{"id":58776,"date":"2018-01-27T13:50:16","date_gmt":"2018-01-27T12:50:16","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=58776"},"modified":"2018-01-27T13:50:16","modified_gmt":"2018-01-27T12:50:16","slug":"buch-der-zahlen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=58776","title":{"rendered":"Buch der Zahlen"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt habe ich <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/01\/21\/unschuld\/\">wieder eine Woche f\u00fcr ein Buch gebraucht<\/a> und mich m\u00fchsam von Seite zur Seite, noch dazu elektronisch, durch das neue Opus eines amerikanischen Wunderkindes gequ\u00e4lt.<\/p>\n<p>Ein Buch, das sie wie ein Sturmflug liest und mich stellenweise an <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/16\/kaff-auch-mare-crisium\/\">Arno Schmidts &#8220;KAFF\u00a0 mare Krisium&#8221;<\/a> erinnerte, die &#8220;Handlung ist ein Datenstrom&#8221;, habe ich bei Deutschland Radio Kultur gelesen, der <a href=\"https:\/\/www.schoeffling.de\/buecher\/joshua-cohen\/buch-der-zahlen\">Verlag<\/a> hat es, glaube ich, als den neuen &#8220;Ulysses&#8221; angek\u00fcndigt und die &#8220;New York Times&#8221; hat geschrieben &#8220;Josuhas Cohens &#8220;Buch der Zahlen&#8221;\u00a0 liest sich, als h\u00e4tte jemand die Werke von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/07\/02\/mein-mann-der-kommunist\/\">Philip Roth<\/a> zusammen mit einem von\u00a0 David Foster Wallace in einen Teilchenbeschleuniger geschmissen&#8221; und bei der Verlagsbeschreibung kann man noch lesen: Autobiografie, Familiengeschichte, Ghostwriting f\u00fcr Anf\u00e4nger, Sillicon Valley Historie, internationalerThriller, Sexkom\u00f6die &#8211; Buch der Zahlen ist ein \u00fcbersch\u00e4umendes Buch und in Amerika Kult.&#8221;<\/p>\n<p>Worum geht es also in dem bei &#8220;Sch\u00f6ffling &amp; Co&#8221; neuerschienenes Buch des 1989 in Jew Jersey geborenen Josuhua Cohen von dem auf Deutsch, glaube ich, schon &#8220;Solo f\u00fcr Schneidermann&#8221;, dessen Cover ich schon bei verschiedenen Blogs gesehen habe und das sehr eindrucksvoll ist und &#8220;Vier neue Nachrichten&#8221; erschienen sind.<\/p>\n<p>Der Klappentext verr\u00e4t das auch, denn, wie schon geschrieben, ist das Lesen \u00e4u\u00dferst schwierig und wahrscheinlich, wie das so sch\u00f6n hei\u00dft, nur f\u00fcr ge\u00fcbte oder die anspruchsvollen Leser.<\/p>\n<p>Es geht also um einen gescheiterten Schriftsteller, der interessant Josuha Cohen hei\u00dft, der nach nine eleven, Schwierigkeiten mit der Herausgabe seines Buches und mit seiner Frau Ava hat und da den Auftrag\u00a0 bekommt, die Autobiografie eines Medienmogul, der ungef\u00e4hr &#8220;Facebook&#8221; und &#8220;Googl&#8221;e auf einmal erfunden hat, nur, da\u00df das hier &#8220;Tetration&#8221; hei\u00dft und der Gr\u00fcnder, der auch der &#8220;Gro\u00dfe Vorsitzende &#8221; genannt wird, hei\u00dft zuf\u00e4lligerweise auch noch Josuha Cohen.<\/p>\n<p>So weit, so gut und man k\u00f6nnte hier an eine Gr\u00f6\u00dfenphantasie, wahrscheinlich auch an etwas anderes denken und wenn man das Buch noch dazu, wie ich elektronisch liest, aber mit E-Books nicht so gut umgehen kann, hat man gleich seine Schwierigkeiten und qu\u00e4lt sich durch das Buch, ohne etwas zu verstehen.<\/p>\n<p>Denn die Kritiken haben es schon angedeutet, es liest sich wie ein Sturmflug, eine Fahrt durch einen Teilchenbeschleuniger oder eine Hochschaubahn und dann ist es wieder erstaunlich konkret, fast banal konventionell, bevor es wieder an die Zeichen, Zahlen, durchgestrichenen S\u00e4tze \u00fcber, die die kritiker sich dann streiten, ob man das jetzt lesen soll oder nicht, etcetera, geht.<\/p>\n<p>Die Handlung springt vom Tausendsten zum Millionsten, wie das im World Wide Net eben so ist, k\u00f6nnte man so sagen, springt durch die Weltgerschichte, kommt von Moses zur Shoah und reist dann auch noch durch die ganze Welt, reist von Dubai, Palo Alto, Wien, Berlin, Frankfurt, London, Paris, etcetera \u00fcberall hin, hat sehr viel Unverst\u00e4ndliches und auch einige, mich sehr beeindruckt habende, konkrete Stellen.<\/p>\n<p>Ein Buc,h das man weder lesen noch bloggen kann, habe ich, in der letzten Woche, glaube ich, mehrmals geschrieben und das auch einigen Leuten erz\u00e4hlt, die ich auf<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/01\/23\/parallelgeschichten-symposium\/\"> literarischen Veranstaltungen<\/a> gegtroffen habe.<\/p>\n<p>Ich versuche es trotzdem, habe ich das ja auch bei <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/05\/zur-entstehung-des-uberbuchs\/\">Arno Schmidt<\/a> versucht und damit ist das Buch und sein Autor wahrscheinlich nicht zu vergleichen, auch nicht mit James Joyce und meiner Meinung nach \u00fcberhaupt nicht mit <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/08\/25\/exit-ghost\/\">Philip Roth <\/a>zu vergleichen, aber weil ich mit dem Lesen\u00a0 nicht weitergekommen bin, habe ich am Donnerstag einen F\u00fcllartikel \u00fcber <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/01\/25\/die-grossen-amerikaner\/\">die gro\u00dfen Amerikaner<\/a> und Amerikannerinnen geschrieben, die ich seit ich blogge, gelesen habe und da kommt Philip Roth, der ewige\u00a0 Nichtnobelpreistr\u00e4ger vor.<\/p>\n<p>Beeindruckend ist auch die Sprache, sie liest sich, wie das internet, haben die Kritiker geschrieben und sie ist neumodern und unverst\u00e4ndlich mit vielen Neusch\u00f6pfungen, vielen Sprachen, so wie der Digital Nerd und globalisiert Aufwachsende eben ist, der mal in Asien, mal in Dubai und mal nur in Wien ist und dort auf der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/05\/01\/erster-mai-und-hundertfunfzig-jahre-wiener-ringstrase\/\">Ringstra\u00dfe<\/a> spazieren geht, wo einmal die Stadtmauer stand, die laut Cohen errichtet wurde, um die T\u00fcrken abzuwehren und wo sich die ehemaligen W\u00fcrstelst\u00e4nde befinden, die zu Kkebabbuden wurden und die T\u00fcrken\u00a0 ihre B\u00f6reks, etcetera verkaufen.<\/p>\n<p>Vielleicht sollte ich, die mich beeindruckenden Stellen erw\u00e4hnen, das ist einmal die, wo Josuha Coben, der gescheiterte Schriftsteller, mit seinem Lektor Ron oder Aron, glaube ich, in ein Deli\u00a0 geht, wo man sich Beagles bestellt und die Getr\u00e4nke in Pappbecher bekommt. Sie haben, weil ja gerade den Ghostwritervertrag unterschrieben, eine Flasche Schampus mit, die sie dann heimlich, weil man das ja da nicht darf, in die Pappbecher gie\u00dfen. Dann kommt auf einmal die gepearcte Kellnerin herbei, der man laut Cohen, die Medikamente und Drogen ansieht, die sie nimmt. Sie hat\u00a0 zwei Pappbecher in der Hand, bedient sich am Schampus, um ihn dann gemeinsam mit der Schankkraft auszutrinken.<\/p>\n<p>Das hat mich beeindruckt, vieles andere war und ist mir, wie schon beschrieben, unverst\u00e4ndlich. Aber im <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/07\/23\/unverstaendlich-schreiben\/\">Netz<\/a> versteht man auch nicht alles und hat nicht die Zeit und auch nicht die M\u00f6glichkeit all das zu lesen. Vielleicht ist es das, was Jousha Cohen ausdr\u00fccken wollte.<\/p>\n<p>Das Buch ist am 23. J\u00e4nner erschienen, am 18. war in Berlin eine Preview mit dem Autor, der ja, glaube ich, derzeit in Berlin Gastprofessor ist. Ich h\u00e4tte mich dazu anmelden und hinfahren oder fliegen k\u00f6nnen, um jetzt vielleicht etwas mehr \u00fcber das Buch zu wissen. Aber ich bin ja nicht so global, wie sein Autor und seit der Jahrtausendwende nicht mehr geflogen, die neuen Sicherheitsmassnahmen halten mich davon ab. Mein letzter Flug war aber und das ist, glaube ich, interessant, 1998 und da waren wir vierzehnTage in New York. Sind dort herumspaziert, ich bin den\u00a0 Broadway entlanggelaufen, habe die ber\u00fchmten Zwillingst\u00fcrme besichtigt, wo es laut <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/09\/14\/wiener-literatur-schauplatze\/\">Anna Lindner<\/a> den besten Kaffee gegeben hat. Hinaufgefahren bin ich nicht und habe vielleicht dabei auch ber\u00fchmte Schriftsteller, wieJosuha Cohen, der aber damals warhscheinlich noch Student oder Sch\u00fcler war, getroffen oder auch nicht.<\/p>\n<p>Die beiden Cohens reisen aber viel herum, der Ghostwriter mu\u00df dabei, um seine Spuren zu verwischen, auch verschiedene P\u00e4sse ben\u00fctzen und verschiedene Fl\u00fcgen nehmen oder auslassen. Er ist von seiner Frau Ava getrennt, die er bevor er den Auftrag annimmt, ja, glaube ich, auch auf einer Bank im Central Park mit den Schauspieler Adam, ihrem sp\u00e4teren Lebensgef\u00e4hrten sitzen sieht, der ihm dann w\u00fctende E-Mails\u00a0 und Klagsandrohungen schickt, weil er meint, Josuha h\u00e4tte mit der Kreditkarte seiner Frau arabische Nutten bezahlt und ihnen Unterw\u00e4sche gekauft.<\/p>\n<p>Es gibt auch eine Beziehung zu einer Araberin namens Izi, dann noch einen Besuch auf der Frankfurter Buchmesse und \u00fcber das Lesen, beziehungsweise das Nichtlesen in Zeiten des Internets, wo die E-Books, die richtigen B\u00fccher, die man riechen und schmecken kann, wird auch viel geschrieben.<\/p>\n<p>In den schon erschienenen Rezensionen habe ich vergleiche zu dem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/12\/07\/der-circle\/\">&#8220;Circle&#8221;<\/a> gefunden, aber da geht es zwar um eine Internetfirma, ist aber viel, viel konventioneller erz\u00e4hlt und ich w\u00fcrde eher das im Vorjahr sehr gehypte <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/12\/09\/ich-hasse-dieses-internet\/\">&#8220;Ich hasse dieses Internet&#8221;<\/a> dazu empfehlen.<\/p>\n<p>Neugierig geworden? Einen Versuch hineintzulesen, ist das Buch sicher wert. Ich bin auch sehr gespannt, wie andere das Mammut- Monster- oder Jahrhundertwerk empfunden haben und, wie weit sie durch die siebenhundertf\u00fcnfzig Seiten gekommen sind?<\/p>\n<p>&#8220;Ein abenteuerliches Buch um Identit\u00e4tsverlust und die Macht der neuen Meden&#8221;, hat Christoph Schr\u00f6der vom Journal Frankfurt auch noch geschrieben und\u00a0 Felix Stephan von der &#8220;Literarischen Welt&#8221; meinte &#8220;Der gro\u00dfe Epochenroman der Zehnerjahre&#8221;, wie wahr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt habe ich wieder eine Woche f\u00fcr ein Buch gebraucht und mich m\u00fchsam von Seite zur Seite, noch dazu elektronisch, durch das neue Opus eines amerikanischen Wunderkindes gequ\u00e4lt. 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