen, die von den Fl\u00fcchtlingen ausgehen, die ihrer Meinung nach jede Frau vergewaltigen, habe ich da ein wenig ein ungutes Gef\u00fchl.<\/p>\n<p>Trotzdem war das Buch\u00a0 teilweise\u00a0 sehr spannend zu lesen. Mit manchen anderen Teilen habe ich mir schwerer getan, so da\u00df ich es auf keinen Fall als Flop bezeichnen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Wenn auch, wie schon erw\u00e4hnt ein vielleicht\u00a0 ungutes Gef\u00fchl zur\u00fcckbleibt und nat\u00fcrlich die Frage, warum ein Buch, das von der Gewalterfahrung eines Mannes erz\u00e4hlt, ein Bestseller werden kann, w\u00e4hrend viele anderes, vielleicht auch nicht uninteressantere unbeachtet bleibt?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei meinem 2018 Lesen, da suchen sich ja die Buchtuber achtzehn B\u00fccher aus, die sie in diesem Jahr lesen wollen, w\u00e4hrend ich schon \u00fcber sechzig auf der Liste habe, komme ich jetzt zu den Geburtstagsb\u00fccher, also zu Edouard Luis\u00a0 &#8220;Im &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=58382\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[470,1664,2113,2382,2676,6004],"class_list":["post-58382","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-autobiografischer-roman","tag-eduard-louis","tag-franzoesische-gegenwartsliteratur","tag-gewalterfahrung","tag-homosexualitaet","tag-vergewaltigung"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/58382","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=58382"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/58382\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=58382"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=58382"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=58382"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}