{"id":58885,"date":"2018-02-02T00:52:43","date_gmt":"2018-02-01T23:52:43","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=58885"},"modified":"2018-02-02T00:52:43","modified_gmt":"2018-02-01T23:52:43","slug":"waehrend-der-weltmeisterschaft","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=58885","title":{"rendered":"W\u00e4hrend der Weltmeisterschaft"},"content":{"rendered":"<p>Nun kommt der neue Roman des 1964 in Esslingen geborenen Helmut Kraussers, den ich, glaube ich, einmal bei &#8220;Rund um die Burg&#8221; h\u00f6rte und von der Darstellung der Sexger\u00e4usche aus dem Hotelnebenzimmer sehr beeindruckt war.<\/p>\n<p>Eines seiner Tageb\u00fccher<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?s=juli+august+september\"> &#8220;Juli, August, September&#8221;<\/a> habe ich gelesen und &#8220;Die letzten sch\u00f6nen Tage&#8221; im Schrank gefunden.<\/p>\n<p>Jetzt ist eine Dystopie herausgekommen. Kopenhagen im Jahr 2028, wo die Welt wieder ein bi\u00dfchen diktatorischer geworden ist. Die \u00dcberwachungssysteme haben zugenommen, die<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/03\/22\/unterwerfung\/\"> Islamisierung<\/a> auch, genau das also, was im Augenblick wahrscheinlich sehr viele besch\u00e4ftig. Die Schriftsteller dr\u00fccken es aus und und das ist auch sehr interessant, vor allem wenn man sich <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/01\/28\/blogentwicklungen\/\">Wolfgang Tischers Bewertungskriterien f\u00fcr den &#8220;Blogbuster&#8221;<\/a> anschaut, ist es doch ein Genreroman oder eine Genere\u00fcbergreifung, denn ein Krimi ist es auch, wenn auch einer, der eigentlich sehr langweilig ist, wenn auch spannend geschrieben.<\/p>\n<p>Ein Widerspruch&gt;? Damit meine ich, flott hinuntergeschrieben, wie das die guten Schriftsteller eben routiniert beherrschen, denkt man dann \u00fcber die Geschehnisse nach, erscheinen sie eher banal und ein bi\u00dfchen unlogisch ist das Ganze wohl auch.<\/p>\n<p>Obwohl es einen durchaus rei\u00dferischen Inhalt hat. Geht es doch um die Austragung der &#8220;11 Weltmeisterschaft f\u00fcr Leistungssex&#8221;.<\/p>\n<p>&#8220;Wui!&#8221;, k\u00f6nnte man jetzt sagen und gleich auf die &#8220;Amazon&#8221; Bestellseite gehen. F\u00fcr die die sich das noch \u00fcberlegen, sei gesagt, so weit ist es damit dann auch nicht, denn der Sex, der in dem dystopen Kopenhagen, von s\u00e4mtlichen \u00dcberwwachungskameras gefilmt, ausgetragen wird, ist so genormt und geregelt, da\u00df er wahrscheinlich gar nicht mehr lustig ist. Aber eine gute Idee ist das allemal und die m\u00fc\u00dfte man erst haben.<\/p>\n<p>Der Klappentext verr\u00e4t es schon. Es geht um Sally und Leon. Das sind zwei der Leitstungssportler und Leon ist in Sally verliebt, aber, wir ahnen es schon, in einer Dystopie von 2028 darf man keine Gef\u00fchle mehr haben und dann kann man noch etwas von &#8220;besorgten B\u00fcrgern, Hakenkreuzlern, Islamisten und anderen extremen Gruppen&#8221; lesen, die vor dem Hotel stehen, in dem das Ganze stattfindet und dagegen demonstrieren,<\/p>\n<p>Das klingt auch spannend, so da\u00df man vielleicht deshalb zum Buch greifen k\u00f6nnte und so f\u00e4ngt es auch an.<\/p>\n<p>Leon beginnt sich n\u00e4mlich aus der Szene zu entfernen. Setzt eine Sonnenbrille auf, hat eine Per\u00fccke, mietet sich ein Auto und zieht sich damit, es ist Winter, in den Wald, in eine gemietete &lt;h\u00fcte zur\u00fcck, wo es Konserven und Brennholz gibt und man denkt &#8220;Aaha, er ist aus der Dystopie entflohen und jetzt f\u00e4ngt es an und er erz\u00e4hlt die Geschichte, wie das mit der Weltmeisterschaft war, die den vierten Weltkrieg oder etwas anderes ausl\u00f6ste, dem er gerade noch entkommen ist.<\/p>\n<p>Es ist aber und das kann man wahrscheinlich auch nachgoolgen, auch ein satirischer Roman. Das hei\u00dft Helmut Krausser nimmt seine Leser oder auch die Gesellschaft auf die Schaufel und beginnt die Regeln zu sprengen.<\/p>\n<p>Denn Leoon harrt in der H\u00fctte den Winter aus, erschie\u00dft zwischendurch noch einen Wolf und er ist, das k\u00f6nnte man vielleicht noch erw\u00e4hnen, ein sehr selbstbewu\u00dfter grobklotziger Kerl.<\/p>\n<p>So hagelt es zumindestens am Anfang von Phrasen, wie &#8220;Jetzt gehen Sie mal f\u00fcr zwanzig Minuten ins Zimmer mit der besten Akustik und h\u00f6ren sich den letzten Satz von Bruckners Neunter an. Die Fingerspitzen von Mensch und Gott ber\u00fchren sich. Michelangelo hat es gemalt. Bruckner hats komponieriert. Danach machen wir mit Alta weiter. Los, gehen, Sie, verpissen Sie sich!&#8221;<\/p>\n<p>Damit ist der Lleser gemeint, den er auch r\u00e4t mal nachzugooglen, wenn er etwas nicht versteht. Man sieht Leon ist sehr gebildet und zu seinen Lieblingsautoren, er liest in der H\u00fctte dicke B\u00fccher, geh\u00f6rt Dostojewski, den er fort an in Dosto und Jewski teilt und sie jeweils unterschiedliche Weisheiten zitieren l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Jeckyl und Hyde ist hier nicht weit entfernt und der Winter zieht sich vorm Fr\u00fchjahr zur\u00fcck.Leon verl\u00e4\u00dft sein Asyl, geht nach Berlin, glaube ich, er spielt im Team Berlin, zur\u00fcck, wo sich alles eben zur elften Weltmeisterschaft r\u00fcstet und man fragt sich &#8220;Hey was soll das, was hatte im Wald verloren, was soll dieser Trick?&#8221;<\/p>\n<p>Sally hei\u00dft eigentlich Sabrina Klein-Keller, nennt sich Sally Celler. Er nennt sie Sasha und darf ihr nicht sagen, da\u00df er sie liebt.<\/p>\n<p>Sie fahren dann mit der Mannschaft nach Kopenhagen, weil nur noch dort diese Weltmeisterschaften m\u00f6glich sind. Ziehen sich zuerst zum Trainin,g dann zum Austragen der K\u00e4mpfe in ein Hotel zur\u00fcck und das ist total \u00fcberwacht. Den Sportlern ist es auch verboten, das Hotel zu verlassen. Das hei\u00dft sie k\u00f6nnen es. Das wird aber gemeldet und sie bekommen einenR\u00fcffel von Helen der Trainerin.<\/p>\n<p>Sally bekommt nun einen Fanbrief von einem k\u00f6rperbehinderten namens Noel, das ist laut seiner Auskunft ein Kopenhagener und sie darf ihm eigentlich nicht antworten. Tut es aber doch und es beginnt sich ein reger platonischer Liebesverkehr zwischen den beiden zu entwickeln, der fast ein wenig, wie der aus Daniel Glattauers<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/02\/15\/gut-gegen-nordwind\/\"> &#8220;Gut gegen Nordwind&#8221; ist.<\/a><\/p>\n<p>Sally verspricht Noel, was ein Anagramm von Leon, ein kleiner Hinweis f\u00fcr die Aufl\u00f6sung, die man bei <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/customer-reviews\/R3N9TKI3FMPGTL\/ref=cm_cr_dp_d_rvw_ttl?ie=UTF8&amp;ASIN=3827012031\">&#8220;Amazon&#8221;<\/a> findet, ich aber nicht ganz nachvollziehen konnte, Freikarten, will sich mit ihm auch au\u00dferhalb des Hotels treffen und ben\u00fctzt Leon als Strohmann beziehungsweise Alibi dazu. Sie\u00a0 bekommt einen R\u00fcffel von Helen, allein der Weihnachtsmann kommt nicht, schreibt nur Mails, da\u00df er sich genieren w\u00fcrde, weil er nach Urin stinkt und zieht sich an einen einsamen Strand zur\u00fcck, wo er ihr aber weiterschreibt.<\/p>\n<p>Indessen beginnen die K\u00e4mpfe. Es beginnt auch eine Wahl der Sportfunktion\u00e4re und da gibt es einen Gegenkanditaten. Der wird tot in seinem Zimmer aufgefunden. Ein Selbstmord, weil er sich vorher l\u00e4cherlich machte? Ganz klar. Aber sein Handy ist verschwunden und das findet sich dann unter der Matrazze des Vereinspr\u00e4sidenten, worauf der verhaftet wird.<\/p>\n<p>Es gibt auch eine Erimttlerin, die die Spiele \u00fcberwachen soll, namens Carolyn Holm, man k\u00f6nnte sich eine <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/12\/01\/mr-holmes-krimi-adventkalender\/\">Anspielung<\/a> deuten, die ist mit einem arbeitslosen Tommy verheirat. Die Ehe ist schlecht, es gibt keinen Sex mehr, so da\u00df er seine arbeitslosen Tage, wenn er nicht f\u00fcr Carolyn kocht, vor dem Fenster verbringt und in die Wohnung gegen\u00fcber hineinsieht, in der eine sch\u00f6ne Muslima, die nie ohne Kopftuch aus dem Haus geht, sich ihre Zehenn\u00e4gel rot lackiert und ihn manchmal ein St\u00fcckchen ihrer Haut sehen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Gibt es in dem \u00dcberwachungsstaat keine Vorh\u00e4nge?, k\u00f6nnte man fragen oder liest weiter bis zum bitteren Ende, wo noch ein paar Leichen dazukommen, die ich jetzt aber nicht spolern will, noch ein bi\u00dfchen an den Unklarheiten knabbere.<\/p>\n<p>Aber vielleicht habe ich nicht alles verstanden und nun gespannt bin, ob ich vielleicht in Leipzig auf dem blauen Sofa, ich habe mich schon akkreditiert, mehr von Buch und Autor erfahre und wenn es auf die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/07\/09\/deutscher-buchpreis\/\">Longlist des dBps<\/a> kommt, h\u00e4tte ich im Herbst weniger zu lesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun kommt der neue Roman des 1964 in Esslingen geborenen Helmut Kraussers, den ich, glaube ich, einmal bei &#8220;Rund um die Burg&#8221; h\u00f6rte und von der Darstellung der Sexger\u00e4usche aus dem Hotelnebenzimmer sehr beeindruckt war. 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