{"id":5862,"date":"2011-02-16T12:44:15","date_gmt":"2011-02-16T11:44:15","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=5862"},"modified":"2011-02-16T12:44:15","modified_gmt":"2011-02-16T11:44:15","slug":"die-liebe-als-labyrinth-verwickelter-identitaten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=5862","title":{"rendered":"Die Liebe als Labyrinth verwickelter Identit\u00e4ten"},"content":{"rendered":"<p>Die 1964 geborene und seit 1983 in Paris lebende \u00dcbersetzerin und Schriftstellerin Anne Weber, die 2005 beim Bachmannpreis gewonnen hat, hat einen Liebesroman geschrieben &#8220;Luft und Liebe&#8221;, 2010 bei Suhrkamp erschienen, auf Franz\u00f6sisch hei\u00dft er &#8220;Tous mes voeux&#8221; und stellte ihn am Dienstag in der Alten Schmiede vor. Petra Messner hat eingeleitet und davon erz\u00e4hlt, da\u00df der Roman ein Verwirrspiel verschiedener Identit\u00e4ten und Perspektiven ist. Erz\u00e4hlt er doch die Geschichte einer in Paris lebenden Schriftstellerin zu einem franz\u00f6sischen Adelligen und deren Scheitern.<br \/>\nWeil man in der Person der Schriftstellerin autobiographische Tendenzen vermuten k\u00f6nnte, hat Anne Weber gleich damit gespielt und f\u00e4ngt den Roman damit an, da\u00df die Schriftstellerin, die die Geschichte ihrer Freundin Lea erz\u00e4hlen will, das Manuskript in den Mistk\u00fcbel schmei\u00dft und dann noch einmal in der Ich-Perspektive beginnt, die Lea bleibt aber nicht im Mistk\u00fcbel liegen, sondern nimmt Kontakt zu der Ich-Erz\u00e4hlerin auf und beginnt sich in die Geschichte einzumischen. Vielleicht weil man eine Liebesgeschichte heute nicht mehr so einfach und linear erz\u00e4hlen kann, weil es sonst kitschig wirkt, vielleicht weil man als Erz\u00e4hlerin, auch die Distanz ben\u00f6tigt, um von seinen Gef\u00fchlen zu sprechen. Es passt jedenfalls ganz gut zu dem Schreibseminar, zu dem sich das Literaturgefl\u00fcster in letzter Zeit entwickelt hat und die Frage, wieviel Ich ist wirklich, ist ja auch eine, die mich regelm\u00e4\u00dfig besch\u00e4ftigt.<br \/>\nAnne Weber tut das sehr souver\u00e4n und damit noch nicht genug, gibt es auch noch die M\u00e4rchenprinzessin, die dem Ritter auf sein sch\u00f6nes Schlo\u00df folgt und der ist in seine Dulcinea so verliebt, da\u00df er alles f\u00fcr sie macht, auf sie wartet und auch sein Sperma in ein Reagenzglas kippt und das Kinderzimmer einrichtet, denn die M\u00e4rchenprinzessin ist schon ein bi\u00dfchen angewuzzelt, n\u00e4mlich zweiundvierzig und will ein Kind, das klappt aber nicht gleich und die gro\u00dfe Liebe scheitert auch oder erweist sich als Illusion, so da\u00df es zu einer gewesenen M\u00e4rchenprinzessin kommt, die sich schlie\u00dflich als R\u00e4cherin entwickelt.<br \/>\nSo weit die Stellen, aus denen Anne Weber las, in der Diskussion fragte eine Dame, woran die Liebe scheiterte, sie w\u00fcrde sich das Buch zwar kaufen, aber das w\u00fcrde sie schon gern vorher wissen. Alle lachten und Anne Weber erkl\u00e4rte, da\u00df sie das der Dame zwar ins Ohr fl\u00fcstern w\u00fcrde, aber nicht \u00f6ffentlich verraten.<br \/>\nDann kam es zu einer Diskussion mit Kurt Neumann \u00fcber den Erz\u00e4hlfaden, ob zuerst die Idee oder die Handlung da gewesen w\u00e4re. Kurt Neumann erstellte dar\u00fcber eine Theorie, die die Autorin nicht ganz teilte und erz\u00e4hlte ein bi\u00dfchen was \u00fcber ihr neues Buch, das in M\u00e4rz erscheinen wird. Das hei\u00dft &#8220;August&#8221; und im Untertitel &#8220;ein b\u00fcrgerliches Puppentrauerspiel&#8221;, weil es von Goethes Sohn August handelt und das hat sich so ergeben, weil die Autorin w\u00e4hrend des Schreibens erkannte, da\u00df sie keine Biografie schreiben wollte und das Puppenspiel w\u00fcrde auch zu Weimar passen, wie Anne Weber meinte.<br \/>\nEine andere Dame fragte nach den \u00dcbersetzungen, die ersten B\u00fccher verfasste Anne Weber n\u00e4mlich zuerst auf Franz\u00f6sisch, dann auf Deutsch, jetzt macht sie das umgekehrt. Sie \u00fcbersetzt auch nicht wortw\u00f6rtlich, sondern nimmt sich schon ein wenig die Freiheit heraus, mehr zu ver\u00e4ndern, was sie zum Beispiel bei einem Genazino nicht tun w\u00fcrde.<br \/>\nAnne Weber hat, wie ich Wikepedia entnehme schon sehr viel \u00fcbersetzt, auch da hat sie zuerst von Deutsch auf Franz\u00f6sisch begonnen, jetzt \u00fcbersetzt sie nur mehr in die Muttersprache, wie das \u00fcblich ist und zwischen ihren Romanen nimmt sie sich Zeit zum \u00dcbersetzen.<br \/>\nUnd noch etwas war sehr interessant, n\u00e4mlich Anne Webers Einleitung, sagte sie doch, als sie sich f\u00fcr die Einladung bedankte, da\u00df sie schon l\u00e4nger nicht mehr in der Alten Schmiede gelesen hat und die hat sich inzwischen ja ver\u00e4ndert und jetzt, wo sie in der Werkstatt liest, wird ihr die Diskrepanz zu dem, da\u00df sie als Autorin nicht wirklich oder nur mit dem Kopf arbeitet, deutlich bewu\u00dft.<br \/>\nDa habe ich mir gedacht, da\u00df f\u00fcr mich die Alte Schmiede schon so ein Museum ist, da\u00df ich mir gar nicht mehr vorstellen kann, da\u00df da wirklich einmal Schmiede gearbeitet haben, obwohl das ja noch gar nicht solange her ist, da\u00df ich mich eigentlich daran erinnern k\u00f6nnte.<br \/>\nVom Publikum habe ich nur den Sascha gekannt, der Anne Weber eifrig fotografierte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die 1964 geborene und seit 1983 in Paris lebende \u00dcbersetzerin und Schriftstellerin Anne Weber, die 2005 beim Bachmannpreis gewonnen hat, hat einen Liebesroman geschrieben &#8220;Luft und Liebe&#8221;, 2010 bei Suhrkamp erschienen, auf Franz\u00f6sisch hei\u00dft er &#8220;Tous mes voeux&#8221; und stellte &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=5862\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-5862","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5862","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5862"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5862\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5862"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5862"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5862"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}