{"id":58668,"date":"2018-01-23T20:58:28","date_gmt":"2018-01-23T19:58:28","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=58668"},"modified":"2018-01-23T20:58:28","modified_gmt":"2018-01-23T19:58:28","slug":"parallelgeschichten-symposium","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=58668","title":{"rendered":"Parallelgeschichten-Symposium"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe von dem 1942 in Budapest geborenen Schriftsteller und Fotografen Peter Nadas, glaube ich, noch nichts gelsesen, wohl aber von ihm einmal bei einem &#8220;Morawa-Flohmarkkt&#8221;, die drei St\u00fccke &#8220;Ohne Pause&#8221;, um einen Euro\u00a0 gekauft und ihm im vorigen Jahr sowohl im<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/04\/29\/franz-werfel-stipendium-und-schmidt-dengler-lesung\/\"> Literaturhaus<\/a>, als auch im <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/03\/16\/vom-centrope-zu-peter-nadas-vorlesung\/\">Literarturarchiv<\/a> geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Beim Ersten hat er, glaube ich, aus seinem letzten Buch &#8220;Aufleuchtende Details&#8221; gelesen, beim Zweiten einen vortrag gehalten. Eine Klientin hat mir auch einmal von ihm sehr vorgeschw\u00e4rmt und \u00fcber seine Nahtoderfahrung, die er 2002, nach seinem Schlaganfall niedergeschrieben habe, habe ich einmal, so weit ich mich erinnern kann, in &#8220;Ex Libris&#8221; geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Ein sehr sympathischer \u00e4lterer Herr, der sehr gut Deutsch spricht und immer h\u00f6flich l\u00e4chelt, ist mein Eindruck von ihm und jetzt gab es in der &#8220;Alten Schmiede&#8221; ein Symposium \u00fcber seine &#8220;Paralellgeschichten&#8221;, das der ungarische Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Gabor Schein und Wolfgang M\u00fcller-Funk von der Universit\u00e4t Wien ausgerichtet haben.<\/p>\n<p>Zwei Tage nur \u00fcber seine &#8220;Parallelgeschichten&#8221;, das\u00a0 f\u00fcnfzehnhundert Seiten Buch, das 2012, auf Deutsch, 2005 auf Ungarisch unter dem Titel &#8220;\u00dcarhuzamos T\u00f6rtenetek&#8221; herausgekommen ist und da Peter Nadas, wie ich auf dem Symposium\u00a0 h\u00f6ren konnte, in Ungarn und wahrscheinlich auch sonstwo, ein bedeutendet Schriftsteller ist, habe ich seine drei bedeutendsten Werke auch im Ohr, beziehunsweise sind sie auch in der &#8220;Alten Schmiede&#8221; zur Ansicht oder\u00a0 zum Kauf aufgelegen.<\/p>\n<p>Da gibt es das &#8220;Buch der Erinnerungen&#8221;, laut &#8220;Wikipedia&#8221;, 1991 erschienen, die &#8220;Parallelgeschichten&#8221;, 20012 auf Deutsch und die &#8220;Aufleuchtenden Details&#8221;, 2017, die wohl die wirklichen Erinnerungen oder die Meomoiren sind und noch sehr viel anderes.<\/p>\n<p>Ein paar Fotob\u00e4nde sind\u00a0 auch aufgelegen und ich habe im Publikum auch ein paar bekannte Gesichter gesehen. So war zum Beispiel die Sozialp\u00e4dagogin da, mit der ich auch auf<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/11\/kafka-wege-um-das-sanatorium-hoffmann\/\"> Kafkas Spuren in Klosterneuburg gewandert bin<\/a> und dann noch die Lehrer, die ich mehr oder weniger regelm\u00e4\u00dfig sehe und das Symposium wurde, sowohl auf Deutsch und auch in Englisch abgehalten, weil\u00a0 auch G\u00e4ste von der Budapester Universit\u00e4t am Programm standen.<\/p>\n<p>Begonnen hat es mit Karoly Kokay, der etwas zu den historischen Details erz\u00e4hlte. Er hat dazu gesagt, da\u00df er voraussetzt, man den Roman gelesen hat und das Buch gut kenne, was bei mir, wie schon erw\u00e4hnt, nicht der Fall war.<\/p>\n<p>Da\u00df die &#8220;Parallelgeschichten&#8221; aber nach dem Mauerfall in Berlin beginnen, wo eine Leiche gefunden wird und dann in die Vergangenheit zur\u00fcckgehen, habe ich verstanden, beziehungsweise mich in der Pause am B\u00fcchertisch duch die ersten Seiten gelesen.<\/p>\n<p>Dann kam Gabor Schein und der erz\u00e4hlte etwas von den Stra\u00dfen und den Budapester Gegenden, in denen das Buch spielt und<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/14\/acht-korrespondenzen-zur-guten-literatur\/\"> Florian Huber<\/a>, den Literaturwissenschaftler, den ich, glaube ich, schon \u00f6fter geh\u00f6rt und gesehen habe und der jetzt, wie im Programm steht, in L\u00fcneburg lehrt, erz\u00e4hlte etwas von den Bildern in Nadas Werken und projezierte ein solches, nebst einigen Zitaten an die Wand.<\/p>\n<p>Dann folgte eine l\u00e4ngere Diskussion \u00fcber die B\u00fcrgerlichkeit in Nadas Werken, f\u00fcr mich ist er, glaube ich, ein sehr b\u00fcrgerlicher Schriftsteller. Die Dienstbotenzimmer, die sich neben den K\u00fcchen befinden, wurden, glaube ich, von Gabor Schein in seinem Vortrag auch erw\u00e4hnt und daran kann ich mich von meinem ersten budapester Aufenthalt im Jahre 1983 erinner, wo ich mit dem Alfred privat in einem solchen Haus logierten.<\/p>\n<p>Dann folgte, wie schon erw\u00e4hnt die Pause mit Kaffee und Mohn oder Nu\u00dfstrudel und einigen Gespr\u00e4chen, beziehungsweise einer schnellen Paralelllekt\u00fcre.<\/p>\n<p>Dann kam der kritische Psychiater Alfred Springer, den ich noch von meinem Studium und meinem Vorlesungen im Strotzka-Institut kannte, der einen Einblick in die Sexualit\u00e4t und die K\u00f6rperlichkeit von Nadas Werk gab, denn die &#8220;Paralellgeschichten&#8221; sind, wie ich erfahren habe und mir eigentlich gar nicht vorstellen konnte, ein sehr <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/01\/21\/unschuld\/\">sexuelles Buch<\/a>, der sich auf der Margareteninsel abspielt, vorher hielt noch Marta Bartal aus Budapest, ein Referat auf Englisch \u00fcber das Gel\u00e4chter bei Nadas und ihre Kollegin Orsolya Rakai erz\u00e4hlte etwas \u00fcber die Rezeption, die ist in Ungarn gar nicht so gut angekommen, whrend man, wie <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/04\/linke-worter\/\">Ursula Knoll<\/a> erw\u00e4hnte, im deutschen Sprachraum eher von dem Buch begeistert war und nur die sexuellen Darstellungen bem\u00e4ngelte.<\/p>\n<p>Dann folgte wieder eine Pause und dann ging es in den Keller, wo Peter Nadas eine Traumsequenz aus dem Buch vortrug und zwar scheint es in einer der &#8220;Parallelgeschichten&#8221;, um einen Studenten namens D\u00f6hring zu gehen, der nicht nur in Berlin die Leiche findet, sondern auch der T\u00e4tergeneration angeh\u00f6rt, die die am dritten Reich beteiligt, beziehungsweise die Nachkommen solcher T\u00e4ter waren und diesen Traum, wo er dann angeschissen, also sehr direkt erz\u00e4hlt, ertwacht, hat Peter Nadas in zwei Teilen vorgelesen und dazwischen folgte eine Diskussion, wo der Autpor wieder sehr freundlich l\u00e4chelnd\u00a0 von seiner Art des Schreibens erz\u00e4hlte.<\/p>\n<p>Am Dienstag ging es dann mit drei sehr \u00e4hnlichen Vortr\u00e4gen von Laszlo F\u00f6ldenyi, Wolfgang M\u00fcller Funk und Tibor Gintli weiter, die sich alle mit den Erz\u00e4hlprerspevtiven und den narrativen Strukturen oder der Dramaturgie, wie Kurt Neumann einwarf, befassten.<\/p>\n<p>Es ging um die Frage, wie allwissend der Erz\u00e4hler ist, denn man wei\u00df bis zum Schlu\u00df nicht genau, wer die Liche ist, die da zu Beginn gefunden wurde, der Erz\u00e4hler h\u00e4lt sich zur\u00fcck, spielt mit den Geheimnissen, wie Kleist oder Pproust, wie immer wieder als Vergleichdaten genannt wurde.<\/p>\n<p>Eine Szene kommt vor, wo ein Telefonat auf f\u00fcnfzig Seiten erz\u00e4hlt wird und eine Fahrt mit einem Taxi in ein Krankenhaus einige StundenLesezeit erfordern w\u00fcrde und die unterschiedlichen Paralellgeschichten, die da eine Rolle spielen, wurde mir, der nicht gelesen habenden, immer klarer.<\/p>\n<p>Da gibt es einen Christoph, der sah zu wie sein Vater deportiert wurde, erlitt dadurch ein Trauma und wird auf der Margareteninsel in seine M\u00e4nnlichkeit, die auch homosexuelle Elemente enth\u00e4lt, eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend in einer b\u00fcrgerlichen Wohnung, das ist die, wo der Anurf kommt, ein provinzielles M\u00e4dchen mit einem b\u00fcrgerlichen Juden im Bett liegt und dabei ihre Schwierigkeiten hat und eine Psychoanalytikerin, die durch den Holocaust ihren &lt;mann und ihre Kinder verloren hat, gibt es auch, die verliert dadurch die Kraft des Erinnerns und mu\u00df ihren Beruf aufgeben, noch ehe ihr en die Kommunisten verbieten und eine Damerunde, gibt es wie Ursula Knoll nach der Mittagspause erz\u00e4hlte auch.<\/p>\n<p>Am Vortag wurde ja diskutiert, das die weiblichen Figuren in dem Roman eher schwach und Schemenhaft bleiben.<\/p>\n<p>&#8220;No na!&#8221;, habe ich mir da vorwitzig gedacht, es gibt sie aber schon, allerdings nur auf hundert Seiten \u00fcber das ganze Buch verteilt, n\u00e4mlich vier Frauen, die jeden Tag miteinander Bridge spielen und dabei auch ihre Erlebnisse haben und am Schlu\u00df gab es noch einen Vortrag auf Englisch, n\u00e4nlich den\u00a0 von Zsolt Bagi &#8220;Peter Nadas and the realism&#8221;, wo es um Wirklichkeit und Realit\u00e4t ging, das erster Wort hat Zsolt Bagi auf Deutsch ausgesprochen und Schlu\u00df bedankte sich Wolfgang M\u00fcller Funk f\u00fcr die Veranstaltung, k\u00fcndige einen Tagungsband und eine weitere Veranstaltung, um ihn zu pr\u00e4sentieren, Ende des Jahres an und ich denke jetzt m\u00fc\u00dfte ich hergehen, und den Roman, wo auch der Vergleich mit <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/06\/17\/kontinent-doderer\/\">Doderer<\/a> aufgekommen ist, von Anfang bis zum Ende lesen, um all das Erfahrene verstehen und einordnen zu k\u00f6nnen. Dazu m\u00fc\u00dfte ich das Buch erst finden, aber dann k\u00e4me ich ja mit meiner elendslangen Leseliste in Bedr\u00e4ngnis, q\u00e4ule ich mich ja derzeit mit dem neuen amerikanischen Wunderstar Josua Cohen und seinem &#8220;Buch der Zahlen&#8221;, der vielleicht auch ein \u00e4hnliches Thema, wenn auch in einer ganz anderen Form aufgegriffen, hat, herum und komme mit dem Lesen nicht recht weiter.<\/p>\n<p>Es war aber interessant, in die Parallelwelten von Peter Nadas einzutauchen und ich habe zweifelsfrei sehr viel dabei gelernt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe von dem 1942 in Budapest geborenen Schriftsteller und Fotografen Peter Nadas, glaube ich, noch nichts gelsesen, wohl aber von ihm einmal bei einem &#8220;Morawa-Flohmarkkt&#8221;, die drei St\u00fccke &#8220;Ohne Pause&#8221;, um einen Euro\u00a0 gekauft und ihm im vorigen Jahr &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=58668\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19],"tags":[199,4506,5641,5919],"class_list":["post-58668","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-veranstaltungen","tag-alte-schmiede","tag-peter-nadas","tag-symposium","tag-ungarische-literatur"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/58668","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=58668"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/58668\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=58668"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=58668"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=58668"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}