{"id":58569,"date":"2018-01-21T00:44:11","date_gmt":"2018-01-20T23:44:11","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=58569"},"modified":"2018-01-21T00:44:11","modified_gmt":"2018-01-20T23:44:11","slug":"unschuld","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=58569","title":{"rendered":"Unschuld"},"content":{"rendered":"<p>Die die meinen Blog aufmerksam verfolgen, wundern sich wahrscheinlich, da\u00df jetzt<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/01\/16\/im-herzen-der-gewalt\/\"> fast eine Woche keine<\/a> Buchbesprechung mehr erschienen ist, obwohl ich durchschnittlich drei B\u00fccher in der Woche lese, aber Jonathan Franzens 2015 erschienener Roman hat \u00fcber achthundet Seiten und da brauchte ich eben l\u00e4nger und ich habe ihn auch jetzt erst gelesen, obwohl ich das Buch schon 2015 vom Karl zu meinem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/11\/06\/literarisches-geburtstagsfest-4\/\">Geburtstag<\/a> bekommen habe. Das liegt an meiner elendslangen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/leseliste\/\">Leseliste<\/a> und noch einmal interessant, als ich im J\u00e4nner 2016 oder so zum <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/01\/21\/romanerweiterungsrecherche-dichtfestschnuppern-und-familienessen\/\">&#8220;Wortschatz&#8221;<\/a> gegangen bin, lag das Buch darin, ich habe mich kurz ge\u00e4rgert und hoffe jetzt, da\u00df es einen interessierten Leser gefunden hat, obwohl wenn man bei &#8220;Amazon&#8221; nachschaut, hat der Roman auch viele Einsternrezensonen, was mich, die ich zum Zeitpunkt des Nachschauens, das erste Kaptiel gelesen hatte, wunderte. Sp\u00e4ter nicht mehr, jetzt w\u00fcrde ich mich den Meinungen von der platten Handlung, etcetera, die dort vertreten sind, anschlie\u00dfen aber sch\u00f6n der Reihe nach.<\/p>\n<p>Der 1959 geborene amerikanische Schriftsteller Jonathan Franzen, der, glaube ich, auch Deutsch spricht und in Berlin studierte, wurde mit seinem Weltbestseller &#8220;Die Korrekturen&#8221; schlagartig ber\u00fchmt. Das Buch habe ich gelesen und mich gewundert, da\u00df dort ein Elch beschrieben wurde der dann als typisch \u00f6sterreichisch ausgewiesen wurde.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/02\/27\/vier-reisen-mit-karl-markus-gauss\/\">Karl Markus Gauss<\/a> hat das in einem Essay beschrieben und das ist wahrscheinlich auch typisch f\u00fcr die Franzensche Literatur, obwohl Annika B\u00fchnemann auf ihrem <a href=\"https:\/\/twitter.com\/AnnikaBuhnemann\/status\/954402853916995585\">Twitter Account<\/a>, ein Zitat von ihm hat, da\u00df der oder die, die einen Computer ben\u00fctzt, keine guten Schriftsteller sein kann, vielleicht eine sp\u00e4te Erkenntnis, der falschen Zuordnung wegen.<\/p>\n<p>In der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/11\/05\/nanowrimo-schreibmarathon\/#comments\">&#8220;Unsichtbaren Frau&#8221;<\/a>, an der ich ja gerade\u00a0 korrigiere, kommt eine Lesung im \u00f6sterreischischen Kulturkinstitut von New York vor, die Jonathan Franzen gemeinsam mit <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/12\/30\/ruhm\/\">Daniel Kehlmann<\/a> macht.<\/p>\n<p>Unschuld hei\u00dft auf Englisch Puritiy, so hei\u00dft das Buch im Orignal und so hei\u00dft auch die Heldin oder eine davon. Puritiy Tyler, Pip genannt,\u00a0 geh\u00f6rt das erste Kapitel und das ist sehr faszinierend, es geh\u00f6rt ihr auch ein gro\u00dfer Teil des Klappentextes.<\/p>\n<p>Pip ist also drei- und vierundzwanzig und hat viele Probleme, so wei\u00df sie zum Beispiel weder ihr korrektes Geburtsdatum, noch wer ihr Vater ist.<\/p>\n<p>&#8220;Wie geht das Erste?&#8221;, habe ich eine Zeitlang gedacht. Aber die Mutter, die Pip &#8220;Miezchen&#8221; nennt, hat alle ihre Spuren verwischt und eine falsche Identit\u00e4t angenommen und erz\u00e4hlt der Tochter auf die Frage nach dem Vater eine Geschichte, die man schon in einem Roman nachlesen kann.<\/p>\n<p>Pip ist also drei oder vierundzwanhzig, lebt in einem besetzen Haus mit einem Mann in den sie verliebt ist, obwohl er verheiratet ist, einem Behinderten und einem Schizophrenen in einer Kammer, hat studiert und von daher Schulden und arbeitet in einer Umweltschutzfirma am Telefon mit einem Chef der ihr Schwierigkeiten macht.<\/p>\n<p>Das steht so ungef\u00e4hr im Klappentext und der erste Teil hat einige sehr packende Szenen. So nimmt Pip zum Beispiel einen Mann, den sie immer in einer Cafeteria trifft mit in das Haus. Kommt, als sie schon beim Ausziehen sind darauf, da\u00df sie keine Pr\u00e4servative hat, hetzt hinunte,r um die aus dem Badezimmer zu holen, kommt dabei an der K\u00fcche vorbei, in der Annagret, ein deutscher Gast sitzt und die holt sie herein und bedr\u00e4ngt sie einen Fragebogen auszuf\u00fcllen, um sich in Boliven, als Praktikantin bei einem Whistleblower namens Andreas Wolf zu bewerben und k\u00f6dert sie, die keine rechte Lust dazu hat, damit, da\u00df sie da auch herausfinden k\u00f6nnte, wer ihr Vater ist. Damit geht nat\u00fcrlich das Date zu fl\u00f6ten und als ihrer Mutter, die sehr gesundheitsbewu\u00dft ist, zu ihren &#8220;Nicht Geburtstag&#8221; einen selbstgebackenen veganen Kuchen bringen will, f\u00e4llt ihr der am Klo des Busbahnhofs hinunter, so da\u00df es nichts wird mit dem Geschenk und weil die Mutter ihr noch immer nicht sagen will, we rihr Vater ist, startet sie los nach S\u00fcdamerika.<\/p>\n<p>Das habe ich sehr spannend und frisch erz\u00e4hlt gefunden und das sind ungef\u00e4hr die ersten hundert Seiten. Dann wird es schwieriger. Denn dann werden noch einige andere Personen und Schicksale in das Buch verwoben, etwas, was ich bei meinen Texte auch mache, aber <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/\">meine B\u00fccher<\/a> sind ja nie so lang.<\/p>\n<p>So geht es im n\u00e4chsten Teil in die DDR. Andreas Wolf kommt ja von dort und Markus Wolf, der DDR Staatssicherheitschef, ist angeblich sein Onkel. Etwas was ich sehr interessant finde, wie man das macht, in seine Texte real lebende bekannte Pers\u00f6nlichkeiten zu verweben, denn Alfred hat mir ja gesagt, ich k\u00f6nnte meinen Alfons in der &#8220;Unsichtbaten Frau&#8221; nicht Tratschke nennen, weil man da an H. C. Strache denken k\u00f6nnte, der ist aber ein Sachse und der neue \u00f6sterreichische Vizekanzler kommt in dem Buch auch vor und ein Minister Basti Quasti, da hat mir der Alfred auch abgeraten, aber der ist ja inzwischen Bundeskanzler und wenn man ein Weltbestsellerautor ist kann man wahrscheinlich alles, weil einem ein Rechtsanwaltsb\u00fcro ber\u00e4t und wenn man seine f\u00fcnzig B\u00fccher selber macht, kann man das wahrscheinlich auch, weil sie ohnehin <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/01\/19\/veraenderungen\/\">niemand liest.<\/a><\/p>\n<p>Es geht also in die DDR der f\u00fcnfziger und sechzigerjahre bishin zur Wende und da w\u00fcrde ich, obwohl ich das nicht mache, auch eine Einsternbewertung geben, denn die DDR war vermutlich alles, aber keine erotische sexbesessene Diktatur, wie sie Franzen darstellt, wahrscheinlich eher das Gegenteil.<\/p>\n<p>Andreas Wolf war jedenfalls der Sohn von hohen Funktion\u00e4ren, die Mutter Englischprofessorin, der Vater Mitglied des Politb\u00fcro und so einen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/10\/09\/skizze-eines-sommers\/\">Roman<\/a> habe ich auch einmal gelesen, wo einer seine gl\u00fcckliche Jugendsch schildert, weil der Vater ihn im Sommer mit tausend Mark zur\u00fcckl\u00e4\u00dft, w\u00e4hrend er in die Schweiz f\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Andreas Wolf ist aber nicht gl\u00fccklich, sondern wird von der Mutter mi\u00dfbraucht, dann schreibt er irgendwelche erotische Gedichte, wird darauf von der Partei versto\u00dfen und lebt fortan als Jugendhelfer im Keller einer Kirche, wo seine Aufgabe\u00a0 besteht, gef\u00e4hrdete M\u00e4dchen zu v\u00f6gleln. Ich glaube nicht, da\u00df das so war und da kommt eines Tages ein sch\u00f6nes M\u00e4dchen namens Annagret, man sieht die Verbindung, sagt, ihr Stiefvater ist ein Stasispitzel, ihre Mutter drogens\u00fcchtig, er hat sie sexuell bel\u00e4stigt, beziehungsweise dazu erpresst und sie kann ihn nicht anzeigen, weil sonst die Mutter ins Gef\u00e4nnis kommt, worauf er gleich beschlie\u00dft, ihn umzubringen.<\/p>\n<p>So ein Unsinn w\u00fcrde ich nochmals sagen. Sp\u00e4ter wird dann erkl\u00e4rt, er h\u00e4tte aus Notwehr gehandelt, was nachvollziehbarer w\u00e4re. Annagret hilft ihm dabei.\u00a0 Er begr\u00e4bt die Leiche im Garten in der Datsche seiner Eltern, die er nicht sehen darf und als er vorher dort war, um ein anderes M\u00e4dchen zu v\u00f6geln, das, das nicht in der Kirche wollte, kam gleich die Polizei und hat ihn verscheucht. Jetzt kann er den Stiefvater aber gefahrlos\u00a0 vergraben, obwohl er sich dabei sehr tolpatschig anstellt.<\/p>\n<p>Dann leben beide einige Jahre in der Angst erwischt zu werden. Annagrets Mutter kommt auch ins Gef\u00e4ngnis. Die Stasi l\u00e4\u00dft aber beide in Ruhe und als es zur Wende kommt, nimmt er Kontakt zu seinem Vater auf, um sich seinen Stasiakt zu besorgen. Der l\u00e4\u00dft noch einmal seine Verbindungen spielen und er geht in die ber\u00fchmte Normannenstra\u00dfe und als der Offizier, die Akte zur\u00fcckhaben will, stehen schon die Demonstranten vor der T\u00fcr, Andreas schl\u00e4gt sich auf ihre Seite, kommt ins Fernsehen und wird als Dissident ber\u00fchmt.<\/p>\n<p>Er trifft dann noch einen amerikanischen Journalisten, den er von dem Mord erz\u00e4hlt und weil seine Eltern die Datsche verkaufen wollen und dort gegraben werden soll, hilft ihm Tom Aberant,\u00a0 die Leiche zu holen und in einem Wald zu vergraben.<\/p>\n<p>Pip ist in Bolivien und mit Andrea,s der weiter alle Frauen v\u00f6gelt in einem Hotelzimmer. Dort kommt es aber zu Schwierigkeiten und so schickt er sie mit einer Spionagesoftwehr zu Tom Aberant in die USA. Er darf, weil ein ber\u00fchmter Whistleblower geworden, nicht mehr dorthin und der ist, erfahren wird dann, wahrscheinlich nach ein paar weiteren hundert Seiten, Pips Vater.<\/p>\n<p>Die Mutter hei\u00dft in Wahrheit Annabel und ist eine sehr neurotische Erbin, Tom wollte auch nie ein Kind, und lebt jetzt mit einer anderen Journalistin, die auch ein Kind von ihm wollte und mit einem gel\u00e4hmgten Schriftsteller verheiratet ist. Die beiden nehmen Pip bei sich auf. Die Journalistin ist eifers\u00fcchtig\u00a0 und Andreas auch hoch neurotisch und lebt in der Angst Andreas k\u00f6nnte ihn verraten. Er hat Pip also eingeschleust und zu Tom Aberant geschickt.<\/p>\n<p>Der kommt dann nach Bolivien, sagt Andreas soll ihm in Ruhe lassen und der Tochter nicht sagen, da\u00df er ihr Vater ist, sonst geht er zur Polizei. Andreas schickt die Nachricht aber an Pip und st\u00fcrzt sich dann vor Toms Augen in den Abgrund und im letzten Kapitel, wo sich der Rahmen schlie\u00dft, beginnt mir die Geschichte wieder zu gefallen, so da\u00df ich meinen Vorrezenzenten zustimme, da\u00df das Buch gewinnen w\u00fcrde, wenn man es auf zweihundert Seiten k\u00fcrzt.<\/p>\n<p>Pip nimmt n\u00e4mlich energisch ihr Leben in die Hand, holt sich die ihr zust\u00e4ndigen Millionen, hilft dem schoizophrenen Mitbewohner, sein Haus, das ihm die Banken gestohlen haben, zur\u00fcckzubekommen. Freundetsich auch mit Jason, das ist der, mit dem sie\u00a0 zu Beginn nicht v\u00f6geln konnte, wieder an und versucht auch ihre Eltern zusammenzubringen, was, wie ich noch spoilern m\u00f6chte, nat\u00fcrlich nicht gelingt.<\/p>\n<p>Denn googlet man \u00fcber Jonathan Franzen nach,\u00a0 bekommt man zu lesen, da\u00df er ein Spezialist f\u00fcr kaputte Beziehungen ist, beziehungweise immer solche in seinen Romanen beschreibt und ich merke noch an, da\u00df noch zwei B\u00fccher n\u00e4mlich &#8220;Anleitung zum Einsamsein&#8221; und den Debutroman &#8220;Die 27 Stadt&#8221; auf meiner heurigen Leseliste habe. Mal sehen, ob ich dazukomme sie zu lesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die die meinen Blog aufmerksam verfolgen, wundern sich wahrscheinlich, da\u00df jetzt fast eine Woche keine Buchbesprechung mehr erschienen ist, obwohl ich durchschnittlich drei B\u00fccher in der Woche lese, aber Jonathan Franzens 2015 erschienener Roman hat \u00fcber achthundet Seiten und da &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=58569\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[223,1351,1944,2954],"class_list":["post-58569","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized","tag-amerikanische-gegenwartsliteratur","tag-ddr-roman","tag-familiengeschichte","tag-jonathan-franzen"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/58569","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=58569"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/58569\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=58569"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=58569"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=58569"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}