{"id":58837,"date":"2018-01-29T00:18:49","date_gmt":"2018-01-28T23:18:49","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=58837"},"modified":"2018-01-29T00:18:49","modified_gmt":"2018-01-28T23:18:49","slug":"balkanfieber","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=58837","title":{"rendered":"Balkanfieber"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?s=mammons+fall\">&#8220;Mammons Fall&#8221;<\/a>, der 2011 erschienene Krimi, des 1957 geborenen Sozialp\u00e4dagogen und Bibliothekars Dietmar Gnedt war eines der ersten Rezensionsexemplare das ich f\u00fcr das &#8220;Literaturgefl\u00fcster&#8221;bekommen habe. Das ist lange her, den &#8220;Kehrwasserverlag&#8221;, gibt es, glaube ich, nicht mehr und jetzt habe ich\u00a0 von <a href=\"https:\/\/www.pustet.at\/Balkanfieber_29_p483.html\">&#8220;Anton Pustet&#8221;<\/a> eine Anfrage bekommen, ob ich das neue Buch von Dietmar Gnedt besprechen will, habe zugesagt und &#8221; Balkanfieber&#8221; lange f\u00fcr einen Krimi gehalten, bis ich daraufgekommen bin, da\u00df es wahrscheinlich mehr eine Liebeserkl\u00e4rung an das zerfallene Jugoslawien, Belgrad, Serbien oder eine Parabel \u00fcber die Schw\u00e4chen der Menschheit ist.<\/p>\n<p>So steht auch etwas von &#8220;Vergeben- vergelten- vergessen&#8221; am Buchr\u00fccken und das Buch ist jemanden in Beglgrad geeidmet, &#8220;dessen Lebensgeschichte aber so versteckt ist, da\u00df nur er sie finden kann.&#8221;<\/p>\n<p>Es gibt auch ein Nachwort, das die Liebeserkl\u00e4rung an den Balkan verst\u00e4rkt. <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/03\/05\/schlusstrich\/\">Ivan Ivanij<\/a> von dem ich einige B\u00fccher gelesen habe, wird erw\u00e4hnt und nat\u00fcrlich auch Peter Handke, der den Autor, wie er erkl\u00e4rt, ermutige, das Buch fertigzuschreiben.<\/p>\n<p>&#8220;Es gibt kein Volk, in dessen Geschichte nicht schreckliche Taten zu finden w\u00e4ren. Gerade wir \u00d6sterreicher und Deutsche haben unsere Schreckensgeschichten noch sehr nahe vor Augen. Vielleicht zu nahe um sie zu sehen? M\u00f6gen die Politiker aller V\u00f6ker\u00a0 vor der eigenen T\u00fcre kehren und nicht Steine auf andere T\u00fcren werfen.&#8221;, so endet das Nachwort und dann beginnt der Vers\u00f6hnungsroman mit einer Fahrt eines ehemaligen Politikers und Ex Botschafters Christoph Forstner von Wien nach Belgrad. Wei\u00dfe Haare hat er, glaube ich, seine H\u00e4nde zittern wahrscheinlich, denn er ist ein Alkoholiker und h\u00f6lt ein Moleskine in de rHhand aus dem er Briefe einer Maddalena liest und langsam, ganz langsam und bed\u00e4chtig kommen wir in die Gechichte hinein.<\/p>\n<p>Maddalena Todesco, die sch\u00f6ne Venezianerin,\u00a0 Tochter eines Schriftstellers und k\u00fcrzlich an Krebs verstorben, war die Liebe zweier M\u00e4nner, des \u00d6sterreichers Christoph Forsters und des Serbens Lazar \u00dcetrovic. Den Serben hat sie. glaube ich zuerst kennengelernt, auch auf einer Bahnfahrt nach Wien, die sie als junges M\u00e4dchen mit einer Freundin unternommen hat, sie hat ihn geliebt, aber er zu bed\u00e4chtig,\u00a0 hat lange gez\u00f6gert, ihre &lt;liebe anzunehmen, beziehungsweise hat er sich inzwischen mit einer Slavica verheiratet und von ihr eine Tochter bekommen, so\u00a0 da\u00df ihr nichts anderes \u00fcberblieb, als Christoph, den sie inzwischen auch kennengelernt hat, zu heiraten und von ihm zwei S\u00f6hne zu bekommen.<\/p>\n<p>Er wird, das Buch beginnt in den siebziger Jahren Sekret\u00e4r oder Adjudant des damaligen \u00f6sterreichischen Au\u00dfenministers und sp\u00e4terer Botschafter von Belgrad. Er h\u00e4tte auch der von Br\u00fcssel werden k\u00f6nnen, aber Maddalena entschied sich f\u00fcr das erstere. Dann bricht der Krieg\u00a0 aus und Christoph, zu sensibel f\u00fcr die Politik, zerbricht an der Wirklichkeit, die er vermitteln soll, f\u00e4ngt zu trinken kann, so da\u00df er nach Wien zur\u00fcckversetzt wird und die Ehe verbricht.<\/p>\n<p>Langsam, langsam und in vielen Schleifen erfahren wir die Geschichte. Denn wir sind inzwischen in den Zweitausendzehnerjahren, die handelnden Personen, die, wie im Buch auch steht, erfunden sind, sind \u00fcber sechzig. Maddalena, die die letzten Jhre in Italien gelegt hat, ist verstorben, aber vorher hat sie Endlosbriefe geschrieben, an Christoph und an Lazar, in dem sie beiden ihre Liebe erkl\u00e4rte und Christph hatte offenbar den Auftrag seinem Rivalen, den seinen zu \u00fcberbringen.<\/p>\n<p>Denn die beiden M\u00e4nner sind einander spinnefeind, jeder gibt dem anderen die Schuld, am Nichtzustandekommen oder Scheitern der Beziehung\u00a0 und Lazar hat Christoph schon einmal in Belgrad niedergestochen.<\/p>\n<p>Inzwischen ist Lazars, der auch sehr sch\u00f6n Akkaordeon spielt, Enkelsohn Milan an Leuk\u00e4mie erkrankt und nur viel Geld und eine teure Behandlung kann ihn retten, das serbische Gesundheitssystem nicht, so kommen Fantasien auf, Maddalena darum zu bietten, Lazar wei\u00df offenbar noch nichts von ihrem Tod, w\u00e4hrend Christoph den Racheplan sinnt, Lazar damit zu dem\u00fctigen, das er Milan sterben l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Dieser Teil ist etwas verworren, denn er, inzwischen Repr\u00e4sentant einer Hilfsorganisation ist, geht in das Krankenhaus und erz\u00e4hlt Milans Mutter, da\u00df das Kind in Wien gerettet werden k\u00f6nnte, wenn sie eine Scheinehe eingeht und w\u00e4hrend die noch \u00fcberlegt, wird Christoph von Lazar nochmals niedergestochen und liegt in der Intensivstation, w\u00e4hrend Lazar in das H\u00e4uschen seiner Mutter nach S\u00fcdserbien flieht.<\/p>\n<p>Sehr verworren die Parabel um Schuld und Vergebung und die Geschichte Jugoslawiens und seiner Sch\u00f6nheiten wird dabei auch noch erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Sehr verworren und verwirrend, die hochpolitische Parabel, einer der S\u00f6hne Maddalenas hat sich inzwischen auch noch der FP\u00d6 zugewandt und ist Assistent von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/05\/22\/zur-bundespraesidentenwahl\/\">Norbert Hofe<\/a>r geworden, der Name wird erw\u00e4hnt, der des ehemaligen Au\u00dfenministers und politischen Ziehvaters Christoph nicht, w\u00e4hrend der andere Sohn in New York lebt und ein schwuler Jazzmusiker ist.<\/p>\n<p>Und das Ende, bleibt wie immer offen oder kann je nach Lust und Laune auf die eine oder andere Seite ausgelegt werden. Der schwerverletzte Christoph hat das Krankenhaus verlassen und ist mit dem Taxis zu dem Hof von Lazars Gro\u00dfvater gefahren. Lazar legt, als er Christoph erscheinen sieht &#8220;den Finger auf den Abzug&#8221;, w\u00e4hrend in dem Brief von Maddalena &#8220;Meine Lieben! So will ich euch ansprechen. Ihr zwei seid die Lieben meines Lebens. Ich diktiere meinem Vater Luciano diese Worte, weil ich selbst nicht mehr zu schreiben vermag. Ich f\u00fcrchte, da\u00df ihr nicht zur Vers\u00f6hnung finden k\u00f6nnt. Das ist meine letzte verbliebene Sorge. Was man nicht mit Liebe betrachtet, hat man nicht erkannt! K\u00f6nnt ihr euch nicht erinnern?&#8221;, steht und am Buchr\u00fccken findet man noch die Worte &#8220;Das gro\u00dfe Thema des Romans lautet Vergebung &#8211; bleibt sie eine illusion, so wie der Traum von Vers\u00f6hnung zwischen den V\u00f6lkern auf den Balkan?&#8221;<\/p>\n<p>Wahrscheinlich ja, denkt die Realistin in mir und hat in den letzten zwei Tagen ein sehr interessantes Buch \u00fcber den Balkan, seine &#8220;Katastrophen, seiner Lebensfreunde und seiner Gastfreundschaft&#8221;, gelesen, das ich nur empfehlen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Mammons Fall&#8221;, der 2011 erschienene Krimi, des 1957 geborenen Sozialp\u00e4dagogen und Bibliothekars Dietmar Gnedt war eines der ersten Rezensionsexemplare das ich f\u00fcr das &#8220;Literaturgefl\u00fcster&#8221;bekommen habe. 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